Liebe Leserinnen und Leser,


es ist heute genauso aktuell wie damals: Folter und Todesurteile im NATO-Land Türkei. Der Knstler Joseph Beuys hat dagegen Stellung genommen. Eine Blutlache vor der türkischen Botschaft sollte zeigen: Das ist die Praxis im NATO-Land Türkei.

Die Blutlache, die Beuys dort hinterlieá, ist mehr denn je grausame Wirklichkeit für die Kurden. Während die blutige Unterdrückung mit allen bekannten Mitteln fortgesetzt wird, hat die Türkei sich wieder an eine alte Strategie erinnert. Was sie nicht zerstören oder verhindern kann, saugt sie auf und hinterläßt eine leere Hülse. So geschehen mit Newroz. Mit den brutalsten Mitteln hat das türkische Regime Kurden nicht davon abhalten können, Newroz als ein Fest des Wiederstandes zu feiern. Da wurde plötzlich Nevruz aus der Trickkiste geholt und als ein Fest aller Türken in offiziellen Staatsakten mit zur Schau gestellter Begeisterung gefeiert. Selbst die bisher als "separatistisch" angesehene Farbkombination Grün, Gelb und Rot ist plötzlich eine urtürkische Farbkombination. Eine lächerliche, aber gefährliche Farce.

< Während in der Türkei die Unterdrückung mit aller Brutalität fortgesetzt wird, machen uns die Entwicklungen in Deutschland nicht weniger Sorgen. Seit Beginn des Jahres boxt die Regierung, stur und unnachgiebig, seine Ausländerpolitik durch, teilt die Gesellschaft in Lager und hetzt die einen gegen die anderen auf. Aus diesem Grund liegt der inhaltliche Schwerpunkt dieser Aufgabe des Informationsbulletin Kurdistan auf Deutschland.

Die Entwicklungen in Deutschland in den vergangenen Monaten verdeutlichen die große Kluft zwischen den Vorstellungen verschiedener gesellschaftlicher und politischer Kreise, aber die Zukunft unserer bundesrepublikanischen Gesellschaft. Während z.B. Migrantenorganisationen, verschiedene deutsche NGO s und auch kirchliche Kreise in einen intensiven Dialog treten und gemeinsam überlegen, wie beispielsweise Rassismus wirksam bekämpft werden könnte, marschiert die Regierung wie ein Elefant im Porzellanladen unbeirrt weiter. In der ev. Akademie Bad Boll wird über die Bedeutung der Unterstüzung der kurdischen Identität diskutiert, draußen gilt nach wie vor: Kurden sollen sich ruhig verhalten oder raus!

Es ist schwer gegen einen tauben und uneinsichtigen Riesen anzutreten, der den Menschen den Blick für die Wirklichkeit versperrt. Künstler haben eine besondere Position in der Gesellschaft. Sie sind Vorbilder und Vordenker. Es wäre hilfsreich, wenn sie ihre Verantwortung erkennen und handeln würden, wie es Beuys getan hat. Ihr Eintreten gegen Rassismus, gegen Gewalt würde sicherlich mehr Menschen in diesem Land zum Nachdenken anregen.