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Grundlagen der Anthroposophie(1): Monismus
1. Steiners philosophisches
Weltbild (1882 - 1894): "Monismus"
1.0 Zum Inhalt des ersten Kapitels 1.1.
Entscheidende Begegnungen: Goethe, Spinoza, Bruno 1.2.
Die Herausforderungen durch Kant, Fichte und Hegel 1.3.
Erkenntnistheoretische Begründungsprobleme 1.4.
Steiners Überarbeitung des Kantschen Ansatzes 1.5.
Steiners philosophisches Bekenntnis: Sein Monismus, dargestellt
in der "Philosophie der Freiheit"
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Zu den Literaturangaben
1.0 Zum Inhalt des ersten Kapitels
Die von historischen Deutungen unabhängigen
erkenntnistheoretischen Gedanken Steiners (1861-1925) können als
konstante Elemente betrachtet werden, welche bei einer Revision der
Anthroposophie zunächst bestehen bleiben können. Sie sind -
als erstphilosophische Einsichten - von historischen
Fehlinterpretationen unabhängig. Steiner hat seine
Weltanschauung in der Zeit zwischen 1882 und 1900 zunächst mit
philosophischen Argumenten begründet. Danach wurde dieser
philosophische Entwurf von Steiner in seinen theosophisch-
anthroposophischen Schriften nach 1900 auf solche Themen angewandt,
welche damals in der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland
diskutiert wurden. (Steiner war 1902 deren Generalsekretär
Steiner geworden) .
Für meine Untersuchung war die Einsicht wichtig, dass
Steiners Weltanschauung zunächst einmal philosophisch
formuliert wurde, bevor sie im Kontext der Theosophischen
Gesellschaft auf verschiedene von dorther gegebene Philosopheme
angewendet wurde. Daher beginnt diese unsere Arbeit mit der Frage:
Wie entwickelte Steiner seine Ansichten aus einer Begegnung mit
Goethe, sowie der Konfrontation mit Kant und dem deutschen
Idealismus? Philosophische Aussagen können als solche gewertet
werden. Sie sind entweder überzeugend oder hinfällig. Aber
sie sind nicht von geschichtlichen Deutungen abhängig. Deshalb
entscheidet sich heute die Frage nach der Relevanz von Steiners
Weltsicht an seiner philosophisch formulierten Weltanschauung.
Anders verhält es sich mit solchen Aussagen, welche auf
geschichtliches Material bezogen sind und die heute im wesentlichen
als überholt gelten müssen. Sie können ruhig als
hinfällig erachtet werden, ohne dass deshalb zugleich Steiners
philosophischer Ansatz davon betroffen wäre.
1.1. Entscheidende Begegnungen: Goethe,
Spinoza und Bruno
Die Grundaussagen zu seiner Weltanschauung hat Steiner schon
relativ früh in einigen wenigen philosophischen Schriften
entwickelt. Das war in den achziger und neunziger Jahren des
19.Jahrhunderts. Damals lebte Steiner in Weimar und arbeitete am
dortigen Goethearchiv an einer Ausgabe von Goethes
Naturwissenschaftlichen Schriften. Diese Zeit kann man als seine
literarisch - philosophische Periode bezeichnen. Er beschäftigte
sich zu jener Zeit neben Goethe auch besonders mit Kant und dem
deutschen Idealismus.
Er hat in dieser Zeit wichtige
philosophische Grundhaltungen kennengelernt, die prägend auf die
weitere Entwicklung seines Denkens gewirkt haben. Wir finden solche
Gedanken bei Kant, Goethe, Spinoza, Bruno und Hegel. Steiner hat aus
den weltanschaulichen Impulsen seiner Jugend zu einem philosophisch
formulierten monistischen Weltbild gefunden. Er hat zeitlebens an dem
Monismus seiner Jugend festgehalten. Wenn man
bezeichnen kann, was Steiner unter "Monismus" verstanden
hat, dann kann man ihm auch in die entlegenen Darstellungen seiner
späteren Schaffensperioden folgen.
