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Willy Millowitsch

"WILLY MILLOWITSCH"



Die Story  /  Biographie  /  Aufbahrung im Millowitsch-Theater  /  700 promis bei der Trauerfeier im Rathaus  /  Messe im Dom  /  Letztes Geleit am Theater vorbei  /  Beisetzung im Familiengrab  /  Eisenmarkt heißt bald Millowitsch-Platz


Biographie

Willy Millowitsch stieg bereits 1922 mit 13 Jahren auf die Bühne des väterlichen Volkstheaters. 1940 übernahm er von seinem Vater die Leitung der Familienbühne, die den Krieg einigermaßen unversehrt überstand. Als Intendant, Regisseur und Hauptdarsteller brachte er jährlich ein Lustspiel nach dem anderen heraus, viele davon wurden vom Fernsehen übertragen. Schon 1949 übernahm er seine erste Filmrolle, der in den 50er und 60er Jahren eine Anzahl weiterer Filme folgten.

Es war Sonnabend, der 27. Oktober 1953, als der WDR im deutschen Fernsehen zum ersten Mal eine Theateraufführung live übertrug. An damals 4.600 Bildschirmen sah man den "Etappenhasen" mit Willy Millowitsch, ein Volksstück in rheinischer Mundart.

"Das Fernsehen ist eine kulturelle Institution", entrüstete sich Adolf Grimme, der Direktor des Nordwestdeutschen Rundfunks, "der Millowitsch hat da nichts zu suchen!" Aber die Resonanz war so positiv, daß schon sechs Wochen danach wieder der Ü-Wagen des Kölner Senders vor dem Millowitsch-Theater stand, und der "Etappenhase" zum zweiten Mal über die kleinen Schwarz-Weiß-Bildschirme flimmerte.

Die Millowitsch-Schwänke wurden "Straßenfeger", wurden fester Bestandteil des WDR-Fernsehprogramms, und das Rheinische eine weithin bekannte Mundart, die für Gemütlichkeit und augenzwinkernden Humor stand. Das plattdeutsche Ohnesorg-Theater und das bayerische Kommödienstadel beeilten sich nachzuziehen.

In den 70er Jahren blieb er seiner Volksbühne treu, erst Ende der 80er Jahren übernahm er in einer Reihe von TV-Kriminalfilmen wieder die Hauptrolle. Seine Kinder Peter, Mariele und Marie-Luise sind ebenfalls im Fernsehen und auf der Bühne aktiv.


Der Prototyp des gemütlichen Rheinländers ist tot! 

Als der "leeve Jung" im Januar seinen 90. Geburtstag feierte, äußerte er drei Wünsche: "Gesund bleiben, gesund bleiben, gesund bleiben." Doch diese Wünsche sollten nur noch wenige Monate Bestand haben. Am Montag ist Willy Millowitsch im Kölner Elisabeth-Krankenhaus an Herzversagen gestorben. Dabei hatte der beliebte Volksschauspieler von der Bühne des Lebens so schnell noch nicht abtreten wollen. "Der Johannes Heesters will 100 werden, da will ich es ja auch mal versuchen", hatte Millowitsch damals gesagt.

Köln trauert um Willi Millowitsch. Die Fahnen wehen auf Halbmast, die Presse verabschiedet ihn mit Worten wie "Tschö Willy" und "Du warst dat Hätz vun Kölle". Auf die Frage nach dem kölschesten aller Kölner wird in ganz Deutschland niemand zögern, Willy Millowitsch zu nennen. Es ist wahrscheinlich eine der wenigen Meinungen über die Stadt, die jeder Kölner mit Nicht-Kölnern teilt. Seinesgleichen wird es nie mehr geben.

