Die Sozialistische
Partei Kurdistans hat im Oktober 1999 in Leverkusen mit einer großen
Veranstaltung ihr 25. Gründungsjahr gefeiert. Die Rede des PSK-Generalsekretärs
Kemal Burkay geben wir nachfolgend gekürzt wieder.
Verehrte Gäste,
liebe Genossen!
Seien Sie alle herzlich willkommen in unserer Parteiveranstaltung.
Wir feiern heute Abend den 25. Jahrestag der Gründung der Sozialistischen Partei Kurdistans. Diese Feier ist für uns von besonderer Bedeutung. Deswegen danke ich allen Gästen, die an unserer Veranstaltung teilnehmen und unsere Freude teilen, wie auch allen Organisationen, die ihre Vertreter oder ihre Grußadressen zu uns geschickt haben.
Wie im Leben eines Menschen, so sind auch im Leben einer Partei 25 Jahre eine lange Zeit. Ein Mensch wird in 25 Jahren erwachsen. Eine Partei, die 25 Jahre auf ihren Füßen steht, beweist im politischen Leben ihre Existenz und ihre Lebenskraft.
Sicherlich lässt sich die Wertschätzung einer Partei oder eines Menschen nicht allein durch ihr Alter messen. Wichtiger ist, was in dieser Zeit gemacht wurde. Man fragt die Menschen: Was ist Deine Arbeit, was hast Du hervorgebracht? Parteien fragt man: Was hast Du bis heute gemacht?
Parteien werden für einen Zweck gegründet. Die kurdischen Parteien haben sich die Freiheit des Landes und des Volkes vor alle anderen Ziele gesetzt. Es ist allgemein bekannt, dass unsere Partei nicht die erste ist, die in Kurdistan gegründet wurde. Vor uns wurden viele Parteien gegründet und einige von Ihnen haben sich im Laufe der Zeit von der politischen Bühne zurückgezogen, andere haben es geschaft, bis heute fortzubestehen.
Die erste von Kurden gegründete Partei ist die “Teavvün ve Terakki Cemiyeti” (Gemeinschaft für Unterstützung und Fortschritt), die direkt nach der zweiten konstitutionellen Periode 1908 in Istanbul gegründet wurde. Auch später haben Kurden in der Zeit des Osmanischen Reiches und nach dem Ersten Weltkrieg in den vier Teilen Kurdistans eine Vielzahl von Parteien gegründet, für ihre Freiheit gekämpft, von Zeit zu Zeit in Aufständen gekämpft. Doch bedauerlicherweise haben die Kurden bis heute ihr Ziel nicht erreicht. Kurdistan ist noch immer nicht frei. Noch immer hat diese große, ehrenvolle Nation nicht das Joch der fremden Herrscher brechen können.
Wir kennen sicherlich die Gründe dieses traurigen Zustandes. Der wichtigste Grund ist, dass unser Land zwischen den Großmächten aufgeteilt wurde. Diese Mächte waren zuerst die großen Reiche der Osmanen und der Perser. Später waren es die vier großen Staaten, die dort entstanden sind. Wir sind von diesen Kräften umzingelt. Unsere Feinde sind mächtig, unsere Freunde sind leider nur wenige. Keine Nation der Welt ist in einer so schwierigen Situation.
Wir sind von gewalttätigen, wilden Mächten umzingelt. Sie geben uns weder unsere Rechte, noch unsere Freiheiten. Deswegen haben auch sie selbst keinen Frieden. Sie fügen mit dieser rückständigen Politik uns und sich selbst großen Schaden zu.
Ja, dies sind die Hauptgründe, warum die Kurden auf ihrem Weg zur Freiheit noch nicht weit gekommen sind.
Andererseits; wie schwer die Situation für uns auch ist, auch wenn wir auf dem Weg der Freiheit nicht weit gekommen sind, wir sind niemals von unserem Weg für die Freiheit abgewichen und haben niemals den Glauben an eine Zukunft in Freiheit verloren. Der Widerstand des kurdischen Volkes ist von Jahr zu Jahr angewachsen und wird bis zum Sieg fortdauern. Daran soll niemand zweifeln.
