Präambel: „Weiterbildungskollegs“ sind schulische Einrichtungen des Zweiten
Bildungswegs, die sich als innovative Dienstleister im Bildungsbereich
verstehen. Hier können Erwachsene nach erfüllter Schulpflicht eine umfassende
Allgemeinbildung und eine höhere schulische Qualifikation erwerben. Die am
Weiterbildungskolleg erworbenen Abschlüsse sind den von anderen Schulen
vergebenen gleichwertig.
Bei ständiger
Weiterentwicklung ihrer Angebotsstruktur berücksichtigen die Weiterbildungskollegs
Ø
neue gesellschaftliche
Anforderungen, wie sie z.B. durch den Wandel der Arbeitsgesellschaft, die
Globalisierung und durch neue Technologien hervorgerufen werden
Ø
insbesondere Lebenslagen der
Teilnehmer, die z.B. durch berufliche Umorientierung und die Entwicklung neuer
Lebensperspektiven gekennzeichnet sind.
Damit die Qualität des
Angebots neuen Herausforderungen gerecht wird, arbeiten Vertreter der
Weiterbildungskollegs in einem Netzwerk überregionaler Facharbeitskreise. Auch
in den sog. „Ringen“ der im Weiterbildungskolleg vertretenen Bildungsgänge
findet auf Landes- und Bundesebene ein ständiger Austausch, die Diskussion und
Entwicklung zukunftsorientierter Modelle statt.
Fachliche Qualität und
Standards werden in den Fachkonferenzen der Einrichtungen unter Beteiligung der
Studierenden intensiv reflektiert, in Formen kollegialer Beratung gesichert und
weiterentwickelt.
Weiterbildungskollegs fühlen
sich einer aufklärerisch-demokratischen Bildungstradition verpflichtet. Dies
bedeutet in der Praxis des Lehrens und Lernens einen erwachsenengemäßen Umgang
miteinander, Toleranz gegenüber Studierenden, die zunehmend auch aus fremden
Kulturen kommen, Solidarität in Arbeitsprozessen und kooperative Formen der
Entscheidungsfindung.

Das
Weiterbildungskolleg der Stadt Bochum
ist eine „besondere Einrichtung der Erwachsenenbildung“, die die beiden
Bildungsgänge Abendrealschule und Abendgymnasium umfasst. Unsere
allgemeinbildende Schule bietet Erwachsenen die Möglichkeit, die Fachoberschulreife
sowie das Abitur nachträglich zu erwerben. Im Rahmen des Bildungsgangs „Abendrealschule“
können der Hauptschulabschluss (Klasse 9) sowie der Sekundarabschluss I (Klasse
10), im Rahmen des Bildungsgangs „Abendgymnasium“ die Fachhochschulreife ohne
Prüfung mit erworben werden.
Unsere
Unterrichtstätigkeit findet nicht im isolierten Raum statt. Das Bochumer
Weiterbildungskolleg ist eingebettet in die Schullandschaft unserer Stadt;
insbesondere findet eine Kooperation mit der Volkshochschule statt; auch eine
Kooperation mit den Bochumer Berufskollegs wird angestrebt. Zudem stehen wir in
engem Kontakt mit den Weiterbildungskollegs der umliegenden Städte. Auch internationale Schulkontakte, z.B. mit
einem Berufskolleg in Cambridge/England, sind angebahnt. [Cf. Anlage I]
Die
Klientel unserer beiden Bildungsgänge unterscheidet sich deutlich. Die oft noch
nicht voll als Erwachsene anzusprechende, zu einem beträchtlichen Teil
männliche Klientel der (unteren) Semester der Abendrealschule, die sich zumeist
aus sozial ungesicherten Verhältnissen rekrutiert, steht einer mehrheitlich
weiblichen Klientel des Abendgymnasiums gegenüber, die über langjährige Berufs-
sowie eine entsprechende Lebenserfahrung verfügt [cf. Anlage II]. Die sich auch
hieraus ergebenden vielfältigen Probleme beim Übergang von der einen Schulform
zur anderen müssen minimiert werden. [Cf. Anlage III]
Nicht
wenige der am Kolleg eingeschriebenen Frauen sind alleinerziehend und insofern
nicht selten einer Dreifachbelastung von Beruf, Familie und Schule ausgesetzt. Auf
ihre Probleme der Lebensführung/-gestaltung muss der Unterricht besonderen
Bezug nehmen. [Cf. Anlage IV: Exkurs zur sog. Frauenfrage] Dies kann vorrangig
in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern geschehen, speziell in den
Fächern Erziehungswissenschaft und Psychologie. Überhaupt lässt sich
feststellen, dass die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer dem generellen
Orientierungsinteresse der erwachsenen Studierenden besonders entgegenkommen,
so dass sich am hiesigen Weiterbildungskolleg ein Profil mit
sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt herausgebildet hat. (Außer den beiden
genannten Fächern werden Geschichte/Sozialwissen-schaften,
Soziologie und Erdkunde angeboten.)
