Pressemitteilung
90 Tage Protest für ein menschenwürdiges Leben
Seit dem 21. Januar 1998 protestieren illegalisierte kurdische Flüchtlinge gegen ihre Abschiebung in die Türkei. Ihre Zahl ist inzwischen auf über 100 angestiegen. Die Flüchtlinge werden von rund 30 katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Köln, Brühl, Düren, Aachen, Herzogenrath, Viersen und demnächst auch in Bielefeld unterstützt, die ihnen öffentlich Zuflucht und Beistand zugesichert haben.
Die Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche solidarisiert sich mit den kurdischen Flüchtlingen, die nicht länger im Zustand der Illegalität, der Rechtlosigkeit verharren wollen und die Initiative ergriffen haben, um öffentlich für ein gesichertes Bleiberecht einzutreten.
Wir sind geschwisterlich verbunden mit den zahlreichen Kirchengemeinden in NRW, die sich der Not, der Verlassenheit und der Ausweglosigkeit der Flüchtlinge angenommen und ihre Kirchen für den Protest geöffnet haben. Ihnen ist zu danken, daß sie die kurdischen Frauen, Männer und Kinder in ihrem verzweifelten Protest nicht allein lassen, sondern sie unterstützen und ermutigen. Indem sie erstmalig ein symbolisches "Wanderkirchenasyl" durchführen, nehmen die Kirchengemeinden an einer bundesweit beispielhaften Aktion teil. Sie setzen damit ein Zeichen christlicher Hoffnung wider alle politische Resignation.
Wir begrüßen das Eintreten für die ungeteilten Menschenrechte durch die UnterstützerInnen des Kölner Netzwerks "Kein Mensch ist illegal", das den Protest der kurdischen Flüchtlinge engagiert mitträgt und begleitet.
Wir halten die Forderungen der kurdischen Flüchtlinge nach Aussetzung der Abschiebungen und nach einer öffentlichen Anhörungen zur Menschenrechtssituation in der Türkei für berechtigt. Solange begründete Zweifel an einer gefahrlosen Rückkehr und an einer tatsächlichen inländischen Fluchtalternative für kurdische Flüchtlinge bestehen, sind Abschiebungen in die Türkei mit dem grundgesetzlichen Schutz der Würde des Menschen und seiner körperlichen Unversehrtheit nicht zu vereinbaren. Mit Erschrecken haben wir wahrgenommen das wiederholt kurdische Flüchtlinge nach ihrer Abschiebung aus Deutschland gefoltert oder spurlos verschwunden sind. Dies ist eine Herausforderung für unser Gewissen und darf sich nicht wiederholen.
Die Ökumenische
Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche bittet daher das
Inneniministerium von Nordrhein-Westfalen, Gespräche mit den
Flüchtlingen und ihren kirchlichen Unterstützern aufzunehmen,
um gemeinsam nach humanen Lösungen zu suchen, die eine
Beendigung des Protestes ermöglichen.
Mühlheim den 16. April 1998
gez. Dr. Wolf-Dieter Just
Vorsitzender