Steiner hat sich seit seinem Studium in Wien 1881 bis zu seinem
Umzug nach Berlin im Jahr 1901, also gut zwanzig Jahre lang, mit
Goethe befasst. Er lebte damals in Weimar und arbeitete am
Goethearchiv an der Herausgabe von Goethes Naturwissenschaftlichen
Schriften für den Kürschner Verlag. In dieser Zeit des
Goethe - Studiums entstanden Schriften, die in einer philosophischen
Weise seine Weltanschauung darstellen. Goethe war die prägende
Gestalt für Steiners erste Lebensperiode. Er schrieb darüber
in seiner Autobiographie:
"So drängte es mich immer wieder
von Goethe ab nach der Darstellung der eigenen Weltanschauung, und zu
ihm hin, um mit den gewonnenen Gedanken seine Gedanken besser zu
interpretieren." (1)
Zu Goethe empfand Steiner eine große innere Affinität.
Hier fand er Antworten zu den Fragen, die ihm aus der Lektüre
von Kant und Fichte entstanden waren. Und indem Steiner das Weltbild
Goethes heraus arbeitete, klärte sich ihm seine eigene
weltanschauliche Position:
"So geht dann freilich der Ausbau
meiner Ansichten seit Jahren parallel mit dem Studium Goethes und ich
habe nie einen prinzipiellen Gegensatz zwischen meinen Grundansichten
und der Goetheschen wissenschaftlichen Tätigkeit gefunden.""
(2)
Und er fährt fort: "Ich
verbrachte die letzten Jahre meines ersten Lebensabschnittes
(1890-1900) damit, mich abwechselnd vor mir selbst und vor Goethe zu
rechtfertigen." (3)
Diese Aussagen, kurz vor seinem Tod in seiner
Autobiographie niedergeschrieben, bezeugen, wie sehr die
Auseinandersetzung mit Goethe für Steiners eigene philosophische
Entwicklung ausschlaggebend war. In dieser Situation entstand
Steiners Promotion "Wahrheit und Wissenschaft" (Wien 1892)
und seine philosophische Grundschrift "Die Philosophie der
Freiheit" (Berlin 1894). Der kritische Rationalismus Kants hatte
Steiner seit seiner Jugend beunruhigt. Jetzt hatte er hier bei Goethe
einen Idealismus gefunden, "der zugleich Realismus ist"
(4).
Goethes Naturerkenntnis wurde für ihn zu
einem Weg, die Naturanschauung mit der Idee zusammenzubringen. Er
fand bei Goethe eine "empirische Methode mit idealistischem
Forschungsresultat" und einen Idealismus, der, weder Hegel noch
Schelling verpflichtet, einen "geläuterten, höheren
Empirismus" darstellen sollte(5):
In diesem Idealismus sah Steiner immer die Spannung zwischen der
transzendentalen Idee und der Naturwirklichkeit erhalten:
"Damit haben wir (= Steiner) der
transzendentalen Weltansicht Lockes, Kants, des späten
Schelling, Schopenhauers, Volkelts, der Neukantianer und der modernen
Naturforscher eine wahrhaft immanente gegenübergestellt. Jene
suchen den Weltgrund in einem dem Bewusstsein Fremden, Jenseitigen,
die immanente Philosophie in dem, was für die Vernunft (aus der
Wirklichkeit her) zur Erscheinung kommt. Die transzendente
Weltansicht betrachtet die begriffliche Erkenntnis als Bild der Welt,
die immanente als die höchste Erscheinungsform derselben"(6).
Steiner suchte zwar auch transzendentale Einsichten. Aber er
ordnete diese Einsichten dem Welt- Mensch- Bezug in einer anderen
Weise zu, als es der transzendentale Idealismus tut. Er wollte nicht
das menschliche Bewußtsein losgelöst vom Naturzusammenhang
betrachten. Er sah vielmehr die vom Denken erfassten Ideen in einem
Zusammenhang mit dem Kosmos: die im Kosmos als lebendige Kräfte
wirkenden Ideen treten (nach Steiners Auffassung) auch im Menschen
auf, nur eben in einer anderen Erscheinungsform: in der
Erscheinungsform des Denkens.
Mit dieser Anschauung wandte sich Steiner von der kritischen
Philosophie ab und suchte über Goethe und den deutschen
Idealismus hinaus an Gedanken der neuplatonistisch beeinflussten
Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts anzuschließen.
Baruch de Spinoza
Durch Goethe lernte Steiner in dieser ersten Lebensperiode auch
Spinoza und dessen Welt- und Gottesbild kennen. Spinoza vertrat ja
einen konsequenten Monismus. Im Anschluss an diesen Monismus Goethes
und Spinozas formulierte Steiner später seinen eigenen Monismus
in seiner "Philosophie der Freiheit"(1894).
