Mein Name ist Robert Braun

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Ich bin ein Genie


Das Jahr 2003

Dienstag, 14 Januar 2003

In den Wintermonaten fällt es nicht schwer einsame Urlaubsorte selbst auf der von Touristen bevorzugten Urlaubsinsel Mallorca zu finden. Und so verbringe ich eine Woche in Camp de Mar. Einer steinigen Bucht, 30 Autominuten von Palma entfernt. Die Riu - hotelgruppe betreibt dort ein Sport- und Freizeithotel.
Vom Balkon meines Zimmers im 6 Stock der Bettenburg kann ich auf den Balkon von Claudia Schiffer`s (Exmodel) Villa schauen. Sollte sie also im Negligé auf dem Balkon ihr Haar in die Seeluft legen und herübersehen, behalte ich mir vor ihr unmerklich zuzunicken. Aber warscheinlich ist auch das egal und ich sitze in einer Stunde eh im hellen Einreiher an der Hotelbar zum Vergessen.

Donnerstag, 16 Januar 2003

Ich las heut, dass C. Schiffer sich hochschwanger in London aufhält.

Freitag, 17 Januar 2003

Wie ein Ölteppich ziehen die Wolken über die Insel und verdecken die Sicht auf die Sterne. Es ist Nacht und ich stehe in der Bucht. Am Horizont bewegen sich in tiefschwarzer Nacht zwei Lichter vorbeifahrender Schiffe.
Am Vorabend der Abreise trinkt sich der Rotwein immer gefällig. Warum auch immer.
Es beginnt etwas zu nieseln und ich gehe in die Hotelbar. Setze mich in einen der Fünfzigerjahresessel nahe des Tresens und kippe Sonoro de la Antigua Tinto 1999 herunter.
- Keine Lust auf Sehnsucht -
Zusammenfassend war dies eine schöne Woche der Ablenkung. Bis auf die Ohrenschmerzen meiner Tochter und meiner Freundin - verursacht durch das zu stark gechlorte Hotelbad - , ging es uns gut.

Freitag, 30 Januar 2003

Am Eingang des GreenDoor`s habe ich es mir in der Ledersitzgruppe bequem gemacht und genieße einen guten MacAllen. Vor mir, wie die Hühner auf der Stange, sitzen die Schwärmer der heutigen Nacht am Tresen und kippen ihre Drinks.
Da sitzt der Typ, der nun endlich mal ohne Probleme seine Frau betrügen will, neben der biederen Hotelfachfrau, dem Zahnmedizinstudenten, der ewigwichtigem Marketingassistentin, dem Verwaltungsangestellten in brauner Lederhose, der dünnen Jointraucherin und ihrem privatporno-produzierenden Ex-mann.
Und ganz am Ende der Bar sitzt der Trostloseinsame, der sich nie traut zu trinken.
Es könnt ja sein, er wird doch eines Tages mal von einer geheimnisvollen Blonden um Feuer gebeten.
Und bis dahin - lauscht er den Gesprächen seines Nachbarn.

Samstag, 31. Januar 2003

Jeder von uns kennt dieses Bild aus der Grundschulzeit: Der dicke Dummschwätzer nimmt nach und nach jeden Jungen seines Jahrganges in den Schwitzkasten. Und sehr bald stellt sich heraus wer Untergebener, Eingereihter oder Außenseiter ist. Jeder halbwegs Intelligente erkannte diesen Umgang miteinander spätestens in der zweiten Klasse. Doch kaum jemand wagte sich dem Dicken in den Weg zu stellen, zumal er es auch war, der in den Pausen die Leckereien ängstlicher Mitschüler an die Anderen verteilte und sich der Unterstützung des Klassenclowns gewiß sein durfte.
Die Rolle des Dicken, haben nun die USA übernommen. Und die Welt schaut zu, wie der Dicke zuschlägt, um das Öl des Irak zu verteilen.
Es ist wieder einmal zum Kotzen, wie das Völkerrecht missachtet und Menschen aus Kostengründen ausgebombt und ermordet werden.