"Mit Willy Millowitsch hat uns einer der letzten großen Volksschauspieler verlassen", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder vor der Presse. Fest in seiner Heimatstadt Köln verwurzelt, habe er wie kein anderer seine Mitmenschen in ihrem Alltag dargestellt. "Er nahm sein Publikum an die Hand und hielt ihm auf seine unnachahmliche, nie verletzende Weise einen Spiegel vor. Willy Millowitsch liebte die Menschen, und seine Zuschauer liebten ihn." Auch Künstlerkollegen wie die Hamburger Volksschauspielerin Heidi Kabel und die Sängerin Katja Ebstein äußerten sich tief betroffen über Millowitschs Tod. Heidi Kabel, die mit Millowitsch in Köln auf der Bühne stand, sagte der Hörfunkagentur BLR/Radiodienst: "Wir haben gewusst, dass es mit ihm zu Ende geht, ich bin trotzdem sehr traurig". Millowitsch sei der größte Volksschauspieler Deutschlands gewesen. Ebstein würdigte Millowitsch an gleicher Stelle als Mensch, der "anderen stets Mut gemacht hat. Wenn ausgerechnet ein solcher Mensch stirbt, ist das sehr schade". Am Dienstag vergangener Woche war der Kölsche Jung ins Elisabeth-Krankenhaus gebracht worden. Diagnose: Wasseransammlungen im ganzen Körper und Kreislauf-Probleme aufgrund des drückend-warmen Wetters.

Viele seiner Bewunderer verabschiedeten sich am Montag von Millowitsch an der Bronzeplastik am Kölner Eisenmarkt. Ein ganz treuer Anhänger legt Rosen in die Hand der Figur. "Wir haben unser Frühstück liegen lassen, um uns von Willy zu verabschieden", sagt ein alter Fan. Der Kölner Hobbydichter Hans-Dieter Kuhl will dem Schauspieler ein eigenes Werk in Mundart widmen. «"Ich habe ihm schon zu seinem 90. Geburtstag ein Gedicht geschrieben", berichtet er. "Der große Wunsch meines Vaters ist, dass man ihn in guter Erinnerung behält", sagte Millowitsch-Sohn Peter und versprach, das Familien-Theater im Sinne seines Vaters weiterzuführen. Der Name Millowitsch galt als Markenzeichen für rheinischen Frohsinn und kölsches Mundwerk. Als Stimmungssänger brachte Willy Millowitsch mit "Schnaps, das war sein letztes Wort" Generationen von Karnevalisten zum Schunkeln.

Mit seiner offenen, lebensfrohen Art hat er die Sympathien der Menschen gewonnen, nicht nur als Schauspieler, auch als Privatmann. Man musste diesen Menschen einfach mögen. Die Kölnerinnen und Kölner lieben ihren Willy; und Willy liebte Köln: "Ein Leben ohne Köln kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich verdanke Köln eigentlich alles", hat der Schauspieler einmal in einem Interview gesagt. Das ist wohl auch der Grund, weshalb Millowitsch seiner Geburtsstadt nie den Rücken gekehrt hat - und umgekehrt: Bereits vor sieben Jahren hatte die Stadt Millowitsch ein Bronzedenkmal am Rheinufer gesetzt. Im Januar feierte Köln Millowitschs neunzigsten Geburtstag mit wochenlangem Mediengewitter und einer pompösen Fernsehveranstaltung in der Kölnarena, deren 18 000 Eintrittskarten eine Nachfrage wie zu den Bayreuther Festspielen auslösten. Die Gala hieß "Eine Stadt voller Narren Willy wird 90". Zuvor huldigten ihm die Bürger vor dem Rathaus und sangen Karnevalisten "Wat wör Kölle ohne dich".