Wir Kurden müssen uns über eines im Klaren sein: Wir brauchen einen langen Atem. Wenn auch der Weg vor uns weiter ist, als der, den wir hinter uns gelassen haben, wir müssen auf diesem Weg gehen. Um die Freiheit zu erlangen haben wir keinen anderen Weg als den des Widerstandes.
Sicherlich haben die Fehler und die Mängel der Kurdischen Nationalen Widerstandsbewegung einen Anteil daran, dass die Befreiung unserer Nation und unseres Landes so sehr im Rückstand ist. Einer dieser Mängel ist das Fehlen der Einheit unter den nationalen Kräften. Die Schwächen und Fehler der kurdischen Parteien und ihrer Führer ist ein anderer Mangel.
Die Kurden sind angesichts ihrer schwierigen Lage gezwungen, die richtige Politik zu verfolgen und keine großen Fehler zu machen.
Liebe Freunde und Genossen!
Ich habe zu diesen Themen bis heute unzählige Male geredet und geschrieben. Anlässlich des 25. Jahrestages unserer Partei habe ich einen langen, ausführlichen Artikel zu diesem Thema geschrieben, der in der Zeitschrift DENG veröffentlicht und als Broschüre herausgegeben wurde. Deswegen möchte ich mich hier kurz fassen.
Doch einige Grundlinien der Politik unserer Partei möchte ich ansprechen.
Von Anfang an haben wir die Zusammenarbeit und die Solidarität mit patriotischen Kräften vertreten und uns gegen Kämpfe untereinander und gegen die feindselige Haltung gewandt. Immer wieder haben wir für die Einheit der patriotischen Kräfte gearbeitet. Konkrete Beispiele dafür sind unsere Bemühungen für Zusammenarbeit. Anfang 1980 haben wir mit der DDKD und der KUK die "Nationale Demokratische Einheit der Kräfte" gegründet. Ihr folgte HEVKARI, dann TEVGER (Anm. der Redaktion: Beides sind Zusammenschlüsse verschiedener kurdischer Parteien und Organisationen aus allen Teilen Kurdistans). 1993 haben 12 kurdische Organisationen begonnen, an der Bildung einer gemeinsamen Front zu arbeiten.
Unsere Freunde und Genossen wissen, dass es nicht an uns lag, dass manche dieser Bemühungen von kurzer Dauer waren und ihre Ziele nicht erreicht haben. Einige Organisationen waren nicht an einer Einheit oder Zusammenarbeit interessiert. Andere waren unzuverlässig, lösten sich von heute auf morgen auf und verschwanden von der Bühne. Andere wechselten ihre Politik von einem Tag auf den anderen.
Unsere Partei hat immer die guten Beziehungen, die Zusammenarbeit und Solidarität zwischen den patriotischen Kräften in den vier Teilen Kurdistans vertreten. Wir haben uns nie in die inneren Angelegenheiten der anderen Parteien und der anderen Teile Kurdistans eingemischt. Deren berechtigte Forderungen haben wir immer unterstützt und ihren Erfolg haben wir als unseren Erfolg angesehen.
Dies sind sicherlich die Gründe für unsere guten, freundschaftlichen und brüderlichen Beziehungen zu allen Organisationen in allen vier Teilen Kurdistans.
Auch heute zeigen wir unseren Geschwistern in Südkurdistan unsere Solidarität. Wir sind gegen den Bruderkrieg und unterstützen das Erstarken und Funktionieren des Nationalparlamentes in Südkurdistan, damit Lösungen für die Probleme des Volkes gefunden werden und eine föderative Regierung entsteht.
Den Widerstand unserer Geschwister in Iranisch-Kurdistan unterstützen wir, teilen ihr Leid und ihre Freude.
Unsere Beziehungen zu den Organisationen in Syrisch-Kurdistan sind gut, gestützt auf die Grundlage der Freundschaft und der Brüderlichkeit. Wir wollen, dass in Syrien die Grenzen der Rechte und Freiheiten erweitert werden, die Kurden ihre nationalen Rechte und Freiheiten erreichen.
