Erstmals nach knapp drei Jahren besucht wieder ein deutscher Außenminister die Türkei. Abgeordnete von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und CDU/CSU begleiten Herrn Fischer auf seiner Reise.
Der Besuch fällt in eine hochsensible Zeit. Die Verständigung mit der neuen nationalistischen türkischen Regierung, an der auch die faschistische MHP beteiligt ist, gestaltet sich nicht einfacher. Fischers Gesprächspartner, Regierungschef Ecevit, war es, der heute vor 25 Jahren - auch damals war er Ministerpräsident der Türkei - den Befehl zum Einmarsch türkischer Truppen auf Zypern gab und damit die Teilung der Insel bis zum heutigen Tag zementierte. Gesprächsthemen des aktuellen Besuchs von Fischer und seiner Delegation werden jedoch vorwiegend der Kurdistan-Konflikt, das Todesurteil gegen A. Öcalan, die Frage nach der Einleitung eines unumkehrbaren Demokratisiemngsprozesses, der Beitrittswunsch der Türkei zur EU und allgemeine Wirtschaftsfragen sein.
Bedingt durch die politische Instabilität türkischer Regierungen und des gesamten Regierungsapparates steckt die türkische Volkswirtschaft in einer ernsthaften Strukturkrise, deren Überwindung solange unmöglich erscheint, wie es nicht gelingt, die bisherigen strukurkonservativen Politikansätze zu überwinden - und mit der Umsetzung von Refonnen und der Einleitung eines Demokratisierungsprozesses tut sich die Türkei bekanntlich sehr schwer.
Am 8.Juli dieses Jahres hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in 15 Fällen verurteilt. Hierbei ging es in erster Linie um wiederholte Folterungen an Kurden, die Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und die NichtBeachtung des Grundrechts auf faire Gerichtsverfahren. Das Gericht in Straßburg hat auch in der Vergangenheit schon häufig Verurteilungen gegen die Türkei wegen Mißachtung der Menschenrechte ausgesprochen.
Menschenrechtsverletzungen, Dörferzerstörungen, Massenvertreibungen von Kurden, politische Morde und Unrechtsurteile gegen Regimekritiker sind an der Tagesordnung. Allein in diesem Jahr wurde in drei Fällen die Todesstrafe verhängt. Es warten noch etliche Todeskandidaten auf die Vollstreckung des Todesurteils bzw. auf die Nachricht der Begnadigung.
Die Diskriminierung der Kurden ist fest in der türkischen Verfassung verankert, so z.B. in Art. 66/1 über die Staatsbürgerschaft; Art. 26/3, 28/2 und 30 über Publikationen, Sprachverbote sowie Meinungsfreiheit. Die Meinungsfreiheit wird darüber hinaus noch durch § 3 1/1 des Pressegesetzes sowie Art. 8 des Antiterrorgesetzes aufs stärkste beschnitten und eingeschränkt. Weitere gesetzlich verankcrte Diskriminierungen von Kurden durch Verbote etc. gibt es am prägnantesten in den Bereichen Bildung politischer Parteien, Vereinigungen und Stiftungen, im Bereich Kunst, Eigennamen und Ortsnamen sowie Berufund Ausbildung.
Trotz praktizierter grober Mißachtung der Menschenrechte und offener Vertragsbrüche seitens der Türkei, lief die Unterstützung der Türkei durch die Bundesrepublik Deutschland, die EU sowie die USA in den Bereichen Wirtschafts-, Militär- und Finanzhilfe immer weiter - so als wäre nichts geschehen.
Die türkische Regierung ist derzeit offensichtlich nicht zu einem Umdenken und einem Wandel in der Innenpolitik bereit. Die bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass Verbesserungen in den bilateralen Beziehungen und in den innenpolitischen Auseinandersetzungen nur durch entsprechenden Druck der EU und der USA möglich wurden.
Auch im Kurdistan-Konflikt kann nur durch eine Vermittlung bzw. Einmischung von außen eine friedliche Lösung mit der Türkei erreicht werden.
