Reisebericht aus Namibia
Namibia 2001
4x4
Schnipsel einer Reise mit einem 30 Jahre altem Landrover-'Fossil'
Eines Tages stieß ich in den schier unendlichen Wirren des WWW
auf eine Anzeige, in der jemand einen Mitfahrer für eine viermonatige
Südafrika-Reise mit einem eigenen Landrover suchte.
Nach diversen Mails und einigen Treffen kam die Reise zustande, wobei ich
nur die ersten sechs Wochen mitfahren konnte.
Marion, die Besitzerin des urigen Landys, übernahm den schwierigeren
Part und kümmerte sich im Vorfeld um dessen Verschiffung nach Walvisbay
und ich kümmerte mich gleichzeitig darum, wie wir einige Wochen später
nach Walvisbay kommen sollten, um wieder mit dem Landy zusammenzutreffen.
Dieser denkwürdige Moment ist rechts zu sehen ... |
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An den üblichen Flug nach Windhoek schloß sich ein faszinierender
Inlandsflug nach Swakopmund an. Außer uns beiden noch ein Passagier
und eine aus zwei Personen bestehende Crew begleiteten uns in einer
Propellermaschine auf dem etwas unruhigen Flug über die unglaublich
schöne Namib. Zehn Kilometer außerhalb von Swakopmund
landeten wir am Nachmittag mitten in der Wüste
auf dem dortigen Flugplatz. Kein Taxi, kein Bus,
kein gar nichts ...
Unser einziger Mitpassagier wurde abgeholt und bot
uns glücklicherweise an, uns nach Swakopmund mitzunehmen.
Am nächsten Morgen ließen wir unser Gepäck zum Großteil
bei Jay Jay's (einer einfachen und günstigen Unterkunft mitten in der
Stadt) zurück und machten uns zu Fuß auf den Weg,
die ca. 35 km Wüstenstrecke bis Walvisbay zurückzulegen. |
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Da ich hier schon mehrfach unterwegs war und den regen Verkehr auf der
Strecke kannte, rechnete ich natürlich mit einer baldigen Mitfahrgelegenheit
und diese Rechnung ging schnell auf. Auf der Ladefläche eines Pickups
erreichten wir zügig Walvisbay und konnten innerhalb der Stadt noch
von der Mitfahrt auf einer Fuhre Ziegenmist profitieren. Mit markantem
Eigengeruch kamen wir schließlich bei der Spedition an und hatten kurze
Zeit später auch überraschend schnell und problemlos die
Zollformalitäten erledigt. Alles lief wie nach einem nicht vorhandenen
Plan. Jetzt konnte es losgehen - und los gings ... ;-) |
Moonlandscape
Nachdem wir unser zurückgelassenes Gepäck bei Jay Jay's abgeholt
und den Mief des Ziegenmistes bei einem Bad im Atlantik zurückgelassen
haben, geht es direkt in die Wüste. Nach einer kurzen Irrfahrt
über das Gelände eines Golfplatzes und einer nicht wirklich legalen
Übernachtung im Moonlandscape bei Swakopmund fahren wir auf fast direktem
Wege nach Windhoek, um dort noch diverse Dinge zu erledigen. Unterwegs lassen
wir uns viel Zeit mit Pausen, kleinen Ausflügen zu Fuß und so
kommen wir erst gegen Nachmittag an den Bosua Paß. Hier stoßen
wir erstmals fast an die Grenzen des mit 63 PS und beinahe zwei Tonnen Gewicht
nicht allzu üppig motorisierten Oldtimer-Landys. Mit Allradantrieb und
Low-Range-Untersetzung quälen wir uns im Fußgängertempo den
Berg hoch und müssen unterwegs mehrfach anhalten, um den Motor
abkühlen zu lassen. Nach einer abenteuerlichen Nachtfahrt auf der Piste
erreichen wir kurz vor 22 Uhr endlich die Cardboard Box in Windhoek.