Wir haben uns seit Jahren um einen Nationalen Kongress bemüht, der die patriotischen Kräfte aller vier Teile einbezieht. Doch leider, aufgrund der bekannten Hindernisse, haben wir dieses Ziel nicht erreicht.
Eine andere politische Grundlinie von uns ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Solidarität mit türkischen revolutionären und demokratischen Kräften gegen das Unterdrückungs- und Ausbeutungsregime. Wenn eine solche Einheit zwischen den fortschrittlichen Kräften beider Völker entstanden wäre, hätten es die faschistischen Kräfte nicht so leicht gehabt, an die Macht zu kommen. Das Erreichen der Demokratie für das türkische Volk und der Freiheit für das kurdische Volk würde sehr viel einfacher sein.
Freunde, Genossen,
aufgrund der genannten Schwierigkeiten und Hindernisse hat unsere Partei ihre Ziele noch nicht erreicht. Andererseits hat unsere Partei in den 25 Jahren wertvolle Arbeit für die Freiheit der Nation und des Landes geleistet und sich heldenhaft gegen die Angriffe des Regimes und seiner Handlanger gewehrt.
Mit Stolz kann ich sagen, dass der 25-jährige Kampf der Sozialistischen Partei Kurdistans reich ist in der Theorie, der Organisation und den Aktivitäten ebenso wie im Bereich der Kultur und der Diplomatie.
Unsere Partei hat 25 Jahre lang mit Entschlossenheit unermüdlich dem Volk die richtige Politik gezeigt. Um die nationalen und sozialistischen Gedanken innerhalb der Bevölkerung zu verbreiten, das Volk zu bilden und zu organisieren, hat unsere Partei hart gearbeitet. Hunderte von Versammlungen und Demonstrationen haben wir durchgeführt, Hunderte von Aktivitäten wurden verwirklicht.
Auch auf dem Gebiet der kurdischen Sprache und Kultur hat die PSK wertvolle Arbeit geleistet. In diesen 25 Jahren hat unsere Partei zahlreiche Zeitschriften und Zeitungen sowie Bücher und Broschüren über den kurdischen Widerstand, die kurdische Geschichte, Sprache und Kultur in Kurdisch, Türkisch und zahlreichen anderen Sprachen herausgegeben.
Um die Kurdenfrage auf internationaler Ebene bekannt zu machen, für den gerechten Kampf des kurdischen Volkes Unterstützung und Solidarität zu finden, hat unsere Partei intensiv gearbeitet. Wir haben aus eigener Kraft zwei große internationale Konferenzen durchführen können und Vertreter unserer Partei haben an zahlreichen internationalen Konferenzen teilgenommen. So sind wir in verschiedenen Staaten, mit verschiedenen Parteien, Regierungen und demokratischen Kräften zusammengetroffen und haben die Forderungen des kurdischen Volkes zum Ausdruck gebracht.
Durch diese intensive Arbeit haben wir das kolonialistische und faschistische türkische Regime oft auf internationaler Ebene in die Ecke gedrängt und isoliert. Unsere Arbeit auf internationaler Ebene hat neben dem türkischen Regime auch die anderen kolonialistischen Regime, die unser Land unter sich aufgeteilt haben, bloßgestellt. So haben wir auch die patriotischen kurdischen Kräfte in den anderen Teilen Kurdistans unterstützt.
Freunde, Genossen!
Ich möchte auch die Frage des bewaffneten Widerstandes ansprechen. Wie Sie wissen, hat unsere Partei den Weg des bewaffneten Widerstandes nicht beschritten. Unsere Ansichten zum bewaffneten Widerstand haben wir viele Male zum Ausdruck gebracht. Wir sehen den bewaffneten Widerstand nicht als eine Sünde an. Auch diese Art des Widerstandes ist, wenn die Voraussetzungen stimmen, ein Weg und eine Methode im nationalen Befreiungskampf. Für die Kurden, die als Nation schwerste Unterdrückung erfahren, ist der bewaffnete Widerstand so legitim, ein solch natürliches Recht wie die Milch ihrer Mütter.
