von Tokio nach Kyoto und Hiroshima Mai/Juni '97
Alles begann damit, das ich 'ne Freundin
in Korea besuchen wollte. Sie erzählte mir, das es in Korea nicht
allzuviel zu sehen gäbe und ich mir doch auch Japan ansehen könne.
Da zu diesem Zeitpunkt auch die Übergabe von Hongkong bevorstand,
reifte der Entschluß - Rundreise durch Asien. Aber wohin ? Ich besorgte
mir also alles mögliche Material über China, Japan und Korea,
sah mich nach günstigen Flügen um und versuchte einen meiner
Freunde zum Mitkommen zu bewegen. Letzteres war aber ergebnislos. Irgendwann
stand jedenfalls eine grobe Reiseroute fest. Aber erstens kommt es anders
und zweitens als man denkt. Aber davon später mehr. Am 30 Mai war's
dann endlich soweit. Abflug nach Tokyo. 31.Mai 14.00 Uhr. Nach einem Zwischenstopp
in Hongkong bin ich endlich da. 2 Stunden stehe ich zwar noch im Zoll und
Visabereich, verlasse dann aber Narita Richtung Tokyo. Ausgerechnet heute
ist die Jugendherberge in Tokyo mit einer Reisegruppe voll belegt. Egal.
Such' ich mir halt ein kleines Hotel. Nach ein paar Anrufen check ich mich
in einem kleinen Ryokan im Nordwesten Tokyos ein. Richtig schön japanisch
eingerichtet und nicht viel teurer als die Jugendherberge. Am nächsten
Morgen mache ich mich auf um Tokyo zu erkunden. Die Tatami-Matten sind
erstaunlich bequem und ich frage mich warum ich eigentlich ein Bett zuhause
habe. An der U-Bahn Station komme ich mir zuerst wie ein Analphabet vor,
aber irgendwie finde ich doch noch die richtige Bahn zum Zentrum. Vom Kaiserpalast
ist nur der Park zugänglich, der aber verblüfft durch seine Größe
und die vielen blühenden Chrysanthemen. Interessanter aber ist der
Meji Shrine. Eine riesige Anlage mit einem wunderschönem Shrine. Auf
dem Rückweg kam ich an einem Bogenschießen Contest vorbei. Die
Japaner haben daraus ein faszinierendes Ritual gemacht. Allerdings bleibt
die Frage was wichtiger ist : Das Ritual oder das Ziel zu treffen. Am nächsten
Tag gings nach Shinjuko - dem Shopping-Center Tokyos. Soviele Menschen
auf einem Fleck habe ich noch nie erlebt, nichtmal auf dem Khan-el-Khalili
Bazar in Cairo. Man wird förmlich mitgerissen von den Menschenmassen,
und das Sonntags. (In Deutschland undenkbar) Ich will raus aus Tokyo, raus
aus der Großstadt. Nur eine Stunde entfernt ist der Hakone-Izu Nationalpark
ein vielversprechendes Ziel. Also nichts wie hin. Mit dem Vorortzug, der
eher an eine S-Bahn erinnert fahre ich nach Kawaguchi-ko. Am Lake Ashi
zu Füßen des Mt. Fuji-san lerne ich Japan von seiner anderen
Seite kennen. Hohe Berge, heiße Quellen und kühle Seen laden
zum Ausspannen ein. In der Jugendherberge in Hakone genieße ich ein
Bad in einer der Thermalquellen und lasse den Jetlag Jetlag sein. Nach
einer großen Portion Sushi und irgend etwas anderem neigt sich der
Tag seinem Ende zu. Anfangs stelle ich mich mit den Eßstäbchen
noch etwas an, aber irgendwann muß ich's ja schließlich lernen.
3 Tage in Hakone reichen. Ich will mehr von Japan sehen. Mit dem Shinkansen
nach Kyoto, der Stadt der 2000 Tempel und Shrine. In Kyoto-Utano lerne
ich Chris kennen. Er ist auch gerade angekommen und wir erkunden gemeinsam
Kyoto. Am Abend bringe ich ihm erstmal Dame bei und Yasko, eine der Mitarbeiterinnen
in der JH, ist auch am Spiel interessiert. (Falls sie da liest: Sie
schuldet mir noch eine Partie Dame. Versprochen ist versprochen!) Am
nächsten Morgen machen Chris und ich uns auf den Weg zu einem Treffpunkt
am Bahnhof. Dort wartet ein Fremdenführer auf uns. Auf der Tour durch
viele kleine Nebenstraßen sieht man mehr als erwartet (z.B. das ehemalige
Nintendo Headquarter). In einer Porzellanmalerei und anderen Handwerksbetrieben
bekommt man einen Einblick in einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Kyotos.
Dagegen war der Kaiserpalast richtig langweilig. Insgesamt hat Kyoto ein
interessanteres Flair als Tokyo und muß während der Kirschblüte
fantastisch aussehen. Auf meinem Weg durch Japan durfte Hiroshima nicht
fehlen. Von der Stadt blieb 1945 nach der Atombombe nichts übrig.
Das Museum vermittelt einen fühlbaren Eindruck davon und hinterläßt
einen flaues Gefühl im Bauch. Der Flötenspieler vor der Himmelspagode
gibt der Stimmung mit seinen melancholischen Melodien den richtigen Touch.
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