Montag, 24 Februar 2003

Da lag ich nun auf dem Rücken mit dem Blick zur Zimmerdecke, als der Bohrer Millimeter für Millimeter meinen Zahn zum Kronenstift schliff.
Mein Schädel vibriert und meine Augen feuchten sich, so als säße ich bei einem Kaffee in der Flughafenhalle und verließe frischverliebt die Frau meines Herzens. Der Geruch aus meinem Mund ähnelt dem eines frisch gesägten Röhrenknochens. Knochenmehl.

Meine Peinigerin trägt kein Parfum. Außer dem Kratzen des grobkörnigen Bohrers höre ich nichts, sehe aber, auf einen meiner Rundblicke, daß die Helferin zu meiner Linken etwas erzählt. Nach dem ersten Lächeln blicke ich wieder, vorbei an dem grellen Lichtspiegel, zur Decke. Die Hände vor dem Bauch gefaltet, spiele ich mit meinem Ring.
Langsam brennt sich das Muster im Deckenstuck in mein Gedächtnis. Manchmal, wenn der Schmerz für Minuten stärker wird, fährt das Muster optisch davon. Nach eineinhalb Stunden des Kronenaufsägends, Mundspülens und Bohraufsatzwechselns fällt es mir zunehmend schwer den Mund geöffnet zu halten und die kleinen Muskeln an meinem Kiefer verkrampfen sich. Ich muß an die vergangenen 10 Tage denken. Daran, wie sehr ich mir den Kopf zermartere und es nicht bremsen kann. Und dann, heut morgen, nach dem Eintreffen im Büro und dem Einschalten des PC`s am Fenster, sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite Ihr Emailleschild an der Hauswand und ich entschloß mich für zwei Neukronen.

Jetzt sitze ich wieder im Büro, knabbere schlechte Bratwurst vom Stand an der Ecke und korrigiere die schriftlichen Arbeiten unserer Auszubildenden.
Neben mir ein kaltes Glas Wasser, um meine Wange zu kühlen und der Einkaufszettel für später.


1. Kriegstag, 20. März 2003

Um 2 Uhr europäischer Zeit läuft das von US-Präsident Bush gegen den Irak gerichtete Ultimatum ab. Bush gibt den Befehl zum Angriff. Um 3:35 Uhr heulen in Bagdad die Luftschutzsirenen, die ersten von 40 Marschflugkörpern schlagen ein. Mit einem so genannten Enthauptungsschlag wollen die USA die irakische Führung ausschalten. Der US-Präsident informiert sein Land in einer TV-Ansprache über den Kriegsbeginn.

2. Kriegstag, 21. März 2003

Die Großoffensive beginnt. Nach Einbruch der Nacht schlagen Marschflugkörper in der irakischen Hauptstadt ein. Zeitgleich stoßen US-Panzertruppen von der Südgrenze Iraks nach Norden vor.

3. Kriegstag, 22. März 2003

Die Luftangriffe auf Bagdad werden intensiviert. Die Kampagne trägt den Namen "Angst und Schrecken". Im Visier liegen Regierungsgebäude. Zum Einsatz kommen vor allem Marschflugkörper, allein am 22. März sind es 1.000 Stück. Die Koalitionskräfte setzen erstmals auch schwere B-52-Bomber ein. Im Süden Iraks stecken irakische Truppen sieben Ölquellen in Brand. Irakische Raketen schlagen in Kuwait ein, richten aber kaum Schaden an.

4. Kriegstag, 23. März 2003

Die alliierten Truppen stoßen bei ihrem Vormarsch auf Bagdad auf stärken Widerstand als erwartet. In offiziell bereits eroberten Städten wie Umm Kasr im Südirak brechen wieder Kämpfe aus. Ein britischer "Tornado"-Kampfjet wird irrtümlich von US-Truppen abgeschossen. Die beiden Piloten sterben. Das irakische TV zeigt Bilder von gefangen genommenen und getöteten US-Soldaten. Den GIs steht die Angst ins Gesicht geschrieben. US-Präsident Bush warnt den Irak, die Kriegsgefangene nicht zu misshandeln.

5. Kriegstag, 24. März 2003

Erste verwundete US-Soldaten werden auf die US-Luftwaffenbasis Ramstein gebracht. US-Bodentruppen melden, der Vormarsch habe sie bis 100 km vor Bagdad gebracht. Der Irak hat mindestens einen US-Hubschrauber abgeschossen. In einer TV-Ansprache kündigt Saddam Hussein "dunkle Tage" für die Alliierten an. Der Widerstand der irakischen Truppen nimmt zu.