Weniger bekannt ist, dass die Theaterdynastie Millowitsch bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht und das traditionsreiche Volkstheater nun schon in der 7. Generation – derzeit von Peter Millowitsch – von der Familie geleitet wird. Die Geschichte der Theaterdynastie Millowitsch ist lang. Der Name taucht 1792 zum ersten Mal in Köln auf. Michael Millowitsch ist Lohkuchenhändler und Puppenspieler. Wo er herkommt und wer ihm das Spiel mit den Stockpuppen beigebracht hat, ist unbekannt. Der Großvater von Willy Millowitsch tauschte die Puppen gegen echte Darsteller ein und gründete 1895 eine mundartliche Volksbühne in Köln, die später Peter Millowitsch, der Vater von Willy Millowitsch übernimmt.

Schon mit 13 steht Willy zum ersten Mal auf der Bühne des väterlichen Volkstheaters. 1924, zwei Jahre später, bekommt er seine erste große Rolle, womit auch ein Stück Kindheit zu Ende geht: Willy darf nicht mehr Fußball spielen, das ist ab jetzt zu gefährlich für den jungen Star. 1940 übernimmt der Volksschauspieler das Theater seines Vaters Peter Millowitsch. Ende der 40er Jahre ist Willy in ersten Rollen im Fernsehen zu sehen, viele weitere sollten in den nächsten Jahrzehnten folgen. 1953 ist eine komplette Aufführung des Millowitsch-Theaters zum ersten Mal im deutschen Fernsehen zu sehen. In schwarz-weiß und live wird der Erfolgsschwank "Der Etappenhase" in rheinischer Mundart gezeigt. Die Ausstrahlung ist so erfolgreich, dass sechs Wochen später erneut ein Ü-Wagen des WDR vor dem Millowitsch-Theater steht und das Volksstück noch einmal überträgt.

Die Millowitsch-Schwänke wurden "Straßenfeger", wurden fester Bestandteil des WDR-Fernsehprogramms, und das Rheinische eine weithin bekannte Mundart, die für Gemütlichkeit und augenzwinkernden Humor stand. Das plattdeutsche Ohnsorg-Theater und der bayerische Kommödienstadel beeilten sich nachzuziehen. Der als Schauspieler oft unterschätzte Theaterdirektor verkörperte auf der Bühne den Prototyp des redseligen, gemütlichen Rheinländers mit einer gehörigen Portion Mutterwitz. Kritiker sahen jedoch auch einen anderen Millowitsch: den strengen Theaterchef, der mit seiner rechthaberischen Art manchen Nachwuchsschauspieler zur Verzweiflung trieb; den starrköpfigen Familienvater, der erst im hohen Alter die Leitung des traditionsreichen Theaters an der Aachener Straße nur schweren Herzens seinem Sohn Peter überließ; den etwas eitlen Prominenten, der sich während des Rhein-Hochwassers bei der Lokalpresse erkundigte, ob das zu seinem 83. Geburtstag errichtete überlebensgroße Bronze-Denkmal in der Kölner Altstadt von den Fluten überspült sei.

Kritiker erinnern auch immer wieder gerne an einen der größten Flops im deutschen Fernsehen in den 70er Jahren. Mit der Sendung "Hei-Wi-Tip-Top" startete das ZDF an einem Sonntagabend im Jahre 1971 eine neue Familienserie, in deren Mittelpunkt eine Reinigungsfirma stand, die von Willy Millowitsch (Das Wi in Hei-Wi-Tip-Top) und seiner Fernsehfrau Heidi Kabel (Das Hei in Hei-Wi-Tip-Top) geleitet wurde. Sohn und Tochter wurden von Ilja Richter und Elke Aberle dargestellt. Nach nur einer Folge ging ein vernichtendes Donnergrollen von der Presselandschaft nieder. Die damals auflagenstärkste Fernsehzeitung Hör-Zu aus dem Springer-Verlag veröffentlichte seitenweise wütende Leserbriefe und forderte, dass keine zweite Folge mehr gezeigt werden dürfte. Das ZDF reagierte prompt und Hei-Wi-Tip-Top verschwand sofort auf Nimmerwiedersehen in den staubigen Regalen der Fernseharchive.