Wir bitten Bundesaußenminister Fischer, bei seinem Besuch die Probleme beim Namen zu nennen und appellieren nachdrücklich an ihn, der Türkei folgende Forderungen zu stellen:
> Freilassung der politischen Gefangenen, insbesondere der ehemaligen kurdischen Abgeordneten Leyla Zana, Orhan Dogan, Selim Sadak, Hatip Dicle und Naif Günes sowie der prominenten türkischen Menschenrechtler Akin Birdal und Esber Yagmurdereli, des Schriftstellers und Soziologen Ismail Besikci, des Schriftstellers Oral Calislar sowie aller Journalisten, Verleger, Bürgermeister, Politiker, die allein wegen ihrer Volkszugehörigkeit und der Wahrnehmung des Rechtes auf freie Meinungsäußerung in Haft sind.
> Aussetzung der Vollstreckung des Todesurteils gegen den PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan und andere.
> Sichtbare Schritte für eine friedliche, demokratische Lösung des Kurdistan-Konflikts, insbesondere die Aufhebung des seit 20 Jahren andauernden Ausnahmezustandes in kurdischen Provinzen, die Auflösung des parwnilitärischen Dorfschützersystems, die Beendigung grenzüberschreitender Verfolgung von Kurden und die Durchführung einer Verfassungsreforin.
Die Türkei muß des weiteren bewegt werden, Millionen vertriebener Kurden die Rückkehr in ihre Heimat zu erin,5glichen und die entstandenen Schäden zu ersetzen. Außerdem muß allen Kurden erlaubt werden, im Rahmen einer demokratisch-pluralistischen Verfassung eigene Parteien und Organisationen zu gründen, ihre eigene Sprache zu sprechen und die eigene Kultur zu pflegen.
Nach dem Scheitern der EU-Beitrittsverhandlungen in Luxemburg im Dezember 1997 will die Türkei nun in Helsinki im Dezember diesen Jahres einen erneuten Anlauf in diese Richtung unternehmen. Dieser Wunsch der Türkei auf Beitritt zur EU bietet die alleinige Chance sowohl für Bundesaußenminister Fischer als auch für die finnische EU-Ratspräsidentin, Bedingungen für eine mögliche Aufnahme der Türkei klar und unmißverständlich zu formulieren und an einen verbindlichen Zeitplan zu koppeln. Ein EU-Beitritt der Türkei ohne grundlegende politische und wirtschaftliche Refonnen muß ausgeschlossen bleiben.
Die Bundesregierung hat versprochen, sich mit aller Kraft für Menschenrechte, Dialogbereitschaft, Gewaltverzicht, Vertrauensbildung und für eine friedliche Konfliktregelung einzusetzen.
In diesem Zusammenhang würdigen wir den Einsatz von Bundesaußenminister Fischer in der Kosovo Krise ausdrücklich und wünschen uns ein ähnlich starkes Engagement der Bundesregierung für eine friedliche Beilegung des Türkci-Kurdistan-Konflikts.
Bonn, den 20.07.99
- IMK - KOMKAR - KURDISCHE GEMEINDE
IN DEUTSCHLAND
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Keine Kampfpanzer an die
Türkei !
Die
Bundesregierung, an der Spitze der Herr Bundeskanzler und sein ach so
barmherziger Verteidigungsminister Scharping, hat ihre eigene
Koalitionsvereinbarung über die Grundlinien der Waffenverkäufe unsanft beiseite
geschoben, um der Türkei Leopard II Kampfpanzer zu liefern. Es wird
scheinheilig argumentiert, es handele sich ja um eine Lieferung zu Testzwecken.
Es besteht jedoch kein Zweifel, dass der Türkei für die Hauptlieferung von
1.000 Panzern im Wert von 15 Milliarden DM keine Steine in den Weg gelegt
werden. Die Bundesregierung setzt hierbei auf das nachlassende Interesse und
Vergesslichkeit der Öffentlichkeit in der nahen Zukunft.
In diesem Zusammenhang
muß in Erinnerung gerufen werden,
· dass die Türkei seit
Jahren einen grausamen Krieg in Kurdistan führt. Nach offiziellen Angaben
wurden über 40 Tausend Menschen getötet, 3.428 kurdische Dörfer zerstört und
entvölkert, über 4 Millionen Kurden aus ihrer Heimat vertrieben. Über 3 Tausend
kurdische Intellektuelle wurden Opfer der staatlich gelenkten Todesschwadronen.