6. Kriegstag, 25. März 2003

Ein Sandsturm bringt den Vormarsch der Koalitions-Truppen rund 90 km vor Bagdad beinahe zum Erliegen. Die Sicht beträgt stellenweise nur 50 Meter, Hubschrauber können nicht mehr starten. Unterdessen gehen die Luftangriffe auf Bagdad weiter. Die USA werfen dem Irak vor, die Hauptstadt mit Giftgas verteidigen zu wollen. Um die eingekesselte Hafenstadt Basra wird weiter gekämpft.

7. Kriegstag, 26. März 2003

In der Nacht verstummt das irakische Staatsfernsehen nach einem massiven Bombenangriff, nimmt aber nach wenigen Stunden den Sendebetrieb wieder auf. Rund um Basra liefern sich die Kriegsparteien weiter schwere Gefechte. Berichte über einen Aufstand bestätigen sich nicht. Südlich von Bagdad zerstören irakische Kräfte mehrere US-Panzer. Auf einem Wochenmarkt in Bagdad schlagen zwei Raketen ein, mindestens 15 Zivilisten sterben.

8. Kriegstag, 27. März 2003

Mit Beginn der zweiten Kriegswoche bauen US-Truppen eine zweite Front im Norden des Iraks auf. Rund 1.000 Fallschirmjäger sind die Vorhut. Weitere Truppen sollen folgen. US-Medien melden, die Expeditionstruppen im Irak sollten stark aufgestockt werden. Während die Kämpfe um Basra und Nasirija anhalten, gibt es Berichte um irakische Panzerverbände, die sich den Invasoren nähern.

9. Kriegstag, 28. März 2003

Bagdad erleidet das bislang heftigste Bombardement des Krieges mit Marschflugkörpern. Zudem werfen B-2-"Tarnkappen"-Bomber erste Anti-Bunker-Bomben ab. Im Norden des Iraks verstärken die Allierten die aus 1.000 Fallschirmjägern bestehende Nordfront mit Panzern und bis zu 6.000 weiteren Soldaten. In Basra wird weiter gekämpft, wegen der prekären Versorgungslage droht eine humanitäre Katastrophe. Am Abend kommt es zu einer Explosion auf einem Marktplatz in Bagdad, bei der nach irakischen Angaben 50 Zivilisten getötet werden.

10. Kriegstag, 29. März 2003

In der südirakischen Stadt Nadschaf werden vier amerikanische Soldaten durch eine Autobombe getötet. Es ist der erste Selbstmordanschlag seit Kriegsbeginn, die irakische Führung kündigt weitere an. Auch am zehnten Tag der britisch-amerikanischen Militäroffensive fliegen die Alliierten wieder massive Luftangriffe auf Ziele in Bagdad und anderen Teilen des Landes. Tomahawk-Marschflugkörper treffen das Informationsministerium in der irakischen Hauptstadt.

11. Kriegstag, 30. März 2003

Nach dem ersten Selbstmordangriff auf US-Soldaten im Irak-Krieg ruft die Führung in Bagdad zu weiteren derartigen Attacken auf. Erstmals stoßen britische Elite-Soldaten mit Panzern ins Zentrum der südirakischen Millionenstadt Basra vor und zerstören zwei überlebensgroße Statuen Saddam Husseins. Bagdad steht rund um die Uhr unter massivem Beschuss. Der US-Oberfehlshaber im Irak-Krieg schließt nicht mehr aus, dass sich der Krieg hinzieht. Dauert Bushs Blitzkrieg bis zum Sommer?
Ich glaube kaum.

12. Kriegstag, 31. März 2003

Amerikanische Bodentruppen liefern sich knapp 100 Kilometer südlich vor Bagdad erbitterte Kämpfe mit irakischen Truppen. Laut CNN verschanzen sich irakische Einheiten im Gebiet der Städte Hilla und Hindija und leisten heftige Gegenwehr.

