
Diese Aufgabe ist eine patriotische Aufgabe. Denn in unserem Land herrscht heute Krieg, nicht Demokratie und Frieden. Durch die Hand des grausamen Regimes fließt das Blut kurdischer und türkischer Jugendlicher. Unsere Dörfer und Städte werden dem Erdboden gleich gemacht; Millionen unserer Menschen mußten das Land ihrer Vorväter verlassen; in der Fremde sind sie ohne Arbeit und ohne ein Dach über dem Kopf. Unsere Berge werden bombardiert, unsere Wälder, Felder und Weiden werden niedergebrannt.
Der brutale türkische Staat führt einen schmutzigen Krieg in Kurdistan. Die Reichtümer des Landes werden in diesem Krieg zerstört. Der Krieg ist die eigentliche Ursache für den Hunger und die Arbeitslosigkeit in Kurdistan und der Türkei.
Durch diese falsche Politik wurde die Türkei zu einer Region der Zerstörung, der Brutalität, des Leides und der Folter. Überall gründeten sich Banden, die bis in die Zentren des Militärs, der Polizei, der Parteien und des Staates reichen. Mit der Unterstützung des Staates wickeln sie ihre schmutzigen Geschäfte ab; machen Geschäfte mit Rauschgift und Heroin und vergiften so ihr Land und die Völker der Erde.
Die Regierung kann sie nicht verfolgen. Die Gerichte können sie nicht verurteilen. Denn die Regierung und der Staat stehen hinter ihnen. Kurz, der Türkische Staat ist zur Bande geworden.
Der Türkische Staat ist bis zum Halse militarisiert. Er ist aggressiv gegen seine Nachbarstaaten, will den Krieg. Von Tag zu Tag beschafft er sich noch mehr Waffen und bildet eine Gefahr für die Nachbarstaaten und die Region.
Was die Türkei braucht ist Sauberkeit, Frieden und Demokratie!
Die Türkei muß gereinigt werden von den Banden und Organisationen mit blutigen Händen!
Der schmutzige Krieg muß ein Ende finden. Das Blut türkischer und kurdischer Jugendlicher soll nicht unnötig fließen. Die Dörfer und Wälder in Kurdistan sollen nicht mehr verbrannt werden.
Die Ressourcen des Landes sollen nicht für Krieg und den schmutzigen Krieg verwenden werden, sondern im Gegenteil für den Aufbau des Landes und zum Nutzen des Volkes. ... Auf diesem Weg können der Frieden kommen, die Demokratie installiert werden und Lösungen für die Probleme des Volkes gefunden werden.
Die Yilmaz-Ecevit Regierung ist nicht bereit, irgendeine Veränderung bei der Kurden- und der Demokratiefrage vorzunehmen. In ihrem Programm ist nichts dergleichen vorhanden.
Die Behinderung der Meinungsfreiheit (Gedankenfreiheit) existieren weiter. Auch hier spricht die neue Regierung nicht von einer Veränderung. Die Gefängnisse sind, wie früher auch, voll mit politischen Häftlingen.
Die Zeitschriften und Zeitungen, die den Frieden wollen und die Rechte des kurdischen Volkes thematisieren, werden wie früher konfisziert.
Der Druck auf die Friedensbefürworter wird fortgeführt. Menschenrechtsvereine werden geschlossen. Die Regierung duldet also nicht einmal, daß die Friedensbefürworter ihre Stimme erheben. Die Folter wird fortgeführt.
Die Regierung unternimmt nicht den kleinsten Schritt zur friedlichen Lösung der Kurdenfrage. An Gesprächen mit Kurden ist sie nicht interessiert; für die Anerkennung der Rechte des kurdischen Volkes unternimmt sie keinen Schritt. Im Gegenteil; "Es existiert keine Kurdenfrage sondern eine Terrorfrage", sagt sie.
Die neue Regierung versucht, wie die vorherigen auch, mit großem Brimborium die Öffentlichkeit im Land und im Ausland hinters Licht zu führen. Sie spricht von wirtschaftlichen und politischen Vorkehrungen im "Osten und Südosten" des Landes. Doch die Erfahrung hat uns gezeigt, daß dies nur Leere Versprechungen sind.
Was deutlich wird, ist daß die Regierung mit großer Eile Internate in der Region aufbaut. Sie will vier und fünfjährige Kinder von ihren Eltern wegnehmen und sie in den Schulen türkisieren; ihre eigene Sprache sollen die Kinder vergessen.
Die türkische Regierung hat die Schulpflicht auf 8 Jahre erhöht. Dennoch ist der Kurdischunterricht verboten.
Die neue Regierung will die kurdische Bevölkerung aus ihren Dörfern nehmen und in Lager stecken.
Es wird deutlich, daß die neue Regierung wie die alte den falschen Weg fortführen wird, der die existierenden Probleme nur vergrößert.
In dieser Situation werden manche den Weg des Friedens für aussichtslos halten und sagen, daß dieses Problem mit dem Krieg gelöst werden kann.
Es gibt diejenigen, die so denken. Doch dürfen wir angesichts der Unterdrückung durch den türkischen Staat und die türkische Regierung nicht unsere Hoffnung verlieren und uns vom Widerstand für den Frieden abwenden. Dies ist eine wichtige und große Aufgabe für den kurdischen Widerstand, aber gleichzeitig auch für die türkischen Demokraten.
