Zur Geschichte der Solinger Kinos

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Übersicht
Kinos in
Solingen



Es gab in Solingen im Laufe der Zeit bisher rund 40 Kinos. Eines der ersten Solinger Kinos soll sich am Zentral im Eckgebäude Focher- / Schlagbaumer Str. befunden haben. Dieses war jedenfalls Anfang der 30er Jahre nicht mehr in Betrieb. Dort befindet sich heute
ein Ladengeschäft.

Ein weiteres frühes Kino befand sich in Ohligs auf der Düsseldorfer Str. gegenüber des Kaufhauses von Paul Steeg (später Heka, dann Altmann). Dieses überlebte die Umstellung auf den Tonfilm nicht. Heute befindet sich dort ebenfalls ein Ladengeschäft.

Recht kurzlebig war auch eines der ersten Ohligser Lichtspielhäuser, wahrscheinlich das erste Ohligser Lichtspielhaus überhaupt, an der Ecke der jetzigen Lennestraße auf einer Kegelbahn. Es wurde schon 1906 eröffnet und hatte 150 Plätze.

Ebenfalls die Umstellung auf Ton nicht überlebt hat die Kinoeinrichtung in der heute noch existenten Ohligser FESTHALLE (Dort stand eine Ernemann 1 - Maschine).

Das während der Stummfilmzeit führende Ohligser Lichtspielhaus aber befand sich gegenüber dem Bahnhof im Lokal PÜTZENBACHER (Bahnstr. 12), etwa dort, wo jetzt das Gebäude steht, welches lange Zeit die Deutsche Bank beherbergt hatte. Es nannte sich zeitweilig WELT-KINEMATOGRAPH und bestand bereits mindestens seit 1910. Es wies sage und schreibe 500 Plätze auf! Zur Musikuntermalung verwendete man dort ein elektrisches Klavier bzw. ein Orchestrion. Das Lokal brannte jedoch eines Tages ab, weil der damals noch verwendete Zelluloidfilm Feuer gefangen hatte.

Ein weiteres, wenig bekanntes Ohligser Kino war das U. T. Diese Abkürzung steht vermutlich für "Union-Theater".

Außerdem gab es zur Stummfilmzeit noch das KRONEN-THEATER im ersten Stock des einstigen Kaufhauses Müller (gegenüber dem Bahnhof, Ecke Bahnstr. / Düsseldorfer Str.).

Zudem gab es in Ohligs noch das MODERNE THEATER. Hier konnte man 1925 z. B. "Die freudlose Gasse" sehen.

[Rheingold-Lichtspiele]

Das RHEINGOLD in der Wilhelmstraße war mindestens seit Beginn der 30er Jahre in Betrieb und schloss etwa gegen Ende der 60er Jahre. Betreiber waren Max Jahn, später Hugo Jahn, danach die Herren Happach (aus Kassel) und Koch (aus Bottrop). Das Gebäude musste dann dem Busbahnhof weichen.

[Eintrittskarte Central]

Am längsten existiert hat in Ohligs wohl das CENTRAL, dieses war nachweislich bereits während der Stummfilmzeit in Betrieb und schloss erst ca. 1982 seine Pforten (heute befindet sich dort der REWE - SB-Markt). Es wurde zum Schluss von Friedrich Gerber betrieben.

[Eintrittskarte Scala]

Das zuletzt (um 1986) geschlossene Ohligser Kino war bekanntlich das SCALA am Markt (Aachener Str.), ebenfalls betrieben durch Herrn Gerber (übernommen von Herrn Schneider), der dieses noch ca. 1982 umgebaut und mit einer zweiten Leinwand versehen hatte. Obwohl es bis zuletzt Gewinn machte, war die Schließung unvermeidlich, da die Miete drastisch erhöht werden sollte. Dort wurde ein SB-Markt eingerichtet. Später befand sich dort eine Videothek, dann stand es lange Zeit leer und beherbergt heute einen Schnäppchenmarkt.

Des weiteren gab es gegenüber des CENTRAL in der Düsseldorfer Str. das MONOPOL (Betreiber: Herr Klein), das dann später in METROPOL (Betreiber: Herr Evertz) umbenannt wurde. Es wurde bereits 1912 eröffnet, allerdings unter dem Namen VICTORIA-Lichtspiele. Dieses Lichtspielhaus war dann später dadurch bekannt geworden, dass dort zum ersten Mal im Kreis Solingen Tonfilmvorführungen statt fanden. Dieses schloss wohl Ende der 50er/ Anfang der 60er Jahre. Dort befand sich dann lange ein Drogerie-Markt, heute ein Bekleidungsgeschäft. Der Eingangsbereich läßt mit etwas Phantasie noch den früheren Kinoeingang erkennen. Auch die Stuckverzierungen des Gebäudes sind beachtenswert und deuten noch heute auf den einstigen Verwendungszweck hin.