13. Kriegstag, 1. April 2003

Bei zwei blutigen Zwischenfällen an US-Kontrollpunkten sterben insgesamt acht Zivilisten, darunter sieben Frauen und Kinder und ein unbewaffneter Fahrer. US-Soldaten hatten auf die Fahrzeuge geschossen, die trotz Aufforderung nicht stoppten. Bagdad erlebt die schwersten Luftangriffe seit Kriegsbeginn. Die US-Truppen rücken bis auf 80 Kilometer auf die irakische Hauptstadt vor.
Der Rest der Welt schwelgt in Aprilscherzen.

14. Kriegstag, 2. April 2003

Die US-Truppen beginnen mit dem Sturm auf Bagdad die entscheidende Phase des Krieges. Der Verteidigungsring der Republikanischen Garden wird an mehreren Stellen zerschlagen. In der südirakischen Stadt Nasirija befreien Soldaten die verwundete US-Kriegsgefangene Jessica Lynch aus einem Krankenhaus. Sie war am vierten Kriegstag in einen Hinterhalt geraten und galt als vermisst.

15. Kriegstag, 3. April 2003

Die US-Truppen stehen nur noch 25 Kilometer vor Bagdad. Der Kampf um den internationalen Flughafen beginnt. Beim Abschuss eines US-Kampfhubschraubers werden bei Kerbela sieben US-Soldaten getötet. Britische Truppen setzen nach BBC-Angaben bei Basra erstmals Streubomben ein und mir wird schlecht bei dem Gedanken, wie viele Kinder wohl mit zerfetzten Armen heulend am Straßenrand sitzen.

16. Kriegstag, 4. April 2003

Der Flughafen von Bagdad ist in der Hand der amerikanischen Streitkräfte. Nach BBC-Angaben ist die irakische Hauptstadt praktisch umstellt. Wieder werden drei US-Soldaten Opfer einer Selbstmordattacke im Irak. Sie kommen bei einem Anschlag an einem alliierten Militärkontrollpunkt ums Leben. US-Truppen haben offenbar in einem irakischen Labor Gegenmittel für Chemie- und Biowaffen entdeckt.

17. Kriegstag, 5. April 2003

Die Lage in Bagdad ist unklar. Nach US-Angaben rücken erstmals Panzer der alliierten Streitkräfte bis ins Zentrum vor. Die irakische Führung bestreitet das. In der Nähe des besetzten internationalen Flughafens von Bagdad treffen die US-Truppen noch auf Gegenwehr irakischer Truppen. US-Journalisten berichten auch von "fanatischem Widerstand" der Republikanischen Garde in Bagdad. Saddam Hussein ruft die Bevölkerung erneut zum Widerstand auf.

18. Kriegstag, 6. April 2003

Im Nordirak schießen US-Truppen versehentlich auf einen Konvoi aus eigenen Soldaten, kurdischen Kämpfern und Zivilisten. Zwölf Menschen sterben. Das britische Militär erobert die südirakische Hafenstadt Basra. Die Hauptstadt Bagdad wird weiter aus der Luft angegriffen. US-Truppen dringen als "Machtdemonstration" erneut mit Panzern ins Zentrum vor.

19. Kriegstag, 7. April 2003

US-Truppen haben den Hauptpalast von Präsident Saddam Hussein in Bagdad in ihrer Gewalt. Die Lage in den Krankenhäusern in den umkämpften Gebieten ist nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz kritisch. Erstmals ist ein deutscher Journalist getötet worden. Der "Focus"-Redakteur Christian Liebig wird in der Nähe von Bagdad bei einem irakischen Raketenangriff getötet. Der 35-jährige hat die dritte US-Infanteriedivision begleitet. Bei einem Luftangriff auf ein Gebäude im Nobel-Wohnviertel von Bagdad soll es sich um einen direkten Schlag gegen Saddam Hussein und seine Söhne handeln. Niemand berichtet über die toten und verwundeten Iraker.

20. Kriegstag, 8. April 2003

Amerikanische Bodentruppen und irakische Kämpfer liefern sich Kämpfe im Zentrum von Bagdad. US-Einheiten hatten zuvor zum ersten Mal die Nacht innerhalb der Stadt verbracht. Die Kämpfe konzentrieren sich weiterhin auf das Regierungsviertel. Beim Beschuss des Journalisten-Hotels Palestine durch einen US-Panzer werden zwei Kameramänner getötet und mehrere Journalisten verletzt. Zuvor kommt ein Korrespondent des arabischen TV-Senders El Dschasira bei einem US-Luftangriff ums Leben.

