Marie Hamsun

Marie Andersen, 1881 geboren, wuchs zusammen mit 9 Geschwistern bei Elverum auf. Sie war als Lehrerin und Schauspielerin tätig und heiratete 1909 den 32 Jahre älteren Dichter und späteren Nobelpreisträger Knut Hamsun (eigentlich: Knud Pedersen) mit dem sie 4 Kinder hatte. Ihre schriftstellerische Tätigkeit begann erst in den 20er Jahren. Mit den "Langerudkindern" hatte sie vor allem in Deutschland einen bis heute anhaltenden Erfolg. Die ersten 4 Bände sind auch 1933 und 1934 in den USA in englischer Sprache erschienen.

Bibliografie:
Originalausgabedeutsche Ausgabeamerikanische Ausgabe
Bygdebarn. Hjemme og på Seteren, 1924Die Langerudkinder im Sommer, 1928A Norwegian Farm, 1933
Barnebilleder, 1925
Bygdebarn om Vinteren, 1926Die Langerudkinder im Winter, 1928A Norwegian Farm, 1933
Bygdebarn. Ola i Byen, 1928Ola Langerud in der Stadt, 1929A Norwegian Family, 1934
Bygdebarn. Ola i hans søsken, 1932Die Langerudkinder wachsen heranA Norwegian Family, 1934
Trip, Trap, Trulle
Vintergrønt, 1934
Regnbuen, 1953Der Regenbogen, 1954
Tina på Toppen, 1955Tina und ihre Freundinnen, 1956
Die Enkel auf Langerud
Reisen til Sørlandet, 1956
Under Gullregnen, 1959Die letzten Jahre mit Knut Hamsun, 1961

In den ersten Kriegsjahren unternahm Marie Hamsun, die dem deutschen Nationalsozialismus offenbar positiv gegenüberstand, mehrere, oft mehrmonatige Vortragsreisen durch viele deutsche Städte. 1946 wurde sie wegen Hochverrats verurteilt und verbüßte eine längere Gefängnisstrafe.
Ihre Vortragsreisen nach Deutschland wiederholte sie 1952 und 1954 mit geringerem Erfolg.
Sie verstarb 1969 auf dem Gut Nørholm bei Grimstad.

Es ist erstaunlich, dass von Maries politischer Gesinnung zumindest in ihren Kinderbüchern keine Spur wiederzufinden ist. Untenstehend eine Rezension der "Langerudkinder", die auch heute noch im Buchhandel erhältlich sind:

Die Langerudkinder

[Cover] Meist als Doppelband, bestehend aus:

Die Langerudkinder im Sommer
Die Langerudkinder im Winter

Warum mir dieses Buch so gut gefiel, dass ich es als Kind nach und nach siebenmal las, wusste ich damals nicht genau. Ich spürte nur, dass dieses Buch anders war als alle die anderen Geschichten über erfundene Personen. Mir kam es einfach viel realistischer vor. Und das war auch der Fall; heute weiß ich, dass die Autorin hier wahre Begebenheiten von ihren Kindern, aus ihrer eigenen Kindheit und in Einzelfällen aus der Kindheit ihres Ehemannes Knut Hamsun verarbeitet hat.

Ich wollte immer gerne mehr von den "Langerudkindern" lesen, jedoch gelang mir das erst sehr viel später, als ich die Bände "Ola Langerud in der Stadt" und "Die Langerudkinder wachsen heran" antiquarisch erwerben konnte. Doch die Atmosphäre der ersten beiden Bände konnte die Autorin dort nicht mehr so ganz erzielen, wahrscheinlich, weil ihr der reale Stoff langsam ausging und sie auf Phantasiegeschichten ausweichen musste. Erst der fünfte (und letzte) Band "Die Enkel auf Langerud", lässt dann wieder etwas von der ursprünglichen Atmosphäre spüren, die ich so liebte (und immer noch liebe!).

Kinder brauchen Personen, mit denen sie sich identifizieren können. Die Langerudkinder sind 2 Jungen und 2 Mädchen verschiedenen Alters. Jedes Kind, das dieses Buch liest, wird in seiner Fantasie auf dem Langerudhof oder der romantischen Langerudalm mit dabei sein. Das ist zugleich eine Zeitreise, denn die Almwirtschaft in Norwegen wurde schon bald, nachdem Marie Hamsun die ersten beiden Bände fertiggestellt hatte, weitgehend eingestellt. Heute sind die meisten Almen verfallen. "Die Langerudkinder" halten die Erinnerung an diese Zeit für immer wach.

Martin Stöcker


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