Geld - ein Problem?                                                                                    22. 6. 01

Im Zusammenhang mit Geld sah ich, wie die meisten Menschen,  die ersten 60 Jahre meines Lebens im Prinzip nur zwei Probleme: daß es offensichtlich ungerecht unter den Menschen verteilt ist und daß man meistens zu wenig davon hat.

Infolgedessen nahm ich bei meiner Beschäftigung mit den Hintergründen der Tauschringidee einigermaßen erstaunt zur Kenntnis, daß es da wohl doch noch eine Menge zu lernen gibt, und zwar Dinge, über die sich selbst Finazmanager und studierte Volkswirtschaftler äußerst selten im klaren sind. Ein regelrechtes Aha - Erlebnis war für mich dann die (mühsame) Lektüre des Buchs "Das Geldsyndrom" von Helmut Creutz.Ich fand darin (für mich) plausible Antworten z. B. auf  folgende Fragen

 Wieso reden alle bei uns von sparen und auf der anderen Seite ist die Summe aller Privatvermögen in       den letzten 50 Jahren um 7400% angestiegen?

Wie kommt es zu den gigantischen Verschuldungen praktisch aller modernen Staaten?

(Der Deutsche  Staat z. B. müßte 60 Jahre lang täglich 100 Millionen im Lotto gewinnen, um seine Schulden abzubauen. Früher hielt ich die Schulden des Staates für eine rein theoretische Angelegenheit, mit der ich nicht zu tun habe.In Wirklichkeit muß der Staat wie jeder Schuldner treu und brav sein Zinsen zahlen (inzwischen der zweitgrößte Posten im Staatshaushalt) und das Geld dafür holt sich der Staat natürlich bei jedem von uns über die Steuern.)

Gibt es eigentlich noch ganz andere Arten von Geld, d. h. mit grundsätzlich anderen Eigenschaften?

Um Menschen für diese Problematik zu interessieren, habe ich das folgende Faltblatt geschrieben

Der heimliche Dieb

Wie fänden Sie das, wenn jemand regelmäßig einen Hundertmarkschein aus Ihrer Brieftasche nehmen würde?

Unerhört, werden Sie sagen, aber genau das geschieht im Grunde ständig unbemerkt!

Wie das?

Nehmen wir an, Sie kaufen eine Ware, die zunächst DM 150.- kosten würde. Auf eine geheimnisvolle Weise gelingt es jemand, den Kaufmann zu veranlassen, auf diese Ware noch DM 100.- aufzuschlagen, so daß sie jetzt DM 250.- kostet. Wenn Sie gekauft und bezahlt haben, nimmt er dem Kaufmann die 100.- wieder ab. Am Schluß fehlen natürlich genau diese 100.- DM zusätzlich in Ihrer Brieftasche.

Eine äußerst mysteriöse Geschichte,

werden Sie sicher sagen, und trotzdem läuft es im Prinzip so. Im Preis für alle Waren und Dienstleistungen sind im Durchschnitt 40% Zinsen enthalten. Das können Sie sich nicht vorstellen?

Ein Beispiel:

Ein Bäcker hat einen neuen Ofen benötigt. Dafür hat er einen Kredit über 50000.- DM aufgenommen. Dafür muß er natürlich Zinsen bezahlen, die er genau so natürlich in den Brotpreis hineinrechnet. Im Mehl, das er kauft, sind auch schon Zinsen enthalten und in der Miete für den Laden ebenso.

Wo bleibt dieses Geld?

Bei den bösen Banken natürlich, werden viele jetzt sagen. Das ist nur z. T. richtig. Im Normalfall muß die Bank die vom Bäcker eingenommenen Zinsen an den weitergeben, der ihr sein Geld durch Anlage zur Verfügung gestellt hat. Auf diese Weise - wobei das obige Beispiel mit dem Bäcker nur eine "Kleinigkeit" ist - wird letztlich eine kleine Minderheit von weniger als 5% der Menschen durch diese Zinseinnahmen unaufhaltsam reicher, einige wenige Tag für Tag um eine Dreiviertel Million und mehr.

Sind es tatsächlich immer 40% Zinsanteil?

Die oben genannte Zahl 40 ist ein Durchschnittswert. Bei der Müllabfuhr sind es z. B. nur 12%, bei Mieten über 70%.

Auf diese Weise verlieren die arbeitenden Menschen in Deutschland täglich über 900 Millionen DM.

Weitere Probleme unseres Geldsystems

Bei näherem Hinschauen stellt man fest, auch

Arbeitslosigkeit

Hohe Staatsverschuldung

Überschuldung der Entwicklungsländer

Zwanghaftes Wirtschaftswachstum

Umweltzerstörung

Zunehmender Zerfall der Gemeinschaften

Immer höhere Steuern

Zunahme der Armut auch in reichen Ländern

hängen eng mit dem bestehenden Geldsystem zusammen. Aber es gibt auch erprobte, allerdings weitgehend unbekannte Alternativen, an denen jeder Einzelne mitarbeiten kann..

Neugierig geworden?

Wenn Sie an näheren Informationen zu diesem Thema interessiert sind, hier einige Vorschläge für Literatur

Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation, Goldmann-Verlag, 250 Seiten, leicht lesbar und gut geeignet als Einstieg

Creutz: Das Geldsyndrom, Ullstein-Verlag, ca 400 Seiten, das Standardwerk für den, der den Dingen wirklich auf den Grund gehen will

Keßler: Wirtschaften im 3. Jahrtausend, Publikforum Verlag, 240 Seiten

Tauschen statt bezahlen, M. Baukhage u. D. Wendl, Rotbuchverlag

Lietaer, Das Geld der Zukunft, 480 Seiten, Der Autor war u. a. bei Der Belgischen Zentralbank zuständig für die Einführung des Eurovorgängers ECU, beschreibt zunächst die Probleme unseres jetzigen Geldsystems und legt dann dar, wie wir innerhalb einer Generation einen nachhaltigen Wohlstand erreichen können.

Oder kommen Sie doch mal zum

Markttag des Tauschrings Wettersbach

Im Holderbusch 7, jeden 2. Freitag im Monat 19.00Uhr

Eine etwas ausführlichere Darstellung als das obige Faltblatt ist eine kleine Broschüre
Beim Übertragen sind leider die Seitenzahlen und einige andere Formatier-Einzelheiten unter die Räder geraten)

Geld und Zins

(Was (fast) niemand weiss!)

Kriege

Umweltzerstörung

Arbeitslosigkeit

Immer höhere Steuern -

und chronisch leere Staatskassen

Reiche werden immer reicher -

Arme werden immer ärmer

Die GROSSEN Probleme der Menschheit und die Zusammenhänge mit unserem Geldsystem

INHALTSVERZEICHNIS

Wie funktioniert unser Geldsystem? 3

Was ist problematisch am Zins? 3

Wie kommt es zu der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen arm und reich ? 4

Arbeitslosigkeit 5

Chronisch leere Staatskassen 6

Ständig zunehmende Umweltschäden 6

Haben auch Kriege etwas mit Zinsen zu tun? 7

Was könnte zur Lösung der genannten Probleme beitragen? 8

Welche Folgen hätte die Einführung einer Umlaufsicherung und einer Öko-Steuer sowie eine Erschwerung der Spekulation mit Geld und Boden? 9

Anhang 10

Was sind eigentlich Zinsen? 10

Banken, die zinslos arbeiten 10

Versteckte Zinsen 10

Spekulation 11

Zu Schulden der armen Länder 11

Produktivität 12

Marktsättigung 12

Zunehmende Zahl von Arbeitsuchenden 12

Wirtschaftswachstum 12

Deregulierung 12

Zu Markt, Marktwirtschaft 12

Zinsfreie Zweitwährung 13

Verhinderung der Bodenspekulation 14

Ökosteuer 14

Kapitalvernichtung 14

Literatur 15

Hinweis: Zu kursiv gedruckten Ausdrücken sind im Anhang (siehe S. 10) Erläuterungen aufgeführt. In eckigen Klammern <> sind Verweise auf das Literaturverzeichnis auf S. 16 enthalten

© Dezember 1999

WIE FUNKTIONIERT UNSER GELDSYSTEM?

Das Geld hat in unserer Wirtschaft eine "Jokerstellung", weil der Geldinhaber beliebig lange auf günstige Bedingungen für die Anlage seines Geldes warten kann. Dies können die beiden anderen Hauptbeteiligten der Wirtschaft nicht: Der Arbeiter kann nicht beliebig lange warten, weil er auf den Lohn zum Leben angewiesen ist. Der Unternehmer kann nicht warten, weil sonst seine Waren verderben oder unmodern werden. Wenn aber viel Geld zurückgehalten wird, (mit dem Anlegen gewartet wird) kann dies zur Deflation führen, die noch schlimmere Folgen als Inflation hat. Diese Geldzurückhaltung wird normalerweise durch den lockenden Zins vermieden. Zins ist die Entschädigung, die der Schuldner dem Verleiher für dessen Verzicht auf Liquidität (Möglichkeit, jederzeit über Bargeld oder sofort abrufbares Geld zu verfügen) bezahlen muß. Geld verleiht nur, wer bereits genügend bzw. zu viel hat. Geliehen wird Geld von Leuten, die zu wenig haben.

WAS IST PROBLEMATISCH AM ZINS?

Die für Zinsen und Zinseszinsen anfallende Summe wächst exponentiell, d. h. am Anfang sehr langsam und mit der Zeit immer schneller. Bei einem Guthaben von 10000 DM und einer Verzinsung von 6 % fallen im ersten Jahr 600.- DM Zinsen an. Wenn dieser Betrag nicht abgehoben wird, bekommt man im nächsten Jahr auch für diese 600 DM Zinsen, also Zinsen für die Zinsen ("Zinseszins"). Bei längeren Zeiträumen spielt dieser Zinseszins eine entscheidende Rolle. Nach 50 Jahren hat man 164000 DM an Zins und Zinseszins bekommen, das 16,4 fache des gesamten Darlehens. Zinseszins kann auch bei Schulden anfallen, wenn für die Bezahlung der Zinsen neue Darlehen aufgenommen werden müssen, wie dies viele Entwicklungsländer, aber auch der deutsche Staat tun.