Mittwoch, 09 April 2003

...seit 07.20 Uhr hämmern und bohren die Handwerker bereits in der Nachbarwohnung, die seit 2 Wochen wild, laut und billig restauriert wird.

Meiner Freundin gehn langsam die Nerven durch. Wir stehen auf, wecken die Kinder und schon im Bad provoziert sie mich. (...es stört sie, oder besser sie versteht immer noch nicht, weshalb ich auch in der neuen Wohnung - sind ja auf Wohnungssuche - , wert auf ein Zimmer zum Arbeiten und Malen lege. )
Und ich habe mich selbst nach 12 J. Beziehung nicht an dieses Frauengezicke und -gestichele gewöhnt. Es stört mich immer noch. In einem solchen Moment muß ich an das Leid in Irak denken... ...und wie lächerlich, daß alles hier ist...

So, jetzt werd ich mal den Jungen in den Kindergarten bringen, mich für ne Stunde beim Sport "ablenken" und dann später unsere "geschäftliche Welt" retten, im Büro.

22. Kriegstag, 10. April 2003

Der Krieg verlagert sich nach der Einnahme Bagdads an die Nordfront. Kirkuk wird von kurdischen Truppen und US-Spezialkräften ohne nennenswerten Widerstand eingenommen. Die Türkei zeigt sich besorgt über den wachsenden kurdischen Einfluss in der Region. Luftangriffe gibt es auf Mosul und Tikrit, die Heimatstadt Saddam Husseins. In Bagdad wird nur noch wenig gekämpft. Bei einem Selbstmord-Attentat in der Hauptstadt werden mehrere US-Soldaten getötet. Die Plünderungen gehen weiter. Auch vor einem Krankenhaus und der deutschen Botschaft machen die Plünderer nicht halt.

23. Kriegstag, 11. April 2003

Der Widerstand regulärer irakischer Truppen ist nach Meldungen des US-TV-Senders CNN fast völlig erlahmt. Mit der Kurdenhochburg Mosul haben sie auch die drittgrößte Stadt des Landes nahezu kampflos aufgegeben. Unterdessen treten die internationalen Bemühungen um eine Nachkriegsordnung für den Irak immer mehr in den Vordergrund.

24. Kriegstag, 12. April 2003

Das Chaos im Irak dauert an. Nach Medienberichten dringen Plünderer auch in Privathäuser ein. Geschäftsleute greifen zu Schusswaffen und Eisenstangen, um dem Mob Einhalt zu gebieten. Das US-Militär beginnt in Bagdad mit der Auswahl von irakischen Freiwilligen, die als Polizisten eingesetzt werden sollen. Die Alliierten fliegen unterdessen neue Angriffe auf Ziele in Tikrit, der Heimatstadt von Saddam Hussein. Das Schicksal des entmachteten Präsidenten ist weiter unklar. Sein Berater Amir el Saadi stellt sich den US-Truppen.

25. Kriegstag, 13. April 2003

US-Marineinfanteristen finden sieben US-Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren. Zwei von ihnen sind verletzt. Einer von Saddams Halbbrüdern, Watban Ibrahim el Hassan el Tikriti, wird nahe der syrischen Grenze festgenommen. US-Truppen beginnen mit der Eroberung von Tikrit, der letzten Bastion des Saddam-Regimes. Die meisten Krankenhäuser in Bagdad sind weiter geschlossen.

26. Kriegstag, 14. April 2003

US-Truppen nehmen Tikrit ein. Damit sind alle irakischen Großstädte in der Hand der alliierten Streitkräfte. Militärs erwarten nach eigenen Angaben jetzt ein rasches Ende des Krieges. Amerikanische Soldaten patrouillieren gemeinsam mit irakischen Polizisten in Bagdad, um Plünderern Einheit zu gebieten. Die USA werfen Syrien vor, die entmachtete irakische Führung zu verstecken.

27. Kriegstag, 15. April 2003

US-Militärs erklären nach der Einnahme von Tikrit die "heiße Phase" des Krieges für beendet. Erste Truppen werden abgezogen. Nach einer vorläufigen Bilanz sind im Irak 118 US-Soldaten getötet worden. In der südirakischen Stadt Nasirija beraten rund 100 Oppositionelle über die Zukunft des Landes. Nach den verbalen Angriffe der USA gegen Syrien warnt UN-Generalsekretär Kofi Annan Washington davor, den Nahen Osten weiter zu destabilisieren.

