Interview aus BRAVO 43/97 - 16.10.1997
Ich habe mein ganzes Leben
umgekrempelt!
Große Aufregung im Lager von Mariah Carey (27): Wegen rechtlicher Probleme
mit einigen Samples für ihr neues Album Butterfly muß
das große BRAVO-Interview kurzfristig verschoben werden - Mariahs
Rechtsanwalt Donald Passman hat Vortritt. Fünf Stunden (!) dauert das
Gespräch, dann werde ich schließlich an dem hünenhaften schwarzen
Leibwächter Ron vorbei in Suite 217 im noblen "Mondrian Hotel" in Los
Angeles geführt. Meine Geduld wird belohnt: Mariah empfängt mich
im Bett, mit nichts weiter als einem schwarzen, hauchdünnen Seidenkleid
bekleidet. Für einen Augenblick verschlägt es mir den Atem: "Wie
wollen wir es machen, Mariah?" Sie lächelt augenzwinkernd. "Ganz, wie
du willst", antwortet sie lachend. "Na gut, dann kommen ich zu dir ins Bett",
antworte ich, ziehe mir die Schuhe aus und lege mich neben sie. Mariah knipst
das Licht aus und beim Schein einer Kerze beginnt das Interview...
BRAVO: Unser Gespräch sollte eigentlich in deiner Heimatstadt New York
stattfinden. Dann hast du es hierher nach Los Angeles verlegt. Warum?
MARIAH: Ich habe mich kürzlich von meinem Manager Randy Hoffman getrennt,
der mich seit dem Beginn meiner Karriere betreut hat. Der Schritt ist mir
sehr schwer gefallen, aber nach der Trennung von meinem Ehemann Tommy Mottola,
der ja Geschäftsführer meiner Plattenfirma Columbia ist, war es
notwendig, denn Tommy und Randy waren beide alte Freunde. Ich brauchte frischen
Wind. Mein neuer Manager Sandy Gallin hat seinen Sitz in Los Angeles.
Außerdem haben wir hier auf dem Flughafen Van Nuys eine zweite Version
meines neuen Honey-Videos gedreht.
BRAVO: Worum geht es in dem Clip?
MARIAH: Wir greifen im Video eine James-Bond-Idee auf. Doch statt des Happy-Ends
mit einem Traumtypen auf einer Insel, werde ich als Agentin M diesmal von
meinen Freunden Puff Daddy, the Lox und Mase gerettet.
BRAVO: Wie das?
MARIAH: Es ist total aufregend: Sie nähern sich in einem schwarzen
Helikopter, der aber nur bis auf 15 Meter an die Wasseroberfläche
herankommt. Dann wird von oben eine Bergevorrichtung herabgelassen, an der
ich in den Hubschrauber gezogen werde. Die Szene habe ich selbst gedreht,
und das auch noch in meinen hochhackigen Gucci-Pumps. Ich habe überhaupt
nicht bemerkt, wie sehr ich meine Armmuskulatur die ganze Zeit beim Festhalten
angestrengt habe. Mein Arm schmerzt immer noch, deshalb muß ich jetzt
meine Interviews im Bett führen (lacht).
BRAVO: Puff Daddy hat auch deine Single Honey produziert. Wie
bist du auf ihn aufmerksam geworden?
MARIAH: Ich war schon ein Fan seiner Musik, noch bevor er als Rapper Puff
Daddy bekannt wurde. Ich bin mit Urban Music groß geworden und war
begeistert von seinen Remixen. Corey Rooney, ein gemeinsamer Freund, hat
auf meinen Wunsch den Kontakt hergestellt. Inzwischen machen wir uns einen
Spaß daraus, wer der meistbeschäftigte Star im Showbusineß
ist - Puff oder ich.
BRAVO: In dem Clip zeigst du dich so sexy wie noch nie. Ist das Video für
dich der Beginn einer neuen Ära?
MARIAH: Ich sehe es nicht als neue Ära, sondern als Teil meiner Entwicklung.
Ich bin einfach nur ich selbst. Natürlich wäre es sicherer, wenn
ich weiter das kleine Mädchen bliebe, das die ganze Zeit glücklich
Hero singt. Aber ich bin erwachsen geworden und will meine
Persönlichkeit ausdrücken. Der Clip ist sehr sexy, aber er ist
nicht zu ernst gemeint. Ich will nicht zur Sexgöttin werden.
BRAVO: Du siehst in Honey einfach phantastisch aus. Wie hast
du dich in Form gebracht?
MARIAH: Danke für das Kompliment. Glücklicherweise habe ich von
Haus aus gutgeformte, muskulöse Arme und Beine. Wenn ich wirklich dauernd
Fitneßtraining betreiben würde, sähe ich schnell wie ein
Bodybuilder aus. Außerdem verträgt sich Fitneßtraining nicht
mit meine kraftvollen Art zu singen - es nimmt mir die Energie. Aber ich
neige dazu, am Bauch ein bißchen anzusetzen, wenn ich mal zwei Wochen
lang keine Gymnastik mache. Deswegen habe ich in den fünf Tagen
Vorbereitungszeit, die ich für den Clip hatte, viele "Klappmesser" gemacht
und streng Diät gehalten.