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Am nächsten Tag sehen wir uns ein wenig in Okahandja um. Gegen Abend
versuchen wir, etwas abseits des Ortes vor einer Straußenfarm zu
übernachten und werden von den Besitzern eingeladen. Wir erhalten einen
Haustürschlüssel und können sogar duschen. Nachdem die drei
Wachhunde -ein größerer Mischling, ein Schäferhund und ein
Pitbull- uns erst einmal ins Herz geschlossen haben, lassen sie uns
nicht mehr alleine und während Marion kocht, versuche ich mehr oder
weniger erfolgreich, alle drei Hunde gleichzeitig zu beschäftigen und
von den fleischhaltigen Bestandteilen unseres Menüs fernzuhalten.
Zum Essen verziehen wir uns schließlich aufs Dach des Landys und bestaunen
dabei den Sonnenuntergang und die Geräusche Afrikas bei einer
Flasche Rotwein. |
Grausame Natur
Am späten Abend erscheint ein einsames kleines Gnu am Wasserloch von
Okaukuejo (Etosha). Es ist wohl erst wenige Stunden alt und vermutlich
vom Muttertier verstoßen worden. Es ruft unentwegt nach seiner Mutter
und ein wachsamer Schakal ist ihm auf den Fersen. Als dieser zu nahe kommt,
verjagt ihn das Gnu mit einer beherzten Attacke, aber es hat keine wirkliche
Chance.
Das Gnu versucht verzweifelt, sich Nashörnern und Elefanten
anzuschließen und wird jedesmal verjagt. Am nächsten Tag irrt
es noch immer hilflos um das Wasserloch herum und es keimt noch einmal Hoffnung
auf, als sich eine kleine Herde Gnus mit Jungtieren nähert, aber sie
ignorieren das einsame Kalb. Es wird immer schwächer,
stakst nur noch kraftlos und unbeholfen durch die gnadenlose Hitze,
sein Rufen klingt erbärmlich und ist kaum noch zu
hören. Am Abend ist sein kurzes Leben bereits wieder zu
Ende ...
Wir fahren auf der Ostseite aus dem Etosha-Park und dann direkt nach
Norden ins Ovamboland. In Oshivelo gehe ich in den 'Supermarkt' und kaufe
um ein Haar Hühnerfutter anstelle von Müsli. Es liegt in (fast)
unbeschrifteten Plastiktüten ausgerechnet zwischen Reis und Maismehl
und ich bemerke meinen Irrtum erst im letzten Moment, weil Müsli in
der Regel weder Sonnenblumenkerne enthält, noch in 5-Kilo-Packungen
verkauft wird. Absurde Idee irgendwie auch, in dieser Gegend Müsli
vorzufinden ...
Als ich aus dem Supermarkt komme, sind Marion und der Landy umringt
von Leuten, die uns für Angolaner halten, weil der Landy
ein deutsches Kennzeichen aus Augsburg trägt. Dies sollte
uns fortan immer wieder passieren. Namibische Kennzeichen beginnen stets
mit N für Namibia und so ist es nur logisch, daß A für das
Nachbarland Angola steht ... |
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| Kurz später überholt uns ein VW Golf mit vier Schwarzen drin
und versucht uns zu stoppen. Ich befürchte einen Überfall und
bedränge Marion, sich irgendwie vorbeizumogeln und bloß nicht
anzuhalten. Zweimal klappt es, dann kommt ein Lkw im Gegenverkehr und wir
haben keine Chance. Angeblich sind sie eine Zivilstreife der Polizei, aber
den Dienstausweis würde hierzulande jeder Schüler mit einem PC
und Farbdrucker besser hinkriegen. Vielleicht ist er wirklich echt, vielleicht
wollen sich die Typen auch nur wichtig machen, kontrollieren trotz unserer
Fluchtversuche freundlich Führerschein und Paß (obwohl wir drei
km zuvor bereits an einer offiziellen Stelle mit Schranke kontrolliert wurden
und es zwischenzeitlich keinerlei Schleichwege gab), wünschen uns gute
Fahrt, kehren um und fahren wieder davon. Etwas ratlos und verunsichert
bleiben wir zurück - so schnell könnte es also gehen ... |
Ondangwa/Oshakati
In den beiden Hauptorten des Ovambolandes machen wir erstmals Bekanntschaft
mit der Tatsache, daß hier viele Menschen kein Englisch mehr sprechen.