Dienstag, 15. April 2003

Ich bin ein Eidetiker.
Da tut es Not, sich von menschlichen Kontakten zu trennen, bevor man in den Karakteren untergeht.
Furcht ist der Preis für meine Gabe und ich ringe um Wege diese zu ertragen.
Ich werde mir Morgen mal wieder Leinwand und Farbe kaufen.

Donnerstag, 08. Mai 2003

Jeder Tagebuchschreiber braucht mal eine Pause. Und diese gönne ich mir derzeit.
Zumal mein Sohn jetzt auch im Kindergarten seine dritte Woche bestreitet und ich mich beruflich neu orientiere. Das braucht Zeit und verbraucht Energie.
Wenn ich dann einmal zur Entspannung im Internet bin, lese ich Berichte vom Institut für Umweltphysik (Ozonschicht... und so`n Zeug. Dazu trinke ich Chianti und höre Schumann.

Dienstag, 20. Mai 2003

Sei nie arglistig in Deinen Gedanken.
Sei eifrig in der Übung des Weges.
Erkenne auch das, was unsichtbar bleibt.

Sonntag, 01. Juni 2003

In Berlin ist es heiß geworden und in den Straßen watscheln die Menschen in Bermudashorts, T-Shirt und Badelatschen.
Heute Morgen trainierte ich wie gewohnt im Sportstudio und schwitze zum Abschluß eine halbe Stunde in der Trockensauna, im Gespräch mit dem sonst so schweigsammen bulgarischen Ringer, der mir ausführlich von den derzeit in Berlin stattfindenden Meisterschaften im Bankdrücken erzählte.
Die Organisatoren dort, engagierten ihn letztes Jahr zu den diesjährigen Meisterschaften. Seine Aufgabe besteht darin einzugreifen, wenn sich einer der Teilnehmer in seiner Kraft überschätzt und ihm die Hantelstange quasi auf der Brust festklebt. Dann kommt er und seine drei Kollegen zum Einsatz und befreien den pustenden Schwächling von seiner Last, bevor dessen Brustkorb knackende Geräuche von sich gibt.

Nach dem Training bin ich dann Heim und las den Kindern bis zum Mittagessen Fabeln vor. Danach sind die Kleinen dann mit meiner Freundin in den Park, während ich das Formel 1 Rennen aus Monte Carlo schaute.

Jetzt sitze ich am PC und erneuere meine Beträge in zwei Kulturforen im Internet.
Nicht gerade sehr befriedigend, aber immer noch besser, als sich in den Straßen dieser seelenlosen Stadt herumzutreiben.

Mittwoch, 08. Oktober 2003

Meine Tochter ist seit Montag mit dem Kindergarten an die Ostsee gefahren und kommt am Freitag Nachmittag wieder. Sie ist bereits 5 und ich denke, sie geniesst jede Minute ihrer Selbstaendigkeit.

Uns gehts soweit gut.
Ich bemühe mich jeden Tag, was Nettes mit Robert, dem Daheimgebliebenen, zu unternehmen.
Gestern waren wir im Spectrum, einem Seitenhaus vom Technikmuseum und haben experimentiert was das Zeug hielt.
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Ansonst gibt es nicht viel Neues - außer gestern.
Da hatten wir wieder ein Treffen mit dem GF des Unternehmens, daß uns aufkaufen will.
Viel Bla-bla wie bei den vorangegangenen Treffen auch und jeder beteuerte dann zum Ende, daß er seine nun gewonnenen Erkenntnisse zusammenfaesst, um dann zum nächsten Treffen eine konkretes Angebot zu machen.