Übrigens haben in der Vergangenheit Religionsgründer, z. B. Moses, Jesus, Mohammed und Luther immer wieder den Zins verurteilt. Die Geschichte lehrt, daß Verbote und Verurteilungen das Zinsproblem nicht lösen können. Inzwischen haben sich die meisten Religionen mit dem Zins arrangiert, lediglich in den islamischen Staaten gibt es noch Banken, die zinslos arbeiten.

WIE KOMMT ES ZU DER SICH IMMER WEITER ÖFFNENDEN SCHERE ZWISCHEN ARM UND REICH ?

AUF DER NATIONALEN EBENE

Viele haben mehr oder weniger große Beträge auf Banken und Sparkassen festgelegt und freuen sich über die anfallenden Zinsen. Weniger bekannt ist, daß jeder Tag für Tag, bei jedem Einkauf im Durchschnitt 40% in den Preisen versteckte Zinsen bezahlt. Täglich verlieren so die arbeitenden Menschen 900 Millionen DM.<8> Durch die Zinsproblematik sammeln sich bei wenigen Personen und Institutionen unvorstellbar große Kapitalien an und verleiten zur Spekulation.

Ein Mitglied der Familie Quandt z. B. verfügte auf diese Weise bereits 1990 über ein tägliches Zinseinkommen von 650000 DM<2>. Diese riesigen Beträge werden im jetzigen System nur dazu verwendet, den unvorstellbaren Reichtum von wenigen täglich weiter zu vermehren. Sie wären aber dringend erforderlich, um z. B. wirksame Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit und zur Vermeidung und Beseitigung von Umweltschäden zu treffen.

INTERNATIONAL:

Für die steigende Armut in den Ländern des Südens spielen sicher auch die oft genannten Gründe Korruption und Mißwirtschaft eine Rolle. Die Hauptursachen liegen aber an anderer Stelle. Die armen Länder exportieren meist Rohstoffe, deren Preise von den Industrieländern immer weiter gedrückt werden. Um die steigenden Preise für Industriegüter bezahlen zu können, mußten sie Kredite aufnehmen.Viele der armen Länder können die Zinsen für ihre Schulden nur bezahlen, indem sie immer neue Darlehen aufnehmen. Dadurch haben die Schulden eine solche Höhe erreicht, daß diese Länder überhaupt keine Chance mehr zur Abtragung haben.

ARBEITSLOSIGKEIT

Die Hauptgründe für die Massenarbeitslosigkeit sind

* gestiegene Produktivität

* zunehmende Marktsättigung

* zunehmende Zahl von Arbeitsuchenden

Wege aus der Arbeitslosigkeit sehen viele vor allem in Wirtschaftswachstum und Deregulierung, d. h. Befreiung des Marktes von staatlichen Vorschriften.

Wirtschaftswachstum ist bei einem weitgehend gesättigten Markt hauptsächlich über eine Steigerung des Exports möglich. Dieser wiederum schafft starke Abhängigkeiten. Wenn z. B. ein für uns wichtiges Exportland in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommt, schlägt dies sofort auch auf uns durch, weil der Export dorthin zusammenbricht.

Wachstum bringt außerdem meist steigende Umweltschäden.

Deregulierung ist eine gefährliche Maßnahme. Der Markt von sich aus kann soziale (und ökologische) Probleme nicht lösen, weil er rein ökonomischen Gesetzen folgt. Ja, ein unregulierter Markt schafft gerade solche Probleme, z. B. die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Fabriken am Anfang der Industrialisierung.

Ein erfolgversprechender Weg zur Verringerung der Arbeitslosigkeit ist sicherlich die Reduzierung der Arbeitszeit, um die vorhandene Arbeit auf mehr Personen zu verteilen.

Ein wichtiger Punkt wäre die Verringerung des Zinsdrucks auf die Wirtschaft. Die meisten Betriebe haben für die Gründung, Erweiterung oder Modernisierung Kredite aufgenommen. Für die Bedienung der Kredite sind wegen des Zinses ständig und immer steiler steigende Summen Geldes erforderlich. Die Gesamtverschuldung der deutschen Industrie wird inzwischen auf 600 Milliarden DM geschätzt. <2> Außerdem muß sich die gesamte Wirtschaft an den durch Spekulation möglichen Gewinnen messen lassen. Sinnvolle Investitionen (die Arbeitsplätze schaffen) werden oft nicht getätigt, weil sie nur niedrigere oder gar keine Gewinne versprechen. Die wachsende Konkurrenz führt zu einem starken Rationalisierungszwang, der Arbeitsplätze kostet. Ungünstig wirkt auch die Steuergesetzgebung. Arbeitseinkommen sind mit dem Gros aller Steuern belastet. Investitionen in Maschinen, die meist Arbeitsplätze kosten, bedeuten dagegen eine steuerliche Entlastung für den Unternehmer.

CHRONISCH LEERE STAATSKASSEN

Die Verschuldung des deutschen Staates selbst (ohne die Industrie) hat inzwischen eine Höhe von 2200 Milliarden DM erreicht. Zum Abzahlen dieser Summe müßten -selbst, wenn die Zinsen sofort wegfallen würden- 60 Jahre lang täglich 100 Millionen aufgebracht werden.

Vielleicht wenden Sie jetzt ein, die Staatsverschuldung berührt mich persönlich nicht, ich habe keine Schulden und zahle keine Zinsen. Die Zinsen für die Staatsverschuldung zahlt jedoch jeder über die Steuern!

Die Hauptursache für die Staatsschulden sind nicht unfähige Politiker. Das sieht man daran, daß praktisch alle Staaten mehr oder weniger hoch verschuldet sind. Die Staatsverschuldung entsteht aus mehreren Gründen:

· Sinkende Einnahmen durch Steuerausfälle

· Steigende Ausgaben, z. B. durch Vergabe von Aufträgen an die Industrie zur Belebung der Wirtschaft

· Da die Zinsen für die bestehenden Schulden nicht aufgebracht werden können, müssen Jahr für Jahr weitere Kredite aufgenommen werden

Die zunehmende Verschuldung führt zu jährlich wachsenden Zinszahlungen. Dieser Posten ist inzwischen an die 2. Stelle im Haushalt gerückt. Das bedeutet, daß der Handlungsspielraum der Politik immer mehr eingeengt wird: Wichtige Vorhaben können aus Geldmangel gar nicht erst angegangen werden. Wenn die Verschuldung nicht weiter wachsen oder gar abnehmen soll, bleibt dem Staat nichts anderes übrig, als die Steuern zu erhöhen, was die Kaufkraft der Bürger vermindert oder die Inflation anzuheizen, was Einkommen und Ersparnisse in ihrem Wert herabsetzt. Durch die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft gerät der Staat weiter unter Druck. Erforderlich ist deshalb auch eine Globalisierung der Politik.

STÄNDIG ZUNEHMENDE UMWELTSCHÄDEN

Jeden Tag werden 55000 Hektar Tropenwald vernichtet, nimmt das verfügbare Ackerland um 20000 Hektar ab und sterben 100 bis 200 Tier- und Pflanzenarten aus. (<7> 23/98, nach OECD)

Es gibt auch Wissenschaftler, die einen Zusammenhang zwischen der Orkankatastrophe 1998 in Mittelamerika und der Klimaveränderung durch CO2 - Ausstoß annehmen. Was hat das mit Zins zu tun? Der zunehmende Konkurrenzdruck verführt manche Firmen der reichen Länder dazu, sich durch Ausbeutung von Rohstoffen, Leerfischen der Ozeane, usw. Kostenvorteile zu verschaffen. Die Entwicklungsländer andererseits sind oft gezwungen, z. B. durch radikales Abholzen des Regenwaldes und Export des Holzes sich die Devisen zu verschaffen, die für das Bezahlen der Zinsen erforderlich sind. Außerdem geht wertvolles Ackerland dadurch verloren, daß riesige Weiden für Schlachtvieh angelegt werden, das ebenfalls exportiert wird.

Die Festsetzung von Energiepreisen unter rein ökonomischen Aspekten hat zu einer weltweiten Verkehrslawine mit enormem Co2-Ausstoß geführt. z. B. werden Kartoffeln aus Deutschland nach Polen transportiert, um dort gewaschen zu werden, weil dies dort etwas billiger möglich ist. Wenn der Preis für Benzin im gleichen Maß wie für Lebensmittel gestiegen wäre, läge der Benzinpreis bereits heute bei über 3.- DM.

Sorge bereitet den Experten auch der stark zunehmende Flugverkehr und der damit verbundene Schadsstoffausstoß in großen Höhen. Dies wird sich kaum ändern, solange z. B. ein "Last-Minute-Flug" nach Portugal billiger ist als eine Bahnfahrt nach Hamburg. Erforderlich ist vor allem eine Besteuerung von Flugkraftstoffen.

Die niedrigen Energiepreise bewirken auch, daß für Wärmedämmung von Häusern oder alternative Enerieerzeugung nur sehr wenig Geld ausgegeben wird.

HABEN AUCH KRIEGE ETWAS MIT ZINSEN ZU TUN?

Kriege können vielerlei Ursachen haben, ethnische, religiöse, soziale usw. Es gibt auch Kriege, bei denen die Sicherstellung der Rohstoffversorgung der reichen Länder eine große Rolle spielt, z. B. der letzte Golfkrieg. Dann gibt es auch sogen. Stellvertreterkriege, wie z. B. der Bürgerkrieg in Angola, bei dem die eine Partei insgeheim von den USA, die andere von Frankreich unterstützt wurde. Untersuchungen zeigen, daß z. B. die USA und England enorme Summen beim Golfkrieg einmal an den vorher an den Irak verkauften Waffen und danach am Wiederaufbau verdient haben.