Aufbahrung im Millowitsch-Theater

Freitag, zehn Uhr, Aachener Straße. Im Millowitsch-Theater hatten die Kölner bis 20 Uhr die Gelegenheit, sich von ihrem Willy zu verabschieden.

Sein Sarg, ausgeschlagen mit heller Seide, wird im Foyer stehen. Daneben ein Kondolenz-Buch der Familie. Ob wir Willy nochmal ins Antlitz blicken dürfen, ob der Sarg also geöffnet wird, steht noch nicht fest.

"Die Familie berät noch darüber", sagt Bestattungsunternehmer Fro Kuckelkorn. Willy wird in seinem weißen Dinner-Jackett, in seiner Smoking-Hose und seinen schwarzen Lackschuhen beigesetzt.

Er wird seine rote Fliege und sein rotes Einstecktuch tragen. So, wie wir ihn alle kennen und zuletzt erleben durften. Ob die Aachener Straße wegen des zu erwartenden Andrangs gesperrt wird, steht noch nicht fest.


700 Promis bei der Trauerfeier im Rathaus

Samstag, zehn Uhr, Historisches Rathaus: Rund 700 geladene Gäste werden Abschied von Willy Millowitsch nehmen.

Die Gästeliste mit über 1000 Prominenten aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Sport wurde gestern in enger Abstimmung mit der Familie Millowitsch von der Protokoll-Chefin des Rathauses, Ingeborg Arians, erstellt.

Heute werden die letzten Einladungen verschickt. NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement hat sein Kommen zugesagt. Auch Millowitschs langjährige Weggefährtin Heidi Kabel wird ihm die letzte Ehre erweisen. Bundespräsident Johannes Rau musste absagen.

Er ist terminlich verhindert. Noch steht nicht fest, wer reden wird. Aber alles deutet darauf hin, dass Oberbürgermeister Norbert Burger die Trauerrede halten wird.


Messe im Dom

Die Trauergemeinde wird vom Rathaus am Samstag gegen elf Uhr zum Dom ziehen. Hier halten Weihbischof Friedhelm Hofmann und Dompropst Bernard Henrichs den Gottesdienst (Beginn: 11.15 Uhr).

Der Dom, er fasst ungefähr 20.000 Menschen, wird nicht abgesperrt. Nur die Plätze im Mittelschiff sind für die geladenen Gäste reserviert. Noch steht nicht fest, ob Willys Sarg im Dom stehen wird.

Das ist eigentlich nur bei geistlichen Würdenträgern üblich. Gegen 12.30 Uhr setzt sich der Trauer-Konvoi Richtung Millowitsch-Theater und Melaten-Friedhof in Bewegung.

Die Feierlichkeiten im Rathaus und im Dom werden vom WDR auf dem Roncalliplatz (Großbildleinwand) übertragen.


Letztes Geleit am Theater vorbei

Der Trauerzug am Samstag: Zehntausende werden erwartet, die Willy auf dem Weg vom Dom vorbei an seinem Theater zum Melaten-Friedhof die letzte Ehre erweisen wollen.

Zuletzt nahm die Stadt 1987 mit Trauerzügen Abschied von Josef Kardinal Höffner und vom ehemaligen Oberbürgermeister Theo Burauen.

1983 gab es einen Gedenk-Gottesdienst mit über 6.000 Trauergästen für Fußballtrainer Hennes Weisweiler im Dom.


Beisetzung im Familiengrab

Auf dem Melaten-Friedhof wird Willy Millowitsch Samstag Nachmittag im Familiengrab auf Flur 72 a beigesetzt. Die Beerdigung wird vom WDR im Fernsehen übertragen.

