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Lac du Der
Nach einer langen Nacht erreichen wird im Morgengrauen den Lac du Der in Zentralfrankreich. 550 Kilometer liegen hinter uns. Die Strapazen der Anreise, die schlaflose Nacht, hängt noch schwer in unseren Gliedern, als wir die weite Wasserfläche vor uns erblicken. Mir ist dieser Anblick des größten Süßwassersee Europas aus vorangegangen Reisen schon vertraut. Klaus ist zum ersten Mal hier. Unsere innere Spannung und Vorfreude auf einen schönen Angeltörn und hoffentlich auf ein paar dicke Karpfen wächst. Doch bis dahin liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor uns.
Nur in der Nachtangelzone an der Kirche in Campaubert, einem der beliebtesten Angelplätze, und im Hafen von Nuisment sind Angelplätze frei. Da der Wind in Nuisment gut steht favorisierten wir diesen Platz. Hier fischen zwar auch einige englische Karpfenangler, aber sie sind freundlich und haben nichts dagegen, das wir uns in die Ecke der Bucht quetschen. Die Tommys sind o. k. Viel gefangen haben sie jedoch bisher nicht. In 14 Tagen nur sechs Fische. Doch jetzt schlägt das Wetter um. Bewölkung und Regenwetter zieht auf und der Wind drückt hohe Wellen in die Bucht. Ich kann nur jedem raten, den Einfluss der Windrichtung an diesem Gewässer nicht zu unterschätzen. Warum auch immer, die Fische ziehen hier mit der Windrichtung. Schnell haben wir uns am Wasser eingerichtet. Gegen Mittag steht das Zelt und die Ruten sind im Wasser. Vor der Nachtangelzone in Nuisment liegt in 300 bis 400 Meter Entfernung ein großes Plateau. Dort ragen noch einige Büsche aus dem Wasser. Der Platz wird von den Tommys befischt, obwohl es mittlerweile am See verboten ist, die Ruten weiter als 100 Meter herauszuschleppen. Futterbojen dürfen auch keine mehr gesetzt werden. Der Einsatz von Echoloten ist ebenfalls nicht erlaubt.
Ich fische in einiger Distanz in Richtung Plateau, während Klaus seine Köder in Ufernähe, gleich hinter der Krautkante, auslegt. Nach all den Anstrengungen und Strapazen gönnen wir uns anschließend ein kleines Mittagschläfchen. Gegen Nachmittag reißt uns der Bissanzeiger von Klaus aus unseren Karpfenträumen. Schnell geht es ins Schlauchboot und dem Fisch hinterher. Da Klaus auf kurze Distanz fischt sind wir schnell über dem Fisch, der sich im Kraut versteckt hat. Nach kurzer Aktion liegt der erste 20igpfünder auf der Abhackmatte. Ich betrachte den Fisch mit gemischten Gefühlen. Sollte Klaus im Uferbereich die kleineren Karpfen ansprechen, stand uns einiges bevor. In der darauffolgenden Nacht bestätigten sich meine Vorahnungen. Mehrere Fische holten uns aus dem Tiefschlaf. Schlaftrunken, die Glieder voller Blei, holten wir jeden Fisch mit dem Boot. Da der Wind immer stärker auffrischte wurden diese Aktionen immer schmerzhafter. Doch da mussten wir durch und Klaus wurde gegen Morgen mit dem ersten 30igpfünder belohnt.
So ging es in einem fort. Tagsüber vertrieben wir uns die Zeit mit einem gemütlichen Small Talk, statteten unseren englischen Nachbarn so manchen Besuch ab und fingen gegen Nachmittag und in der Nacht Fische. Dabei war Klaus der Glückliche und konnte neben den kleineren Fischen auch einige stattliche Exemplare bis 39 Pfund Gewicht landen. Immer mehr zeichnete sich ab, dass sich die Fische jetzt im Uferbereich aufhielten. Der starke Wind wühlte das Ufer auf. In dieser braunen Mocke suchten die Fische nach Futter. An Distanzangeln war bei diesem Sturm nicht mehr zu denken. Die Ausfahrt mit dem Boot weit aufs Wasser wurde immer gefährlicher. Unbeeindruckt davon pullten unsere englischen Nachbar unermüdlich zu ihrem Plateau. Die Zähigkeit und Ausdauer dieser Jungs war bewundernswert. Sie waren ein eingespieltes Team, in Allem äußerst diszipliniert und professionell. Belohnt wurde ihre harte Arbeit mit einem guten Fisch, der in einer stürmischen Nacht den Köder nahm.
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