[Eintrittskarte Bali] Schließlich muss in Ohligs noch das aus dem früheren Victoria-Saal, Kleine Kamper Str., entstandene MONOPOL erwähnt werden, betrieben durch Herrn Thau. Es wurde irgendwann in REX umbenannt. Später übernahm Heinrich Joost dieses Kino und benannte es in BALI (= BAHNHOFSLICHTSPIELE) um. Es wurde etwa Ende der 70er Jahre geschlossen, kurz darauf brannte es in dem Gebäude, welches dann bald abgerissen wurde. Die entstandene Freifläche ist noch nicht wieder bebaut worden.

[Central-Kino Wald]

Während der Stummfilmzeit existierte in Wald das CENTRAL-KINO in der damaligen Kaiserstr. 190. Bemerkenswert ist, dass hier bereits 1910 der neu entstandene Begriff "KINO" verwendet wurde.

In Wald gab es in späterer Zeit drei Kinos, das größte nannte sich MODERNES THEATER und lag in der Friedrich-Ebert-Straße. Dieses war auch das erste, das schloss, nachdem es noch wenige Jahre vorher modernisiert worden war. Heute befindet sich dort ein großer Edeka-Markt.

Des weiteren gab es noch, ebenfalls in der Friedrich-Ebert-Str., den FILM-PALAST, betrieben durch die Eheleute Koch, der auch bald (Ende 60er Jahre?) geschlossen wurde. Das Gebäude blieb lange Zeit äußerlich unverändert, der einst recht attraktive Eingang schien auf den ersten Blick dazu einzuladen, sich die neueste Wochenschau anzusehen. Sogar die (defekte) Leuchtreklame war noch vorhanden. Schließlich wurde das Gebäude in den 90er Jahren wegen Straßenbau abgerissen.

[Eintrittskarte Universum]

Übrig blieb noch lange Zeit das zeitweilig einzige Solinger Stadtteilkino, das UNIVERSUM in der Friedrich-Ebert-Str., später Stresemannstraße. Entstanden aus einem ehemaligen Tanzsaal und betrieben durch Herrn Joost, der es 1956 zusammen mit einem Partner (Architekt Deller) eröffnet hatte, überlebte es, im originalen Stil der 50er Jahre und von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, immerhin bis 1996. Obwohl es nun seiner Einrichtung beraubt ist, sind die Baulichkeiten noch vorhanden. Der Saal hat zwar seine Bodenschräge verloren, wird aber wieder zusammen mit der angrenzenden Gaststätte genutzt.

Gräfrath hatte nur ein Kino, nämlich das CAPITOL. Es wurde bis 1970 durch Herrn Holzheimer betrieben, der es seinerzeit von Herrn Jung übernommen hatte und auch später noch lange im Kinogeschäft aktiv war. Auch hier sind die Baulichkeiten noch vorhanden.

Etwas außerhalb gelegen waren die WEIDENHOF-Lichtspiele über der gleichnamigen Gaststätte an der Krahenhöhe. Betreiber war Herr Ritterskamp. Das Gebäude ist weitgehend unverändert, der ehemalige Kinoeingang ist noch leicht zu erkennen.

Im Höhscheid gab es das UNION-Theater, welches dann später vom zweiten Betreiber der Mangenberg-Lichtspiele übernommen und in DELI (DEUTSCHE LICHTSPIELE) umbenannt wurde. Das Gebäude ist noch vorhanden, es beherbergte längere Zeit einen Aldi-Markt und wird z. Zt. anderweitig genutzt.

Nicht weit davon, am Grünewald, befand sich das GRÜNEWALD-Theater, betrieben von Herrn Kunert. Es soll nach dem 2. Weltkrieg aus dem Saal einer Gaststätte entstanden sein. Allerdings gab es in den 20er Jahren bereits am Grünewald (Grünewalder Str. 47) ein Kino, das sich MODERNES THEATER nannte. Nach der Schließung beherbergte das Grünewald-Theater den Tapetenmarkt Hastenrath. Das Gebäude wurde abgerissen. Es befand sich etwa dort, wo Groka, später Kaufpark, heute steht.