Spinoza sprach in seiner "Ethik" von
einer besonderen Erkenntnisform, nämlich dem "anschauenden
Wissen sub specie aeternitatis" (7).
Während Spinoza die Philosophie aus den alles umarmenden
Fängen von Religion und Metaphysik befreite, wollte Steiner die
Naturwissenschaft über den Idealismus hinaus wieder in die
Religion und Metaphysik zurückbinden:
"Ich sagte, in dieser Zeit (dh. der
Goethezeit) war ein Höhepunkt der abendländischen
Kulturentwicklung erreicht. Nachher wurde er nicht festgehalten. Das
naturwissenschaftliche Zeitalter mit seinen Folgen für das
Menschen- und Volksleben bedeutet einen Niedergang. Zu einem weiteren
Fortschritte bedürfe es eines ganz neuen Einschlages von der
geistigen Seite her. (...) Goethe ist eine Höhe, aber auf
derselben nicht ein Anfang, sondern ein Ende".(8)
Mit Spinoza hat Steiner den Ansatz gemeinsam: Welt- und
Gottesbild, Gott und Natur, Immanenz und Transzendenz bilden ein
einheitliches Ganzes. Steiner dachte sich dabei Gott als ein Wesen,
das in den endlichen Dingen aufgegangen ist,
"so dass es nicht mehr über und
neben ihnen, sondern nur mehr in ihnen existiert. Diese Ansicht
leugnet jenes Urprinzip (Gott) keineswegs, sie erkennt es vollkommen
an, nur betrachtet sie es als ausgegossen in die Welt. (...) Diese
(...) Ansicht sieht die endliche Welt ebenso als eine Offenbarung des
Unendlichen an, nur nimmt sie an, dass dieses Unendliche in seinem
Offenbarwerden ganz aus sich herausgegangen ist, sich selbst, sein
eigenes Wesen und Leben in seine Schöpfung gelegt hat, so dass
es nur mehr in dieser existiert"(9).
Diese einheitliche Gott - und Weltauffassung wurde auch von
Steiner in seiner philosophischen Lebensphase durchweg überall
vertreten. Sie war dominierender Inhalt seines "Monismus".
Spinoza war da so etwas wie ein Ahnvater, Goethe der unmittelbare
Vorgänger dieser Anschauung. Steiner über Spinoza:
"Die Wirkung dieses Philosophen auf
Goethe war nun eine ungeheure": (...) "Der Gott Spinozas
ist der Ideengehalt der Welt, das treibende, alles stützende und
alles tragende Prinzip. (...) Diese Ansicht sieht die endliche Welt
als eine Offenbarung des Unendlichen an, nur nimmt sie an, dass
dieses Unendliche in seinem Offenbarwerden ganz aus sich
herausgegangen ist, sich selbst, sein eigenes Wesen und Leben in
seine Schöpfung gelegt hat, so dass es nur mehr in dieser
existiert. Da nun Erkennen offenbar ein Gewahrwerden des Wesens der
Dinge ist, dieses Wesen aber nur in dem Anteil, den ein endliches
Wesen von dem Urprinzip aller Dinge hat, bestehen kann, so heißt
Erkennen ein Gewahrwerden jenes Unendlichen in den Dingen".(10)
Giordano Bruno
Auch Giordano Bruno hatte in seine Weltauffassung neuplatonisches
Gedankengut integriert. Bruno sprach von einer universellen Vernunft
(bei Goethe: die Idee) als dem innersten, wirklichsten und eigensten
Vermögen und Teil der Weltseele:
"Sie ist ein Identisches, welches das
All erfüllt, das Universum erleuchtet und die Natur unterweist,
ihre Gattungen, so wie sie sein sollen, hervorzubringen. Sie verhält
sich demnach zur Hervorbringung der Dinge in der Natur (Spinoza:
natura naturans), wie unsere Vernunft sich zur entsprechenden
Hervorbringung der sinnvollen Gestalten verhält. (...) Von den
Platonikern wird sie der Weltbaumeister genannt. Dieser Baumeister,
sagen sie, tritt aus der höheren Welt, welche völlig eins
ist (Plotin: 'En), in diese sinnliche Welt hinüber, welche in
die Vielheit zerfallen ist, wo wegen der Trennung der Teile nicht nur
die Freundschaft, sondern auch die Feindschaft herrscht. Diese
Vernunft bringt alles hervor (Plotin: Emanation), indem sie, selbst
