von Pusan nach Seoul und Kungido Juni '97
Von Shimonoseki nahm ich am Abend die Fähre
nach Pusan. Die Fähre war schon etwas älter, sah aber recht sicher
aus. Auf der Fähre waren auch 3 Amerikaner mit denen ich recht schnell
ins Gespräch kam. John, einer der 3 lebt in Seoul und bot mir an,
mich nach Seoul zu bringen. Nachdem wir einige Stunden vor dem Hafen geankert
hatten, legten wir am nächsten Morgen in Pusan an. Es war neblig und
regenverhangen und so nahmen wir den nächsten Zug nach Seoul. Kaum
dort angekommen, setzte mich John in die U-Bahn (Olympic Park) zur Jugendherberge.
Dort angekommen stellte ich fest, daß die Karte im Reiseführer
nicht allzuviel taugte. Aber wie von Gott gesandt traf ich auf eine Gruppe
von Missionaren. Die Jungs brachten mich zur Jugendherberge welche sich
in einem 5-Sterne Hotel befindet. Nachdem
ich mich frisch gemacht hatte rief ich Jung-Hye (meine Freundin) an. Wie
ich schon in Japan festgestellt hatte, war sie nicht einfach zu erreichen.
Diesmal klappte aber alles auf Anhieb und so verabredeten wir uns zum Abendessen.
Sie war noch schöner geworden seit wir
uns in Italien kennengelernt hatten. Beim Abendessen (es gab Naengmyò
Nudeln in kalter scharfer Brühe) machten wir Pläne für die
nächsten Tage, ich hab allerdings nur halb zugehört, so das sie
mich immer wieder überraschte. Am nächsten Morgen zog ich aus
dem Hotel aus und bei ihr ein. So lernte
ich also erstmal die gesamte Familie kennen und machte mich mit der näheren
Umgebung bekannt um auch wieder zum Haus zurückzufinden, bei all den
verwinkelten Straßen gar nicht so einfach. Tags drauf begann das
Sightseeing. Der Kyòngbokkung-Palast unterscheidet
sich architektonisch nur in Details von der chinesischen oder japanischen
Baukunst. Aber gerade diese Details machen sie einzigartig. Die Tiger haben
im Gegensatz zu ihren grimmigen chinesischen Kollegen immer ein leichtes
Grinsen im Gesicht. Das sei der koreanische Humor wurde mir später
erzählt. Von dort kamen wir zum Ch'anggyònggung
Palast und Piwon dem geheimen Garten. Gegen Mittag suchten
wir uns ein kleines Restaurant im Künstlerviertel Seouls. Kimchi
eine koreanische Spezialität wird überall zum Hauptgericht gereicht
ist aber höllisch scharf. In Insa-dong gibt es zahlreiche
Galerien, Antiquariate und Antiqutätengeschäfte. Es ist 'ne Art
Straßenmuseum für koreanische Kunst und Folklore. Erschöpft
von so viel Kultur ruhen wir uns im T'apkol Park aus und sehen
den alten Männern beim Schachspiel zu. Das chinesische Schach ist
etwas anders als das bekannte Schach. Vielleicht erklärt mir ja mal
jemand die Regeln. In Inch'on an der Westküste Koreas gelegen setzen wir mit einer Fähre auf
eine vorgelagerte Insel über und erholen uns am Strand. Am
nächsten Tag gehen wir zum Schaufensterbummel in die Stadt, ich sehe
mir die Soongsil Uni. an und überrede Jung-Hye zu einem Besuch bei
KBS (Korean Broadcasting System) wo sie seit einiger
Zeit arbeitet. Ihr Chef Mr. Lee erklärt sich bereit uns einen Einblick
in die Studios zu gestatten und so mache ich die Bekanntschaft mit Regisseuren,
einem TV Produzenten und zwei Grazien, die sehr bekannte Schauspielerinnen
in Korea sind. Insgesamt war der Besuch bei KBS sehr aufschlußreich.
Am Abend frage ich Jung-Hye ob man die DMZ (Demilitarized
Zone) überhaupt betreten darf. Da ihr Vater Master-Seargent
in der Army ist und in Kungido in der DMZ stationiert ist genügt ein
Anruf um alles zu klären. 'Ne viertel Stunde später ist klar
- ich darf. Am nächsten Morgen steige ich in einen Zug der mich nach
Kungido bringt, wo mich ihr Vater erwartet. Nach einem ausgiebigen Mahl,
bei dem ich auch meinen Dolmetscher kennenlerne geht's los. Die Reisfelder
und Berge ziehen vorbei und einige Straßenkontrollen später
erreichen wir die DMZ. Am White Horse Hill befindet sich eine
Gedenkstätte und Aussichtsplattform über die DMZ. Das Ganze erinnert
an die Mauer in Deutschland. Am Abend fahre ich mit der ganzen Familie
zurück nach Seoul. Der Sonnenuntergang bietet heute ein besonderes
Schauspiel. Eine glutrote Feuerkugel die sich in den Reisfeldern widerspiegelt.
Zum Abendessen gibt es Pulgogi, eine weitere Spezialität. Nicht
ganz so scharf und daher auch für Europäer geeignet, obwohl man
sich irgendwann an die Schärfe des Essens gewöhnt.Am
nächsten Tag gehe ich in It'eawon bummeln, dem Shoppingviertel
für Angehörige der US-Streitkräfte in Korea. Man kommt sich
auch eher wie in Amerika denn Korea vor. Abends tobt das Leben am Hang-Gang
River und vom Seoul-Tower hat man einen fantastischen Ausblick auf die
Stadt. Die nächsten Tage verliefen so ähnlich und irgendwann
kommt der letzte Tag. Ich würde gern länger bleiben, bin aber
mittlerweile eine Woche im Verzug, weil mir Japan und Korea zu gut gefallen
haben. Ich muß in den nächsten 3 Wochen Hong Kong erreichen
und weiß nicht wie gut ich in China vorankomme. Ich nehme also einen
Flug nach Beijing. Der Abschied fällt schwer - aber sie fliegt ja
auch bald nach Kanada um zu studieren.
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