Oft fragen wir etliche Leute nach dem Weg, bis uns jemand
versteht. Erschwerend kommt hinzu, daß die Ortsnamen auf unseren
verschiedenen Landkarten mal in Englisch und mal in Ovambo
verzeichnet sind, die Bewohner meist nur den Ortsnamen auf Ovambo
kennen (und nicht immer gerade exakt so aussprechen, wie er auf der
Karte geschrieben steht) und wir wegen der Ungenauigkeit der Karten manchmal
nicht merken, daß es sich wie im Falle von Ongandjera um den gleichen
Ort handelt wie Okahao. Wegweiser sind hier natürlich auch nicht mehr
so zahlreich anzutreffen. Bis wir nach mehreren Irrfahrten auf dem richtigen
Weg Oshakati verlassen, ist es bereits Nachmittag.
Einmal versucht jemand dreist, durch die Hecktür in den Wagen einzudringen
(obwohl Marion gerade drinsitzt und ich nur etwa 20 Meter entfernt bin)
und schlendert anschließend lässig davon. Vorsichtshalber haben
wir jedoch stets sämtliche Türen verriegelt.
Ongandjera
Als wir Ongandjera, den Geburtsort des Präsidenten Sam Nujoma erreichen,
beginnt ein Umwetter. Erst fliegt Sand umher, dann beginnt es heftig zu regnen
und der Wind deckt die Blechdächer einiger Hütten ab. Schnell
reparieren wir in diesem Sandstrahlgebläse der Natur die Beplankung
des Dachgepäckträgers, die sich nach einigen losgerüttelten
Schrauben beängstlich zu lockern droht, mit einigen Spannriehmen und
kehren ein in einen der angeblich über 6.000 Cuca-Shops, die es im
Ovamboland gibt, Mischung aus Kneipe und Bottle-Store. Als Weiße fallen
wir hier natürlich extrem auf und haben schnell
Gesprächspartner.
Einer der Leute ist uns später bei der Suche nach einer
Übernachtungsmöglichkeit behilflich und begleitet uns zur
Polizeistation, wo wir die Nacht zu verbringen hoffen. Nach gewissenhafter
Kontrolle der Pässe -wir sind ja schließlich 'Angolaner'
;-) und angolanische Rebellen haben im (nicht weit entfernten) Nordosten
immerhin einige Teile Namibias gewaltsam besetzt- dürfen wir
schließlich auch auf dem Gelände der Polizei übernachten.
Für seine Bemühungen und Vermittlungsversuche geben wir dem
hilfsbereiten Ovambo anschließend noch ein Bier aus.
Als Marion am Abend zur Toilette will, staunt sie nicht schlecht. Die
Damentoilette der Polizeistation ist gleichzeitig Ziegenstall und für
den ursprünglichen Zweck nicht mehr zu gebrauchen, die Herrentoilette
wird anscheinend vom halben Dorf -Männlein wie Weiblein- benutzt. Es
ist ein ständiges Kommen und Gehen.
Am nächsten Morgen werden wir dann tatsächlich auf Deutsch
angesprochen und lernen so zufällig einen Cousin des Präsidenten
kennen, der einige Jahre in Deutschland lebte und unser Kennzeichen ausnahmsweise
dem richtigen Land zuordnen konnte. Sein für einen Schwarzen in dieser
Region der Erde etwas befremdlich klingender Name lautet Willibard ...
Zwischen Ruacana und Epupa gibt es eine relativ vernünftige Piste
- und die Kunene River Road. Infolge schlechten Kartenmaterials (Wegweiser
gibts in dieser Region natürlich keine) geraten wir auf letztere,
die entlang des Kunene durch sehenswerte Gebiete führt. Leider hat man
dafür kaum noch einen Blick übrig (und so gibt es leider auch kein
vernünftiges Foto), denn die 'Piste' verliert sich bald in einer fast
unbefahrbaren Geröllhalde, die nur noch von 4x4-Enthusiasten und nur
im Konvoi befahren werden sollte.
Anfänger wie wir haben hier eindeutig wirklich nichts mehr verloren.