Aus der ständigen Suche nach neuen Märkten ist eine starke Rüstungsindustrie entstanden. Diese "versorgt" die armen Länder mit Waffen (gegen Kredit natürlich). Hierdurch sind erst solche langen Kriege wie in Uganda, in Jugoslawien und in Mittelamerika möglich. Der erste indisch-pakistanische Krieg 1950 dauerte nur wenige Tage, dann waren alle Panzer kaputt und alle Munition verschossen.

45% der weltweiten Rüstung kommen aus den USA. Der Marktführer auf diesem traurigen Gebiet, die Firma Lockheed-Martin, hat 1998 33 Milliarden DM umgesetzt. Die Rüstungsgüter, die unkontrolliert z. B. 1997 im Wert von 15 Milliarden nach Nordafrika und in den nahen Osten gingen, gefährden die Stabilität dieser Regionen erheblich. Die starke Aufrüstung von radikalen Gruppen, z. B. fundamentalistische Islamisten, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Konflikts und die entstehenden Schäden bei einem Konflikt dramatisch (Zahlen nach "International Institut for Strategy Studies", London, in "Allgem. Sonntagsblatt" 43/98). Die USA besitzen übrigens noch 12000 Atomwaffen, 65 davon in Deutschland (ZDF "Heute" v. 8. 12. 98).

Auch die Kapitalvernichtung durch Kriege- so grotesk sich das anhört - spielt im Hintergrund eine Rolle.

WAS KÖNNTE ZUR LÖSUNG DER GENANNTEN PROBLEME BEITRAGEN?

Geldknappheit hat für eine Wirtschaft noch katastrophalere Folgen als Inflation. Dies zeigte die Wirtschaftskrise 1929. Geldknappheit kann vor allem dadurch entstehen, daß Menschen viel Geld zurückhalten, d. h. als Bargeld halten, auf Girokonten belassen oder ins Ausland schaffen und auf dieser Weise unserer Wirtschaft entziehen. Bisher verhindert der Zins dieses Zurückhalten, weil bei zunehmender Geldknappheit die Zinsen steigen und es deshalb attraktiv wird, sein Geld gegen Zinsen zu verleihen, d. h. der Zins sichert den Umlauf des Geldes in der Wirtschaft. Um die schwerwiegenden Folgen von Zinsen und das Zurückhalten zu vermeiden, ist eine andere Umlaufsicherung erforderlich. Diese kann z. B. darin bestehen, Guthaben mit einer laufenden Gebühr zu belegen, die um so höher ist, je kurzfristiger das Geld festgelegt wird. Ein Zurückhalten von Bargeld kann z. B. dadurch vermieden werden, daß die Geldscheine in bestimmten Abständen durch neue ersetzt werden, wobei beim Umtausch die Umlaufsicherungsgebühr zu entrichten ist. Durch eine solche Umlaufsicherung wird Geldzurückhaltung "bestraft " und die Zinsen gehen wegen des steigenden Angebots an Geld allmählich auf etwa Null zurück. Außerdem kommt die Umlaufsicherungsgebühr der Allgemeinheit zugute, während der Zins nur das Einkommen der ohnehin schon reichen Minderheit erhöht.

Um Spekulationen mit Geld zu erschweren, ist die Einführung einer Börsenumsatzabgabe erforderlich. Damit sich die Spekulation dann nicht auf den Boden verlagert, sind auch hiergegen Maßnahmen erforderlich.

Einen Impuls in Richtung auf umweltfreundliches Wirtschaften bringt eine Ökosteuer, wie dies z. B. in den Niederlanden und in Dänemark zu sehen ist.

Zur Entlastung der armen Länder ist ein Chancenausgleich im internationalen Handel erforderlich, z. B. durch angemessene Preise für Rohstoffe.

WELCHE FOLGEN HÄTTE DIE EINFÜHRUNG EINER UMLAUFSICHERUNG UND EINER ÖKO-STEUER SOWIE EINE ERSCHWERUNG DER SPEKULATION MIT GELD UND BODEN?

* Das Geld verliert seine oben beschriebene "Jokerstellung"

* Die Kaufkraft steigt langfristig um ca. 40 %, weil die jetzt in den Preisen enthaltenen Zinsen wegfallen

* Die Inflation verschwindet nach und nach

* Der Spielraum der Politik nimmt zu

* Ein Teil des Kaufkraftgewinns kann zur Herabsetzung der Arbeitszeit verwendet werden, was zusätzliche Arbeitsplätze schafft.

* Den Superreichen wird nichts weggenommen. Sie werden zwar nicht jeden Tag noch reicher werden, brauchen aber weniger Angst vor Geldwertverfall und sozialen Unruhen zu haben

* Durch Wegfall von Zinsen und Spekulation können dringend notwendige Maßnahmen im sozialen und ökologischen Bereich durchgeführt werden

* Durch den zurückgehenden Konkurrenzdruck sinkt die Versuchung, an der Natur Raubbau zu treiben

* Allmählicher Umbau in eine nachhaltige Wirtschaft

* Es steht genügend Geld zur Verfügung, auch für Investitionen, die niedrige Renditen aufweisen, aber Arbeitsplätze schaffen

ANHANG

WAS SIND EIGENTLICH ZINSEN?

Wenn jemand ein Darlehen von 10000 DM bei einer Bank aufnimmt und dafür im Jahr 1000 DM bezahlen muß, sagt man, er bezahle 10% Zinsen. In Wirklichkeit sind in diesem Betrag die Betriebskosten der Bank, vor allem die Gehälter der Angestellten, die Kosten für Gebäude usw. und der Gewinn der Bank enthalten. Beides zusammen bezeichnet man als die sogenannte Bankmarge. Dazu kommt entsprechend der Marktssituation ein Inflationszuschlag. Nur der Rest ist der eigentliche Zins, von dem in dieser Schrift die Rede ist, der sogenannte Realzins. Realzins und Bankmarge zusammen bezeichnet man auch etwas irreführend als Nominalzins. Die Bankmarge bleibt natürlich auch dann erhalten, wenn der Realzins irgendwann gegen Null gehen sollte. Die Realzinsen bleiben nicht bei der Bank, sondern gehen - vermindert um die Bankmarge- an die Personen weiter, die der Bank Geld geliehen haben.

BANKEN, DIE ZINSLOS ARBEITEN

Seit einigen Jahren gibt es auch in Europa Banken, die in bestimmten Fällen ohne Zins, nur mit Bearbeitungsgebühren arbeiten, oder mit sehr niedrigen Zinsen, wobei der darpüber hinausgehende Teil der Zinseinkommen sozial oder ökologisch sinnvollen Projekten zugute kommt. Zu nennen wäre hier die Ökobank Frankfurt, die Gemeinschaftsbank GLS Postfach 10 0829, 44708 Bochum, die Umweltbank in Stuttgart, die Paxbank, Löhergraben 24, 52064 Aachen (deren Zinsen an Miserior gehen) und das Steyler Missionssparinstitut, Arnold Janssen Str. 22, 53757 St. Augustin,

VERSTECKTE ZINSEN

Ein Beispiel: Ein Bäcker braucht einen neuen Backofen und nimmt dafür einen Kredit auf. Die Zinsen, die er dafür zahlt, wird er natürlich in seinen Brotpreis hinein rechnen. Im Preis für das Mehl, das er einkauft, sind bereits Zinsen versteckt. In der Miete, die er für seinen Laden bezahlt, sind ebenfalls Zinsen enthalten, auch diese Kosten müssen wir mit dem Brot bezahlen usw. Die Höhe der in einem Produkt oder in einer Leistung versteckten Zinsen variert je nach Höhe des Kapitaleinsatzes. Bei der Müllabfuhr betragen sie ca. 12%, beim Trinkwasser ca. 40%, bei Mieten ca. 70% .<2 S.26>

SPEKULATION

Von den täglich um den Erdball kreisenden 2000 Milliarden DM ( <10>) werden nur 2% investiert, der Rest wird zur Spekulation verwendet. Neben dem Kauf und Verkauf von Aktien spielt der Handel mit Derivaten (Preissicherungs -garantien für Devisengeschäfte, 1996 für 35000 Milliarden Dollar!! (<7> 11/97) und das Ausnutzen und sogar bewußte Manipulieren von Wechselkursen die Hauptrolle. Der Spekulant George Soros z. B. hat 1993 mit dieser Methode innerhalb von wenigen Wochen einen Verdienst von fast einer Milliarde Dollar erzielt. Auch am dramatischen Verfall des Rubels soll Soros beteilig gewesen sein. Die Spekulation könnte z. B. durch eine Börsenumsatzabgabe verringert werden. Diese Abgabe müßte so hoch sein, daß kurzfristige Aktionen uninteressant werden, für langfristige Anlagen aber die zusätzliche Belastung keine Rolle spielt. Die UNO hat 0,005% vorgeschlagen <7> 11/97.

ZU SCHULDEN DER ARMEN LÄNDER

Die Schulden rühren zum großen Teil daher, daß zu Zeiten der Geldschwemme in der westlichen Welt den damals meist noch diktatorisch regierten Ländern die Darlehen zur Entwicklung ihrer Wirtschaft geradezu aufgedrängt wurden.

Täglich fließen 300 Millionen Dollar an Zinszahlungen aus dem Süden in die reichen Länder des Norden.<8>. Ein weiterer Faktor sind die "terms of trade": Die Industrienationen setzen durch ihre wirtschaftliche Macht ein immer ungünstiger werdendes Verhältnis zwischen den Preisen für Rohstoffe und Industriegütern durch. Während 1985 für einen LKW(10t) 92,5 Sack Kaffe als Bezahlung ausreichten, waren 1989 bereits 332,6 Sack Kaffe erforderlich. Zu Zeiten, als eine Tasse Kaffe noch 1.-DM kostete, erhielt der Erzeuger 0.02 DM; als die Tasse Kaffe bei uns 2.-DM kostete, erhielt der Erzeuger nur noch 0,01DM <6>.

