Namibia

Land der Dürre

Schnipsel einer Radtour


Hello Africa

Ungefähr eine halbe Stunde ist nun seit Sonnenaufgang vergangen, doch die Sonne scheint bereits senkrecht am Himmel zu stehen und brennt mit voller Kraft herab. Die umliegenden Felsen krachen wegen der krassen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Der auf den Steigungen meiner Testetappe ins Khomas-Hochland schon jetzt in Strömen fließende Schweiß zeiht jede Menge Fliegen an, die in Nase, Ohren, Mund und Augen krabbeln wollen und an den Nerven zerren.      

Schon am Ende dieses Tages ist mir klar, daß ich die geplante Route nicht schaffen kann und ausweichen muß, weil ich nicht genügend Wasser transportieren kann.

Die Ausweichstrecke

Ich fahre von Windhoek aus zunächst nach Norden, um dann auf Teerstraßen durch die Namib-Wüste nach Westen an die Küste zu gelangen. Der Start erfolgt wieder frühmorgens, um die größte Hitze möglichst zu vermeiden. Die Straßenverhältnisse sind überraschend gut, die Strecke relativ eben und so erreiche ich bereits am Mittag Okahandja.

Dort suche ich mir eine Unterkunft und treffe zufällig Kelly (hier mit Gitarre), der in einer christlichen Organisation arbeitet und versucht, heimatlosen Straßenkindern ein Zuhause zu geben.

Alex (auf dem oberen Bild ganz rechts) ist einer von ihnen. Zusammen mit zwei Freunden (Michael auf dem Bild oben, Sam auf dem Bild rechts) zeigt er mir am Nachmittag den Ort und die Umgebung.

Für Alex ist es eine willkommene Gelegenheit, sich in Englisch zu üben, das er erst seit kurzem spricht. Auch Schreiben und Lesen kann er mit seinen 14 Jahren noch nicht, weil er bislang nie die Gelegenheit hatte, es zu lernen.

Er mußte sich schon immer um wichtigere Dinge kümmern - ums bloße Überleben.  

Durch die Wüste

Die Strecke zur Küste ist ziemlich anstrengend. Es ist extrem heiß und ein leichter Wind trocknet Nase und Augen aus. Am Abend sieht die Oberfläche der Augen aus wie die eines Golfballs. Bis Mittag komme ich gut voran, doch dann breche ich ein. Spätestens alle 500 Meter muß ich anhalten, um zu trinken. Mein Stundenschnitt sinkt von über 20 auf ca. 7-8 Kilometer und ich bin heilfroh und ziemlich fertig, als ich nach 150 Kilometern endlich den nächsten Ort erreiche.  

Mein Trinkwasserverbrauch lag auf derartigen Strecken übrigens zwischen 10 und 13,5 Litern täglich und ich mußte daher jeden Abend den nächsten Ort erreichen, um aufzutanken.      

Die Filmrolle

Als ich Swakopmund verlasse, pumpe ich an einer Tankstelle noch einmal die Reifen auf. Eine junge Frau kommt derweil aus einem vollbesetzten Kleinbus auf mich zu und fragt mich, ob ich nicht Lust hätte, als Statist in einem Film mitzuspielen. Einer der Leute ist kurzfristig ausgefallen und ich soll nun einen Schutztruppler der deutschen Kolonialzeit spielen. Der Kleinbus fährt nach dem Volltanken an den Drehort in der Wüste, aber mein Fahrrad paßt weder in noch auf den Wagen und für eine sichere Unterbringung für die Zeit kann auch nicht gesorgt werden. So muß ich schließlich das wohl einzige Filmangebot meines Lebens ausschlagen ...                   

Zur Welwitschia Plain

In der Namib-Wüste gibt es Pflanzen wie die berühmten 'Lebenden Steine', die endemisch sind, also sonst nirgendwo in der Welt vorkommen. Die kurioseste aller Pflanzen ist jedoch die Welwitschia mirabilis. Auch sie kommt nur in bestimmten Höhenlagen der Namib vor, die zugleich in einer bestimmten Entfernung zur Küste liegen. In einer lebensfeindlichen Umgebung mit Nachttemperaturen von deutlich unter 10° und Tagestemperaturen von um die 70° in Bodennähe übersteht die Welwitschia Trockenperioden von 25 Jahren ohne einen Tropfen Regen und kann schätzungsweise über 2.000 Jahre alt werden.