Geplant ist zudem der Aufbau einer Großleinwand auf dem Roncalliplatz. Die Trauer-Feierlichkeiten kommentieren Hans-Werner Kettenbach, Autor der Klefisch-Krimireihe, und WDR-Moderator Frank Plasberg


Eisenmarkt heißt bald Millowitsch-Platz

Sein Denkmal haben ihm die Kölschen schon zu Lebzeiten gesetzt. Gestern nahmen die Kölner am Eisenmarkt Abschied von "ihrem Willy", legten Blumen nieder, prosteten dem Denkmal aus Bronze symbolisch mit Kölsch zu.

Und bald könnte der Bronze-Willy schon auf seinem eigenen Platz sitzen, von der Bank aus in die Altstadt schauen. Denn EXPRESS erfuhr: Der Eisenmarkt soll schon bald in Willy-Millowitsch-Platz umbenannt werden.

Das wurde gestern aus Kreisen der CDU-Fraktion bekannt. Harry Blum, OB-Kandidat der CDU: "Wir müssen nur prüfen, ob der Name »Eisenmarkt« eine besondere historische Bedeutung hat. Sonst sind wir uneingeschränkt dafür, unserem Ehrenbürger diesen würdevollen Platz im Herzen unserer Stadt zu widmen."

Auch Anne Lütkes, OB-Kandidatin der Grünen, spricht sich für einen Willy-Millowitsch-Platz aus. "Es muss ein schöner Platz in unserer Stadt sein. Wir werden gemeinsam mit der Bezirksvertretung Innenstadt darüber beraten.

Aber jetzt geht es erst einmal darum, Willy Millowitsch am Samstag eine würdevolles letztes Geleit zu geben." Der Eisenmarkt - der Name dieses Plätzchens klingt historisch, weil er mitten im alten Handwerker- und Bürgerviertel am Rhein liegt. Der Name selbst ist auch alt, aber das Plätzchen selbst entstand erst bei der Altstadt-Sanierung im Jahre 1935, als eine verwinkelte Hinterhäuser abgerissen wurden.

Damals erinnerte man sich bei der Namens-Gebung daran, dass ein Teil des benachbarten Heumarkts schon seit dem 13. Jahrhundert als Standort der Eisenwarenhändler diente.


Tschöö Willy!

Jetzt sitz Du do mem Karl Berbuer un Willy Ostermann un beß bestempt am Skat kloppe oder su. Loß et Dr jot jonn.

Willy, ohne Dich ist "uns Kölle" ein Stückchen ärmer geworden! Aber wie sagte schon Trude Herr: "Niemals geht man so ganz."



Köln trauert um seinen liebsten Sohn

Gute Nacht, Willy!

"Köln hat einen Ehrenbürger und einen großen Sohn verloren." Mit sehr persönlichen Worten verabschiedete sich Kölns Oberbürgermeister Norbert Burger von Willy Millowitsch, der vergangenen Montag im Alter von 90 Jahren verstorben war.

Rund 400 Gäste versammelten sich gestern in der Piazetta des Historischen Rathauses zur Trauerfeier der Stadt Köln für ihren Ehrenbürger. Norbert Burger und Jürgen Flimm, Intendant des Hamburger Thalia-Theaters ehrten den Verstorbenen in ihren Trauerreden. Ein großes Willy-Foto stand links neben dem Rednerpult.

Zum Auftakt spielten Mitglieder "Junge Sinfonie Köln" eine neue Komposition für Willy. Ein klassisches Potpourrie mit Elementen aus "Ich ben ne kölsche Jung", "Wir sind alle kleine Sünderlein" und "Schnaps, das war sein letztes Wort." Prominente aus Politik und Kultur erwiesen dem großen Volksschauspieler und Freund Willy Millowitsch die letzte Ehre. Unter den Gästen: NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement, Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes und die beliebte Hamburger Volksschauspielerin Heidi Kabel, eine enge Freundin von Willy.

Die Höhner hatten wohl ihren schwersten Auftritt: Begleitet von der "Junge Sinfonie" stellten sie musikalisch die Frage, die sich jetzt alle Kölschen stellen: "Willy, wat mäht Kölle ohne dich?"