Wir
gehen davon aus, dass friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher
Herkunft ein wichtiger Erziehungs- und Bildungsauftrag von Schule ist. Um
diesen zu erfüllen, hat interkulturelles Lernen einen festen Platz insbesondere
beim Vermitteln fremdsprachlicher Kompetenz. Im fremdsprachlichen Bereich wird
neben Englisch und Französisch auch das Fach Latein (und zwar mit der Möglichkeit des
Erwerbs des Latinums; cf. Anlage V) angeboten. Nicht zuletzt an den
Deutschunterricht an unserer Einrichtung (cf. Anlage VI) sind aufgrund der
sozialen Herkunft vieler Studierender wie auch der multikulturellen Ausrichtung
unserer Klientel hohe Anforderungen gestellt. Die Vorkurse der Abendrealschule
insbesondere für ausländische Studierende sind in diesem Kontext von größter
Bedeutung, denn der Erwerb der Zweitsprache, die für diese Studierenden ein
neues Verständigungssystem darstellt, bildet für sie die Grundlage für die
Eingliederung im Land der Zweitsprache. Diese Eingliederung soll jedoch unter
Beibehaltung der eigenen kulturellen Identität geschehen. Die Einbeziehung
bisheriger Lebens- und Lernerfahrungen vermittelt den Studierenden das Gefühl,
ernst genommen zu werden, erleichtert ihnen dadurch andererseits auch Schritte
auf eine neue Kultur hin, in der sie sich zurechtfinden müssen. Die Zweitsprache
bildet die Voraussetzung für die aktive Teilnehme am gesellschaftlichen Leben.
Die Multikulturalität unserer Klientel stellt zwar eine didaktisch-methodische
Herausforderung dar, bereichert das Schulleben jedoch nachhaltig.
In
den Naturwissenschaften nimmt das Fach Biologie
eine herausragende Stellung ein. [Näheres hierzu siehe Anlage VII]. Weitere
Fächer wie Chemie, Informatik und Kunst sind als sog. Wahlpflichtfächer
des Bildungsgangs Abendrealschule vertreten.
In
der modernen Mediengesellschaft wird der Unterricht in immer stärkerem Maße
durch äußere Einflüsse berührt, die sich nicht selten – zum Beispiel in Gestalt
mangelnder Konzentrationsfähigkeit insbesondere vieler (männlicher)
Studierender der unteren Semester der Abendrealschule – negativ auf das
Unterrichtsgeschehen auswirken. Die Techniken des Lernens (im Sinne Klipperts)
müssen deshalb erst einmal von Grund auf vermittelt werden. Die Unterrichtenden
müssen aber auch die psychosozialen Probleme der Studierenden eines Weiterbildungskollegs
stets im Blick haben. Regelmäßige schulinterne Lehrerfortbildungen sollen diese
Einsicht im Kollegium vertiefen. Vor allem gehört eine intensive Beratung
zu den Haupterfordernissen erfolgreicher schulischer Arbeit. Diese Beratung
muss weit über die Schullaufbahnberatung hinausgehen und sich auch den o.g.
psychosozialen Problemen unserer Klientel stellen. Dies muß im Rahmen eines
umfassenden Beratungssystems geschehen, das die Hilfeeinrichtungen der Stadt,
der Kirchen sowie freier Träger systematisch einbezieht.
Im
Sinne der Gestaltpädagogik kann erfolgreicher Unterricht jedenfalls nur
stattfinden, wenn störende äußere Einflüsse in ausreichendem Maße beseitigt
sind und ein weitgehend angstfreies Lernklima hergestellt ist, wobei sich die
Lehrkraft in der heutigen Erwachsenenbildung eher als Tutor im Sinne einer
„Didaktik der Ermöglichung“ verstehen sollte. Diese neue Lehrerrolle lässt sich
auch aus konstruktivistischen Grundannahmen vom Lernen herleiten. [Cf. Anlage
VIII: Exkurs zur konstruktivistischen Auffassung vom Lernen].
Außer
den oben erwähnten SchiLF-Maßnahmen wird der Unterricht an unserer Einrichtung
unterstützt durch besondere Schulveranstaltungen wie Museumsbesuche,
Theaterbesuche, Aufführungen englischsprachiger Theaterstücke in unserer Aula,
Exkursionen, Studienfahrten [cf. Anlage X], Schulfeste (die auch dem für die
jetzigen Studierenden gewinnbringenden Kontakt mit ehemaligen Studierenden
dienen).
Spezielle Projekte [z.B. das Video-Projekt „Stadtteilentwicklung Grumme“ oder die „Friedensgruppe“ unseres Kollegs als Beispiel für ein langfristiges Projekt: cf. Anlagen I und XI] dienen nicht zuletzt der stärkeren Einbeziehung der Studierenden in die Unterrichtsarbeit. Wie es überhaupt an unserer Schule der Erwachsenenbildung selbstverständlich ist, dass eine intensivere Mitarbeit der Studierenden sowohl in den Fachkonferenzen erfolgt wie ganz grundsätzlich in der Studierendenmitverwaltung (bei uns unter Betonung des Erwachsenenstatus unserer Studierenden deshalb bewusst AStA genannt). [Cf. Anlage XII].
Neben dem AStA unterstützt unser „Förderverein“ die schulische Arbeit. [Cf. Anlage XIII].
Seit drei Jahren stattfindende regelmäßige Treffen einer sog. Steuergruppe, die ihrerseits (z.T. fachübergreifende) Untergruppen gebildet hat, dienen dazu, diesen Prozess der Schulentwicklung in Gang zu halten, so dass eine Qualitätssicherung und kontinuierliche Verbesserung unserer pädagogischen Tätigkeit garantiert sind und durch eine ebenso regelmäßige Evaluation belegt werden kann. Diese Evaluation soll an unserer Schule - vor dem Hintergrund des Einsatzes der neuen Medien - speziell mit Blick auf die neue Lehrendenrolle erfolgen.
