Portrait Hamanns aus dem Jahr 1765

Portrait Hamanns

"Vor dieser letzten Reise hatte ich den frommen und etwas kindlichen Einfall mich für meinen seel. Vater so treu als möglich abmalen zu laßen in puris naturalibus mit einer mir unentbehrl. gewordenen Macht auf meinem von Jugend auf kahlen Haupte. Meine treue Hamadryade, die Mutter meiner lieben Kinder, hatte Befehl dieses Bild an meiner Schlafstelle aufzuhängen.
Bey meiner letzten Heimkunft nach meines seel. Vaters Tode machte auf dieses Gemählde der jetzige Lotterie Director Kanter als mein doppelter Gevatter gewaltthätigen Anspruch. Dieser treulose Verleger, wie alle seine Brüder, (ohngeachtet ich mit keinem einzigen in meinem Leben im eigentl. Verstande gehandelt) hat anstatt seines eigenen Schlafkämmerchen, wofür ich bestimmt war, mich in seinem Laden, der der größte in gantz Norden ist, am höchsten Balken aufhängen laßen, wo sich alle Welt über den armen Sünder im Hemde mit verbundenem Kopfe aufhält, ohne zu wißen, wie ich dazu gekommen in der attitude eines Narren oder Maleficanten in unserm großen Kanterschen Laden aufgehangen zu werden.
Wenn Ew. Excellenz aus layenbrüderlicher Prädilection mir die gnädige Erlaubnis ertheilen wolle mit dem Kanterschen Buchladen wegen des Magi in effigie einen Handel zu schließen: so sollen Sie dabey nicht so sehr übervortheilt werden (...) An dem künftigen Schicksal dieses Originals ist nichts gelegen; es sehnt sich blos nach seiner Erlösung von hiesigem Pranger, wo es jedermann zum Spectacul hängt. Für ein Dutzend Preuß. Thaler will ich in einem gantzen andern Bilde mit allen Pontificalibus eines Nordischen Magi prangen und im gantzen Kanterschen Laden soll von nichts die Rede seyn als von der wunderbaren Metamorphose des hiesigen armen Sünders im Hemde mit verbundenem Kopfe; wenn gantz Deutschland sich ausgewundert haben wird daß der Vater des starken Agathons und der winzigen Musarion auf seine alten Tage der Colporteur eines kleinen deutschen Mercurs geworden."

Hamann an Moser, 1. Dezember 1773



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