Freitag, 17. Oktober 2003

Vor 20 Minuten strich ich noch Abendbrote für meine Kinder. Und nun, nachdem meine Freundin zu Hause auf der Coutch sitzt und fernsehschauend Pistazien in sich reinfrisst, nehme ich im GreenDoor (www.greendoor.de) am Tresen platz.
Ich höre quietschende Jazztrompeten und schaue ausgelassen in "Bernsteinernde" von denen ich die ersten drei Ex trinke.
In diesem Herbst haben wir viel zu tun. In der Hauptstadt wird hinter jeden Ecke gefeiert. Zwar unmerklich für die breite Bevölkerung aber Auftragsstark für unser Unternehmen. Und so wundert es nicht, daß sich nun zum zweiten Mal eine Unternehmensgruppe mit einem Übernahmeangebot an uns wandte.
330.000 Euro war ihr erstes Angebot. Vorsichtig geschätzt, denn sie kannten unsere Monatsauswertungen ja noch nicht.
Ich traf diesen Doktor-Professor-Irgendwer dann auch zwei-drei Mal im Kaffee Kranzler und wir sprachen über seine Gleichschaltungsvorstellungen ( ...es müsse Standards geben, die in allen Unternehmen der Gruppe gelten, wie er sagte... ) und ich über die Branche, meine eventuelle Weiterbeschäftigung in dem Untenehmen, Expansionsgelüsten und den Kaufpreis. Ich mag solche Gespräche, weil man im Alltag einmal mehr dazu angehalten wird seinen Eigenen und den Wert des Erschafften zu ermitteln. All jenen, die in unseren Zeiten der Insolvenzen ebenfalls Angebote erhalten, möchte ich folgende Gedanken mit auf den Weg zur Entscheidung geben:

Dienstag, 30. Dezember 2003

Ich bin ein Genie.

Ich muß die Welt retten. Im VW - Sharan fährt man nicht zur Kommunion oder ins Regierungsviertel. Man steht nicht im Stau, sucht keinen Parkplatz und sorgt sich nicht um den Reifendruck. Nein, man rettet die Welt. Ich drehe den Zündschlüssel aus wunderbarem Bakelit. Der Benzinmotor mit einem max. Drehmoment von optimierten 297 Nm mit 224 PS stöhnt auf wie ein angeschossener, korrupter Vorstandschef. Mit sanftem Druck auf das Gaspedal schieße ich davon. Von Null auf hundert in wenigen Sekunden. Spitze: 260 km/h. Ich habe es eilig. Denn ich werde verfolgt von deutschen Politikern und sonstigen Menschheitsbeglückern. Sie wollen mich töten. Was die Verfolger nicht wissen: Der Sharan ist gnadenlos getunt und ich ein brillanter Fahrer. Ich versuche, mich zu erinnern, ob mich der "Spaß" viel gekostet hat. Egal..

Plötzlich taucht eine Frau am Straßenrand auf, die noch ein wenig besser aussieht als Pamela Anderson. Sie trägt einen Bikini. Sie winkt mir. Vollbremsung. Und sie steigt wortlos ein. Die Türen des Sharans heißen "Adlerschwingen". Sie öffnen sich in einem Winkel, der acht Grad weiter ist als üblich, damit langbeinige Schönheiten einfacher ein- und aussteigen können. Der Innenraum mit deutschem Leder ist mindestens so hochwertig wie das Arbeitszimmer unseres Präsidenten. Die athletisch, vollbusige Schönheit redet kaum mit mir, weil sie weiß, dass ich ein Mann von Welt bin. Ein Gentleman. Ein Tier im Bett. Sonst würde ich nicht solch einen Wagen fahren. Wir halten vor einem Luxushotel. Ich bestelle einen Whisky, dann gehen wir in die Suite. Zum Abschied sagt sie: "Der Wagen passt gut zu Dir." Unten in der Lobby warten bereits meine Häscher auf mich. Ich höre Schüsse, werfe mich verzweifelt hinter den Wagen. Ich spüre einen stechenden Schmerz in der Schulter...

Als ich verschwitzt aufwache, schaue ich in die genervten Augen meiner Freundin, die neben mir liegt und von der ich in solchen Momenten: "Du schnarchst, dreh Dich zur Seite", erwarte. Ich bin nicht gestorben. Noch nicht. "Du hast im Schlaf geschrieen und gestrampelt", sagt sie stattdessen, "Wovon hast Du geträumt?". "Von unserm Wagen, ausnahmsweise" antworte ich und lächle innerlich.

Sie dreh mir den Rücken zu und grummelt, mit wahrscheinlich gewohnt heruntergezogenen Mundwinkeln: "Du lügst."