Anlage I: Arbeitskreis
„Schulen und Bochum Agenda 21 – Netzwerk Umweltkontaktstudien“
Im Rahmen dieses Netzwerks
verfolgt unsere Schule zur Zeit insbesondere folgende Projekte bzw. besondere Vorhaben:
·
Jahreszeitlich abhängige
Kartierungen des Schulumfeldes am Standort Lenneplatz (Kooperation mit der
Biologischen Station Bochum und dem Geographischen Institut der
Ruhr-Universität Bochum; geplante Kooperation mit der Hauptschule am Lenneplatz
und dem Stadtteilprojekt Grumme)
·
Jährlich stattfindende
mehrtägige Exkursionen zum Heiligen Meer bei Ibbenbüren zum Thema Gewässerökologie
(Näheres siehe Anlage VIII)
·
Mehrmals im Semester
stattfindende Projekte bzw. Sonderveranstaltungen zur Friedenserziehung
(Näheres siehe Anlage XI), zur Frauen- und Ausländerpolitik (in Kooperation mit
der Ruhr-Universität und unter Beteiligung internationaler ReferentInnen)
·
Jährlich stattfindende
internationale Begegnungen mit Studierenden aus europäischen Schulen in
Kooperation mit anderen Einrichtungen des Zweiten Bildungswegs (sog.
Sommerakademie)
·
Jährlich stattfindende
Projekte mit englischen Theatergruppen
·
In Planung befindlicher
Studierendenaustausch mit einer Berufsschule in Cambridge (Europaprojekt)
·
Mitarbeit in der
Stadtteilkonferenz Grumme
-
Vermittlung von
Kindergartenplätzen und Tagesmüttern im Stadtteil für Studierende unseres
Kollegs
-
Nutzung des
Statteilladens Grumme mit Beratungsmöglichkeit der dort tätigen Sozialarbeiterin
Anlage II: Milieutheorien
In den letzten 10 – 20 Jahren hat sich ein fundamentaler Wechsel der Klientel unserer Schule vollzogen. Die neuere milieutheoretische Forschung kommt – z.T. auf Grundlagen älterer klassentheoretischer Untersuchungen (so Michael Vesper/Peter von Oertzen u.a.) – zu dem Ergebnis, dass ein langfristiger Wandel des sozialen Milieus und der weltanschaulichen Lager sich vollzogen hat und weiterhin vollziehen wird. Die Polarisierung in Arme und Reiche, in eine größer gewordene Anzahl von Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen und einer ebenfalls wachsenden Gruppe von „losern“, „Modernisierungsverlierern“, Gescheiterten, Ausgegrenzten, Nicht-Verwertbaren schreitet unter neoliberalen Wirtschafts- und Politikbedingungen schnell fort. Finden wir auf der einen Seite in der Oberstufe unserer Schule das Lager der „modernen Mitte“ wieder oder jedenfalls solche, die dazu gehören wollen, haben wir es z.T. im Abendrealschulbereich mit „Deklassierten“, (M. Vesper), eben den „Modernisierungsverlierern“ zu tun, die alle pädagogischen Fähigkeiten und gleichzeitig sozialarbeiterische und psychotherapeutische Anstrengungen der LehrerInnen herausfordern.
Anlage III: Anmerkungen zu Übergängen von der
Sekundarstufe I zur Sekundarstufe II
1.
Übergänge aus der
abendgymnasialen Einführungsphase in die Kursphase
Diesen Übergang regelt die
Ausbildungs- und Prüfungsordnung des Weiterbildungskollegs (APO-WbK). Zuzulassen
ist, wer in allen belegten Fächern mindestens ausreichende Leistungen erzielt
hat. Vereinzelte Defizite können nach Maßgabe der APO ausgeglichen werden. Ein
Ausgleich von ungenügenden Leistungen ist in der Regel nicht möglich. Bei
Versagung der Zulassung muss die Einführungsphase teilweise oder ganz
wiederholt werden.
2.
Übergänge aus dem
Bildungsgang “Abendrealschule” ins Abendgymnasium
Obwohl der Bildungsgang
“Abendrealschule” nicht primär als Zubringer zum Bildungsgang “Abendgymnasium”
gesehen wird, sondern durchaus sein eigenes Profil hat (vgl. auch die
vorläufigen Richtlinien für die Abendrealschulen), gibt es doch eine nicht
unerhebliche Anzahl von Studierenden, die entweder von Anfang an den Erwerb von
Abitur oder Fachabitur beabsichtigen oder bei denen der Wille, nach bestandener
Fachoberschulreifeprüfung ins Abendgymnasium überzuwechseln, sich erst während
des Schulbesuchs entwickelt und festigt. Hier kommen nun verschiedene
Möglichkeiten in Betracht:
a) der
Übergang direkt in das 1. Semester der Kursphase
b) der
Übergang in das 1. oder 2. Semester der abendgymnasialen Einführungsphase
Welche dieser Möglichkeiten
infrage kommt, hängt im Wesentlichen vom individuellen Leistungsstand des
Studierenden ab. Die Entscheidung hierüber trifft der Schulleiter (vgl.
APO-WbK). Er wird sich natürlich von der Semesterkonferenz beraten lassen bzw.
die Entscheidung u.U. ganz an die Konferenz delegieren.
Anlage IV: Exkurs zur sog. Frauenfrage
Wenn wir für unsere programmatische Arbeit keine spezielle Arbeitsgruppe zur „Frauenfrage“ gebildet haben, so liegt das daran, dass Gleichstellungsprobleme an vielen Stellen im Schulalltag bedacht werden müssen. Frauen werden auch in unserer Gesellschaft immer noch personell (von Menschen mit Vorurteilen), strukturell (durch patriarchalische Hierarchien) und kulturell (angesichts einer Jahrhunderte lang von Männern gemachten Geschichte) in direkt spürbarer oder subtiler Form diskriminiert.