Am Mangenberg gab es auf der Ecke Beethoven-/ Kronprinzenstr. das schon erwähnte Kino MANGENBERG-LICHTSPIELE, ursprünglich betrieben durch die Gebrüder Erb aus Wuppertal. Es nannte sich später MODERNE LICHTSPIELE. Dieses wurde ca. 1944 Opfer eines Luftangriffs, der der Fa. Rautenbach galt.

[Koelner Str.]

[Anzeige Palast- und Central-Theater 1921] In der Innenstadt befand sich auf der Ostseite der Kölner Straße am "Grashof" das kleine CENTRAL-Theater, betrieben durch Herrn Kunert, mit nur 7 m (schräg!) Projektionsentfernung, gewissermaßen ein frühes Schuhschachtelkino. Auch dieses wurde 1944 beim Luftangriff auf die Solinger Innenstadt zerstört, ebenso wie das führende Solinger Kino, das in der Hauptstraße gelegene PALAST-Theater, betrieben von Herrn Monshausen. Für eine Übergangszeit nach dem Krieg richtete dieser einen provisorischen Lichtspielbetrieb in der Turnhalle der an der Blumenstraße gelegenen Schule ein, bis er am Mangenberg um 1950 das neue PALAST-Theater in Betrieb nehmen konnte. Dieses wurde später von Herrn Schneider übernommen. Heute befindet sich im ehemaligen Eingangsbereich, welcher noch recht kinotypisch aussieht, ein Fotostudio.

Am Schlagbaum, Hauptstraße Nr. 302, befanden sich die NORDSTADT-LICHTSPIELE. Dieses Lichtspielhaus wurde im April 1929 umbenannt in THALIA-THEATER. Nach dem 2. Weltkrieg existierte es nicht mehr.

[Eintrittskarte ROXY] Dagegen entstand nach dem Krieg am Schlagbaum das ROXY, ebenfalls durch Herrn Schneider betrieben. Anfang der 80er Jahre geschlossen, diente es zeitweilig als Moschee und beinhaltet nach einem Umbau 1996 nun einen Drogerie-Markt.

Im Hotel MONOPOL in der Bergstr. Nr. 3 (zeitwelig auch Nr. 4) befanden sich die MONOPOL-Lichtspiele. Dieses Kino wurde als sehr schön ausgestattet beschrieben. Es verfügte während der Stummfilmzeit auch über ein eigenes Orchester, dem z. B. August Grah angehörte. Beim großen Luftangriff 1944 wurde es zerstört.

Das nach dem Krieg führende Haus war dann das neue MONOPOL am Graf-Wilhelm-Platz (Betreiber: Herr Schneider). Es ersetzte das 1944 zerstörte, MONOPOL-Theater an ungefähr der selben Stelle. Der großzügige Neubau mußte jedoch schon Ende der 60er Jahre dem Karstadt-Neubau weichen.
Ersatzweise wurde von Herrn Schneider dafür in der Turmpassage das MONOPOL-Filmstudio eingerichtet. Bespielt mit einem etwas anspruchsvolleren Programm, erfreute es sich großer Beliebtheit, bis ihm ständige Mieterhöhungen schließlich Anfang der 80er Jahre den Garaus machten.

Ein besonders kleines Kino war, wie der Name schon sagt, das LILIPUT. In der Peter-Knecht-Str. eröffnete es in den 50er Jahren. Aufgrund seiner Größe hatte der Betreiber, Herr Esser, sich für das 16mm-Format entschieden und benutzte eine LEITZ G1 - Maschine. Leider war dieser interessanten Einrichtung kein Erfolg beschieden, denn das Gebäude brannte schon ein Jahr später ab.

[Satzkarte Muehlenhof] Bis zum Schluss überlebt hat das, im Dezember 1949 eröffnete, MÜHLENHOF in der Konrad-Adenauer-Str., früher obere Hauptstraße. Es wurde in den 70er Jahren mit zwei zusätzlichen, allerdings sehr kleinen Leinwänden versehen. 1995 gab Herr Schneider das Kino an Hans-Joachim Kirchhoff ab und war seither dort Theaterleiter. Nach Eröffnung des neuen Multiplex-Kinos CINEMAXX wurde es von Herrn Meyer-Aldenhofen übernommen und mit einem alternativen Programm bespielt. Die Nachfrage entsprach jedoch nicht ganz den Erwartungen, so dass es letzten Endes doch noch schließen musste. Es stand eine Zeit lang leer und beherbergt heute eine Skate-Board-Bahn.