An einer halsbrecherischen Stelle kehren wir schließlich um und
müssen auf dem Rückweg an einer Steigung sogar unser Auto entladen. |

die offizielle Piste auf dem Weg zur Kunene River Road |

am nächsten Tag, wieder unterwegs auf der normalen Piste - beim Durchqueren
eines schmalen, aber tiefen Baches (der uns die Aufhängung des Auspuffs
kostet) |
Anschließend schaffen wir die Passage im fünften oder sechsten
Versuch (weniger ein Problem der Motorleistung als der Traktion auf dem losen
Geröll) und schleppen anschließend 90 Liter Wasser, 50 Liter Diesel
und anderen unbedeutenden Kleinkram bei 47° im Schatten den (aber
leider in der prallen Sonne liegenden) steilen Hang hoch.
Später -wieder auf der offiziellen Piste- ziehen wir noch
ein weit besser motorisiertes Fahrzeug aus dem Sand (das einzige
überhaupt, das wir an diesem Tage zu Gesicht bekommen), nehmen uns danach
dessen Motor zur Brust, der nicht mehr anspringen will und kehren nach
erfolgreichem Abschluß schließlich zurück zur Kunene River
Lodge. Für heute hatten wir schließlich genug Piste gesehen -
immerhin fast 40 km, zumeist im Fußgängertempo. Später
erfahren wir, daß auf der Kunene River Road schon seit etlichen Wochen
niemand mehr entlanggefahren ist. Und wir wissen auch warum ... |
Himbas
Im abgelegenen und unzugänglichen Nordwesten Namibias, dem sog. Kaokoveld,
lebt das Volk der Ovahimba. Seit etwa 5.000 Jahren hat sich ihr Leben kaum
verändert, ziehen sie als Halbnomaden durch die Region und sprechen
ihre eigene Sprache - Otjiherero. Wohl erst in den letzten 20 Jahren sind
sie mit der zivilisierten Gegenwart konfrontiert und seitdem vom
Sensationstourismus quasi überrollt worden.
5.000 Jahre kamen sie alleine zurecht, lebten nach alten Traditionen in einer
äußerst unwirtlichen Gegend, strahlten Kraft, Stärke und
Würde aus.
Noch heute leben sie oft in Lehmhütten, tragen lediglich einen Lendenschurz
und trinken aus den Pfützen am Wegesrand. Doch inzwischen dröhnen
gelegentlich bereits billige Transistorradios aus ihren Dörfern und
ihre Würde ist oft schon einer Art Prostitution gewichen. Man stellt
sich den Touristen gegen Geld für Fotos zur Schau oder bettelt, was
das Zeug hält. Bereits kleine Kinder, die gerade mal so laufen können,
kommen mit aufgehaltener Hand auf einen zu gerannt und reiben Daumen und
Zeigefinger aneinander, lange bevor sie in einem Alter von vielleicht zwei
Jahren auch nur ahnen können, was Geld ist.
Nur noch eher selten begegnen wir Himbas, die einfach ihre Ziegen hüten,
Himbafrauen mit Kindern auf dem Rücken, die stolz an uns
vorüberschreiten und uns freundlich grüßen, ohne zu
betteln. Wie lange mag es noch dauern, bis auch diese Kultur eines
Naturvolkes wie so viele andere ihrem Ende entgegen geht ...
Am Rande des Damaralandes liegt die Spitzkoppe. Wir erreichen das Gebiet
über die westliche Zufahrt, die im letzten Jahr nach den heftigen
Regenfällen auch für das beste Geländefahrzeug nahezu unbefahrbar
war. Der damals morastige Fluß hat sich inzwischen in eine tiefe
Sandpassage verwandelt, die der Landy mit Allrad und Low-Range aber locker
bewältigt.
Direkt am Fluß steht das einsame Haus, bei dem ich im Vorjahr
übernachtete (siehe Bericht von 2000 - 'Praat jy Ovambo?'). Bei einem
kurzen Besuch liefern wir meine damals entstandenen Fotos ab - dann gehts
weiter ... |
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Das ganze Gebiet um die Spitzkoppe ist gekennzeichnet durch interessante
Berge, atemberaubende Felsformationen und die Möglichkeit, Wanderungen
durch einsame Gegenden zu unternehmen und dabei wie wir mit etwas Glück
auch mehrere Tausend Jahre alte Felszeichnungen der Buschmänner zu
entdecken.
