Presseerklärung
Kein Wahlkampf auf Kosten der kurdischen Flüchtlinge!
Die Reaktion einiger führenden
deutschen Politiker auf das Flüchtlingsdrama der Kurden ist eine
Schande.
Die Kurden, die vor Krieg,
Verfolgung, Hunger und Elend fliehen, sind keine Seuche, die es
abzuwehren gilt, sondern Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Das
Elend und das Drama des kurdischen Volkes mit
Abschottungsmaßnahmen abwehren zu wollen ist zynisch und
menschenverachtend.
Der Krieg in Kurdistan weist
nach offiziellen türkischen Angaben eine schreckliche Bilanz
auf: 3.500 zerstörte bzw. entvölkerte Dörfer, über 5
Millionen vertriebene Menschen, mehr als 36 Tausend Tote,
zahllose Verletzte und Verschwundene. Die Türkei weitet den
Krieg durch die ständigen Militäroperationen auch nach
Irakisch-Kurdistan aus mit dem Ziel der Errichtung einer
Pufferzone. Dies verursacht eine weitere Unstabilität und
Unsicherheit. Tausende Menschen verlassen ihrer Heimat um ihr
Leib und Leben zu schützen.
Die Europäische Union hat erst einige Wochen zuvor deutlich auf die systematischen Menschenrechtsverletzungen und auf den Krieg gegen die kurdische Bevölkerung hingewiesen und entschieden, daß die Türkei so nicht in die EU aufgenommen werden kann. Glauben die europäischen Staaten nun damit ihre Verantwortung für die unterdrückten Menschen dort abgelegt zu haben? Nein! Nun erst recht müssen die EU-Staaten, allen voran die Bundesrepublik Deutschland, darauf einwirken, daß die Ursachen für die Flucht der Kurden aus ihrer Heimat beseitigt werden und die Probleme friedlich und politisch gelöst werden.
Vergessen Sie nicht, daß die
Bundesrepublik Deutschland die Türkei seit Jahren mit Waffenund
Finanzhilfe unterstützt und eine Mitverantwortung an der
heutigen Situation trägt.
In diesem Zusammenhang
begrüßen wir die Äußerungen von Außenminister Herrn Kinkei
und anderen deutschen Politikern, die eine friedliche Lösung des
Konflikts fordern, um die Fluchtursachen grundlegend zu
bekämpfen. Mit dem Szenario der 10.000 nach Deutschland
einfallenden Kurden erzeugen jedoch einige Regierungspolitiker,
und allen voran Innenminister Kanther, Unfrieden im eigenen Land
und hoffen so Stimmen für die bevorstehenden Wahlen,zu gewinnen.
Sie machen somit Ausländer und insbesondere Kurden zum
Wahikampfthema und schüren damit Rassismus. Wir verurteilen das
auf das Schärfste!
Eine europäische Lösung der
Flüchtlingsfrage ist erforderlich. Wir fordern sowohl die
Bundesrepublik Deutschland als auch die EU eindringlich auf, die
Ursachen für die Flucht, nämlich den Krieg gegen die Kurden in
der Türkei sowie die anhaltenden massiven
Menschenrechtsverletzungen auf ihre Tagesordnung zu nehmen und
Wege zur Beendigung des Krieges und zur politischen Lösung der
Kurdenfrage einzuschlagen. Bis zu einer dauerhaften Lösung des
Konfliktes sollten die Kurden als Bürgerkriegsflüchtlinge
anerkannt und ein generelles Abschiebestopp für sie erlassen
werden.
KOMKAR, 7 Januar 1998