Auf der anderen Seite müssen die Voraussetzungen für den bewaffneten Widerstand stimmen. Wenn diese Voraussetzungen nicht vorhanden sind, wird der bewaffnete Widerstand nicht den Zielen des Widerstandes dienen und darüber hinaus der Sache großen Schaden zufügen.
Die Politik unserer Partei, insbesondere für Nordkurdistan, war von Anfang an die folgende:
Solange die Voraussetzungen nicht stimmen darf nicht zu den Waffen gegriffen werden, der Kampf muss mit politischen Mitteln geführt werden. Denn Kurdistan ist von feindlichen Mächten umgeben. Weder auf dem Land, noch über das Meer hat Kurdistan ein offenes Tor nach aussen. Wenn wir unter diesen Umständen zu den Waffen greifen, wird der Feind uns umzingeln und großen Schaden zufügen. Ausserdem ist die Türkei ein NATO-Staat und erhält große Unterstützung von der NATO.
Es war unsere Politik, die Kurden mit friedlichen und politischen Mitteln zu bilden, zu organisieren und zum Feld des Widerstandes zu ziehen. Dem Feind keinen Anlass und keine Gelegenheit zum Angriff zu geben. Parallel dazu mit den türkischen demokratischen und sozialistischen Gruppen eine Kräfteeinheit zu bilden und dadurch das rückständige Regime zu schwächen und ihren Niedergang zu erleichtern.
Ich meine, dass dies die richtige Politik war. Es gab auch Möglichkeiten für den Erfolg dieser Politik. Die kurdische nationale Widerstandsbewegung ist im Nord-Kurdistan in den 60er und 70er Jahren auf diese Weise erstarkt.
Doch leider hat der türkische Staat es geschafft, Teile der linken und patriotischen kurdischen Bewegung aufzuwiegeln und zum bewaffneten Widerstand zu treiben. Sein Ziel war es, den Widerstand noch in den Anfängen, bevor er zu einer Massenbewegung wurde, zu zerstören. Und genauso ist es geschehen. Die faschistischen Kräfte haben sich als die geschickteren erwiesen. Ein großer Teil der kurdischen und türkischen linken und nationalen Bewegung hat bedauerlicherweise dieses Spiel nicht durchschaut und ist in die Falle gegangen.
Unter den Kurden hat die PKK den Weg des bewaffneten Widerstandes gewählt. Wie die PKK auf die Bühne gekommen ist und welche Fehler sie gemacht hat, einmal beiseite; es ist ein langes Thema. Aber sehen wir uns das Resultat an:
Der türkische Staat hat den bewaffneten Kampf der PKK zum Vorwand genommen, um in den letzten 15 Jahren einen gnadenlosen Krieg gegen das kurdische Volk zu führen. Viertausend Dörfer und hunderte von Kleinstädten hat er niedergebrannt, dem Erdboden gleich gemacht und entleert. Millionen Menschen erfuhren großes Leid. 30 bis 40 Tausend Menschen, viele davon junge Leute, haben ihr Leben verloren.
Doch was wurde gewonnen? Das kurdische Volk hat einen hohen Preis gezahlt und nicht gewonnen. Alle Versprechungen der PKK erwiesen sich als leer.
Die Kurden haben auf diesem Weg 20 Jahre verloren. Zum Verbinden der Wunden werden noch viele Jahre gebraucht.
Wir haben in all diesen Jahren gesagt, dass Kurdistan nicht gerettet werden kann, wenn man sich auf Damaskus oder Teheran stützt. Der aktuelle Zustand ist vor aller Augen. Als Syrien unter Druck Öcalan den Weg nach draussen wies, hat ihn kein anderes Land aufgenommen und letztendlich ist er dem türkischen Regime in die Hände gefallen.
Liebe Freunde und Genossen,
Öcalan hat, nachdem er gefangen wurde, sich vollständig einer neuen Politik zugewandt. Er hat vor dem türkischen Gericht nicht die Sache des kurdischen Volkes verteidigt, sondern nach den Wünschen der türkischen Führung gesprochen.