sich ruhig und unbeweglich erhaltend, etwas von dem ihrigen in die
Materie eingießt und ihr zuteilt... Wir nennen sie den inneren
Künstler, weil sie die Materie formt und von innen heraus
gestaltet". (11)
Bei Bruno ist alles natürliche Dasein
einem Emanationsvorgang aus dem göttlichen Einen entsprungen,
und zwar stufenweise (wie bei Plotin). Alles ist durch die Weltseele
beseelt, die das "constituierende Formalprinzip des Universums"
ist (12). Es ist hier der
monisische Grundgedanke Brunos, der Steiner ebenso wie Goethe
faszinierte. Steiner:
Goethe "erhält von ihm (Bruno)
einen so tiefen Eindruck, dass wir ihn in jenen Teilen des Faust,
die, der Konzeption nach, aus der Zeit um 1770 stammen, (...),
sprachliche Anklänge an Sätze von Bruno finden".(13)
Wie sehr auch Steiner selbst bis in seine späte Lebenszeit
noch unter dem Eindruck des Weltbildes von Bruno und Spinoza stand,
beweist eine Ausführung, die Steiner kurz vor seinem Tod gegeben
hat:
" Dem, was dem Menschen als Geist
erscheint, und der Natur, liegt etwas zugrunde, das weder Geist, noch
Natur ist, sondern die vollkommene Einheit beider. Diese Einheit:
schaffender Geist, der den Stoff in seinem Schaffen zum Dasein bringt
und dadurch zugleich Stoff ist, der ganz als Geist sich darstellt:
Diese Einheit wird durch eine Idee begriffen, die den damaligen
Denkgewohnheiten (er meint zum Ende des 19. Jahrhunderts) so fern wie
möglich lag. Von einer solchen Idee aber hätte gesprochen
werden müssen, wenn (...) die heute noch im Menschen selbst
tätigen geistig - stofflichen Mächte hätten
dargestellt werden sollen, die auf der einen Seite seinen Körper
bilden, auf der anderen das lebendige Geistige aus sich hervorgehen
lassen, durch das er die Kultur schafft".(14)
Fassen wir zusammen: In der Beschäftigung mit Goethe hatte
Steiner sich seine Idee eines monistischen Weltbildes erarbeitet.
Zunächst standen da Giordano Bruno und Baruch de Spinoza Pate.
Später werden wir noch kennenlernen, dass Steiner noch weitere
monistische Entwürfe durch sein Goethestudium der in dieser Zeit
kennengelernt hatte, die sogenannten Rosenkreuzer
des 17. Jahrhunderts.
Goethe hielt alles in einer kongenialen
Weise zusammen und verkörperte den monistischen Grundgedanken in
einer von Kunst und Wissenschaft belebten Weise. Das beflügelte
den jungen Philosophen. Steiners Gottesbild bezieht sich inhaltlich
auf Spinoza, Bruno und andere noch zu erörternde neuplatonische
Modelle. Damit ist aber auch ein altes Problem an ihn weitervererbt
worden: das Pantheismus - Problem, welches Bruno Probleme mit seinen
kirchlichen Vorgesetzten und Spinoza den Vorwurf des Glaubensabfalls
gebracht hatte. Um einen Pantheismus im strengen Sinne handelt es
sich dabei aber nicht. Nur entstehen immer gewisse Unsicherheiten im
Spannungsfeld zwischen Pantheismus und Monismus und lassen sich nicht
ganz auflösen. Der katholische Theologe Bernhard Grom hat
deshalb in einer versöhnlichen Weise Steiners Weltbild nicht als
pantheistisch, sondern als panentheistisch
bezeichnet :
"Nach allem, was eben ausgeführt
wurde, wird man sagen müssen, dass Steiners
Weltentwicklungslehre auf einem Panentheismus aufbaut, der sich den
Menschen und die biophysische Welt nach dem Modell der Emanation
denkt. Panentheismus meint hier die Form von All - Einheitslehre für
die das Göttliche, nicht einfach mit der Welt identisch ist und
in ihr aufgeht, sondern in die Welt überragt, so dass alles
(griechisch: pan) in ihr, im (en) Göttlichen ist - doch so, dass
die Welt ein Teil des Göttlichen, eine Entwicklungsform von ihm,
Leib und Gestalt des Göttlichen ist"(15).