Widerstand kann auf unterschiedlichen Wegen geführt werden, die man nicht gegeneinander stellen sollte.
Wenn der Widerstand für den Frieden so zwecklos gewesen wäre, dann wären der türkische Staat, diejenigen, die Kriegsgeschrei vollführen, die Chauvinisten und Faschisten nicht dermaßen beunruhigt.
Nein, der Widerstand für den Frieden drängt sie in die Ecke, entlarvt ihre Lügen und steigert die Zahl unserer Freunde in der Welt und in der Türkei.
Der türkische Staat ist der Verantwortliche für den Krieg. Die Kurden verlangen lediglich ihre Rechte. Der Widerstand gegen Unterdrückung ist das Recht eines jeden Volkes. Keine Nation hat das Recht eine andere Nation gefangenzunehmen.
Der türkische Staat ist bei diesem schmutzigen Krieg im Unrecht. Der Krieg muß aufhören und die Rechte des Kurdischen Volkes müssen anerkannt werden. Nur so kann der Frieden verwirklicht werden.
Die Ereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, daß die Kurdenfrage nicht mit Krieg zu lösen ist. Die Annahme des türkischen Staates, durch den Krieg die Kurden auszulöschen und von der Kurdenfrage loszukommen, hat sich als Trugschluß herausgestellt. Mit dieser falschen Politik wurde das Land in eine Hölle für Türken und Kurden verwandelt.
Wir Kurden und Türken müssen uns Hand in Hand gegen diese Kriegspolitik stellen und die Politik aus ihren Händen nehmen. Dies können wir verwirklichen, indem wir den Widerstand für Frieden auf politischen Wegen führen.
Wir haben es oft gesagt und wiederholen es: Türkische und Kurdische Arbeiter und Intellektuelle, alle Kräfte die Frieden und Demokratie wollen, müssen sich die Hände reichen - sei es für die Revolution, den Frieden oder die Demokratie.
Der türkische Staat führt diese falsche Politik und den schmutzigen Krieg mit Unterstützung seiner Freunde im Westen.
Die Türkei ist Mitglied der Vereinten Nationen, des Europarates und der OSZE. Außerdem will sie Mitglied der EU werden, doch sie erfüllt nicht die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft. Sie verletzt die Menschenrechte, sie greift zu Mitteln des Genozids an den Kurden.
Amerika und Europa unterstützen die Türkei auf wirtschaftlicher, politischer und militärischer Ebene; sie verkaufen Waffen, bilden Soldaten und Polizei aus.
Das ist ein großes Unrecht. Der Westen hat mit dieser Methode den Schah von Iran unterstützt und hatten dann Chomeini vor sich. Sie haben Saddam unterstützt, das Resultat ist klar. Wenn morgen in der Türkei ein solches Resultat auftaucht, darf man sich nicht wundern.
Ich rufe hier alle Staaten und Regierungen auf, der Türkei keine Waffen zu geben. Diese Waffen töten uns Kurden, zerstören und verbrennen unser Land.
Meine Forderung und meine Hoffnung an die Demokraten und Friedensbefürworter aller Länder ist, gegenüber der Grausamkeit des türkischen Staates nicht zu verstummen und sich gegen die Unterstützung der Türkei durch die eigene Regierung zu stellen.
Der Kampf zwischen den kurdischen Parteien, der in Kurdistan geführt wird, ist ein großes Unglück. Dieser Krieg hat die kurdische Bewegung an einen denkbar schlechten Punkt gebracht. Mit dem Kampf gegeneinander verpassen die Kurden wichtige Gelegenheiten. Dieser Krieg wird von niemandem gewonnen. Unser Land wird, zur Freude unserer Feinde, vom Bruderkrieg zerstört. Wir Kurden brauchen die Einigkeit. Ohne die Einigkeit können wir Kurden es nicht schaffen.
Als die Sozialistische Partei Kurdistans haben wir die brüderlichen und demokratischen Beziehungen zwischen den Parteien befürwortet. Wir haben uns immer gegen den Bruderkrieg gestellt. Wir verwenden viel Mühe darauf, daß der Krieg zwischen den Kurden beendet wird und die Kurden zusammenkommen und die Einigkeit herstellen.
Aus diesem Grund haben wir vor drei Monaten den Führern von drei kurdischen Parteien, Mesut Barzani, Celal Talabani und Abdullah Öcalan, einen Brief geschickt. Parallel dazu setzen wir mit den anderen Parteien unsere Gespräche über das, was zu tun ist, fort.
Ich rufe von hier noch einmal den drei Parteiführern zu:
"Stoppt den Krieg zwischen Euch, es soll nicht noch mehr Blut fließen, unser Land soll nicht zerstört werden, gebt unseren Feinden keine Gelegenheit!"
"Löst
die Probleme zwischen Euch auf friedliche Weise und durch Gespräche!"
Liebe Brüder und Schwestern!
Wie schwierig die Umstände auch immer sein mögen, verliert nicht die Hoffnung und die Geduld, laßt nicht nach. Allen Fehlern zum Trotz existiert die kurdische Bewegung und wird immer weiter existieren. Laßt uns, so wie heute, auch in der Zukunft Schulter an Schulter gehen und unsere Stimmen für Frieden und Freiheit erheben.