Ø Bei Frauen wie bei Männern ist noch lange nicht das Wissen verankert, dass Gleichberechtigung de iure nicht Chancengleichheit de facto bedeutet. Frauen trauen sich selbst und anderen Frauen wegen ihrer weiblichen Sozialisation zunächst einmal nicht so viel zu, aber diese Fähigkeit zu zweifeln ist für alle Denkprozesse auch nützlich und sollte durchaus auch von Männern gepflegt werden.
Ø Frauen werden in gemischtgeschlechtlichen Gruppen (auch Lerngruppen) weniger häufig inhaltlich wahrgenommen als Männer, tragen jedoch wegen ihrer sozialen Kompetenzen sehr zur Verbesserung des Gruppenklimas bei.
Ø Die bereits erreichten Positionen von Frauen im öffentlichen Leben sind derzeit in fast allen gesellschaftlichen Bereichen (auch in der öffentlichen Meinung) einem massiven Roll-back ausgesetzt.
Ø Frauen reagieren darauf zum Teil mit Rückzug und Resignation, innerhalb wie außerhalb von Schule.
Es muss also überlegt werden, wie die Frauen in Lerngruppen gestärkt werden können; hier einige praktische Vorschläge dazu:
Ø Das an unserer Schule schon recht (frauen-)freundliche Arbeitsklima mit familienfreundlichen Arbeitszeiten muss weiter verbessert und aufrechterhalten werden.
Ø Frauen sollen in ihrer unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Arbeit, gewissermaßen als Ausgleich für die Jahrhunderte der Benachteiligung in einer patriarchalisch dominierten Wissenschaftsentwicklung, weiter gestärkt, ermutigt und bestätigt werden.
Ø Redeanteile von Frauen, auch die der zaghaften, müssen inhaltlich noch mehr gewürdigt werden.
Ø Werke und Leistungen berühmter Frauen (oder auch eine „weibliche“ Sicht der Dinge) sollen möglichst in allen Fächern vorkommen.
Mit diesen „guten Vorsätzen“ ist strukturell noch nicht viel erreicht, aber ein auf solche oder ähnliche Weise fundiertes sozialemanzipatorisches Profil würde für alle Beteiligten die Alltagsgesichter von Unterricht sehr bereichern und die Leistungen von Frauen in der Gesellschaft nachhaltig würdigen helfen.
Anlage V: a) Das Fach Latein
Das Fach Latein wird im Vormittags- und im Abendbereich angeboten und bietet Studierenden die Möglichkeit, ohne Vorkenntnisse eine zweite Fremdsprache zu erlernen. Nach der Einführung kann der Lateinkurs weiter bis zum Latinum belegt werden, welches im Rahmen der Abiturprüfung erworben wird. Für Studierende, die nur geringe Kenntnisse in Englisch haben, besteht die Möglichkeit, in der Oberstufe mit dem Fach Latein die weitergeführte Fremdsprache abzudecken.
Der Lateinunterricht erweitert nicht nur die (mutter)sprachliche Kompetenz der Studierenden, sondern führt sie auch zu den Wurzeln der europäischen Kultur und fördert multikulturelle Kompetenz.
Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung werden von der Fachschaft Latein seit Jahren kontinuierlich durchgeführt. Es wurde ein Lehrwerk ausgewählt, das sich speziell an erwachsene Studierende richtet. Für die Zeit nach dem Abschluss der Lehrbucharbeit wurde festgelegt, welche Grammatikeinheiten in welcher Reihenfolge vermittelt werden. Die Materialien hierfür wurden von den Fachkollegen gemeinsam entwickelt. Zusätzliches Übungsmaterial zum Lehrwerk wird kontinuierlich erstellt und ausgetauscht. Der Austausch von Klausuren und Abiturunterlagen, die Festlegung von Korrekturstandards und Bewertungskriterien sichern die Vergleichbarkeit der Leistungsanforderungen und eine sachgerechte Beurteilung. Ziele, Methoden und Bewertungskriterien werden den Studierenden regelmäßig transparent gemacht.
Innerhalb der Fachschaft findet ein regelmäßiger Austausch über mögliche Themen und Autoren statt. Besonderes Interesse gilt Unterrichtsprojekten, die Kreativität, Innovation und ethische Verantwortlichkeit fördern und durch die das Fach Latein einen genuinen Beitrag für die neuen Aufgaben schulischer Bildungsarbeit leistet.
Die Fachschaft Latein arbeitet an der Einbeziehung neuer Technologien in den Unterricht. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheiterte dies an geeigneter Software und der mangelnden Ausstattung der Schule mit vernetzten Computern.
Die regelmäßige Teilnahme der Fachschaft Latein an Fortbildungen, dem Kontakttag der Universität Bochum und den Fachkreissitzungen dient der beständigen Weiterentwicklung und Qualitätssicherung ihrer schulischen Arbeit.
Zu den „Highlights“ zählen die bisher durchgeführten Projekte „Latein lebt“, „Lateinisch Kochen“, „Die Römer am Rhein“, Exkursionen nach Haltern, Xanten und Köln, sowie in besonderem Maße die regelmäßig einmal im Jahr stattfindende Studienfahrt nach Rom, während der die Studierenden bei vielfältigem Programm Einblicke in das antike und christliche Rom gewinnen.
b) Das Fach Französisch
Das Fach Französisch wird als Einführung in die zweite Femdsprache angeboten: es kann von Studierenden des Bildungsgangs Abendrealschule wie von Studierenden der gymnasialen Einführungsphase gleichermaßen belegt werden und wird bei Bedarf als Grundkurs in der Kursphase bis zum Abítur fortgeführt.
