Seit 70 Jahren führt der türkische Staat eine erbarmungslose Strategie der Assimilations- und Vernichtungspolitik gegenüber den Kurden. Insofern ist es nicht verwunderlich daß gerade Newroz verboten war. Newroz ist ein Fest, das für das kurdische Volk nicht nur den Beginn eines neuen Jahres und das Wiedererwachen der Natur symbolisiert, sondern auch den Widerstand und die Befreiung von dem grausamen Despoten Dehak.
So wie das türkische Regime seit Jahrzehnten mit dem 1. Mai verfahren hat, wurde auch mit dem Newroz-Fest verfahren. jahrzehntelang blutig unterdrückt. Alle Mittel waren dem Regime recht, um zu verhindern, daß die Kurden Newroz feiern. Blutige Angriffe der türkischen Millitärs auf die Zivilbevölkerung waren die Regel.
Am 21. März 1992 wurde auf Frauen und Kinder, die in ihrer Festtagskleidung auf die Straßen gingen, um friedlich Newroz zu feiern, gnadenlos das Feuer eröffnet.
Hunderte von Menschen wurden in Cizre, Nusaybin, ærnak und anderen kurdischen Städten ermordet.
Die Unterdrückung und der Verbot von Newroz werden immer noch fortgesetzt. Als das Regime jedoch gemerkt hat, daß Newroz immer mehr zu einem Symbol des Widerstandes wird und auf diesem Wege nicht verhindert werden kann, hat es seine Strategie geändert. Vereinnahmung und Sinnentleerung ist die neue Strategie.
Das türkische Regime hat Newroz zu Nevruz gemacht und zu einem Nationalfest der Türken erklärt. Als Quelle für diese neue Erkenntnis geben sog. Historiker die Legende um den Auszug der Türken aus Zentralasien an.
Während es nach wie vor Kurden verboten ist, Newroz zu feiern, begeht die türkische Staatsführung ihr Nevruz in pompösen rassistischen Zeremonien mit einem großen Aufgebot an Regierungsmitgliedern, Parteiführern, der Militär- und der Polizeiführung sowie unzähligen Künstlern. Gäste aus den sog. Turk-Republiken sind Ehrengäste dieser Feiern, weil sie mit ihren Ausführungen beweisen, daß sie Nevruz schon immer gefeiert haben und dieses Nationalfest nur in der Türkei in Vergessenheit geraten war.
Grotesk ist, daß die sogenannten separatistischen Farben, die bis vor kurzem noch verboten waren, plötzlich als die Farben der türkischen Rasse entdeckt werden. Anfang der 90er wurden in Kurdistan sogar die Farben der Verkehrsampeln verändert, statt Grün installierte man Blau. Diese lächerliche Strategie wurde dieses Jahr erstmals nach Europa transportiert. In Leverkusen wurde am 23. März 97, einen Tag nach der zentralen Newroz-Veranstaltung von KOMKAR in Köln, die von 10 Tausend Menschen besucht wurde, ein vom türkischen Konsulat organisierte Nevruz-Frühlings-Fest gefeiert.
Der Sender TRT-Int., der in diesen Tagen eindeutig bewiesen hat, das er ein staatlicher Propagandasender ist, hat in langen Übertragungen und Gesprächsrunden versucht, diese Farce zu legitimieren. So versucht der Staat, von seinem Dilemma in der Kurdenpolitik, die auf Assimilation, Gewalt und Zerstörung basiert, abzulenken. Das kurdische Volk, das sich bis heute der Verleugnungs- und Vernichtungspolitik des türkischen Staates erfolgreich widersetzt hat, wird auch die neue Strategie der Vereinnahmung seines Newrozfestes überstehen.
@AUTOR = Ciler Firtina