· dass in der Türkei
Mißhandlungen, Folter und Mord an Oppositionellen durch die staatlichen Stellen
an der Tagesordnung sind.
· dass die Türkei keine gute
nachbarschaftliche Beziehungen mit seinen Nachbarländern wie Griechenland, Syrien, Iran und Armenien
pflegt. Im Gegenteil; sie stellt mit seiner enormen Angriffspotential eine
potentielle militärische Bedrohung für seine Nachbarstaaten dar. Die ständigen
grenzüberschreitenden Militäroperationen der türkischen Armee in den Nordirak
unter Mißachtung der völkerrechtlichen Vereinbarungen und die offene
Kriegsdrohung an Syrien sind nur zwei Beispiele der aggressiven türkischen
Politik.
· dass die Türkei vor
kurzem eine verheerende Erdbebenkatastrophe erlebt hat und nicht mal die
Grundbedürfnisse der Menschen trotz der zahlreichen Hilfen aus dem In- und
Ausland noch nicht befriedigt worden sind.
· dass die Türkei in
Höhe von 90 Milliarden US-Dollar einer der Meistverschuldeten Länder der Welt
ist. Aber trotzdem die Militärausgaben fast die Hälfte des jährlichen Etats
betragen und in den kommenden 25 Jahren Militärausgaben in Höhe von 125
Milliarden Dollar vorgesehen sind. Auf der anderen Seite die Bevölkerung mit
Rekordinflation, Arbeitslosigkeit und Armut zu kämpfen hat.
Angesichts diese
Tatsachen fordern wir die Bundesregierung auf, die Entscheidung der
Panzerlieferung zurückzunehmen und der Türkei keine Waffen mehr zu liefern. Die
Bundesregierung würde ihrem NATO-Partner nur helfen, indem sie die Demokratie
und Friedenskräfte in der Türkei unterstützt und sich glaubhaft für
Demokratisierung, Einhaltung der Menschenrechte und eine friedliche Lösung der
Kurden-Frage in der Türkei einsetzt.
Köln, 26.10.1999
KOMKAR
Menschenrechte, auch für Kurden!
In diesen
Tagen begehen Organisationen und Menschen, die dem Mensch und seinen Rechten
eine große Bedeutung beimessen, den Jahrestag der Verkündung der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Aus diesem Anlaß möchten
wir Ihnen die tragische Situation des kurdischen Volkes in der Türkei nochmals
in Erinnerung bringen.
Der größte Teil
Kurdistans liegt innerhalb der Grenzen der Türkei und macht ein Drittel des
Landes aus. In diesem Gebiet, das seit Jahrtausenden die Heimat der Kurden ist,
leben gegenwärtig etwa 20 Millionen Kurden. Sie haben eine eigene Sprache und
eine reiche Kultur, die sich vom türkischen, arabischen und persischen
unterscheidet.
Der türkische Staat, der
bemüht ist eine monolinguale und -kulturelle Gesellschaft zu formieren,
versucht seit seiner Gründung vor 75 Jahren die Vielfalt der Kulturen im Land
zu zerstören. Er verleugnet die Existenz der Kurden und betreibt eine Politik
der Vernichtung, Vertreibung und Assimilation. Die kurdische Sprache und Kultur
wurde verboten. Schriftliche Dokumente über die kurdische Geschichte und
kurdische Kulturgüter sind verheimlicht, vernichtet oder aber verzerrt worden.
Die Forschung in diesem Bereich wurde untersagt.
Der Unterricht der
kurdischen Sprache ist ebenfalls gesetzlich unterbunden. Selbst private Träger
dürfen keine Kurdisch-Sprachkurse anbieten. Rundfunk- und Fernsehsendungen in
Kurdisch sind gleichfalls verboten. Die Türkei hat zeitweilig sogar den
Gebrauch der kurdischen Sprache im privaten Leben per Gesetz unter Strafe
gestellt. Die Gründung kurdischer Vereine und politischer Parteien ist nicht
zugelassen. Sogar die öffentliche Diskussion über die Kurden-Frage wird strafrechtlich
geahndet.