In einer Zeit internationaler Öffnung in Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft sowie ständiger Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft ist für die Studierenden des Zweiten Bildungswegs das Beherrschen von Fremdsprachen unmittelbar nützlich.
Die Studierenden können vom Französischunterricht den Erwerb von Sprachkompetenz wie auch die Erweiterung ihres kulturellen Wissens im Hinblick auf alle landeskundlich relevanten Aspekte Frankreichs erwarten. Sie werden darüberhinaus mit den jeweils aktuellen medialen Möglichkeiten der Sprachvermittlung unterrichtet.
Am Weiterbildungskolleg
Bochum sind in der Vergangenheit mehrfach Modelle zur Selbstmotivation der Studierenden
für das Fremdsprachentraining entwickelt worden. Da die Fachschaft in der
glücklichen Lage ist, einen französischen Muttersprachler als Französischlehrer
in ihren Reihen zu haben, wird authentischer Sprachunterricht als
Grundmotivation (für die Studierenden wie für die Fachkolleg/innen) immer angeboten.
Zum anderen sind mit suggestopädischem Ansatz Französischkurse im
Superlearning-Verfahren durchgeführt worden, als dies von den Studierenden- zur
Lernleistungssteigerung - gewünscht wurde. Und zukünftig wird, im Anschluss an
ein Fortbildungsseminar der Sprachlehrforschung an der Ruhr-Universität-Bochum
autonomes, und möglicherweise auch unterrichtsgebundenes Fremdsprachenlernen im
Tandem via Internet möglich sein.
Unabhängig von allen lerntheoretischen Neuerungen wird in jedem Semester für die Französischkurse eine Stadterkundungsfahrt nach Paris unternommen, die von den Studierenden - bislang noch - den virtuellen Reisen vorgezogen wird.
Anlage VI: Identität und
Kultur: das Fach Deutsch als Element interkulturellen Lernens
Im Rahmen des interkulturellen Lernens hat für unsere Studierenden das Fach Deutsch eine wichtige identitätsbildende Funktion, indem (hier sei sinngemäß E. Kästner zitiert) „Fenster“ geöffnet werden, die Einblicke ermöglichen in Traditionen, Situationen, Wertungen und gesellschaftliche Bedingungen, die oft nur durch Literatur direkt zugänglich sind. Indem deutschsprachige Texte gelesen und verfasst werden, analytisch und kreativ mit deutscher Sprache und Literatur gearbeitet wird, werden Einblicke gewonnen in die deutsche und/oder europäische (Kultur-)Geschichte.
Die Rahmenpläne Deutsch für unsere Schule nennen deshalb als ein Thema verbindlich den Problembereich „Sprache und Kommunikation“ und sehen lyrische, epische, dramatische und expositorische Texte aus verschiedenen literarischen Epochen vor, wobei die Einordnung der Texte in ihren jeweiligen Zusammenhang Details der Entstehungszeit, Sozialgeschichte, Philosophie, Kunst und Musik berücksichtigen kann.
So sehen wir eine sinnvolle Ergänzung des schulischen Lebens im Besuch von Ausstellungen (Stadtarchiv, Stadtakademie, Museum Bochum), Theateraufführungen und Lesungen oder Konzerten (Schauspielhaus, Symphoniker, Musikschule, Stadtbücherei), die die Erfahrungen aus dem Literaturunterricht vervollständigen.
Anlage VII: Ergänzung der
Fachschaft Biologie zum Schulprogramm
Seine besondere Bedeutung erlangt der Biologieunterricht an unserer Schule, weil er als Gegengewicht zum sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt die naturwissenschaftlich-exakte Sichtweise auf das Phänomen "Leben" ermöglicht und fördert. In diesem Sinne erweist sich der Biologieunterricht für viele Studierende als Herausforderung dahingehend, die alltägliche Gewohnheit des eher unpräzisen Ausdrucks zu überprüfen und sich der Notwendigkeit zum genauen Betrachten und Beschreiben sowie zum Formulieren von Ergebnissen und deren exakter, kausal vollständiger Erklärung zu stellen.
Dieser Anspruch hat für die Sekundarstufe I, die abendgymnasiale Einführungsphase und die Sekundarstufe II je eigene Konsequenzen:
Sekundarstufe I: Für die meist sehr jungen Studierenden ist es wegen vielfach lückenhafter Ausbildung im ersten Bildungsweg und aufgrund der Multikulturalität und damit verbundener Sprachprobleme besonders wichtig, ihrem Erfahrungshorizont naheliegende humanbiologische Phänomene zu verbalisieren und damit ein Mindestmaß an Fachterminologie richtig anzuwenden.
Die abendgymnasiale Einführungsphase: Wir verstehen diese Semester ausdrücklich und konsequent als Vorbereitung auf den Unterricht der Kursphase. Neben den cytologischen und humanbiologischen Grundlagen richten wir unser Interesse hier insbesondere auf die für die moderne Genetik und stoffwechselphysiologisch orientierte Ökologie unverzichtbaren Inhalte der organischen Chemie. Die Tatsache, dass Chemie in der Kursphase unserer Schule nicht unterrichtet wird, und die Erfahrung, dass selbst einfachste Grundkenntnisse der Chemie nicht vorausgesetzt werden können, erfordern es, beginnend mit dem Periodensystem der Elemente über Wasser als polares Lösungsmittel bis hin zu den Stoffklassen der Proteine, Kohlenhydrate und Fette biologisch bedeutsame chemische Inhalte exemplarisch aufzuarbeiten und so für den Oberstufenunterricht verfügbar zu machen.