Am Ufergarten befand sich das LUX, welches die Eheleute Pinell von einem früheren Betreiber übernommen hatten. Es mußte in den 70er Jahren dem Umbau der Sparkassen-Hauptstelle weichen.

[Hinterglasbild Residenz]

Noch bis Ende der 90er Jahre in Betrieb war das RESIDENZ am Entenpfuhl. Das recht große Kino (ca. 9 m Leinwandbreite) wurde in den 70er Jahren in 3 Kinos aufgeteilt, wobei die ursprüngliche Leinwand erhalten blieb, der abgetrennte hintere Teil des Saales wurde dann noch einmal unterteilt. Betreiber war Dr. Engelbrecht, seit ca. 1993 Wolfgang (Coco) Teuber zusammen mit Herrn Kirchhoff. Seit ca. 1995 betrieb Herr Kirchhoff dieses Kino alleine; Theaterleiter war Herr Gerber (ehemals SCALA, Ohligs). Dieses Kino wurde Anfang April 1999, noch vor Eröffnung des CINEMAXX, wegen sinkender Zuschauerzahlen geschlossen.

[Eintrittskarte Kellerkino]

Im Januar 1998 wurde das KELLERKINO von seinem Betreiber geschlossen. Dieses kleine, in einem Kellerraum untergebrachte Programmkino an der Schützenstraße hatte erst Anfang der 80er Jahre den Betrieb aufgenommen. Betrieben von Herrn Teuber, war es ursprünglich besonders wegen seines recht anspruchsvollen Programms beliebt. Eine Wiedereröffnung 1999 war vorgesehen, aber daraus wurde nichts.

[Odeon.JPG]<- Durch Anklicken des Bildes kommt man zu einer Ansicht von 1938

In Solingen-Merscheid schließlich gab es seit den 20er Jahren das ODEON, ein recht kleines Kino mit nur einem Projektor in dem sehr kleinen Vorführraum. Um trotzdem ohne ständige Unterbrechungen vorführen zu können, verwendete der Betreiber, Herr Aengeveldt, eine spezielle Einrichtung, die sich AKNAP nannte (diese war übrigens damals verboten, da bei dem seinerzeit üblichen Nitrofilm dabei erhöhte Brandgefahr bestand). In den 30er Jahren bauten dann die Aengeveldts das neue ODEON auf der Ecke Merscheider-/Robert-Klaas-Straße. Schon beim Bau für seine Lage etwas überdimensioniert, schloß dieses etwa Ende der 50er Jahre. Wenige Jahre später übernahm die COBRAFILM das Gebäude, baute einige kleinere Gebäudeteile an (auch ein Synchron- und 35mm-Vorführstudio mit einem phantastisch großen klassischen Normalbild!) und nutzte nach Einebnung des Bodens den ehemaligen Kinosaal als Filmstudio hauptsächlich zur Produktion von Werbespots / Werbefilmen. Nach dem Konkurs der COBRAFILM in den 80er Jahren stand das Gebäude einige Zeit leer und wurde von der Stadt Solingen zwecks Einrichtung eines soziokulturellen Zentrums erworben. Nach dem Umbau des Gebäudes wurde dieses am 7.10.1994 eröffnet Der Kinobetrieb wurde einen Monat später begonnen, denn in einem Anbau war auch ein hervorragend ausgestattetes Kino eingerichtet worden, das KINO IM COBRA. Die Ausstattung, finanziert durch einen großzügigen Landeszuschuss, orientierte sich am Frankfurter Kommunalen Kino und der Düsseldorfer Black Box. Betrieben von dem Verein "Die Provinz lebt", ursprünglich faktisch als Kommunales Kino mit einem vielfältigen Programm (mindestens 3 verschiedene Filme pro Woche), wurde dieses jedoch Ende 1997 wieder geschlossen. Erst ab Ende 1998 waren dort wieder an einzelnen Tagen Filme eines kommerziell orientierten Programms zu sehen. Abgesehen von diesem 65-Plätze-Kino wurde beim Umbau auch die angrenzende Halle, der ehemalige ODEON-Kinosaal, wieder mit einer Roll-Leinwand von 10 m Breite und einer entsprechenden 35mm-Projektionseinrichtung versehen. Leider wurde die Möglichkeit, dort Filme zu zeigen, nur selten (bei besonderen Events, Sondervorstellungen für Schulen) genutzt, dann aber jeweils mit großem Erfolg. Schon seit Mitte 1997 liegt diese kostspielige Einrichtung brach.

Martin Stöcker


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