Das türkische Regime hat
unser Land in eine Kolonie verwandelt; seine Bodenschätze geraubt, die
wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung bewußt verhindert. Unsere Menschen
müssen in bitterster Not und Armut unter schwierigen Bedingungen leben. Etliche
Aufstände gegen die türkische Unterdrückung wurden blutig zerschlagen. Der
türkische Staat versuchte mit ethnischen Säuberungen und Zwangsevakuierungen
die Lage unter Kontrolle zu behalten.
Nunmehr seit 15Jahren
führt der türkische Staat, unter dem Vorwand gegen die bewaffneten Aktionen der
PKK vorzugehen, einen schmutzigen Krieg gegen unser Volk. Die offiziellen
Angaben bringen das erschreckende Ausmaß der ethnischen Säuberung und Genozide
am kurdischen Volk eindrucksvoll zum Ausdruck: Über 45 Tausend Menschen sind
getötet worden. Über 3.428 kurdische Dörfer und Ortschaften wurden zerstört
bzw. entvölkert. Mehr als 2 Tausend kurdische Zivilisten wurden Opfer der
staatlichen Todeskommandos. Nahezu 5 Millionen Kurden sind aus ihrer angestammten
Heimat vertrieben worden. Sie leben in den Slums der Großstädte ohne Arbeit,
Unterkunft und soziale Sicherheit unter erbärmlichen Bedingungen um das nackte
Überleben kämpfend. Die Flüchtlinge werden zudem wegen ihrer Herkunft ständig
diskriminiert und der Willkür der Behörden und Sicherheitsorgane ausgesetzt.
Sie sehen sich in letzter Zeit verstärkt mit den pogromähnlichen Übergriffen
der türkischen Nationalisten konfrontiert. Systematische Folter und massive
Menschenrechtsverletzungen sind in der Türkei alltäglich.
Die Türkei ist mit 90
Milliarden US-Dollar einer der höchstverschuldeten Länder der Welt. Bis heute
aber hat die Türkei über 100 Milliarden US-Dollar für den Krieg gegen die Kurden
aufgewandt. Für die kommenden 20 Jahren sind Militärausgaben in Höhe von 150
Milliarden Dollar vorgesehen. Die Lieferung von 1000 deutschen Leopard 2
Panzern ist innerhalb dieses Programmes enthalten. Andererseits fehlt dem
türkischen Staat Geld für die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen
auch in der kürzlich von zwei verheerenden Erdbeben zerstörten Region. Die
Bevölkerung kämpft mit Rekordinflation, Arbeitslosigkeit und Armut.
Angesichts dieser
dramatischen Lage appellieren wir an die friedliebenden Menschen in der
Bundesrepublik: Helfen Sie bitte mit, dass unser Wunsch nach einer friedlichen
und demokratischen Lösung der Kurden-Frage in der Türkei zur Wirklichkeit wird.
Unterstützen Sie die Friedens- und Demokratiekräfte in der Türkei. Setzen Sie
sich gegen die Lieferung von Leopard-Panzern und andere Waffen durch die
Bundesregierung an die Türkei ein. Üben Sie Druck auf die Bundesregierung,
damit sie sich aktiv für Demokratisierung, Einhaltung der Menschenrechte und
friedliche Lösung der Kurden-Frage in der Türkei engagiert.
10. Dezember 1999
KOMKAR
PSK
Der auf der
Insel Imrali inhaftierte PKK-Vorsitzende Abdullah Öcalan hat am 3. August durch
seine Anwälte verlautbaren lassen, dass er die PKK dazu aufruft, ab dem 1.
September 1999 den bewaffneten Kampf zu beenden und ihre Kräfte außerhalb der
türkischen Grenzen zurückzuziehen. Öcalan erklärte, die existierende
Gewaltsituation stelle ein Hindernis vor den Menschenrechten und der
Demokratisierung dar und er habe diesen Schnitt unternommen, um die
Ausweglosigkeit zu überwinden, "dem Frieden, Dialog und der
Versöhnung" eine Chance zu geben.