Öcalan hat gesagt, “Ich bin wie ein Soldat im Dienst des türkischen Staates und bin stolz darauf!”. Seine Weggefährten ruft er dazu auf, sich dem türkischen Staat zu stellen.
Öcalan hält die Unabhängigkeit, die Föderation, ja selbst die Autonomie für unnötig und bewertet diese Lösungswege als rückständig. Öcalan verteidigt den türkischen Einheitsstaat.
Öcalan beschuldigt alle kurdischen Aufstände in der Vergangenheit der Rückständigkeit und sieht Mustafa Kemal im Recht, weil er diese niedergeschlagen hat.
Öcalan lobt den Kemalismus.
Öcalan bewertet die kurdische Nationalbewegung in Südkurdistan als eine Gefahr für den türkischen Staat und bezieht gegen sie Position.
Öcalan bezeichnet all das als ein Friedens- und Demokratieprogramm. Nur haben diese Ansichten mit den kurdischen nationalen Forderungen nicht zu tun. Dies sind Worte ganz im Sinne des türkischen Staates. Sie sind nichts anderes als die offizielle Ideologie des türkischen Staates.
Unsere Partei setzt sich seit Jahren für den Frieden und die Demokratie ein. Wir haben sicherlich die größte Arbeit in diesem Bereich geleistet und den größten Anteil an den Bestrebungen hierfür. Doch niemals sind wir um des Friedens oder der Demokratie willen von unseren Rechten und Freiheiten, von der gerechten Sache des kurdischen Volkes abgerückt oder haben empfohlen, den Wünschen des türkischen Staates zu dienen. Auf diese Weise wird weder Frieden noch Demokratie erreicht.
Niemand hat das Recht, die offizielle türkische Ideologie zu übertünchen und sie den Kurden als einen Friedens- und Demokratieprogramm zu verhökern.
Es ist offensichtlich, dass “die neue Politik und das neue Programm” zu nichts anderem dienen, als Öcalans Leben zu retten. Aber auch dafür ist dies der falsche Weg. Auch wir wollen nicht, dass Öcalan gehenkt wird. Auch wir wollen Freiheit für ihn. Aber der Preis eines Lebens darf nicht der Freiheitskampf eines Volkes sein. Öcalan ist ein Mensch, wenn nicht heute, so wird er sich in einigen Jahren vom Leben verabschieden. Aber die Existenz und die Zukunft eines Volkes ist sehr viel bedeutender als das Leben Öcalans.
Nicht Nationen sind für Führer da, sondern Führer und Parteien sind für Nationen da. Der Frieden muss gerecht sein. Die Kurdenfrage kann nur auf der Basis der Gleichheit gelöst werden.
Der türkische Staat, dieses unzeitgemäße Regime der Gewalt, verlangt von uns, dem kurdischen Volk, dass wir uns von allen unserer legitimen Forderungen abwenden. Im Rahmen des Einheitsstaates zwingt sie uns den Kemalismus auf. Nachdem sie Apo gefangen haben, versuchen sie die PKK und alle Kurden in diese enge Ecke zu ziehen.
Aber dies würde Kapitulation bedeuten. Kein kurdischer Patriot kann dies akzeptieren, auch die PKK sollte dies nicht akzeptieren. Solange die Kurden ihre Rechte und Freiheiten nicht erreicht haben, kann es weder Frieden geben, noch kann die Türkei die Demokratie erlangen.
Wir meinen, dass die Türkei eine demokratische Republik, gleichzeitig bundesstaatlich sein sollte. Das freiwillige Zusammenleben beider Völker, der Kurden und der Türken, kann nur auf diese Art realisiert werden.
Freunde, Genossen!
Was müssen die Kurden in einer solchen Situation tun? Welche Politik müssen wir heute verfolgen?
Allem voran müssen die Kurden aus den Ereignissen der vergangenen 15-20 Jahre die richtigen Lehren ziehen. Auch die Erfahrungen dieser Zeit haben gezeigt, dass Waffen nicht alles sind und wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort benutzt werden, Schaden anrichten, anstatt Nutzen zu bringen.
