von Beijing nach Guangzhou Juni '97
Nachmittags gegen 2.00 Uhr kommt mein Flieger
endlich in Beijing an. Der Zoll guckt nur kurz in meinen Paß und
läßt mich - Oh Erstaunen - sofort passieren. Wo bin ich denn
hier, überall sonst mußte ich bisher mindestens eine Stunde
warten und hier geht's einfach so. Am Ausgang nerven einen allerdings sofort
die Taxifahrer. Ich bin mir sicher, daß ich zuviel bezahle als ich
am Tiantan Hotel ankomme, aber ich brauche erstmal eine Dusche und was
zu essen. Also leiste ich mir für die erste Nacht in China etwas Luxus.
Am Abend mache ich mich auf ins Zentrum und versuche die Jugendherberge
zu finden, die einzigste in ganz China. Allerdings wissen selbst die Taxifahrer
nicht wo! Der schaut kurz auf die Karte vom Hotel und sagt JA. Tolles Ja!
Er fährt kreuz und quer durch die Stadt und quasselt mir die Ohren
voll. Ich grinse wie ein Schneekönig zurück und hoffe, das er
die Klappe hält. Irgendwann hält er an und muß sich selbst
erstmal durchfragen. Nach einer ziemlich langen Stadtrundfahrt kommen wir
doch noch an. In der Jugendherberge (eigentlich ein 2 ** Hotel) sind noch
Zimmer frei. Ich schreibe mich für 3 weitere Nächte ein und beschließe
mir ein Restaurant zu suchen. Nach dem sehr scharfen koreanischen Essen
kommt mir das chinesische Essen jetzt allerdings sehr fade vor. Der heutige
Taxifahrer hat auch wieder keine Ahnung wie man zur JH kommt, also muß
ich ihn erstmal dahin lotsen wo ich hinwill. Zum Glück bin ich nicht
weit vom Tiananmen Platz entfernt und muß mich jetzt langsam auf
den Weg machen wenn ich heute noch was sehen will. Da ist sie endlich:
>Die Verbotene Stadt<. Ich durchquere den großen Torbogen unter
dem Bild des Chairmans Mao Zedong und folge einfach den Touristenströmen
zum Eingang. Ein Engländer mit 'ner riesigen Brille und massenhaft
Sommersprossen empfiehlt mir die Guided Tour von Roger Moore gesprochen.
Nutzt mir allerdings wenig da die deutsche Version nicht von Ex-James Bond
gesprochen wird. Aber trotz allem ist die Tour sehr interessant und mit
vielen Anekdoten sehr amüsant. Die gigantische Anlage beeindruckt
nicht nur mit ihren Ausmaßen sondern auch mit kunstvollen Bauwerken
und Gärten. Zurück am Tiananmen gings geradewegs Richtung Süden
zum Tempel des Himmels. Den Tempel, eingebettet in einen riesigen Park,
zu finden ist nicht ganz einfach. Als ich endlich da bin, legt sich die
Abenddämmerung über den Park und taucht den Tempel in ein goldenes
Licht. Die Dame an der Rezeption erklärte
mir, ich solle den Bus oder ein Taxi zum Bahnhof nehmen und dort um 8.00
Uhr einen der Ausflugsbusse nach Badaling zur Großen Mauer nehmen.
Da ich mich beeilen muß, ruf ich mir ein Taxi die hier wirklich in
Massen rumfahren. Bei der Raserei durch die Straßen Beijings immer
durch die Radfahrer hindurch von viel Huperei begleitet wird mir himmelangst
und bange. Dort angekommen seh ich einige Busse. Aber außer einem
Lächeln bekomme ich keine Antwort auf meine Fragen. Hier treffe ich
ich aber auf 2 deutsche Touristen aus Berlin und gemeinsam finden wir doch
noch den richtigen Bus und sind einige Stunden später in Badaling
an der Großen Mauer. Fotos können diesen fantastischen Anblick
kaum wiedergeben, wie sich die Mauer über Bergrücken windet und
am Horizont verschwindet. Die 6000 km kann man sich wohl auch nur vom All
aus plastisch vorstellen. Auf der Rückfahrt kommen wir noch an den
Ming-Gräbern vorbei, einer unterirdischen Grabanlage aus der Ming-Dynastie.
