Weil die
Blut-Hirn-Schranke, die eigentlich das Zentralnervensystems (ZNS) vor
Schädigungen schützt, bei
der Multiplen Sklerose
grundsätzlich wegen ihrer Durchlässigkeit eine entscheidende Rolle
spielt, hat uns sehr
interessiert, was
eigentlich die sogenannte Blut-Hirn-Schranke ist und wodurch sie
durchlässig wird.
Das Gefäßsystem
versorgt und entsorgt das Gewebe und endet dabei in feinste Kapillaren, den
sogenannten
Arteriolen und Venolen.
Dabei besteht die Wand der Blutgefäße aus einer Schicht von
Endothelzellen, die an
ihren Fugen für
verschiedenste Substanzen durchlässig ist.
Auch das
Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) wird von einem umfangreichen
Gefäßsystem versorgt.
Hier bestehen aber
die Gefäßwände der Kapillaren aus einer spezialisierten
Endothelschicht, die keine offenen
Fugen
hat.
Die Stellen, wo diese
kleinsten Kapillaren im Nervengewebe enden bzw. wieder entspringen, ist die
Schranke
vom Blut zum Hirn,
also die Blut-Hirn-Schranke.
.
Querschnitt durch das Rückenmark |
Blut-Hirn-Schranke |
Die
Gefäßwände dieser Arteriolen und Venolen, mit ihrer besonderen
Struktur der Endothelzellen, sind absolut
dicht, und können
nur mittels der sogenannten Diffusion überwunden werden. Das heißt,
es können nur solche
Substanzen die
Gefäßwand überwinden, die einen speziellen Transportmechanismen
besitzen. Dadurch ist das
ZNS vor Schädigungen
geschützt.
Das bedeutet aber auch,
daß eine Entzündung im ZNS nur entstehen kann, wenn die
Blut-Hirn-Schranke
durchlässig wird,
in dem auch Blutzellen und Blutmoleküle die keine Transportmechanismen
besitzen, also ohne
Diffusion, sie
überwinden können. Das bedingt aber einer
Gefäßpermeabilität (Durchlässigkeit), wie sie bei
einer
Entzündung vorhanden
ist.
Diese Entzündung
spielt sich aber zuerst "vor" der Blut-Hirn-Schranke ab, in den Venolen.
Dadurch wird die
Gefäßwand
durchlässig, es können flüssige Substrate und Blutzellen
(Entzündungszellen) in das Nervengewebe
eindringen. Es bilden
sich die bekannten tintenklecksartigen Entzündungsherde und damit beginnt
der Angriff
auf das Myelin. Das
erklärt auch, warum sich die Entzündungs- und Entmarkungsherde
immer in der Umgebung
der Venolen befinden,
was man auch als perivenöse Anordnung bezeichnet.
Egal was für ein
Verlauf, oder auch in welche der 4 Kategorien die MS einzuordnen ist, es
spielt sich immer
ein Entzündung
an der B-H-S ab, und nur durch ihre Durchlässigkeit ist eine
Schädigung des ZNS möglich.
Die Auswirkungen werden
aber erst bemerkt, wenn die Entzündung das Nervengewebe erreicht hat,
obwohl
sie schon viel eher
begann, nämlich in den Venolen "vor" der B-H-S.
Bei schubförmigen
Verläufen endet diese Entzündung aus bisher nicht bekannten
Gründen und es kann je
nach Verlauf zu mehr
oder weniger intensiven Remissionen kommen. Im allgemeinen setzt man aber
Cortison
als hochdosierte
Puls-Therapie ein, um die Entzündung rechtzeitig zu beeinflussen, was
auch eine Schließung
der B-H-S bedeutet
und im MRT nachweisbar ist. Dabei kann es je nach Intensität der
Entzündung notwendig
sein, die Therapie
zu wiederholen.
Irgendwann (weil zeitlich
nicht festlegbar) geht ein Teil (die Angaben schwanken, von 40% bis zur
Mehrzahl)
der schubförmigen
Verläufe in sekundär chronisch progrediente Verläufe über.
Das bedeutet aber auch, daß
die
Entzündungsvorgänge immer permanenter werden und eine Cortison
Puls-Therapie kann oft nur kurzfristig
die B-H-S schließen.
Danach gewinnt je nach Aktivität die Entzündung wieder die
Oberhand.
Mit sogenannten
immunmodulatorischen Medikamenten wie Betaferon, Avonex, Rebif und Copolymer
versucht
man bei schubförmigen
Verläufen die Entzündungshäufigkeit und -stärke zu
beeinflussen, was teilweise auch
gelingt. Die Studien
sprechen durchschnittlich von einer Reduzierung von 33%. Das heißt
aber auch, das
statistisch 2/3 der
Schübe weiterhin stattfinden, deren Voraussetzung jeweils eine
Entzündung an der B-H-S
ist.
Bei den sekundär
chronisch progredienten Verläufen setzt man auf Immunsuppressiva wie
Mitoxantron, um
zu erreichen, daß
ein heruntergefahrenes Immunsystem den eigenen Körper nicht mehr
angreift.
Alle MS Medikamente
sollen verhindern, daß das eigene Immunsystem das ZNS angreift. Da
aber alle Studien
zu den Medikamenten
nur von einer Verzögerung sprechen, heißt das auch, daß
immer wieder die B-H-S
durch Entzündungen
durchlässig ist. Die Behandlung mit Cortison ist dann nur die Reaktion
auf eine schon
erfolgte
Entzündung.
Daraus ergibt sich
die logisch Überlegung, würde es gelingen die B-H-S intakt zu halten,
also zu verhindern,
daß sie durch
eine Entzündung durchlässig wird, könnten keine
Entzündungszellen ins ZNS gelangen und es
wäre ein Fortschreiten
der MS nicht mehr möglich.
Diesen Überlegungen
folgte Dr. Uwe Fratzer, als er nach einem Weg suchte um seiner an MS
erkrankten
Nichte zu helfen. Aus
diesen Erfahrungen entstand dann die Fratzer Therapie, die schon sehr viele
davor
bewahrt hat, daß
ihre MS weiter voranschreitet.
erstellt am 03.10.2000