Sekundarstufe II: Außer an Unterrichtsreihen zur Genetik und Evolution arbeitet die Fachschaft Biologie schon seit vielen Jahren an der Ausweitung und Vertiefung des Schwerpunktes Ökologie und Stoffwechselphysiologie. Fester Bestandteil unserer Arbeit sind regelmäßige gewässerökologische Studienexkursionen zum Heiligen Meer bei Ibbenbüren mit einem umfang- und abwechslungsreichen Arbeitsprogramm für die Studierenden. Aus dieser praktischen Arbeit sind mittlerweile eine Vielzahl von Unterrichtsmaterialien sowie Klausur- und Abituraufgaben hervorgegangen.
Das Kollegium ist sich bewusst, dass „der Konstruktivismus ... zunächst einmal eine Erkenntnistheorie [ist], die die Erkenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen wie Hirnforschung, Neurobiologie, Kognitions-psychologie, Linguistik und Informatik miteinander verbindet.
Die Theorie geht von der
Annahme aus, dass das menschliche Gehirn als relativ geschlossenes und sich
selbst organisierendes (autopoietisches), informationsverarbeitendes System
fast ausschließlich mit sich selbst und nur zu einem geringeren Teil mit der
Verarbeitung von Informationen oder Reizen aus der Außenwelt beschäftigt ist.
Diese durch die Sinnesorgane aufgenommenen Informationen der Außenwelt wie z.B.
Töne oder visuelle Eindrücke bieten dem Gehirn keine Informationen darüber, wie
die Dinge der Welt sind, sondern dienen nur als Rohmaterial, das vom Gehirn
erst ausgewertet werden muss. Die wesentliche Leistung des Gehirns besteht also
darin, die von den Sinnesorganen aufgenommenen und weitergeleiteten
Informationen aus der Außenwelt permanent zu interpretieren. Dabei schafft es
sich seine Konstruktion davon, wie denn die Welt sei, ohne zu wissen, wie sie
wirklich ist. Was wir wahrnehmen, sind immer nur unsere Erfahrungen von den
Dingen, nicht die Dinge selbst. Etwas verstehen heißt in diesem Sinne, eine
Interpretation aufzubauen, die funktioniert und schlüssig zu sein scheint.
Die konstruktivistischen Vorstellungen haben für die Auffassung vom Lernen und Lehren folgende Konsequenzen:
-
Lernen ist ein aktiver Prozess der Wissenskonstruktion, d.h.
der Reorganisation und Erweiterung menschlicher Konstrukte. Wissensaufbau
entsteht immer nur in Verbindung mit bereits vorhandenem Wissen. Was sich nicht
in die vorhandene Struktur einfügen lässt, wird verworfen. Die Lernenden müssen
beim Wissensaufbau aktiv sein, Fragen stellen und sich mit dem angebotenen
Material auf ihre Weise beschäftigen können. Den Lernenden muss die Gelegenheit
gegeben werden, etwas zu tun.
-
Lernen ist eine individuelle Konstruktion eines menschlichen
Geistes. Aus diesem Grund gibt es so viele eigene und unvorhersehbare Lernwege
wie es Lernende gibt.
-
Wissen ist nicht vermittelbar. Der Lehrerin bzw. dem Lehrer
ist es unmöglich, seine Kenntnisse den Lernenden direkt weiterzugeben. Vielmehr
hilft sie/er den Lernenden durch das Tun, durch Hinweise, Fragen und
Informationen, selbst Wissen zu konstruieren. Dabei kann sie/er diesen Prozess
des Wissenserwerbs nur unvollständig und indirekt steuern. Die Lehrerin bzw.
der Lehrer ist Berater, Anbieter, Coach, Hebamme im sokratischen Sinne. (Als
Mäeutik bezeichnet man die sokratische Methode, durch geschicktes Fragen die im
Partner schlummernden, ihm aber nicht bewussten Antworten und Einsichten heraufzuholen.)
-
Es kommt zunächst einmal darauf an, die richtigen Fragen in
den Lernenden zu wecken. Erst wenn echte Fragen geweckt sind, setzt sich der
Lernprozess von selbst in Gang. >Das Problem beim Lernen sind die Fragen.
Mit den Fragen beginnt das Verstehen. Und Fragen kann man nicht vermitteln, man
kann sie weder lehren noch lernen. Fragen kann man sich, genau genommen, nicht
einmal stellen; sie stellen sich selbst ein. Erst wenn sich einem eine Frage
wirklich stellt, versteht man sie< (Gallin/Ruf, S. 37). Bevor der Lernende
mit Antworten überhäuft wird, sollte er die Fragen, das Problem verstehen. Erst
danach ist er für den Lernstoff und die Antworten aufnahmebereit.
-
Lernschwierigkeiten und Probleme sind nicht möglichst schnell
abzustellen, sondern bieten die Chance, die wesentlichen Fragen und damit das
Thema tiefer zu verstehen.
-
Lernen heißt, mentale, kognitive Landkarten zu konstruieren,
die immer detaillierter werden. Nicht sequentiell vom Einfachen zum Komplexen
voranschreiten, sondern die Gesamtstruktur konstruieren lassen, die im Laufe
des individuellen Lernprozesses an Schärfe gewinnt, d.h. Gesamtheit vor Detail.
-
Zum Konzept von Peter Gallin und Urs Ruf gehört, dass das
grundsätzliche Wesen des Lernstoffes den Lernenden nur schemenhaft angedeutet
wird. Ausgangssituationen für einen individuellen Lernprozess >müssen so
beschaffen sein, dass sie in der singulären Welt der Lernerin oder des Lerners
Fragen wecken, welche Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Fachgebiet des Unterrichts
lenken< (Gallin/Ruf, S. 37).