In einigen Ländern des Südens steigt zwar inzwischen das durchschnittliche Einkommen. Daran hat aber nur ein winziger Teil der Bevölkerung Anteil. Ein oft wohlmeinend vorgeschlagener Schuldenerlaß schafft zwar eine vorübergehende Erleichterung, kann aber die grundsätzlichen Probleme nicht lösen.

PRODUKTIVITÄT

Produktivität meint hier die je Arbeiter in einem bestimmten Zeitraum erzeugte Warenmenge. Um für eine Million DM Waren im Jahr zu erzeugen waren 1960 40 Arbeiter erforderlich, 1990 aber nur noch weniger als 10<3> S. 18. Der Grund hierfür liegt vor allem in der zunehmenden Automatisierung.

MARKTSÄTTIGUNG

In den entwickelten Ländern ist die Wirtschaft längst von der Bedarfsdeckung zur Bedarfsweckung übergegangen. Wachstum eines Unternehmens ist im Grunde nur dadurch möglich, daß den Konkurrenten mit einer ungeheuren Werbeflut Marktanteile abgejagt werden..

ZUNEHMENDE ZAHL VON ARBEITSUCHENDEN

Dies ist vor allem durch zunehmende Berufstätigkeit von Frauen und durch Zuwanderer zustande gekommen.

WIRTSCHAFTSWACHSTUM

Die ökologischen Folgen von Wirtschaftswachstum werden oft unterschätzt. Bereits ein regelmäßiges Wachstum von 4% (exponentielles Wachstum!) bedeutet, daß sich nach 54 Jahren die Menge der produzierten Waren, der Verbrauch von Energie und Rohstoffen und die anfallende Müllmenge verdoppelt haben.

DEREGULIERUNG

Hierunter wird der Abbau von Vorschriften zum Umweltschutz, Arbeitsschutz und zur sozialen Absicherung verstanden, die als hemmend für den Markt empfunden werden.

ZU MARKT, MARKTWIRTSCHAFT

Eine Marktwirtschaft ist nur dann wirklich frei, wenn keine Monopole vorhanden sind. Die immer häufiger werdenden Fusionen von Firmen führen zu immer stärkeren Marktmonopolen. Manche Unternehmen haben eine Größe erreicht, die es ihnen bereits ermöglicht, den Staat unter Druck zu setzen. Das Hauptmonopol besteht in der oben geschilderten Vormachtstellung der Kapitalinhaber.

Planwirtschaft gilt spätestens seit dem Zusammenbruch der osteuropäischen Wirtschaften als Irrweg. Eine genauere Bertachtung zeigt, daß es sich bei diesen Systemen im Grunde um einen autoritären Staatskapitalismus handelte. Eine in gewissem Umfang demokratisch kontrollierte Planwirtschaft dagegen hätte durchaus bedenkenswerte Aspekte.

Läßt sich eine Änderung des Geldsystems und Bodenrechts überhaupt durchführen

Eine Reform des Geldsystems und Bodenrechts ist sicher außerordentlich schwer durchzusetzen, wahrscheinlich erst nach einigen weiteren Crashs und Katastrophen. Da die dargestellten Zusammenhänge aber weitgehend unbekannt sind und ein Umdenken Zeit erfordert, ist es notwendig, schon jetzt einen möglichst weiten Personenkreis mit diesen Gedanken vertraut zu machen. Manche gehen auch davon aus, daß sich neben der bestehenden Währung (DM oder Euro) eine zinsfreie Zweitwährung immer weiter ausdehnen könnte, wie sie bereits jetzt weltweit in Tausenden von sog. Tauschringen verwendet wird z. B. 300 in Deutschland, 400 in England, 600 in Frankreich, 80 in den USA.

ZINSFREIE ZWEITWÄHRUNG

In den Tauschringen werden Dienstleistungen und Waren über eine Art Wertgutscheine verrechnet, in Europa meist bargeldlos, in den USA z. T. über eigens gedruckte Scheine. Diese nur lokal gültige"Zweitwährung" ist entgegen einer oft gehörten Meinung unter bestimmten Bedingungen durchaus legitim und kann offenbar völlig problemlos mit der "normalen" Währung koextistieren. Sie stärkt die lokale Wirtschaft, vermeidet lange Transportwege und wirkt der Globalisierung entgegen. Neben den Tauschringen existieren auch sog. Barter-Clubs, in denen gewerbliche Unternehmen Waren auf Verrechnungsbasis tauschen. Der in Baden-Baden ansässige EBB vertritt z. B. über 700 Firmen. Durch eine Vernetzung sind auf diesem Wege weltweit ca. 120000 Firmen angeschlossen. Auf diese Weise wäre eine wirklich nachhaltige Wirtschaft möglich, während eine auf Zins basierende Wirtschaft aus einfachen mathematischen Gründen irgendwann in einer Katastrophe enden muß, spätestens dann, wann das gesamte Vermögen bei einem winzigen Teil der Menschen gelandet ist.

Welche Beispiele für derartige Umlaufsicherungen gab es in der Vergangenheit?

Die ältesten bekannten Beispiele sind das sog. Korngiro in Ägypten (320 v. Chr.) , das Tally-Sytem in England (etwa 1300) und das umlaufgesicherte Papiergeld der Mingzeit in China (1367 bis 1644). Die sog. Brakteaten, dünne, einseitig geprägte Silbermünzen, die halbjährlich durch neue ersetzt werden mußten, führten 1150 bis etwa 1550 zu einer beispiellosen Blüte in Mitteleuropa. 1930 gelang es der Gemeinde Wörgl in Tirol, mit derart umlaufgesichertem Geld innerhalb eines Jahres die Arbeitslosigkeit um 25 % zu senken, während sie in den umliegenden Gemeinden im gleichen Zeitraum um 10% zunahm.

1938 breitete sich für kurze Zeit die alternative Währung "Wära" aus. Über 1000 Geschäfte in ganz Deutschland nahmen sie an. <1>.

VERHINDERUNG DER BODENSPEKULATION

Ein Erwerb von Boden sollte nur mit einem Nutzungsnachweis möglich sein. Ein anderer Weg wäre die allmähliche Zurückführung des Eigentums an Boden an die Gemeinden. Dies würde außerdem dazu führen, daß die Gemeinden die Abgaben senken könnten, weil diese durch die Einnahmen aus Pacht überflüssig würden. Noch Anfang des Jahrhunderts konnten über 1000 Bayerische Gemeinden ihre gesamten Ausgaben aus der Bodenpacht bestreiten. Ein schon jetzt möglicher Schritt wäre das konsequente Ausnutzen der noch häufig vorhandenen Vorkaufsrechte der Gemeinden.

ÖKOSTEUER

Neben einem Impuls zu einem nachhaltigen Wirtschaften könnte eine solche Steuer bei geeigneter Struktur auch einen Beitrag zur Senkung der Arbeitslosigkeit leisten, wenn nämlich Arbeit steuerlich entlastet und Maschinen, die zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen führen, stärker belastet werden.

KAPITALVERNICHTUNG

Wenn zu viel Geld vorhanden ist, sinken die Zinsen. Aus der Sicht der Geldanleger ist in diesem Fall eine Bindung oder sogar "Vernichtung" von Kapital wünschenswert. Die Kundenzeitschrift "Sparkasse" stellte bereits 1891 fest, ein weiteres Absinken des Zinsfußes unter 3% sei nur zu vermeiden, wenn ".. die neuen Länder, beispielsweise Afrika, sehr rasch durch europäische Capitalien erschlossen werden." Da dies aber nicht ausreiche, schließt der Artikel "nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Capitalzerstörung, welche er bedeutet"<2> S. 380.

Mehr Informationen über Geldsysteme und über die Möglichkeiten, die jedem von uns zur Verfügung stehen, seinen Beitrag zu einer "natürlichen Wirtschaftsordnung" zu leisten

beim Markttag des Tauschring WETTERSBACH

jeden 2. Freitag im Monat, 19.00 Uhr bei Werner Stiffel, Im Holderbusch 7, in Karlsruhe-Grünwettersbach; Tel: 0721-9453144; email: StiffelW@aol.com

Eine weitere Broschüre, die ich für den Tauschring Wettersbach erstellt habe, ist eine Zusammenfassung des Buchs "Das Geld der Zukunft" von B. A. Lietaer. Dieser räumt im Gegensatz zu praktisch allen anderen einschlägigen Autoren den Tauschringen für die Zukunft eine wesentliche Rolle ein.

Geld der Zukunft - Versuch einer Zusammenfassung

Nach Bernard Lietaer "Das Geld der Zukunft" -

Inhalt

Zwei Visionen

Vorwort

Was ist Geld-

Probleme des derzeitigen Geldsystems

Die Zeitkompressionsmaschine

Das Jahrtausend der Konzerne

Freiwirtschaft und Geldumlaufsicherung

Komplementärwährungen

Komplementärwährungen der Vergangenheit

Moderne Komplementärwährungen

Behörden und Gesetze

Zentralbanken und Komplementärwährungen

Die Zukunft

Was ist zu tun?

Zusammenfassung

Zwei Visionen

Vision eins

Es ist 13 Uhr. Anna, Leiterin der Abteilung Kundenbetreuung bei der größten Telekommunikations-Gesellschaft fährt mit der Metro zurück in ihr Dorf. Anna gefällt ihr Beruf sehr, doch sie kann es kaum erwarten, bis sie zu Hause in ihrem Studio an einem großen Buntglasfenster weiterarbeiten kann. Annas Kollegen führen ein ähnliches Leben. Wolfgang aus der Finanzabteilung hat eine Gruppe für afrikanischen Tanz gegründet. Reiner aus der Personalabteilung restauriert alte Lauten und andere Musikinstrumente. Durch den regionalen Tauschring hat jeder die Möglichkeit zu einer "dualen" Karriere. Manche entscheiden sich für die traditionelle Ganztagsbeschäftigung bei einem Unternehmen. Andere konzentrieren sich auf ihre künstlerischen Interessen und verdienen einen Großteil ihres Lebensunterhalts in der Gemeinschaftswährung. Die meisten kombinieren beides.