In einer direkt im
Anschluß daran veröffentlichten Erklärung des PKK-Führungsrates wurde
mitgeteilt, dass der PKK-Führungsrat diesem Aufruf Öcalans vollständig zustimme
und dies als einen "Wendepunkt" bewerte.
Zweifellos stellt dies
einen Wendepunkt dar. Über die wahren Gründe, die Ocalan zu diesem Aufruf
gedrängt haben, kann unter Berücksichtigung der Situation, in der er sich
befindet, durchaus diskutiert werden.
Hätte Öcalan diesen Aufruf früher gemacht, bevor er in die Hände des
türkischen Regimes fiel und unter Bedingungen, wo er nicht in Gefangenschaft,
sondern in Freiheit Entscheidungen treffen konnte, dann könnte niemand
behaupten, der Druck des türkischen Staates oder die Sorge um sein Leben zwinge
ihn zu diesem Aufruf.
Andererseits bewertet
unsere Partei das Schweigen der Waffen, gleichgültig aus welchen Gründen,
aufgrund der Resultate als positiv. Die seit Jahren andauernde Gewaltsituation
hat neben dem Schaden, den sie dem kurdischen und dem türkischen Volk zugefügt
hat, ein ernsthaftes Hindernis für die Demokratisierung in der Türkei
dargestellt. Die Gewalt hat der
Verbrennung und der Zerstörung Kurdistans Tür und Tor geöffnet, doch aus der
Sicht der Lösung der Kurdenfrage keinerlei Resultate gebracht.
Noch vor Jahren, als die
PKK die bewaffneten Aktionen begann, hat unsere Partei die inneren und äußeren
Bedingungen bewertet und darauf hingewiesen, dass keine Chance für einen Erfolg
des bewaffneten Widerstandes vorhanden ist, dies ein Abenteuer ist und der
gerechten Sache des kurdischen Volkes ernsthafte Schäden zufügen wird.
In der darauf folgenden
Zeit hat unsere Partei die Speerspitze ihrer Propaganda auf das gewalttätige
und kolonialistische türkische Regime gerichtet. Selbst in einer Situation, in der allzu viele Kurden, trunken von
dem Knall der Waffen, die Rettung vor der Tür wähnten, hat unsere Partei entschieden
an ihren Ansichten über bewaffnete Aktionen festgehalten und diese verteidigt.
Die Zeit hat diesen
Ansichten Recht gegeben. Die Resultate des 15 Jahre andauernden Krieges liegen
auf der Hand. Tausende von kurdischen
Dörfern wurden entvölkert, Millionen unserer Menschen wurden vertrieben,
Kurdistan wurde von Ort zu Ort menschenleerer. Die demographische und
ökonomische Struktur unseres Landes wurde zu einem Chaos, Tausende wurden zu
Opfern des Krieges, das Volk hat großes Leid erfahren und erfährt es noch
immer. Im Gegenzug zu diesem hohen
Preis konnte keine Hand breit an Boden gerettet werden. Die Kraft der PKK für bewaffnete Aktionen
nahm zusehends ab. Die PKK hat auf
keine ihrer einseitigen Waffenstillstandserklärungen und keinen ihrer
beharrlichen Aufrufe für Frieden eine Antwort erhalten. Am Ende konnte sie für
ihren Führer keinen Platz finden und seine Gefangennahme nicht verhindern.
Schließlich und endlich hat sie, ohne irgendein Recht für die Kurden erreicht
zu haben, ohne die einfachste Einigung erzielt zu haben, den bewaffneten
Widerstand für beendet erklärt.
Zweifellos ist dies aus
der Sicht der Kurden, insbesondere aus der Sicht der Politik der PKK, ein
schmerzvolles Ergebnis. Aus diesem
Grund muss die Situation, bei der wir angelangt sind, zu einem Wendepunkt
werden. Die Kurden müssen aus den erlebten schmerzvollen Erfahrungen eine Lehre
ziehen und von nun an bei ihrem Widerstand zur Befreiung Wege beschreiten, die
zu den Bedingungen unseres Landes passen und sich von der bisher von der PKK
verfolgten Politik des Zwanges und der Gewalt unterscheiden. Sie müssen die
politische, kulturelle und diplomatische Arbeit zur Grundlage nehmen.