-
Lehrerinnen und Lehrer werden Forschende, die mit den
Lernenden gemeinsam das Stoffgebiet entdecken.
-
Die Lehrerin bzw. der Lehrer motiviert die Lernenden dadurch,
dass sie/er die persönliche Faszination an dem Stoff zu erkennen gibt.
Es gibt eine dialogische Struktur zwischen dem Lernstoff und dem Lernenden. Deshalb erscheint der Inhalt in immer wieder neuen Formen.“ (H. Fuest, D. Kruse, Eine neue Lernwelt: das Netz als Präsentationsmedium. Gütersloh 1999, S. 23f.)
Ebenso wie das Ersetzen der Schiefertafel durch ein Schreibheft keine direkte Verbesserung darstellt, bringt der Einsatz von Hypermedia an sich noch keinen größeren Nutzen. Hypermediale Lernumgebungen bieten aber gute Möglichkeiten, die Lernenden Erfahrungen sammeln zu lassen und ihnen bei der Wissenskonstruktion zu helfen.
Damit dies erreicht wird, müssen solche Lernumgebungen folgende Anforderungen erfüllen:
- Das Lernprogramm [gemeint ist eine „konstruktivistisch geprägte Multimedia-Lernumgebung“] ist nicht Instrument zur Wissensvermittlung, sondern reflektierendes System. Es überhäuft seine Nutzerinnen und Nutzer nicht mit Antworten, sondern hilft zunächst, Fragen zu stellen, diese zu verstehen und die Problematik der Materie zu erfassen, bevor Antworten entdeckt werden können.
-
Das Programm hilft den Nutzerinnen und Nutzern, sich emotional
und geistig auf das Thema einzulassen. Es fordert die Gesamtperson heraus. Es
versucht, den krassen Gegensatz von Informationsanbieter und Informationsrezipienten
(=Lerner) zu überwinden. Es inszeniert authentische Begegnungen mit dem Themengebiet,
anstatt Stoff zu vermitteln. Es bietet Provokationen, die zur Auseinandersetzung
mit dem Thema führen, ohne die es kein echtes Verstehen gibt.
-
Das Programm schafft authentische und situative
Erfahrungswelten, die den Lernenden helfen, Wissen zu konstruieren. Es bietet
ihnen Mittel zur Reflexion und Abstraktion.
-
Das Programm bietet Strukturen an, die den Lernenden
Anknüpfungspunkte (Anker) bieten. Hier können sie ihre Vorkenntnisse aktivieren
und neue Informationen aufnehmen.
-
Das Programm aktiviert die Lernenden so stark wie möglich.
Dabei ist es ein Werkzeug neben anderen und leicht adaptierbares Hilfsmittel
zur Unterstützung von Lernprozessen.
-
Das Lernsystem ist Partner, Berater, Coach.
-
Das Programm hilft den Nutzerinnen und Nutzern, ihre
individuellen Lernwege reflektierend wahrzunehmen. (Ebd., S. 24f.)
Anlage X: a) Studienfahrten
Einmal jährlich bieten einige Lehrer unseres Kollegs Studienfahrten an, die in der Regel zur gleichen Zeit stattfinden und den Schülern aller Semester offenstehen. Seit ca. 20 Jahren gehören insbesondere die Englandfahrten zum Schulleben dazu. Ziele waren bisher Hastings, London, Bath, York sowie Schottland und Irland. Während der 7 – 10tägigen Reisen wird versucht, den Studierenden ein möglichst authentisches Bild von Land und Leuten zu vermitteln. Dazu tragen Unterkünfte entweder in britischen Familien oder in Studentenwohnheimen bei. Stadtführungen, Besichtigungen von Museen, Kirchen, Herrenhäusern sowie Wanderungen durch abwechslungsreiche Landschaften machen das Fremde zum Erlebnis. Bei den Ausflügen, beim Einkaufen, im Pub gibt es immer Möglichkeiten, mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu treten und auch die eigenen Sprechfertigkeiten auszuprobieren.
Die Fachschaft Latein führt seit 5 Jahren Fahrten nach Rom durch. Diese Stadt ist nicht nur bei den Studierenden unserer Lateinkurse, sondern auch bei allen anderen als Ziel für eine Studienfahrt äußerst beliebt. Und dies zurecht, denn keine andere Stadt Europas war prägender für die kulturelle Entwicklung unseres Kontinents als Rom, und in keiner anderen Metropole ist die Vergangenheit so unmittelbar präsent wie in der italienischen Hauptstadt. Einzigartig ist, dass alle Epochen dieser außergewöhnlichen Vergangenheit sichtbare Spuren hinterlassen haben: Nirgendwo sonst sind Baudenkmäler aus einem Zeitraum von über 2500 Jahren so zahlreich erhalten und zu einem harmonischen Gesamtbild vereint. Ausflüge z.B. nach Ostia oder zur Hadriansvilla stehen ebenso auf dem Programm unserer Fahrt wie Besichtigungen von Museen und Kirchen und die Erkundungen zu Fuß im historischen Zentrum von Rom. Bei diesen Rundgängen gewinnen die Studierenden zugleich Einblicke in das Leben, das die Menschen dieser Stadt führen, treffen neben antiken Tempeln auf moderne Boutiquen und Straßencafés. Letztere laden dazu ein, bei einem Cappuccino das Flair der Stadt auf sich wirken zu lassen. Als Ausklang eines jeden Tages gibt ein ausgiebiges Abendessen Gelegenheit, die berühmte italienische Küche kennenzulernen und zu genießen.
b) Europaprojekte / Sommerakademie
Eine relativ große Anzahl
von Lehrenden am Weiterbildungskolleg Bochum nimmt aktiv teil an der Vorbereitung
von Europaprojekten mit dem Ziel, eine dauerhafte multi-europäische
Schulpartnerschaft auch an dieser Schule zu etablieren und engagiert sich
gleichermaßen bei der Durchführung und Teilnahme der jährlich stattfindenen
Sommerakademien (cf. Anhang I), bei denen Englisch Verkehrssprache ist. Nicht
zuletzt deshalb haben Europaprojekte im Kollegium wie bei der
Studierendenschaft ein ständig wachsendes Forum gefunden, das sich auf die
Erkenntnis stützt, dass lebende Fremdsprachen nicht nur für die Schule gelernt
werden...