Vision zwei

Eine andere mögliche Folge der derzeitigen Entwicklungen könnte eine zunehmende Verlagerung der Macht von der Politik auf die großen Konzerne sein Das könnte dann etwa im Jahre 2010 zu folgendem Ergebnis führen:

Erziehungswesen, Militär, Polizei, soziale Einrichtungen sind schrittweise von großen Konzernen übernommen worden. Aus dem Zusammenwirken von Strich-Codes auf den Konsumgütern und bereits bei der Geburt implantierten Identifikations-Minichips ergibt sich eine nahezu lückenlose Überwachung der Individuen.

Eine wichtige Säule für die Macht der Konzerne besteht darin, daß jeder sein eigenes elektronisches Geld eingeführt hat.

Bereits heute sind die effektivste Friedenstruppe der Welt nicht die Blauhelme des UNO, sondern die Söldner des südafrikanischen Privatunternehmens "Executive Outcome", das z. B. 1995 die (relative) Sicherheit in Sierra Leone wieder herstellte.

Vorwort

Mit diesen Visionen skizziert B. A. Lietaer in seinem Buch "Das Geld der Zukunft" mögliche Szenarien für das neue Jahrhundert. Auf dieses Buch, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann, stützt sich dieses Heft im wesentlichen.. Lietaer war u. a. Präsident des elektronischen Zahlungssystems der Belgischen Zentralbank und für die Einführung des Euro-Vorgängers ECU zuständig. Später war er u. a. Geschäftsführer des erfolgreichsten Hedge-Fonds "Gaia Hedge II."

B. Lietaer stellt eindringlich und anschaulich die Probleme unseres derzeitigen Geldsystem dar, die vor allem mit dem Zins zusammenhängen. Er sieht EINE mögliche Lösung auch in einer Ausbreitung von alternativen Währungssystemen, wie sie derzeit vor allem in vielen Tauschringen erprobt werden. Nach seiner Ansicht können wir durch "komplementäre" Währungen (s- u.) in nur einer Generation einen nachhaltigen Wohlstand schaffen und eine Antwort für jetzt noch unlösbar erscheinende Fragen finden, zum Beispiel, warum haben wir immer weniger Zeit, obwohl uns doch dank des technischen Fortschritts eine Freizeitgesellschaft versprochen wird? Warum können wir uns ein anständiges Gesundheitssystem und eine gute Ausbildung für unsere Kinder immer weniger leisten? Wie kommt es, daß wir immer weniger Gemeinschaftlichkeit kennen, je besser es uns finanziell geht?

B. Lietaer geht davon aus, daß eine Veränderung des

Geldsystems viel weitreichendere Konsequenzen haben wird, als wir uns vorstellen können.

Was ist Geld?

Geld ist etwas, von dem eine Gemeinschaft vereinbart hat, es als Tauschmittel zu akzeptieren, z. B. Papierblätter einer bestimmten Form und Farbe, Goldmünzen, Zigaretten (in Gefangenenlagern), Muscheln usw. Immer mehr Menschen wird bewußt, daß unser derzeitiges Geld nur EINE Möglichkeit von Geld darstellt, und daß auch Geld mit ganz anderen Eigenschaften möglich ist. Die Basis für das Funktionieren einer Währung ist das Vertrauen.. Dieses kann sich sehr leicht verflüchtigen, wie die sich erdbebenartig ausbreitenden Finanzkrisen der letzten Jahre gezeigt haben.

Das übliche Geld ist ein "Fiat"- Geld (nach dem Lateinischen fiat = "es geschehe"), d. h. eine Währung, die von einer Autorität aus dem Nichts geschaffen wurde. Von völlig anderer Natur sind viele Komplementärwährungen

Probleme des derzeitigen Geldsystems

Die wichtigsten Probleme hängen mit dem Zins zusammen

Er führt vor allem zu einer schleichend beginnenden aber inzwischen dramatisch verlaufenden Umverteilung des vorhandenen Vermögens. Das Vermögen der drei reichsten Personen der Welt ist größer als das Bruttosozialprodukt der 48 ärmsten Länder der Erde. Die obersten 1% der amerikanischen Bevölkerung besitzen heute größeren Reichtum als die unteren 92% zusammen.

Arnold Toynbee hat ein Leben lang die Ursachen für den Untergang von Kulturen studiert und fand nur zwei:

1 extreme Konzentration von Reichtum

2 mangelnde Flexibilität angesichts von veränderten Bedingungen.

Die westliche Kultur scheint beide Punkte zu vereinen.

Zinsen verstärken die Notwendigkeit des unbegrenzten Wirtschaftswachstums, auch wenn der tatsächliche Lebensstandard stagniert. .

Die hohen Zinserträge verleiten zur Spekulation vor allem mit Devisen, die heute über 95% aller finanziellen Transaktionen ausmacht. Dies hat schon zum Ruin ganzer Volkswirtschaften geführt.

Damit das jetzige Geldsystem überhaupt funktioniert, muß das Geld künstlich knapp gehalten werden da nur so Inflation vermieden werden kann.

Diese Knappheit fördert das Wettbewerbsdenken zwischen den Menschen. Als im 15. Jahrhundert Pelzjäger mit Indianerstämmen Nordamerikas Handel begannen, zerfielen deren Gemeinschaften zum großen Teil innerhalb eines Generation. Da zu dieser Zeit weder Verwaltungen, noch Militär, noch Missionare einen Einfluß ausübten, führt Lietaer dies auf den Einfluß des den Indianern in dieser Form bis dahin unbekannten Geldes zurück. Etwas ähnliches geschah viel später in Peru. Durch die (künstliche erzeugt) Knappheit und den Zinsmechanismus entsteht ein Konkurrenzdenken, das viele für ein allen Menschen von Natur aus eigenes Kennzeichen halten, wie die obigen Beispiele und viele indigene Kulturen zeigen, trifft dies nicht zu. Anders ausgedrückt: das Eigennutzstreben ist dem Menschen angeboren, da er sonst nicht überleben könnte, aber der heute zu beobachtende Egoismus, d. h. ein Streben nach Eigennutz ohne Berücksichtigung der Wünsche von anderen ist wahrscheinlich zumindest zum Teil eine Folge unseres Wirtschaftssystems

Da jedoch alle unsere Erfahrungen und unser Wissen aus der Geschichte sich fast ausschließlich auf Kulturen mit dem "alten" Geldssystem beziehen, fällt uns ein Umdenken sehr schwer.

Zinsen verhindern außerdem eine nachhaltige und damit langfristige Planung. Zwei Beispiele: wenn eine Firma die Wahl hat zwischen einer Investition, die nach einem Jahr einen Gewinn von DM 10000.- bringt und einer anderen, die nach 20 Jahren DM 15000.- bringt, wird sie die erste wählen, denn die 10000.- werden durch Zinsen in 20 Jahren zu 20000.-Angenommen, ein Baum ist jetzt DM 1000.- wert und nimmt jedes Jahr durch natürliches Wachstum um 5% an Wert zu. Kaufmännisch gesehen ist es rentabel, diesen Baum sofort zu fällen und das Geld anzulegen, weil es dann mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Gewinn als 5% im Jahr bringt. Diese zwei Beispiele erklären die fast krampfhafte Suche nach möglichst kurzfristigen Gewinnen in der Wirtschaft, die z. B. alle langfristigen Investitionen zum Umweltschutz. behindern

Die "Zeitkompressionsmaschine"

B. Lietaer sieht unsere Zeit dadurch gekennzeichnet, daß vier Entwicklungen,

die Überalterung der Gesellschaft,

die Informationsrevolution,

Währungsinstabilität sowie

Klimaveränderung und Artensterben

gleichzeitig auftreten, sich z. T. gegenseitig beeinflussen und dadurch bewirken, daß wir zu Bewältigung der damit zusammenhängenden Probleme immer weniger Zeit haben,

d. h. die Zeit wird sozusagen "komprimiert".

Zur Klimaveränderungen

Immer mehr Menschen erkennen den Zusammenhang zwischen unserer Lebensweise und Naturveränderungen, wie Ozonloch und globale Erwärmung. Bei Naturkatastrophen sterben heute bereits vier mal so viel Menschen, wie durch Kriege und Unruhen.

Zur Währungsinstabilität

Die Auf- und Abbewegungen des internationalen Währungssystems werden immer schneller und zeigen immer größere Ausschläge. Wenn bisher eine Währung gegenüber einer anderen an Wert verlor, kaufte die Zentralbank des betroffenen Landes mit ihren Devisenreserven größere Mengen des "eigenen" Geldes auf, worauf dessen Wert wieder stieg. Der völlige Zusammenbruch der mexikanischen Wirtschaft 1994 konnte nur durch eine Hilfsaktion in Höhe von 50 Milliarden Dollar verhindert werden, eine Summe, die bis dahin nie erreicht wurde. Bereits 1997 folgte die Südostasienkrise, deren Ausmaß und schnelles Fortschreiten die Mexicokrise weit überstieg, 1998 folgten die Krise in Rußland, Anfang 99 die Krise in Brasilien. Im Februar 1995 verlor ein junger Devisenhändler der altehrwürdigen Baringsbank innerhalb weniger Tag. beim Devisenhandel 1,5 Milliarden, das Doppelte des Kapitals der Bank. Die Menge des zur Spekulation an einem einzigen Tag eingesetzten Geldes übersteigt inzwischen die Währungsreserven aller Zentralbanken zusammen. Das bedeutet, bei einer zu befürchtetenden Finanzkrise globalen Ausmaßes sind die offiziellen Währungshüter inzwischen völlig überfordert, feuerwehrartig zu intervenieren, wie dies eigentlich gedacht ist.