Der von weitem nicht sehr beeindruckende Felsbogen 'Bridge' begeistert uns
nachhaltig, nachdem wir ihn erklommen haben und in seinem 'Rahmen'
die Spitzkoppe und die Pontoks betrachten. Auch die abenteuerliche Wanderung
zum Bushman' s Paradise -der ursprüngliche Weg ist durch einen
Felssturz blockiert- ist eine Klasse für sich. Bei einer Flasche
Rotwein und einem Sonnenuntergang hinter der Spitzkoppe geht ein weiterer
unvergeßlicher Tag seinem Ende entgegen ... |
Solitaire
Als wir Solitaire erreichen, ist es 12:17 Uhr auf der einzigen Uhr des winzigen
Ortes. Seit nunmehr drei Jahren ist es jetzt schon 12:17 Uhr in Solitaire.
Zeit ist offenbar nicht sehr wichtig hier ...
Solitaire ist ein winzigkleines Nest auf dem Weg nach Sesriem und dem
bekannten Sossusvlei und Solitaire ist Moose. Moose "I'm the only moose in
the desert" ist ein witziger, hilfsbereiter und tierlieber Typ aus Sambia,
der sechs Hunde und vier Katzen hält, regelmäßig
die Vögel der Umgebung und eine gelegentlich vorbeikommende Wildkatze
füttert und seine Schwester bei einem Projekt zur Rettung mißhandelter
Pferde unterstützt ("my sister loves horses. I love Harley Davidson
...").
Seit etwa acht Jahren betreibt er mitten in der Wüste einen
Campingplatz mit einer Art Roadhouse, das inzwischen zu einer Art Legende
geworden ist. In Solitaire entstand schon ein Werbespot für Toyota,
wurde ein Film gedreht und Zeitschriftenartikel berichteten darüber.
Moose kann lange Storries davon erzählen und wenn gerade
wenig los ist, dann kramt er auch mal einen Bildband oder eine Zeitschrift
heraus mit entsprechenden Berichten.
Er bäckt das vielleicht beste Brot in Namibia und verkauft selbstgemachten
Kuchen und wer sich die Zeit nimmt, sich mit ihm ein Weilchen zu unterhalten,
der wird eines nie vergessen - in Solitaire gehen die Uhren anders
...
Kürzlich wurde sein Laden mit allem Drumherum von einem Investor aufgekauft,
der Solitaire groß rausbringen will. Moose wird sicherlich immer Moose
bleiben, aber Solitaire wird sich nun wohl leider schon bald sehr verändern
...
| Das Sossusvlei wird in jedem Reiseführer als Highlight gepriesen
und ein Besuch der unvergeßlichen Dünenlandschaft ist sicherlich
eines der herausragendsten Erlebnisse jeder Namibiareise. Weniger bekannt,
aber noch spektakulärer ist das direkt nebenan liegende Deadvlei. Wer
über den Dünenkamm blickt und das Vlei dort unten für recht
'winzig' hält, sollte mal bis zum gegenüberliegenden Ende laufen.
Er wird seine Meinung schnell ändern.
Das nebenstehende Foto zeigt einen der zahlreichen abgestorbenen
Kameldornbäume vor der gleißend hellen Sonne. |
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Die Strecke von Sesriem zum Sossusvlei ist bis auf die letzten fünf
Kilometer geteert. Die letzten fünf Kilometer sind Sandpiste und nur
noch für Allradfahrzeuge geeignet. Durch die kühleren Temperaturen
und den nächtlichen Küstennebel verdichtet sich der Sand und die
Strecke ist am frühen Morgen recht einfach zu befahren. Am Nachmittag
wird es nicht nur wesentlich wärmer, sondern die Oberfläche der
Piste wird auch deutlich weicher. Nimmt man hier auf der verzweigten Piste
die falsche Route, kann es anstrengend werden. Wir sanden nachmittags zweimal
mit heißgelaufenem Motor ein und dürfen den Landy ausgraben.