Heute will ich mal die Trolleybusse in Beijing
ausprobieren und entschließe mich mit dem Bus zum Sommerpalast zu
fahren. Nach 2 1/2 Stunden und mehrmaligem Umsteigen (manchmal auch in
den falschen Bus) komme ich am Sommerpalast an. Dafür hat mich der
ganze Spaß auch nur 2 Yuan gekostet (ca 0,40 DM). Der große
künstlich angelegte See und das Marmorboot sind den meisten wahrscheinlich
aus Bertoluccis Epos "Der letzte Kaiser" bekannt, der überdachte Wandelgang
und die Insel mit kleinen Tempeln sind genauso sehenswert. Irgendwann wollten
allerdings meine Füße nicht mehr und ich entschloß mich
zurückzufahren - wieder 2 1/2 Stunden Busfahrt. Zum Dinner bin
ich mit zwei deutschen Studenten verabredet die in Beijing Chinesisch studieren.
Von ihnen bekomme ich gute Tips für Xian.
Nach 20 Stunden Zugfahrt komme ich um 6.00
Uhr morgens in Xian an. Im Studentenhotel der North-West-University bekomme
ich ein Zimmer und ein Frühstück. Am Busbahnhof (2 Stunden später)
begegne ich zwei netten Mädels aus Frankreich, die genau wie ich zur
Terrakotta Armee wollen. Die Kleinbusse verlangen trotz Verhandlung zuviel,
so das wir uns für den Linienbus entscheiden.
Tausende von Tonkriegern in Reih und Glied
faszinieren selbst heute noch. Vor 2000 Jahren muß es mit all der
Bemalung und Bewaffnung von der nicht mehr viel übrig ist noch fantastischer
und gigantischer ausgesehen haben als heute. Die Gruppe wird immer größer,
durch einige Amerikaner welche sich uns angeschlossen haben. In einem kleinen
Museum in Banpo ist die Rekonstruktion einer neolithischen Siedlung zu
sehen. Bei dem Bus zur Rückfahrt beweisen die Mädels ein einzigartiges
Verhandlungsgeschick und Hartnäckigkeit. Zurück in Xian trennen
sich allerdings unsere Wege.
PS: Soviel Fahrräder wie in Beijing
oder Xian hab' ich nie wieder gesehen.
30 Stunden Zugfahrt am Stück sind eindeutig
zuviel. Ich bin froh in Chongquing den Zug verlassen zu können. Am
Bahnhof treffe ich auf eine Gruppe Amerikaner aus dem gleichen Zug. Freddy,
Darrell und Myfanwy wollen eine Kreuzfahrt auf dem Yangtse-River unternehmen
und so schließe ich mich den dreien an. Am Schiff begegnen wir noch
Ulla aus Finnland, Bob einem Chinesen und seinem Freund einem Münchner
Globetrotter. Diese Gruppe blieb während der Fahrt duch die drei Schluchten,
einer grandiosen Flußlandschaft die leider in einigen Jahren vom
geplanten Stausee überflutet wird, für 3 Tage bestehen.
Das Essen auf dem Schiff sah manchmal etwas
merkwürdig aus, so daß ich mich wie die anderen mit abgepacktem
Essen oder an Land verpflegte. Am 2. Tag der Fahrt stand ein Ausflug in
eines der Seitentäler des Yangtse auf dem Plan. Das kleine Boot hatte
mit der Strömung und dem niedrigen Wasserstand zu kämpfen. Die
sich im türkisfarbenen Wasser widerspiegelnden Berge entschädigten
für alles. Als wir mit Verspätung zurückkamen hofften wir
nur noch unser Schiff wiederzufinden. Die 3 verlassen das Schiff in Yichang
um nach Guilin weiterzukommen während ich in Yueyang den nächsten
Zug nach Hong Kong nehme.
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