Zur Überalterung der Gesellschaft

Die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen lag im Verlaufe seiner Geschichte bei etwa 18 Jahren. Nach einer Prognose der UNO wird die Zahl der 65 bis 84jährigen bis zum Jahr 2050 von z. Z. 40 Millionen auf 1,3 Milliarden steigen, also etwa um das dreifache, die Zahl der über 84jährigen wird sogar von 26 Millionen auf 175 Millionen wachsen, also um das fünffache.

Zur Informationsrevolution

Diese hat u. a. durch Mechanisierung und Automation dazu geführt, daß inzwischen weltweit 700 Millionen Menschen arbeitslos sind. Die 500 größten Konzerne der Erde haben in den letzten 20 Jahren ihre Produktion um 700% gesteigert und gleichzeitig Personal abgebaut.

Freiwirtschaft und Umlaufsicherung

Anfang des Jahrhunderts entwickelte der Deutsch-Brasilianische Kaufmann Gesell, ausgehend von Beobachtungen der ständigen Schwankungen auf dem Markt eine Idee von einem anderen Geldsystem. Geldmangel, d. h. Deflation, ist für die Menschen schlimmer als Inflation, das erkannte man spätestens 1929. Der Zins sorgt normalerweise dafür, daß niemand in großem Umfang Geld hortet und somit der Wirtschaft entzieht. Der Zins hat jedoch die oben beschriebenen gravierenden Nachteile für die Menschen. Deshalb haben auch große Religionsgründer, z. B. Moses, Jesus und Mohammed das Zinsnehmen ("Wucher") ausdrücklich verboten. Die Geschichte lehrt, daß durch Verbote dieses Problem nicht zu lösen ist. Gesell entwickelte die Idee von "rostendem" Geld, d. h. Geld, das durch eine Abgabe gesteuert an Wert verliert. Heute könnte dies z. B. bedeuten, daß für Geld auf Girokonten eine bestimmte Gebühr erhoben wird. Der Verlust durch diese Abgabe kann entweder durch baldiges Ausgeben oder durch langfristige Anlage vermieden werden. Dadurch werden die Geldinhaber motiviert, das Geld der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Hierdurch wird die systembedingte Knappheit beseitigt und die Zinsen gehen allmählich gegen Null Dieser Wertverlust sichert also, wie der Zins - ohne dessen Nachteile -einen stetigen Umlauf des Geldes und man spricht von "Umlaufsicherung". Ein weiterer Vorteil dieses Systems ist, daß die Umlaufsicherungsgebühr der Allgemeinheit zugute kommt, während die Zinsen vor allem den unvorstellbaren Reichtum einer verschwindend kleinen Minderheit in sinnloser Weise noch weiter vermehren. Die unten angeführten Bespiele des ägyptischen Geldsystems, der "Brakteaten" im Mittelalter und das Geldexperiment von Wörgl zeigen die Wirksamkeit dieses Systems. Auch in China gab es in der Mingzeit ein umlaufgesichertes Geld, das zu großer wirtschaftlicher und kultureller Blüte führte. In den letzten Jahren hat sich für dieses System der Begriff "Freiwirtschaft" eingeführt, gemeint ist eine Wirtschaft frei von Zinsen und Inflation. Auch der Begriff "Natürliche Wirtschaftsordnung" (NWO) wird benutzt. Der vorgeschlagene Wertverlust bedeutet KEINE Inflation, da nicht die Währung selbst abgewertet wird, sondern nur liquide Geldbestände einem Abzug im Nennwert unterliegen.

Komplementärwährungen

"Komplementär" soll ausdrücken, daß diese Währungssysteme keine Konkurrenz zu den bestehenden Währungen sind, sondern diese ergänzen. Von herkömmlichen Währungen unterscheiden sie sich vor allem in folgenden Punkten

- sie beinhalten nicht den zerstörerischen

Zins/Zinseszins - Mechanismus

- sie kennen keine Inflation

- sie bleiben von eventuellen Börsencrashs unberührt

- es gibt keine Probleme mit der Steuerung der

Geldmenge

(Ausnahme: "Fiat" -Währungen, wie z. B. das

Geldsystem in der Stadt Ithaka in den USA)

- sie sind fälschungssicher (Ausnahme: Währungen mit eigener gedruckter Währung)

- sie müssen nicht künstlich knapp gehalten werden

- sie sind gemeinschaftsfördernd

Komplementärwährungen in der Vergangenheit

Ägypten

Das älteste bekannte zinslose Währungssystem stammt aus dem Ägypten der Pharaonenzeit. Im Niltal war eine ausgeklügelte Vorratswirtschaft entwickelt worden. Wenn ein Bauer nach der Ernte z. B. 10 Sack Getreide im öffentlichen Vorratshaus abgab, erhielt er dafür eine "Quittung" in Form eines Tonscherbens, in den die abgelieferte Menge und das Abgabedatum eingeritzt wurden. Diese "Ostraka" genannten Tonscherben entwickelten sich zur allgemein gültigen Währung für den Inlandshandel. Für den Außenhandel waren daneben Silbermünzen in Gebrauch. Zwei wichtige Merkmale der Ostraka waren, man erhielt dafür keine Zinsen und sie verloren an Wert, weil bei der Einlösung die Kosten für die Lagerhaltung des Getreides abgezogen wurden. Diese Mechanismen verhinderten wirksam eine Hortung.. Die Ostraka bescherten dem Niltal eine für über 1000 Jahre stabile Währung, ein Alter, das bisher von keiner anderen Währung erreicht wurde.

Brakteaten"

So nannte man im Mittelalter dünne, einseitig geprägte Silbermünzen. Sie wurden in gewissen Abständen, z. T. drei Mal im Jahr, "verrufen", d. d. für ungültig erklärt und dann wurden z. B. 12 alte gegen 9 neue Münzen eingetauscht. Die Differenz wurde als Steuer einbehalten. Da niemand gern diesen Verlust beim Umtausch in Kauf nahm, wurden sie baldmöglichst weitergegeben und führten so zu einer Belebung der Wirtschaft. Außerdem kam niemand auf den Gedanken, diese verfallenden Münzen zu horten. Dieser Umstand und der schnelle Umlauf führte zu einer beispiellosen wirtschaftlichen Blüte in Mitteleuropa. Der häufige Münzaustausch wurde von den Menschen allerdings auf die Dauer als umständlich und lästig empfunden, während die Ägypter mit ihrer Währung sehr zufrieden waren. Die Tatsache, daß der Mechanismus der Umlaufsicherungsgebühr ein wesentlicher Grund für den herrschenden Wohlstand war, durchschaute man wahrscheinlich in beiden Fällen nicht. Natürlich könnte die Wirkung einer derartigen Umlaufsicherung heute mit ganz anderen Mitteln erreicht werden. Da heute der Geldverkehr zunehmend bargeldlos geschieht, würde es z. B. genügen, Girokonten und kurzfristige Anlagen mit einer Gebühr zu belegen, um die Leute zu veranlassen, ihr Geld langfristig anzulegen und dadurch der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Außerdem, wäre die Spekulation erschwert. Falls erforderlich könnten die "großen" Scheine in unterschiedlichen Serien aufgelegt werden, die sich in Farbe, Länge oder Kennzeichnungsbuchstaben unterscheiden. Von Zeit zu Zeit könnte dann eine Serie für ungültig erklärt werden.

Beispiele für moderne Komplementärwährungen.

Das Geld von Wörgl

In der Zeit der Massenarbeitslosigkeit 1929 führte der Bürgermeister der kleinen Stadt Wörgl in Tirol sogenannte Arbeitsbestätigungsscheine ein, die nur gültig blieben, wenn sie jeden Monat durch Aufkleben einer bei der Gemeinde zu kaufenden Gebührenmarke versehen wurden. Dieses System führte innerhalb eines Jahres zu einer Abnahme der Arbeitslosigkeit um 25% während sie in den umliegenden Gemeinden im gleichen Zeitraum noch um 10% zunahm.

Seniorenwährung

Die Landesregierung Baden Württemberg unter Lothar Spät gab 1991 Finanzhilfe für den Aufbau von 10 Seniorengenossenschaften. Die Mitglieder können vor allem durch die Betreuung von alten und hilfsbedürftigen Menschen Zeit - Punkte sammeln, mit denen sie sich später selbst Pflegeleistungen "kaufen" können. Inzwischen gibt es in Deutschland über 50 solcher Genossenschaften, eine der erfolgreichsten in Dietzenbach mit über 1200 Mitgliedern.

Japan hat den zweithöchsten Anteil an alten Menschen. Anfang der 90erjahre, gründete T. Hotta, ehemaliger japanischer Justizminister das "Sawayaka Human Welfare Institut", eine Einrichtung, die etwa unseren Seniorengenosenschaften entsprechen. Ihre Währung ist Hureai Kippu Etwa "Pflege-Beziehungs-Tickets". Die alten Menschen fühlen sich bei Sawayaka besser versorgt, als bei den professionellen Diensten. Viele Leute überschreiben einen Teil ihres angesammelten Ticket-Guthabens auf ihre Eltern, die in einem anderen Landesteil pflegebedürftig sind. T. Hotta geht davon aus, daß voraussichtlich ein Drittel bis die Hälfte der konventionellen Geldtransaktionen durch neue Währungen erfolgen werden. Z. Z gibt es in Japan auf lokaler Eben über 300 Pflegedienste, die nach dem Prinzip der Zeitkonten arbeiten.

Time Dollar

1986 entwickelte Prof. Edgar S. Kahn an der "District of Columbia Law school" für Rentner-Wohnanlagen in Florida, einen Schulbezirk in Chicago und ein Sozialprojekt in Washington D.C. eine Zeitwährung und nannte sie "Time dollar". Das Prinzip ist einfach. Für private Arbeiten werden dem Ausführenden auf einem Konto 10 Time dollar je Stunde gutgeschrieben, mit denen sich der Inhaber andere Leistungen "kaufen" kann. Dieses Prinzip wird inzwischen auf der ganzen Welt in Hunderten von Projekten angewendet. Die Krankenversicherung Elderplan in New York akzeptiert seit 1995 die Bezahlung der Mitgliedsbeiträge bis zu einem Viertel in Time Dollar.