Ein Ziel meiner Reise ist es unter anderem, diese Pflanzen zu finden. Als ich die Straße verlasse, werde ich kurz von der zufällig vorbeikommenden Polizei 'kontrolliert'. Man fragt mich, wo ich hinwill und begutachtet nebenbei meine Wasservorräte.

Ein Abstecher zur sog. Welwitschia Plain, wo diese Pflanzen relativ häufig sind, führt mich dann auf eine der übelsten Pisten, die ich je gefahren bin. Drei Stunden Fahrt für die schlimmsten 17 ebenen Kilometer lassen die Pistenbeschaffenheit erahnen. Am Ende des Tages sind trotzdem wieder etwa 110 Kilometer zusammengekommen.     

  Auf diesem Foto stehe ich gerade vor einer dieser seltsamen Pflanzen.

 

Mit dem Fahrrad unterwegs

"Hey Mister, don't tell me lies", sind die ungehaltenen Worte von Sam, nachdem ich ihm auf seine Frage entgegne, daß ich mit dem Rad quer durch Namibia fahre und es nicht nur in der Stadt benutze. Erst nach einem Blick auf den Kilometerstand und die allerorts bewunderten breiten Profilreifen glaubt er mir, daß ich das Fahrrad wohl tatsächlich für längere Strecken verwende.

Mehrfach werde ich unterwegs gefragt, ob mich die Regierung dafür bezahlt, mit dem Fahrrad durch Namibia zu fahren oder ob es ein Wettkampf sei, an dem ich teilnähme.

Es nur mal so zum Spaß und auf eigene Kosten zu tun, klingt hier völlig absurd und verrückt, aber man tolleriert es. Viele bewundern dabei die Kilometerleistung, da sie kaum einmal selbst 20 km am Stück geradelt sind.   

Rehoboth

Rehoboth gehört zu den Orten, an denen gewöhnliche Touristen normalerweise eher achtlos vorbeifahren. Es ist auch nicht gerade eine ausgesprochen attraktive Ortschaft und nur die Tatsache, daß ich mit dem Rad unterwegs bin und die nächste Siedlung viel zu weit entfernt ist, lassen mich hier eine Unterkunft suchen. Als ich bei der Polizei nachfrage, fährt der Streifenwagen des Ortes extra vor mir her, um mir den Weg zu zeigen.

Als ich mich beim Fotografieren von irgendwas von zwei kleinen Kindern 'erwischen lasse', muß ich gleich einen Teil der Familie ablichten, der sich so auf die Schnelle aus dem näheren Umkreis zusammensammeln läßt.    

Wie in den meisten Orten lasse ich auch hier die Kamera oft genug lieber in der Tasche und selbst als Radfahrer werde ich hier mehrmals wegen Trinkwasser angebettelt.

Have you seen those lions?

Im Nationalpark Hardapdam, durch den ich fahre, weil dort noch Nashörner vorkommen, überholt mich ein Konvoi von vier Allradfahrzeugen. Das letzte davon hält an und der Fahrer fragt mich, ob alles in Ordnung ist und welche Tiere ich bislang gesehen habe. Nachdem ich ihm einige aufzähle, fragt er mich mit ernstem Blick und einer Kopfwendung nach hinten: "Have you seen those lions?", um mich zu erschrecken.

Da es in dieser Gegend normalerweise keine Löwen gibt, kann ich die Frage nach Sekundenbruchteilen des Zögerns mit einem Schmunzeln beantworten. Der Fahrer lacht nun auch und reicht mir eine eisgekühlte Dose Bier aus dem Bordkühlschrank. Selten hat ein Bier so gut geschmeckt wie dieses nach anstrengender Fahrt über Schotterpiste bei 40° im Schatten. Aber man muß ja nicht in den Schatten gehen ...           

 

falls Du von einer anderen Seite direkt hierher verlinkt wurdest ...

hier gehts zum Anfang der Namibia-Seite

hier gehts ganz an den Anfang