BRAVO: Am Ende des Honey-Videos sieht man, wie du am Strand
einer paradiesischen Insel auf den Armen eines Traummannes in Richtung
Sonnenuntergang verschwindest. Hat es zwischen euch auch privat
gefunkt?
MARIAH: Nein. David, so sein Name, ist schon sehr gutaussehend, aber er war
nur als Model für den Dreh angeheuert. Für einen Mann habe ich
im Moment überhaupt keine Zeit. Ich habe nicht einmal Zeit, meine Familie
zu sehen.
BRAVO: Was ist dir an einem Mann besonders wichtig?
MARIAH: Es kommt mir nicht auf das Aussehen an. Auch ein schöner Mann
kann ein Trottel sein. Nicht daß das bei David der Fall war, aber ich
bin nicht oberflächlich. Wenn mich jemand zum Lachen bringen kann, mir
das Gefühl gibt, zufrieden mit mir zu sein und mich glücklich macht,
dann ist es jemand, mit dem ich zusammensein will.
BRAVO: Sind es dies Eigenschaften, die dir in deiner Ehe mit Tommy gefehlt
haben?
MARIAH: Nein. Wenn Tommy in der richtigen Stimmung ist, kann er der witzigste
Typ sein. Er ist brillant, sehr talentiert in dem, was er tut - ich liebe
ihn noch immer. Er wird immer Teil meiner Familie bleiben. Es gab keine
Feindschaft, keinen Streit zwischen uns. Unsere Trennung ist Teil meiner
persönlichen Entwicklung. Ich habe mich stark verändert - mehr
möchte ich dazu nicht sagen.
BRAVO: Bist du nach der Trennung aus eurem Traumhaus in Bedford im US-Bundesstaat
New York ausgezogen?
MARIAH: Nein, meine ganzen Sachen stehen noch immer da. Ich suche allerdings
ein Eigentumswohnung in New York, und Tommy und ich werden das Haus irgendwann
verkaufen. Ich selbst arbeite viel, reise viel, lebe in verschiedenen Hotels
und mache mein eigenes Ding. Dies ist ein neuer Abschnitt in meinem Leben,
und nichts passiert ohne Grund. Jetzt bin ich hier, und das ist okay.
BRAVO: Du hattest lange das Image einer Primadonna, die in ihrem
Märchenschloß zurückgezogen von der Öffentlichkeit lebt.
Soll damit nun auch Schluß sein?
MARIAH: Da ist von den Medien ein unglaublicher Wirbel gemacht worden. Vieles
ist übertrieben oder stimmt gar nicht. Ich sehe mich selbst nicht als
Superstar-Diva, sondern als ziemlich lockeren, bodenständigen Menschen.
Es macht mich traurig daß davon kaum jemand weiß, denn ich bin
stolz auf meine Natürlichkeit.
BRAVO: Die Texte auf deinem neuen Album Butterfly sind sehr persönlich
und wirken fast wie Tagebucheintragungen. In "The Roof" erzählst du
von einer heißen Liebesnacht auf dem Dach eines Hauses. Hast du das
selbst erlebt?
MARIAH: (lacht laut los): Das ist komisch, denn es ist tatsächlich sehr
persönlich. Wenn ich schreibe, dann setze ich manchmal verschiedene
Situationen aus der Vergangenheit zusammen oder schildere etwas was
tatsächlich passiert ist (zwinkert mit den Augen). Ich lasse das offen
für Spekulationen.
BRAVO: In unserem letzten Interview hast du mir erzählt, du hättest
keine Filmpläne. Hat sich das, vor allem nach deinem Agenten-Auftritt
im "Honey"-Video, inzwischen
geändert?
MARIAH: Früher war ich von der Musik, der Arbeit im Studio und vom
Songschreiben völlig beansprucht. Ich hatte gar keine Zeit für
irgend etwas anderes. Jetzt suche ich neue Herausforderungen. Ich habe schon
in meine Jugend gern Theater gespielt. Seit einiger Zeit nehme ich
Schauspielunterricht, weil es für mich fast so etwas wie eine Therapie
ist. Ich habe mich dadurch selbst viel besser kennengelernt. Zur Zeit arbeite
ich auch an einem Filmprojekt, kann aber nur soviel verraten: Es wird ein
Musikfilm.
BRAVO: Du machst dich sehr rar, was Live-Auftritte angeht. Wird sich das
jetzt ändern?
MARIAH: Allerdings. Ich plane eine Welttournee, die im Januar in den Staaten
beginnt und die später auch nach Deutschland führt. Ich werde im
Frühjahr in Germany mindestens fünf Konzerte geben.
Erschienen in BRAVO 43/97 - 16.10.1997 in der Reihe Talk Show - Stars
unter vier Augen
Updated 29. Oktober 1997
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