Über ein halbes Jahrhundert war Gerda Millowitsch mit ihrem Willy verheiratet. Die 77-Jährige war der große Rückhalt des beliebten Volksschauspielers. Jetzt ist sie das neue Oberhaupt der Familie.

Eine tiefe Seelenverwandtschaft verband den kölschen Willy mit Heidi Kabel. "Er war mir ein so guter Freund", trauert die Hamburgerin. Sie verließ Köln nach der Trauerfeier im Rathaus.

Trauer um den Vater: Willy-Tochter Katarina Eisenlohr wandelt schon lange auf den Spuren ihres bekannten Papas. 1983 gründete sie vis-a-vis des Millowitsch-Theaters das Theater am Bauturm.


Höhner: Das war ihr schwerster Auftritt

Statt "Willy, wat wör...", sangen die Höhner "Willy, wat mät Kölle ohne dich?" Der musikalische Abschied von ihrem Ziehvater ging ans Gemüt. Ein schwerer Auftritt für Peter Werner, Hannes Schöner, Henning Krautmacher, Pete Bauchwitz und Janus Fröhlich.


Auszüge aus den Trauerreden

OB Norbert Burger: "Er war der kölscheste aller Kölschen"

Willy Millowitsch wurde als kölschester aller Kölschen von den Menschen geliebt. Er wurde zum Synonym für die kölsche Lebensart und Mentalität, zum berühmtesten lebenden Kölner Wahrzeichen. In Köln galt er längst als Kultfigur. Wo immer er auftauchte, wurde er mit Willy-Willy-Sprechchören empfangen. Und auch das ist ein ganz besonderes Phänomen. Eine ganze Stadt nannte ihn beim Vornamen. Vielleicht ist das die höchste Auszeichnung, die ihm zuteil wurde. Willy Millowitsch war ein Glücksfall für Köln. Sein Tod ist ein großer Verlust. Köln ist ärmer geworden. Mach et jot, Willy. Vielen Dank.


Im Dom flossen Tränen der Rührung

"Grüß mir den lieben Gott, können wir Willy Millowitsch in dieser Stunde zurufen. Nun hast Du die Schwelle übertreten, die jenseits allen Ernstes und aller Komik liegt. " (Weihbischof Friedhelm Hofmann)

Der Trauergottesdienst im Dom: Tausende Kölner zollten Willy Millowitsch gestern ihren Dank, ihren Respekt.

Andächtig lauschten sie mit seiner Familie und den übrigen Trauergästen der Predigt von Weihbischof Hofmann. Der Freund der Familie Millowitsch fand bewegende Worte. Immer respektvoll, immer menschlich. Nicht einen Moment von oben herab. Und die Kölner, sie hielten sich mit ihren Gefühlen nicht zurück. Bedachten Hofmann mit einem warmen, anerkennenden Applaus.

Als dann der gesegnete, mit Sonnenblumen geschmückte Sarg durch den Mittelgang nach draußen getragen wurde, flossen noch einmal Tränen der Rührung. Denn durch das Gotteshaus wehte leise, eindringlich und wehmütig: "Ich ben ne kölsche Jung". Gespielt von Organist Clemens Ganz.


Die Segnung der Willy-Sarges

Der Mahagoni-Sarg mit dem toten Willy Millowitsch wird gesegnet. In der ersten Reihe am Mittelgang des Doms wurden Plätze für die engsten Familienmitglieder reserviert: für Barbie Millowitsch-Steinhaus, ihren Mann Peter, die Töchter Mariele, Susanne, Katharina Eisenlohr und Willys Frau Gerda Millowitsch. Neben ihnen stehen Dompropst Bernard Henrichs, Weihbischof Friedhelm Hofmann mit einem Bischofsstab und Domdiakon Reimund Witte..