Anlage XI: Die
Friedensgruppe unseres Kollegs als Beispiel für ein langfristiges Projekt
Ein AStA-Referat ist die während des Kriegs der USA gegen den Irak 1990/91 gegründete Friedensgruppe, die in den folgenden Semestern zur Friedens-, Frauen-, Öko-Gruppe erweitert wurde. Ca. dreimal pro Semester organisiert diese Gruppe entsprechend ihrem Namen Veranstaltungen mit z.T. internationalen Referentinnen, z.B. Frau Orna Birnbach aus Tel Aviv, die als eine der letzten Auschwitz-Überlebenden eingeladen war, über ihre Erfahrungen im deutschen Faschismus zu sprechen. Andere Diskussionsabende hatten zum Thema die Probleme Kubas, Jugoslawiens, Israels, Südafrikas, Namibias, Kurdistans, Irans oder Fragen zur Frauenemanzipation, psychische und körperliche Probleme eines AIDS-Kranken, Profitmaximierung und Umweltzerstörung, Bochum im Faschismus, Erfahrungen von Zeitzeugen mit der nachfaschistischen Zeit u.a.m. Diese Themenabende wurden z.T. mit ausländischen Studierenden erarbeitet bzw. mit dem Ausländerreferat des AStA. Seit Jahren gehören die Veranstaltungen der AStA-Friedens-, Frauen-, Öko-Gruppe zum festen politisch-kulturellen Bestandteil der Schule.
Anlage XII: Die AStA-VerbindungslehrerInnen haben Ende 1998 „eine Umfrage unter den Studierenden zum Unterricht, aber auch zum allgemeinen Klima durchgeführt, um herauszufinden, wie sich Erwachsene nach Jahren der Schulabstinenz fühlen, wenn sie wieder die Schulbank drücken. Die Umfrage zeigte in erster Linie eine große Zufriedenheit mit der Entscheidung, früher verpaßte Schulabschlüsse nachzuholen. Die Studierenden fühlen sich zu Beginn ihrer neuen Schullaufbahn von der Schulleitung sowohl gut aufgenommen als auch umfassend über ihre Möglichkeiten beraten. Das Klima in den Klassen und Kursen wird im Vergleich zu früheren Schulerlebnissen als entspannt und locker beschrieben. Die meisten freuen sich auf den Unterricht und auf ihre KlassenkameradInnen oder KurskollegInnen. Die Doppel- oder gar Dreifachbelastung durch Beruf, Familie bzw. Beziehung plus Schule läßt sich natürlich nicht immer am Eingang zum Klassenzimmer abstreifen, aber da alle in einer ähnlichen Situation sind, herrscht solidarische Unterstützung vor. Viele persönliche Kontakte werden in den knappen Pausen geknüpft, und in allen Kursen finden sich Arbeitsgruppen zur gemeinsamen Klausurvorbereitung zusammen, ‚die oft im gemütlichen Beisammensein enden‘, wie eine Studierende weiß. Die etwa 50 Lehrenden verhalten sich nach Ansicht ihrer Studierenden in der Regel einfühlsam und versuchen, auf die beruflichen und familiären Belastungen Rücksicht zu nehmen. Die Studierenden sollen die Möglichkeit haben, ihre beruflichen und gesellschaftlichen Erfahrungen einzubringen, was umso wichtiger und interessanter ist, als der Ausländeranteil unter den Studierenden recht hoch ist. Schulangst findet sich unter den erwachsenen Studierenden generell nicht, wenn sich auch vor den Klausuren schon mal das wohlbekannte mulmige Gefühl einstellt. [...] Ganz unterschiedlich sind die herausgefundenen Wünsche hinsichtlich der angestrebten Schulabschlüsse. Die Umfrage ergab, daß die einen den ‚Schein‘ zum Besuch einer Hochschule bekommen wollen, während andere den Arbeitsplatz durch höhere schulische Qualifikationen sichern bzw. damit an innerbetrieblichen Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen wollen oder die Abendschule auch einfach ‚um der Bildung willen‘ besuchen.“ (Stadtspiegel vom 02. Dez. 1998)
Anlage XIII: In der Satzung des FÖRDERVEREINS DER ABENDREALSCHULE UND DES ABENDGYMNASIUMS DER STADT BOCHUM e.V. ist als Zweck des Vereins die „Förderung der Bildung durch die Abendrealschule und das Abendgymnasium“ festgelegt. Getragen wird der Verein durch freiwillige Spenden. Mit diesen Mitteln werden Maßnahmen gefördert, die dem Bildungsauftrag der Schule entsprechen. So werden – wenn nötig – Sommerfeste, Abiturfeiern, Studienfahrten, Exkursionen, Sommerakademietage und die Anschaffung von Medien unterstützt. Auch für Werbeaktionen bietet der Förderverein einen gewissen finanziellen Rahmen.