Andererseits wird die
Waffenniederlegung der PKK ihre Auswirkungen auf die türkische Politik
zeigen. Dem türkischen Staat, der seit
zwanzig Jahren die auf Gewalt und Zwang basierende Politik und Aktionen der PKK
zum Vorwand genommen hat und in Kurdistan Terror verbreitet hat, der beharrlich
daran festhält, für die Anerkennung der Rechte der Kurden und die Lösung der
Frage keinen Schritt zu unternehmen, wird nun der Vorwand aus der Hand
genommen. Mit anderen Worten könnten diese Tage zum Wendepunkt in der
Kurdenpolitik der Türkei werden.
Doch die Realisierung
der tiefgreifenden Wendung in der Politik hängt davon ab, dass einerseits die PKK
bei der Aufgabe des bewaffneten Kampfes und der Zuwendung zu politischen und
friedlichen Mitteln und Methoden entschlossen und aufrichtig ist, andererseits
ist sie daran gebunden, dass der türkische Staat sich einer Politik zuwendet,
die diese Wendung nicht behindert oder unter Druck setzt.
***
Andererseits, wohin wird
die PKK, die erklärt hat, den bewaffneten Kampf zu beenden und "ihre
Kräfte außerhalb der türkischen Grenzen zu ziehen", sich begeben? Nach Südkurdistan? Wird sie den Kampf gegen die KDP weiterführen?
Wir wünschen, dass die
PKK auch dem bewaffneten Kampf gegen Kurden ein Ende setzt! Denn dies macht
überhaupt keinen Sinn. Der Kampf unter
den Kurden schadet einzig und allein der Sache der Kurden.
Wir wünschen auch, dass
die PKK, so wie Öcalan es in seiner Verteidigung vor Gericht und in seiner
jüngsten Erklärung zum Ausdruck gebracht hat, wirklich die Bedeutung von
Demokratie, zeitgemäßen und zivilisierten Beziehungen begriffen hat und sich
bei ihren Beziehungen zu anderen kurdischen Organisationen und zum kurdischen
Volk, insbesondere bei ihrem innerparteilichen Handeln, danach richtet. Die Toleranz, die sie dem türkischen Staat
zeigt, sollte sie auch den kurdischen Revolutionären und Demokraten,
insbesondere ihren eigenen Kadern zeigen. So, dass Beziehungen innerhalb der
Kurden, die sich an zeitgemäßen und zivilisierten Werten orientieren, sich
durchsetzen; nicht die an Gewalt, Terror, Angst und Drohungen orientierten
Beziehungen ...
***
Das kolonialistische
türkische Regime hat bis heute die Aktionen der PKK als Vorwand genommen und
das kurdische Volk angegriffen, Kurdistan und die ganze Türkei terrorisiert und
militarisiert. Es hat die Demokratie
beschnitten, die Menschenrechte außer Kraft gesetzt. Das Regime hat die
bewaffneten Aktionen der PKK selbst für die aus internationalen Vereinbarungen
resultierenden einfachen Schritte, die in der Kurdenfrage notwendig sind, als
ein Hindernis dargestellt.
Die Rechnung dieses
ungerechten Krieges hat das Regime gleichzeitig den türkischen Arbeitern
aufgebürdet und sie zu Hunger und Armut getrieben.
Jetzt werden diese
Hindernisse und Vorwände nicht mehr vorhanden sein. Der türkische Staat muss
nun zumindest die im Rahmen der des Europarates, der Europäischen Union und der
OSZE unterzeichneten Verpflichtungen und Versprechungen einhalten.
· Der Ausnahmezustand
muss aufgehoben werden.
· Das
Dorfschützersystem, die Spezialeinheiten und ähnliche Unterdrückungsapparate
des Ausnahmezustands müssen aufgelöst werden.
· Alle Gesetze, mit der
Verfassung an der Spitze, müssen demokratisiert werden.