Endlich kommen die Sandbleche zum Einsatz ...
Mit auf dem Bild sind Hias und Stephan, die wir am Vorabend zufällig
kennenlernten und auf dem Rückweg mitnehmen. Jener Rückweg dauert
für sie nun wohl länger, als wenn sie zu Fuß gegangen
wären. Dafür schließt sich an dieses Erlebnis noch ein
schöner und langer Abend zu viert mit Lagerfeuer, Grillen und Bier an
... |
Fotos
Auf meinen beiden vorhergegangenen Reisen durch Namibia habe ich bereits
hin und wieder interessante Leute kennengelernt und diese
bei passender Gelegenheit auch fotografiert. Für den
größten Teil der schwarzen Bevölkerung ist eine Kamera
ein völlig unerschwinglicher Gegenstand (nur etwa 5% der Schwarzen
verdienen mehr als 500 DM im JAHR und ernähren damit oft noch
ganze Familien) und sie lassen sich daher nach einem kurzen
Gespräch (in das ich als Radfahrer ohnehin stets verwickelt wurde) auch
gerne fotografieren, sind darauf oft sehr stolz und bedanken sich
gelegentlich sogar überschwenglich dafür. Diesmal habe ich
Fotos (im etwas größeren Format 18x13) der beiden ersten Reisen
dabei, um den Leuten eine Freude zu machen, falls wir sie wiedertreffen -
und es gelingt uns in einem nie für möglich gehaltenen Ausmaß.
Erwachsene Menschen freuen sich dort über ein Foto mehr als hierzulande
kleine Kinder zu Weihnachten und so erleben wir einige unvergeßlich
schöne Momente.
| Bei unserer ersten Fotoübergabe sind die Erwachsenen so begeistert
und sehen sich die fünf oder sechs Fotos immer wieder an. In der
Zwischenzeit schenkt Marion dem dabeistehenden Dreikäsehoch eine
kleine Mundharmonika aus Plastik. Kurze Zeit später entdeckt der Knirps,
daß er daran nicht saugen, sondern reinblasen muß und tut
es fortan mit freudiger und ständig wachsender Begeisterung. Eltern
und Kind strahlen um die Wette und umarmen uns wie alte Freunde. Als wir
uns schließlich wieder auf den Weg machen, fällt es uns
einigermaßen schwer. Wir haben das sichere Gefühl, daß
unser überraschender Besuch wirklich willkommen war. |
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In einem Schwarzenviertel verursachen wir mit den Fotos gleich einen
'kleinen Volksauflauf'. Nicht nur, daß Weiße hier ohnehin nur
selten zu sehen sind, doch daß hier jemand auch noch Fotos von
ihnen verteilt, dürfte die absolute Ausnahme sein.
Selbst kleine Kinder bestaunen interessiert die abgelichteten Freunde und
Bekannten und zeigen uns stolz den Weg zu deren Behausungen.
Am Ende können wir alle Fotos 'unters Volk' und an die glücklichen
zukünftigen Besitzer bringen. |
| Auf einem Holzschnitzermarkt ist einer der Händler so von seinem
Foto (rechts) beeindruckt, daß er es noch auf unserem
Rückweg nach einer halben Stunde völlig ungläubig anstarrt.
Er schenkt mir anschließend zum Dank noch einen kleinen handgeschnitzten
Elefanten und ich schäme mich richtig dafür. Mich hat das Foto
keine 60 Pfennig gekostet und er hat für seine Arbeit sicherlich
Stunden aufwenden müssen und der Verkauf hätte ihn und seine
Familie wahrscheinlich wieder einen weiteren Tag über Wasser gehalten.