Währungen von Tauschringen

Tauschringe funktionieren nach dem oben bereits beschriebenen Prinzip. Es wird also nicht, wie der Name suggeriert, im strengen Sinn getauscht, sondern für jede Dienstleistung wird ein bestimmter Betrag der lokalen Währung auf einem speziell zu diesem Zweck geführten Konto gutgeschrieben. Die Währung heißt oft "Talente", oder auch Kreuzer, Knoten, usw. Für das gesammelte Guthaben können andere Leistungen in Anspruch genommen werden. Eine Arbeitsstunde entspricht z. B. 20 Talenten, d. h. es handelt sich im Prinzip um eine Zeitwährung. Beim Tausch von Waren entspricht ein Talent meist etwa einer DM. In manchen Tauschringen wird der Wert von Dienstleistungen und Waren völlig frei ausgehandelt. Wenn ein Teilnehmer eine Leistung von einem anderen Teilnehmer in Anspruch nimmt, bekommt der eine z. B. 30 Talente +, der andere 30 Talente- verbucht, d. h. der zweite hat gewissermaßen Schulden, aber nicht gegenüber dem "Tauschpartner", sondern gegenüber der Gemeinschaft. Das Aufsichnehmen von "Schulden" ist hier völlig wertfrei und im Grunde sogar erwünscht, weil es einem anderen Teilnehmer ermöglicht, eine Leistung zu erbringen Außerdem zahlt man keinerlei Zinsen. Die Summe aller Konten ist immer gleich Null.

Ithaca hours

In der Kleinstadt Ithaca im Staate New York gründete Paul Glover 1991 einen Tauschring. Verrechnungseinheit ist die "Ithaca hour", die einer Stunde Arbeitszeit oder 10 Dollar entspricht. Die Gemeinschaft gibt eigens gedrucktes Geld heraus, das inzwischen von 200 Unternehmungen angenommen wird, z. B. vom örtlichen Supermarkt, den 3 Kinos der Stadt, Ärzten und Rechtsanwälten. Die örtliche Bank führt auf Wunsch Konten in dieser Komplementärwährung. In der alle 2 Monate erscheinenden Marktzeitung mit ca. 1200 Angeboten beziehen sich viele der ca. 200 gewerblichen Angebote auf eine Kombination aus beiden Währungen. Etwa 1000 Menschen benutzen regelmäßig die "hours", manche zahlen ihre Miete damit. Die Scheine werden hauptsächlich über die Inserenten der Marktzeitung ausgegeben. 9,5% davon werden an gemeinnützige Organisationen vor Ort ausgegeben. 57 Gemeinden in den USA folgten inzwischen diesem Beispiel.

ROCS (Robust Currency System)

Währungseinheit ist hier eine Stunde, deren Wert von Fall zu Fall ausgehandelt werden muß. Damit wird das Problem gelöst, daß Menschen, deren Dienste auf dem normalen Markt deutlich mehr wert sind, kaum bereit sind, den "Einheitspreis" von z. B. 20 Talenten zu akzeptieren. Außerdem fehlt bei ROCS die Bindung an die Landeswährung, welche bei den meisten Tauschring- und LETS -Währungen gegeben ist. Diese Bindung erleichtert zwar die Bewertung von Sachleistungen, macht diese Währungen aber auch anfällig gegen Inflation der Landeswährung. Nach Einschätzung von Lietaer ist ROCS die Währung, welche am besten geeignet ist, um eine Krise des bestehenden Währungssystems zu überstehen.

Curitiba - Währung

Die Einwohnerzahl von Curitiba, der Hauptstadt des nordbrasilianischen Bundesstaats Parana ist von 120000 im Jahre 1940 auf fast 2,5 Millionen hochgeschnellt. Als Jaime Lerner 1971 dort Bürgermeister wurde, hatte er u. a. das Müllproblem zu lösen. Ein Großteil der Einwohner wohnt in den Elendsvierteln, den Sog. Favelas in Hütten aus Pappe und Wellblech. In den Favelas türmte sich der Müll, weil die Müllfahrzeuge in die schmalen Gassen gar nicht erst hinein fahren konnten. Lerners Team ließ am Rande der Favelas große Container für Glas, Papier, Plastik usw. aufstellen. Wer eine Tüte mit vorsortiertem Müll brachte, erhielt eine Busfahrkarte. Schon bald hielten Zehntausende von Kindern die Favelas sauber und die Busfahrscheine entwickelten sich zu einer regelrechten Währung. Bis heute tauschten die Menschen in 62 Vierteln 11000t Müll gegen eine Million Busfahrscheine und 1200t Lebensmittel. 70% aller Haushalte in der Stadt nehmen an dem Programm teil. In den letzten 3 Jahren bekamen über 100 Schulen 1,9 Millionen Schulhefte für 200t Müll. Die Stadt förderte auch konsequent den öffentlichen Verkehr. Mit einer Fahrkarte für etwa 35 Pfennige kann man durch die ganze Stadt fahren. Etwa 20 Städte in Brasilien haben das System übernommen.. Curitiba wurde 1992 von der UNO als beispielhafte ökologische Stadt anerkannt.

Gutscheine für Vielflieger

Vor allem in den USA haben sich diese Gutscheine praktisch zu einer eigenen Währung entwickelt, mit der man auch andere Leistungen als Flüge kaufen kann.

Behörden und Komplementärwährungen

Das Sozialministerium in England gab am 8. 12. 93 bekannt. "Kredite im LETS - System (Local Exchange and Trading System, entspricht unseren Tauschringen) zählen bei der Einkommensberechnung für die Sozialversicherung nicht als Einkommen!. LETS - Systeme sind begrüßenswerte Initiativen zur Förderung der Gemeinschaft". Am weitesten sind die sonst als besonders streng geltenden Steuerbehörden der USA: alle Transaktionen in "Time dollar" sind in mehreren Staaten grundsätzlich steuerfrei, weil sie einem primär sozialen Zweck dienen..

In Neuseeland gilt die Regel, daß professionelle Dienstleistungen (Klempner repariert Dachrinne) als reguläres Einkommen gelten. Hat die Tätigkeit nichts mit dem Beruf zu tun (Klempner gibt Massagen) ist sie steuerfrei. In Deutschland arbeitet Prof. Lehmann von der Ev. Hochschule Hannover an einer Zusammenstellung der gesetzlichen Bestimmungen. Bei der steuerlichen Beurteilung sind bei uns auf jeden Fall die Freigrenzen zu berücksichtigen, unter denen vom Umfang her die allermeisten Tätigkeiten bleiben.

Zum Vorwurf der Schwarzarbeit ist zu sagen, daß ein Tauschring Schwarzarbeit eher erschwert, weil sie durch die "gläserne" Buchhaltung jederzeit erkennbar und auch nach längerer Zeit nachweisbar ist.

Zentralbanken und Komplementärwährungen.

In der Zeit vor dem 2. Weltkrieg waren z. B. die Deutsche und die Österreichische Zentralbank sehr kritisch gegenüber alternativen Währungen und ließen entsprechende Projekte, z. B. in Wörgl und Schwanenkirchen, verbieten, als sie Schule zu machen begannen. Dahinter stand neben reiner Machtpolitik die Sorge, daß unkontrolliert entstehendes Geld die Inflation steigen lassen könnte. Die meisten Zentralbanken haben heute wahrscheinlich Alternativwährungen noch gar nicht zur Kenntnis genommen. Ausgesprochen wohlwollend steht die Neuseeländische Zentralbank diesen Währungen gegenüber, weil sie ihrer Meinung nach das Inflationsrisiko in einer Volkswirtschaft senken. Möglicherweise ist dieser Schluß das Ergebnis eines besonders sorgfältigen Nachdenkens, zu dem sich der Präsident der neuseeländischen Zentralbank wohl dadurch veranlaßt sah, daß sein Einstellungsvertrag seine automatische Entlassung vorsieht, falls die Inflationsrate 2,5% überschreitet,

Die Zukunft

Große internationale Transaktionen werden wahrscheinlich zunehmend als echte Tauschgeschäfte durchgeführt werden. Pepsi Cola z. B. bringt seine Gewinne aus dem Rußlandgeschäft in Form von Wodka nach Amerika. Frankreich hat im nahen Osten Kernkraftwerke gegen die Lieferung von Erdöl gebaut und viele werden sich noch an das Deutsche Geschäft mit der Sowjetunion: "Röhren gegen Erdgas", erinnern. Bereits jetzt wird ein Viertel des internationalen Handels als Tausch abgewickelt

Für bestimmte Bereiche werden wahrscheinlich auch die Nationalwährungen, bezw. deren Nachfolger wie der Euro noch längere Zeit ihre Bedeutung haben.

Daneben werden sich Komplementärwährungen einen breiten Raum erobern. Nach Meinung von B. Lietaer werden zwar 95% der Projekte scheitern, aber die restlichen 5% werden sich durchsetzen und unsere Wirtschaftsweise, unsere Gesellschaft, unsere Zivilisation und unsere Welt für immer verändern. Wenn gemeinschaftsfördernde Währungssysteme nicht unterdrückt, sondern gefördert werden, läßt sich zumindest ein Teil der schmerzhaften Veränderungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen vermeiden, die zunehmend auf uns zu kommen.

Ausblick -Was ist zu tun?

1 Änderung des Geldsystems

Die Vertreter der Freiwirtschaft halten eine Veränderung des bestehenden Geldsystems für unverzichtbar zur Lösung vieler Probleme, wie wachsende Schulden des Staates und der Entwicklungsländer, Arbeitslosigkeit und Umweltzerstörung, zunehmende Verarmung von Milliarden von Menschen.

2 Änderung des Bodenrechts

Viele halten außerdem eine Änderung des Bodenrechts für erforderlich.