· Alle Behinderungen der
Gedanken-, Presse- und Organisationsfreiheit müssen aufgehoben werden.
· Eine Generalamnestie
muss erlassen werden.
· Das Recht auf jegliche
freie Presse, Radio und Fernsehen sowie auf Bildung in kurdischer Sprache muss
anerkannt werden.
· Der Löwenanteil des
Nationalen Einkommens darf nicht für den Militarismus, sondern zur Verbesserung
der Lebensbedingungen des Volkes und zur Erfüllung der Forderungen der Arbeiter
verwendet werden.
Dies sind die
einfachsten und dringendsten Forderungen. Sie sind die ersten Schritte, die
gemacht werden müssen, um eine Atmosphäre des Friedens im Land aufzubauen. Die
endgültige Lösung der Kurdenfrage kann unter demokratischen Bedingungen und
unter Berücksichtigung der Tendenzen in beiden Völkern, auf der Basis der
Gleichberechtigung verwirklicht werden. Unserer Ansicht nach ist dies mit einer
Föderation möglich.
Wenn der türkische Staat
nicht rückständig bleiben will, tatsächlich Frieden möchte, muss er sich ein
solches Programm vornehmen. Die Waffenniederlegung der PKK, mit welcher
Begründung auch immer, ist eine Chance hierfür. Das Regime darf diese
Gelegenheit nicht vergeuden.
Anders wird keine Frage
gelöst werden, die Türkei wird die von Jahr zu Jahr zunehmende Krise nicht
überwinden und vielleicht darin ersticken.
Als Sozialistische
Partei Kurdistans rufen wir alle dazu auf, sich die Hände zu reichen, für
Frieden und Demokratie, um das Schicksal des Landes und des Volkes zu ändern!
6. August 1999
PSK
DIE TODESSTRAFE AUFHEBEN
DEN WEG ZUM FRIEDEN
ÖFFNEN
Das 9.
Strafsenat des Kassationshofes hat das Todesurteil für Öcalan bestätigt. Dies
war aus der Perspektive des türkischen Rechtssystems auch zu erwarten. Doch
lassen sich politische und soziale Fragen nicht einzig und allein durch strenge
Rechtsvorschriften lösen. Besonders wenn die Fragen so schwerwiegend sind, wie
die, mit denen die Türkei konfrontiert ist.
Die Türkei kann die
Kurdenfrage nicht lösen, indem sie Öcalan hinrichtet oder an ihrer bis heute
fortgeführten Verleugnungs- und Terrorpolitik festhält. Nur durch zeitgemäße
Mittel und Wege kann sie die Kurdenfrage lösen. Dies sind die Wege des Dialoges
und des Friedens.
Wir befürworten ganz
sicher nicht die neue Politik Öcalans und der PKK, die die grundlegenden
Forderungen des kurdischen Volkes beiseite schiebt. Andererseits ist die
Entscheidung der PKK für das vollständige Stoppen des bewaffneten Widerstandes
eine gute Gelegenheit für den Frieden. Wenn das türkische Regime tatsächlich
Frieden im Land will, darf sie diese Chance nicht vergeuden.
Für die Befreiung der
Türkei von der schweren Last des Krieges, für die Lösung der ökonomischen
Fragen und für den Aufbau einer modernen Demokratie braucht die Türkei den
Frieden. Ohne diese Voraussetzungen kann die Türkei weder in die Europäische
Union eintreten, noch kann sie ihren Platz in der Gemeinschaft der
zivilisierten Nationen einnehmen.
Das Öcalan-Urteil wird
in den nächsten Tagen vor das türkische Parlament kommen. Wir, die
Sozialistische Partei Kurdistans, möchten, dass diesem Urteil nicht zugestimmt
wird. Das Parlament muss schnellstens das Todesurteil aufheben.
Die im Parlament
wartende Vorlage für eine Generalamnestie muss erweitert werden, um die
politischen Gefangenen und gerichtliche Klagen politischer Art mit
einzuschließen. Die dafür notwendigen Verfassungsänderungen müssen schnellstens
durchgeführt werden.
Durch Regelungen, die zu
machen sind, muss die Behinderung des Rechtes auf Meinungsfreiheit und
Organisationsfreiheit umgehend aufgehoben werden.