Andererseits fürchte ich, ihn zu beleidigen, wenn ich das Geschenk
nicht annehme und so freue ich mich schließlich wenigstens darüber,
daß ich ihm mit einem so geringen Aufwand eine so große Freude
machen konnte. |
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Katutura gilt als die berüchtigste Gegend Windhoeks, sozusagen als
die 'Bronx' Namibias. Reiseführer und Einheimische warnen in der Regel
vor enem Besuch Katuturas mit ziemlich drastischen Schilderungen und demzufolge
geht natürlich auch kaum jemand hin. Die Warnungen mögen
größtenteils zu Recht bestehen sein und von Leuten kommen, die
entsprechend schlechte Erfahrungen gemacht haben; zum Teil kommen sie aber
eben auch von Leuten, die solche Warnungen nur weitergeben und mit
'kräftigen Farben ausmalen', selbst aber noch nie in Katutura waren.
Ich beschließe also, Katutura auf eigene Faust kennenzulernen und mir
ein eigenes Bild zu machen. |
Marion lehnt verständlicherweise dankend ab und ich besuche Katutura
gemeinsam mit Waldo, einem reiseerfahrenen Motorradtouristen aus Deutschland,
den wir einen Tag zuvor zufällig kennenlernen. Nach ausnahmslos freundlichen
Begegnungen mache ich mich am nächsten Tag nochmal alleine auf den Weg
und streife für einige Stunden ziellos auch durch abgelegenere Ecken
Katuturas.
Auf dem Weg komme ich mit einem kleinen Jungen ins Gespräch, von
einer Blechhütte winken ein paar Leute und wollen mit mir
reden. Sie wohnen zu acht oder zehnt in diesem Verschlag und stellen
mir Fragen über Fragen, wollen wissen, ob in Deutschland wirklich alle
Häuser aus Stein sind und am Ende gibts ein Familienfoto mit
einer kleinen Namibiaflagge.
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An anderer Stelle freuen sich die Kinder eines 'Kindergartens' über
meinen Besuch und reichen mir nacheinander die Hand. Immer wieder komme ich
mit Leuten ins Gespräch, die trotz ihrer Armut nicht betteln, sondern
sich nur aus Neugier mit mir unterhalten wollen. Nach drei Stunden Spaziergang
durch Katutura besuche ich eine Kneipe und bestelle ein Bier. Die Inhaberin
kommt mit einer Flasche auf mich zu und -als ob es das normalste der Welt
wäre- öffnet sie nebenbei mit ihren Zähnen. Auf Luxusgüter
wie Flaschenöffner kann man hier eben verzichten. |
Auf meinem weiteren Weg höre ich 'schräge' Flötenmusik. Es
klingt ziemlich stümperhaft, doch ein Stück weit weg sitzen
einige Männer auf billigen Plastikstühlen und scheinen
tatsächlich ernsthaft zu proben. Immer wieder brechen sie ab und wiederholen
bestimmte Passagen, bis sie zufrieden sind. Neugierig komme ich näher,
setze mich 10-15 Meter entfernt auf den Boden und staune.
Ihre 'Querflöten' sind schlichte, weiße PVC-Rohre, wie sie
bei uns zur Isolation von Elektroinstallationen in Feuchträumen verwendet
werden. Mit dem Messer entsprechend gekürzt und mit Löchern versehen
hat sich jeder hier sein Instrument selbstgebastelt - Improvisation
à la Afrika. Erst jetzt kann ich das, was sie ihren 'Instrumenten'
mit einem Gesamtwert von fünf Mark entlocken, entsprechend würdigen
und bin plötzlich völlig fasziniert von ihrer Musik, die ich eben
noch vorschnell als stümperhaft abqualifiziert habe. Einer von ihnen
winkt mich herbei, bietet mir einen Stuhl an und so setze ich mich direkt
neben sie und höre zu, wie sie proben.
Wie ich später von Ihnen erfahre, ist diese Wiese die 'Kirche' und sie
selbst sind quasi eine Mischung aus Kirchenchor und Orgel. Sie laden
mich ein zum nächsten Gottesdienst. Wie gerne hätte ich diesen
afrikanischen Gottesdienst besucht, doch leider muß ich am nächsten
Tag bereits zurück nach Deutschland fliegen ...
Nach meinen zwei Besuchen in der 'Bronx' Namibias weicht mein persönliches
Bild von Katutura ziemlich ab von den Schilderungen einschlägiger
Reiseführer. Allerdings ... - im Dunkeln möchte ich hier nicht
stranden ...
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