ZEHNTAUSENDE RIEFEN ZUR DEMOKRATIE AUF!


Der 1. Mai wird in der Türkei offiziell als Frühlingsfest gefeiert. Dennoch wurde in 30 Städten, trotz aller Bemühungen des Staates zur Verhinderung, der "Weltfeiertag der Arbeiter" gefeiert. Zehntausende forderten lautstark Demokratie, Frieden und Freiheit.

Der 1. Mai bedeutet für Arbeiter in der ganzen Welt Vereinigung, Solidarität und Widerstand und wird mit Begeisterung gefeiert. Entgegen der Unterdrückung und strenger Kontrollen durch die Polizei und die Gendarmerie in der Türkei und in Kurdistan, fanden in vielen Städtezentren, besonders in Istanbul, Ankara, Izmir, Mersin, Diyarbakir und Adana Veranstaltungen statt, die unter der Führung der Gewerkschaften DISK, KESK, Türk-Is und Hak-Is sowie der Parteien HADEP, EMEP, DBP, ÖDP, IP, SIP und BP standen.

In vielen kurdischen Städten, in denen der Ausnahmezustand (OHAL) herrscht, sammelten sich die Menschen an den Plätzen, obwohl die Behörden keine Erlaubnisse zum Feiern erteilt hatten. Nach langen Jahren fanden erstmalig 1. Mai-Feiern auch in den Städten Batman, Adiyaman, Maras und Sivas statt.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren unterschieden sich die Feiern in diesem Jahr erheblich. In 30 Städten gaben die Menschen einmütig ihren Wünschen nach Frieden, Demokratie und Freiheit Ausdruck. Die Zahl der Teilnehmer und ihre Begeisterung war ebenfalls erheblich stärker als in den Vorjahren.

Rund 40 Tausend Menschen kamen in Istanbul am Friedensplatz Sisli zusammen. Sie wiederholten gemeinsam mit den Organisatoren KESK, DISK, Türk-Is, Hak-Is, HADEP, DBP, ÖDP, EMEP, IP, SIP und BP sowie vielen demokratischen Einrichtungen, ihre seit Jahren gestellten Forderungen nach der Beendigung des schmutzigen Krieges in Kurdistan, nach Brüderlichkeit der Völker und nach Einigung der Arbeiter.

Die Anhänger der illegalen DHKP-C, die zum Friedensplatz Sisli gehen wollten, wurden von der Polizei mit Panzern, Polizeihunden und Knüppeln angegriffen. Dabei wurden etwa 50 Menschen von Polizisten verletzt, darunter 4 Journalisten. Etwa 400 Menschen wurden festgenommen.

Nach Angaben des IHD (Menschenrechtsverein) erlitten die meisten Verletzten schwere Gehirn- und Schädeltraumata.

Sowohl vor dem 1. Mai als auch während der Feiern auf dem Platz verteilten Anhänger der PSK (Sozialistische Partei Kurdistans) Flugblätter und Handzettel und spannten Plakate und Transparente der PSK auf.

In Diyarbakir wurde wie in den anderen Städten in kurdischen Provinzen keine Genehmigung zur 1. Mai-Feierlichkeit erteilt. Dennoch kamen insgesamt zweitausend Menschen, die der HADEP, der DBP, der EMEP, der Demokratischen Plattform und verschiedenen demokratischen Einrichtungen angehörten, auf dem Postplatz zusammen und setzten sich in Bewegung zum Dagkapi-Platz. Die Polizei verhinderte durch die Blockade des Einganges zum Platz den Einzug der Menschenmassen worauf diese gegen das Verhalten der Polizei protestierten. Vertreter der Parteien und der Gewerkschaften lasen eine gemeinsame Presseerklärung und gingen nach dem Rufen türkischer und kurdischer Slogans auseinander.

In Izmir nahmen an der von den Gewerkschaften KESK, Türk-Is und DISK organisierten und von vielen demokratischen Organisationen sowie den Parteien DBP, HADEP, SIP, EMEP und ÖDP unterstützten Kundgebung am Cumhuriyet Platz etwa 15 Tausend Menschen teil. Bei Angriffen der Polizei wurden zwei Studenten und ein Arbeiter verletzt und danach festgenommen.

In Ankara feierten trotz aller Provokationen durch die Polizei etwa 8 Tausend Teilnehmer friedlich den 1. Mai im Abdi Ipekci Park.

Die von einer Plattform der Gewerkschaften in Mersin veranstaltete Kundgebung auf dem Cumhuriyet-Platz unterstützte neben den genannten Parteien auch die CHP.

In Adana nahmen etwa 15 Tausend Menschen an der von den selben Parteien organisierten und von den Gewerkschaften unterstützten 1. Mai-Feier teil. Auch in der Stadt Ceyhan feierten etwa 2 Tausend Menschen den Weltfeiertag der Arbeiter.

Die Feier zum 1. Mai in Malatya, an der sich viele örtliche Parteien, Gewerkschaften, demokratische Einrichtungen und Studenten beteiligten, wurde von etwa 5 Tausend Menschen, mit der Unterstützung von einigen Einrichtungen in Elazig, gefeiert.

Nach langer Zeit wurde in Batman von den Parteien, Gewerkschaften und demokratischen Einrichtungen wieder eine Feier zum 1. Mai veranstaltet.

Das Verbot der 1. Mai-Feiern unter freiem Himmel in Urfa und Adiyaman verurteilten die demokratischen Vereinigungen und Einrichtungen durch eine gemeinsame Erklärung.

Erklärung der Abkürzungen:

DBP : Partei für Demokratie und Frieden

HADEP : Demokratiepartei des Volkes

ÖDP : Partei für Freiheit und Solidarität

IP : Arbeiterpartei

SIP : Sozialistische Arbeiterpartei

KESK : Konföderation der Gerwerkschaften der Staatsbediensteten

DISK : Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften

DHKP-C : Volksrevolutionäre Befreiungspartei - Front

Hak-Is : ehem. der Wohlfahrtspartei nahestehende Gewerkschaftskonföderation

EMEP : Arbeitspartei