Die Blicke von Mariele und Susanne gehen immer wieder zu Gerda Millowitsch. "Steht Mutter diese schweren Stunden durch?" scheinen ihre Augen zu fragen. Gerda Millowitsch verbirgt ihre Tränen hinter einer Sonnenbrille.


Willys letzte Reise

In einem teilverglasten Leichenwagen mit dem Kennzeichen K-WM-11 wird der Mahagoni-Sarg mit Willy Millowitschs sterblichen Überresten vom Kölner Dom zum Melatenfriedhof gefahren. Tausende Menschen haben sich am Straßenrand versammelt, applaudieren, als der Wagen an ihnen vorbeifährt. Immer wieder ertönen "Willy"-Rufe.


Die Trauer der Familie

Trauer und Anspannung steht ihnen allen ins Gesicht geschrieben: Die Familie Millowitsch gestern bei der Trauerfeier im Kölner Dom. Von links: Barbie Millowitsch-Steinhaus, ihr Mann Peter, Schauspielerin Mariele, Buchhändlerin Susanne, Katharina Eisenlohr und Gerda Millowitsch. Sie trägt einen schwarzen Hut mit Schleier.


Der Himmel weinte

Dicht gedrängt stehen Tausende Kölner an der abgesperrten Domplatte. Als der Sarg Willy Millowitschs aus dem Dom getragen wird, beginnt es zu regnen. "Auch der Himmel weint um Willy", sagt Maria Bergthaler (43) gerührt. Als sich der Leichenwagen in Bewegung setzt, brandet unter den Wartenden großer Applaus auf.


Narren-Chefs mit ernster Miene

Mit ernster Miene auf dem Weg zu ihren Plätzen im Mittelschiff des Domes: Festkomitee-Präsident Heinz-Horst Engels und Zugleiter Alexander von Chiari (v.l.). Während des anschließenden Trauergottesdienstes hielten die beiden Karnevalisten ihre Köpfe gesenkt, sprachen die Fürbitten andächtig mit. Im extra bereitgestellten Bus begleiteten sie später die Trauergemeinde auf dem Weg zu Willy Millowitschs Begräbnis auf dem Melatenfriedhof.


Zu Fuß vom Rathaus zum Dom

Schweigend betraten sie den Dom, hatten den Weg vom Historischen Rathaus zur Kathedrale zu Fuß zurückgelegt: Christoph Meertens und Grünen-Chefin Anne Lütkes, dahinter Bürgermeister Harry Blum und SPD-Fraktionschef Norbert Rüther. Kein Wort fiel über Politik - trotz des Wahlsonntags. Während des Trauergottesdienstes richteten die Politiker ihre Blicke nach vorn, hörten konzentriert der Predigt von Weihbischof Friedhelm Hofmann zu.


Der letzte Applaus

12.30 Uhr am Neumarkt. Stille legt sich über den Platz - die Kölner unterbrechen ihren Einkaufsbummel. Sie halten für fünf Minuten inne. Der Trauerzug rollt vorbei.

Vorne weg der Mercedes Kombi, Kennzeichen K-WM 11, in dem Willy zum letzten Mal über die Aachener Straße fährt. Vor dem Theater stehen innerhalb weniger Minuten über 500 Personen. "Wir sind um sechs Uhr aufgestanden, mit dem Wochenendticket aus Rheine gekommen", sagt Monika Felschen (54). "Das sind wir Willy schuldig."

Der Wagen stoppt für zwei Minuten vor dem Theater. Die Menschen hält es nicht hinter der Absperrung, sie wollen Willy noch einmal ganz nahe sein. Gleichzeitig setzen sie an zum letzten Applaus. Minutenlang. Sie rufen "Willy, Willy", legen rote Rosen und Sonnenblumen auf das Dach des schwarzen Wagens. Eine ältere Kölnerin traut sich hervor, berührt kurz die Heckscheibe, flüstert etwas - sie geht zurück in die Menge und bricht in Tränen aus. Andere Zuschauer heulen mit. Dann ist der Wagen weg, einige gehen ins Pittermännche, schauen am Fernsehen weiter.