3 Ökosteuer

Um den Verbrauch von nicht erneuerbarer Energie und Rohstoffen zu reduzieren, ist eine echte Ökosteuer notwendig.

4 Einführung von Komplementärwährungen

B. Lietaer sieht darüber hinaus auch in der weltweiten Förderung von Komplementärwährungen neben den vorhandenen konventionellen Währungen einen möglichen Weg. Bei der jetzigen Machtverteilung in der Welt ist es sehr schwer vorstellbar, daß eine umfassende Neuordnung ohne eine vorausgegangene Katastrophe durchgesetzt werden kann. Er ermuntert die Leser seines Buches, sich an Experimenten mit derartigen Währungen zu beteiligen oder z. B. selbst einen Tauschring zu gründen. Zwar werden nach seiner Einschätzung 95% der Projekte scheitern, aber die restlichen 5% werden sich durchsetzen und unsere Wirtschaftsweise, unsere Gesellschaft, unsere Zivilisation und unsere Welt für immer verändern.

5 Schritte zur Verringerung der Spekulation

Ein wichtiger Schritt für eine Eindämmung der Spekulation wäre die Einführung einer Börsen - Umsatzsteuer. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Tobin hat bereits 1978 einen Satz von 1% vorgeschlagen. Erst 1995 griffen Experten der UNO diesen Vorschlag auf, konnten ihn aber trotz einer Herabsetzung auf 0,05 % bisher nicht durchsetzen. Von den Regierungen sind Schritte in dieser Richtung immer weniger zu erwarten, da durch die hohe Staatsverschuldung der Spielraum der Politik immer kleiner wird, und Maßnahmen, welche die Entfaltung der immer mächtiger und größer werdenden weltweit operierenden Konzerne beeinträchtigen könnten, nicht mehr durchsetzbar sind. Manche halten es für möglich, daß auch in den Schaltstellen der Wirtschaft allmählich ein Umdenken stattfinden könnte.

6 Steigerung des Verantwortungsbewußtseins der Bürger
Effektiver und schneller wird ein Kurswechsel möglich, wenn sich die Bürger selbst ihrer Verantwortung und Macht bewußt werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Gentechnik. Obwohl mächtige Chemiekonzerne alle Hebel in Bewegung setzen, um mit gentechnisch veränderten Lebensmittel den Markt zu erobern, und die Politik zumindest in Deutschland praktisch nichts dagegen unternimmt, hat die Deutsche Bank in einem internen Papier Geldanlegern empfohlen, sich von Aktien der Gentechnikfirmen zu trennen, weil die Gewinnaussichten in Europa zu schlecht geworden sind. Diese Entwicklung ist vor allem dem breiten Widerstand der Bevölkerung zu verdanken. Dieser wiederum hat seine Ursache vor allem in der engagierten Informations- und Demonstrationsarbeit der NGOs (non govermental organisations, Nichtregierunsorganisationen), z. B. Greenpeace, Robin Wood und BUND. In ähnlicher Richtung argumentiert auch C. F. v. Weizsäcker in seinem Buch "Wohin gehen wir". Einschränkungen der Forschung sind weder von der Politik noch von der Wirtschaft, am wenigsten von den Forschern selber zu erwarten. Den einzigen Weg, eine weitere Katastrophe, wie z. B. den Bau von Kernwaffen zu verhindern, sieht Weizsäcker darin, daß sich jeder Bürger genügend kundig über mögliche Gefahren macht und dieses Wissen dann auch in politische Aktionen umsetzt

7 Sinnvolle Geldanlage

Ein anderer wichtiger Schritt ist, sein Geld nicht nur im Hinblick auf maximale Rendite einzusetzen, sondern bei Banken anzulegen, die ökologisch oder sozial vertretbare Projekte unterstützen.

8 Gerechter Handel

Zur Verbesserung der Lage in den Ländern des Südens ist eine Verbesserung der "terms of trade" unverzichtbar. Die jetzt durch das Diktat der Industrieländer auch aus der Sicht der Umwelt viel zu niedrigen Rohstoffpreise müssen allmählich angehoben werden. Dies führt im Norden zu einer weit niedrigeren Preiserhöhung als oft angenommen, da unsere Preise zum großen Teil äußerst niedrige Rohstoffkosten enthalten. Eine der wenigen Ausnahmen betrifft Rohöl

9 Wissen verbreiten

Der wichtigste Schritt ist sicher, das Wissen über die dargelegten Zusammenhänge nach Kräften zu verbreiten.

10 Was kann ich selbst konkret tun?

- einem Tauschring oder einer Seniorengenossen-schaft beitreten oder selbst einen/eine gründen

- Leserbriefe oder Emails zu einschlägigen Veröffentlichungen schreiben

- eine Partei wählen, welche die oben dargelegten Ziele am ehesten unterstützt

- sein Geld ökologisch und sozialverträglich anlegen

- geeignete NGOs unterstützen, z. B. auch die unten genannten  Organisationen

- die Herkunft von Waren nachfragen

- mit Freunden und Bekannten diskutieren (möglichst ohne Missionseifer)

- Bundes- und Landtagsabgeordnete anschreiben

- Initiativen zur Weiterentwicklung der Demokratie unterstützen

Zusammenfassung

Hier noch einmal die wichtigsten Thesen von B. A. Lietaer zusammengefasst, die er in seinem Buch darstellt und auch ausführlich untermauert.

Die meisten Probleme des derzeitigen Geldsystems hängen mit dem Zins und Zinseszinsmechanismus zusammen. Er führt zu

ständiger Umverteilung von arm nach reich

unbegrenztem Wirtschaftswachstum

Spekulation

kurzfristiger Planung

Zerfall von Gemeinschaften

In unserer Zeit laufen 4 Entwicklungen, die Überalterung der Gesellschaft, die Informationsrevolution, Klimaveränderung und Artensterben und Währungsinstabilität gleichzeitig und beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb haben wir zur Bewältigung der dadurch entstehenden Probleme immer weniger Zeit

Eine Vollbeschäftigung im dem Sinne, wie wir sie noch kennen, wird es nie wieder geben. Die Europäischen Staaten haben sich mit der Schaffung des Euro zusätzlich in eine Sackgasse mit hohen Arbeitslosenzahlen hineinmanövriert, ohne daß sie noch über die traditionellen Instrumente verfügen, etwas dagegen zu unternehmen. Ein Ausweg wird die in der Eingangsvision geschilderte "duale" Karriere von immer mehr Menschen sein.

Durch komplementäre Währungen können wir in nur einer Generation einen nachhaltigen Wohlstand schaffen.

Eine Veränderung des Geldsystems wird viel weitreichendere Konsequenzen haben, als wir uns vorstellen können

Literatur und Organisationen

Geld ohne Zinsen und Inflation, Margrit Kennedy: Goldmann-Verlag, 250 Seiten, leicht lesbar und gut geeignet als Einstieg

Das Geldsyndrom, H. Creutz: Ullstein-Verlag, ca 400 Seiten, das Standardwerk für den, der den Dingen wirklich auf den Grund gehen will

Das Geld der Zukunft, B. A. Lietaer, 480 Seiten, Der Autor war u. a. bei Der Belgischen Zentralbank zuständig für die Einführung des Eurovorgängers ECU, beschreibt zunächst die Probleme unseres jetzigen Geldsystems und legt dann dar, wie wir innerhalb einer Generation einen nachhaltigen Wohlstand erreichen können.

Wirtschaften im 3. Jahrtausend, Wolfgang Keßler, Publikforum Verlag

Tauschen statt bezahlen, M. Baukhage u. D. Wendl, Rotbuchverlag, Darstellung einiger Tauschringe, viele Addressen

Die Schuld des Nordens H. Sabet, Horizonte - Verlag Frankfurt,stellt sehr gut die Probleme des Welthandels dar

Wohin gehen wir? 110 Seiten, Carl Hanser Verlag, C. F. v. Weizsäcker beantwortet diese Frage aus seiner Sicht auf den Gebieten Politik, Religion und Wissenschaft

Der Sprung aus dem Teufelskreis, J. Heinrichs, Vita Nowa Verlag, befaßt sich mit theoretischen Grundlagen der Freiwirtschaft und setzt sich für eine Viergliederung des sozialen Systems ein

Zukunftsfähiges Deutschland, herausgegeben von BUND und Misereor, Birkhäuser Velag Basel, 450 Seiten, sehr fundierte Studie für eine nachhaltige Wirtschaft

Gegen die Verwilderung der Sitten in Wirtschaft und Gesellschaft, Rainer Sanders, Publik-Forum Verlag, 208 Seiten

Der Terror der Ökonomie, Viviane Forrester, Goldmann, 1998, 216 Seiten

Die Didaktur des Profits, Viviane Forrester, Carl Hanser Verlag, 2001, 210 Seiten

Zeitschriften

Publik Forum, Zeitschrift kritischer Christen, Postfach 2010, 641410 Oberursel, bringt oft fundierte Informationen zu alternativem Wirtschaften

Zeitschrift "Der Dritte Weg "der Partei Freisoziale Union, Rappenbergstr. 64, 91757 Treuchtlingen, befaßt sich in erster Linie mit einer Reformierung unseres Geldsystems

Zeitschrift für Sozialökonomie, Herausgeber Werner Onken, Fachverlag für Sozialökonomie, Postfach 1129, 3510 Hann. Münden

Organisationen

"Christen für gerechte Wirtschaftsordnung", Vors. Prof. R. Geitmann, FH Kehl, Geschäftsstelle Rudeloffweg 12, 14195 Berlin, Internet www.cgw.de

INWO, Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung, Max - Bockstr. 55, 60320 Frankfurt, Email  INWO-D@t-online.de

Stiftung für Reform der Geld- und Bodenordnung, Albrechtstr. 127, 12165 Berlin

Sozialwissenschaftliche Gesellschaft e. V. ,Postfach 1550, 37145 Northeim