Dies ist die Politik zum
Wohle des Landes und der Gesellschaft. Die türkische Regierung, das Parlament,
die politischen Parteien, die Intellektuellen - alle müssen nun ihre Aufgaben
erfüllen, um das Land und die Gesellschaft von der herrschenden Gewalt und dem
Chaos zu befreien.
Durch die Hinwendung zur
Hinrichtung und das Beharren auf der Gewaltpolitik, wird der Weg zur Demokratie
versperrt. Sowohl dem türkischen Volk, als auch dem kurdischen, hat diese
Politik großen Schaden zugefügt. Die Fortsetzung der bisherigen Politik wird
diesen Schaden vergrößern.
Kemal Burkay
25. November 1999
Generalsekretär
Sozialistische Partei Kurdistans
An Bundeskanzler Gerhard Schröder:
Liefern Sie keine Leopard 11 Panzer an die
Türkei,
Sie gefährden den Frieden im Nahen Osten!
Sehr geehrter Herr
Bundeskanzler,
hiermit protestiere ich
gegen Ihre Pläne, der Türkei 1.000 deutsche Kampfpanzer des Typs Leopard 11 zu
liefern. Dass diese Waffen den Frieden
im Nahen Osten gefährden, ist offenkundig.
Seit 1984 wurden im Zuge des Krieges der türkischen Armee gegen die
Arbeiterpartei Kurdistans PKK 3.428 Dörfer in Südostanatolien/Türkisch
Kurdistan zerstört und mehr als 2,5 Millionen Kurden vertrieben. Dabei wurden - entgegen den Zusicherungen
aus Ankara - immerwieder auch von Deutschland gelieferte Panzer
eingesetzt. Zudem ist die türkische
Armee in den vergangenen Jahren mehrmals völkerrechtswidrig in den Nordirak
einmarschiert, wobei sie Siedlungen von Kurden und aramäisch-assyrischen
Christen zerstört hat, die mit deutscher Hilfe wieder aufgebaut worden
waren. Im Herbst 1998 hat die Türkei
Syrien mit einer Militäraktion gedroht.
Schließlich hält die Türkei ein Drittel des Nachbarlandes Zypern
besetzt, seitdem sie 1974 etwa 80 Prozent der griechischen, maronitischen und
armenischen Zyprer von dort vertrieben hat.
Die Bundesregierung hat
ihre Beteiligung am NATO-Krieg gegen Jugoslawien mit der Verhinderung von
Massenvertreibung und Völkermord gerechtfertigt. Diese Politik wird unglaubwürdig, wenn Sie ein Land wie die
Türkei, das Menschenrechte systematisch und brutal verletzt, aufrüsten
wollen. Dass es jetzt lediglich um die
Lieferung eines Testpanzers gehen soll, ist bloße Augenwischerei. Bundesaussenminister Joschka Fischer und
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sowie viele Abgeordnete
der Regierungsparteien haben dies klar zum Ausdruck gebracht. Deshalb fordern wir von Ihnen, Herr
Bundeskanzler, von Ihrem Verteidigungsminister und Ihrem Wirtschaftsminister,
dass sich die Bundesrepublik aus diesem Geschäft zurückzieht und ihre
westlichen Mitbewerber dazu drängt, dasselbe zu tun.
Eine Aktion
der Gesellschaft für bedrohte Völker in Zusammenarbeit mit kurdischen Organisationen
in Deutschland. Die Unterschriften werden der Bundesregierung im Rahmen einer
öffentlichen Aktion übergeben. Bitte schicken Sie die Listen (bei Mehrbedarf
vorher kopieren!) im frankierten Umschlag an die GfbV.
Postfach 20 24 • 37075
Göttingen
Tel. 0551 49906-0
Fax 0551 58028
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KOMKAR - Verband der
Vereine aus Kurdistan e.V.
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Köln
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Fax 02203 31126 http://www.komkar.org
Kurdische Gemeinde Deutschland e.V.
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Köln
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Fax 0221 1301459
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Bonn
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Fax 0228 363297
e-mail: IMK-Bonn@t-online.de
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