12.45 Uhr: Innerhalb weniger Minuten haben sich mindestens 500 Menschen vor dem Theater in der Aachener Straße versammelt, um Willy die letzte Ehre zu erweisen. Der Konvoi mit der Familie und den Trauergästen hält zwei Minuten an. Es brandet ein letzter, großer Applaus für den kölschen Jung auf.


Schweigeminute

Schweigeminute auf der Domplatte. Gerda Millowitsch verharrt vor dem Sarg. Wie versteinert OB Burger, der nicht von ihrer Seite wich.


Abschied am Theater

Vor dem Millowitsch-Theater an der Aachener Straße: Mehrere hundert Kölner warten am Mittag hinter der Absperrung, mit Sonnenblumen für Willy.

Sogar die Kleinsten wollen sich von dem verstorbenen Volksschauspieler verabschieden.


Konvoi nach Melaten

Die Kölner verharren still, als der Trauerzug auf Willys letzter Reise am Neumarkt vorbei fährt. Der Mercedes mit dem Kennzeichen K-WM 11 vorn weg. Im Schritttempo fährt der Konvoi weiter über die Aachener Straße zum Familiengrab auf Melaten.


Ein stiller Gruß am Grab

Willys Freund Ralf Bernd Assenmacher hielt die Trauerrede

Es herrschte Stille in der Trauerhalle, als Ralf Bernd Assenmacher nach vorne schritt. Die Familie hatte ihn gebeten, die Trauerrede zu halten. Es war die Ansprache eines Freundes, der das Leid mit den Angehörigen teilte.

Er würdigte Willy Millowitsch als "den Kölner schlechthin, der zur Stadt gehört wie der Dom, das Kölsch und der Rosenmontagszug." Dem sonst so wortgewandten Arena-Chef fiel die Rede sichtlich schwer. Oft schluckte er, die Stimme schien fast zu versagen. Er fand die richtigen Worte, um Trost zu spenden. "So reichen wir Dir lieber Freund Willy die Hand und schließen all unser Empfinden für ein wahrlich vollendetes Lebenswerk, für Deine treue Freundschaft und für Deine uns anvertraute liebe Familie in das eine Wort ein: Danke."

Anschließend wurde Willy von der Familie und seinen Freunden zur letzten Ruhestätte geleitet. Dort spielte Mattes Dick "Heimweh noh Kölle" und den "Kölsche Jung". Nach der Trauerfeier zog sich die Familie in ihr Haus nach Lövenich zurück.


Kölner nahmen weinend Abschied

Nachdem die Familie den Friedhof verlassen hatte, durften auch die Kölner am offenen Grab Abschied nehmen. Geduldig standen sie an. Sie warfen Sonnenblumen und Rosen ins Grab. Gerade die älteren Kölner schämten sich ihrer Tränen nicht. Bis zum Abend nahm der Strom der Trauernden kein Ende.


Vier Träger begleiten den Sarg

Weihbischof Friedhelm Hofmann führte die Trauergäste an. Der Sarg wurde von vier Trägern begleitet. Es war ein schmerzhafter Weg, der auch am Grab des ehemaligen Oberbürgermeisters Theo Burauen vorbeiführte. Hinter dem Sarg ging Witwe Gerda gestützt von OB Norbert Burger und Tochter Katarina.


Karnevalisten standen Spalier

Kölner Karnevalsgesellschaften von der Ehrengarde bis zum Veedelsverein "Flora Kinder" standen Spalier, als der Sarg vorüberzog. Rund 120 Karnevalisten hatten sich mit Standarten und Bannern am Wegesrand aufgestellt, als der Trauerzug von der Leichenhalle zum Grab zog. Anschließend schlossen sie sich der Trauergemeinde an.

Quelle:Express


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