Die Kurden sollten nicht wegen der jüngsten Entwicklungen der Hoffnungslosigkeit verfallen und Fehler machen. Das Schicksal des kurdischen Volkes ist nicht an das Schicksal eines Einzelnen oder einer Organisation gebunden.
Die kurdische nationale Befreiungsbewegung sollte von nun an das Schwergewicht auf die politische Arbeit legen.
Das Beenden des Krieges ist, auch wenn es einseitig geschieht, von Vorteil. Die PKK sollte ihr Versprechen diesbezüglich halten und vom bewaffneten Kampf Abstand nehmen. Dies wird allen voran dem kurdischen Volk nutzen. Wenn der Krieg aufhört, wird sich der Weg der Politik für die friedlichen und demokratischen Kräfte öffnen. Der türkische Staat, ob er will oder nicht, wird seine Argumente für die Fortführung des Krieges verlieren.
Aber den Krieg zu beenden bedeutet nicht, sich von den Grundrechten und Forderungen des kurdischen Volkes abzuwenden. Die Kurden können und müssen ihren Kampf auf anderen Wegen und mit anderen Mitteln fortsetzen. Und das ist es, wovor der türkische Staat sich wirklich fürchtet.
Liebe Freunde und Genossen,
viele denken bei dem Begriff ‘Nationaler Widerstand’ einzig und allein an den bewaffneten Kampf. Das sind Menschen, die die Politik sehr eng sehen, die sehr kurzfristig denken. Sie sagen, dass der türkische Staat nicht freiwillig bereit ist, dem kurdischen Volk seine Rechte zuzugestehen. Das ist sicherlich richtig. Den türkischen Führern, sei es Demirel, Ecevit oder Kivrikoglu, liegt sicherlich weder der Frieden noch die Demokratie am Herzen. Auch sie wollen, wie ihre Vorgänger, die Vernichtung der Kurdischen Nationalen Befreiungsbewegung und das Auslöschen der kurdischen Existenz. Dies ist aber einevergebliche Hofnung.
Wir sind uns dessen bewusst und sind keine Träumer. Aber wir können mit dem politischen Kampf das kurdische Volk organisieren und auf das Feld des Widerstandes ziehen. Solch ein Widerstand, eine nicht bewaffnete Massenbewegung, wird mit Demonstrationen das türkische Regime dazu zwingen, die Rechte der Kurden anzuerkennen.
In einer solchen Situation werden wir größere Unterstützung von den friedliebenden, demokratischen Kräften in der Türkei, wie auch in der ganzen Welt, erhalten.
Freunde, Genossen,
das türkische Gewaltregime hat jahrelang systematisch und beharrlich versucht, den Weg unserer Partei zu blockieren und uns von dem Feld des Widerstandes auszuradieren. Es hat seit Jahren ein Embargo über uns verhängt und versucht zu verhindern, dass unsere Ansichten den Massen bekannt werden. Es hat die Kurdische Nationalbewegung als eine PKK- und Terrorfrage dargestellt. Sogar eine Vielzahl unsere friedlichen Aktionen wurde der PKK zugeschrieben.
Doch hat dieses Spiel nicht funktioniert. Nach 25 Jahren sind wir noch immer auf den Beinen. Wir sind hier, wir sind in der Heimat, wir sind überall. Wie vor 25 Jahren ist die Sozialistische Partei Kurdistans noch immer mit Engagement und Überzeugung bei der Sache.
In der Zwischenzeit wurden in Nordkurdistan viele Parteien gegründet und wieder aufgelöst. Aber die PSK führt ihre Existenz dank ihrer soliden und zuverlässigen Politik fort.
Mit Weitsicht hat unsere Partei die richtige Politik gewählt und ist nicht auf den falschen Weg abgewichen. 25 Jahre lang haben wir ohne zu ermüden gearbeitet. Wir, die Sozialistische Partei Kurdistans, alle unsere Mitglieder und unsere Freunde, sind stolz darauf. (...)