1.2. Die Herausforderungen durch Kant,
Fichte und Hegel
Schon der
jugendliche Steiner befasste sich mit philosophischen Fragen. Kants
"Kritik der reinen Vernunft" erwarb er sich 1875 als
vierzehnjähriger Schüler. In seiner Autobiographie schreibt
er darüber: "Ich las wohl manche Seite mehr als zwanzig
mal hintereinander"(16).
Steiner fühlte sich von Anfang an stark zu der Gedankenklarheit
Kants hingezogen. Aber er kam auch schon bald mit dem "Zermalmer
der Metaphysik" in Konflikt und zwar als der Jugendliche
versuchte, Kant mit den religiösen Anschauungen in Einklang zu
bringen, die ihm auf dem Realgymnasium vermittelt worden waren. Ein
wohlmeinender Lehrer bemerkte dem Jugendlichen zwar, er solle sich
durch seine philosophische Bibliothek doch nicht verwirren lassen.
Aber da hatte sich Steiner schon so weit in die Erkenntnisproblematik
Kants eingearbeitet, dass er nicht mehr davon loskam. Die von Kant
erhobenen Fragen nach einer philosophisch gesicherten
Erkenntnistheorie beschäftigten Steiner zutiefst und man kann
sagen, dass dies zum Grundthema seines ersten Lebensabschnittes bis
zur Jahrhundertwende wurde. Kant war da der große Antagonist
für Steiner, an dessen Werk er seine eigenen Grundgedanken
entwickelte. Kant prägte ihn in seiner frühen Zeit mehr als
jeder andere Philosoph, der von seiner Welthaltung her Steiner
eigentlich näher gestanden hätte - wie etwa Fichte, Hegel,
Schelling oder die großen Metaphysiker. Die These, welche
Steiner als philosophische Dissertation 1892 vortrug (17)
, war eine Verherrlichung der auf sich selbst
reflektierenden "reinen Vernunft" im Sinne Kants. Und
zugleich war sie eine Abrechnung mit Kant. Steiners Kritik galt darin
vor allem den "apriorischen Kategorien" im Kantschen
System. Er versuchte, in seiner Dissertation, den Kantschen Ansatz
ohne diese Kategorien auszuführen. Darüber liest man in der
Einleitung zu seiner Dissertation:
"Die Philosophie der Gegenwart leidet
an einem ungesunden Kant - Glauben. Die vorliegende Schrift soll ein
Beitrag zu ihrer Überwindung sein. Frevelhaft wäre es, die
unsterblichen Verdienste dieses Mannes um die Entwicklung der
deutschen Wissenschaft herabwürdigen zu wollen. Aber wir müssen
endlich einsehen, dass wir nur dann den Grund zu einer wahrhaft
befriedigenden Welt- und Lebensanschauung legen können, wenn wir
uns in entschiedenen Gegensatz zu diesem Geiste stellen". (18)
Steiner war davon überzeugt,
dass "bei jeder auf dem Kantschen Gedankengang fußenden
Erkenntnistheorie eine Lösung der Erkenntnisprobleme niemals
(...) möglich sein wird"(19).
Im Anschluss an seine Kant - Kritik wollte Steiner in einer weiteren
Schrift Alternativen zum Kantschen Ansatz aufzeigen. Er setzte sich
zum Ziel, den erkenntnistheoretischen Standpunkt Kants zu erweitern.
Einen solchen erweiternden Entwurf des Kantschen Systems legte
Steiner dann fünf Jahre später in einer weiteren
philosophischen Schrift vor, in seiner "Philosophie der
Freiheit"(20) . Steiner suchte
dort einen Halt, eine sichere Ausgangsposition, die
erkenntnistheoretisch ganz abgesichert sein sollte. Deshalb
beschäftigte sich Steiner ausführlich mit Kant, aber auch
mit Fichte, Hegel und dem deutschen Idealismus. Chronologisch gesehen
begegnete Steiner erst Kant und dem deutschen Idealismus. Daran
anschließend fand Steiner bei Goethe Antworten zu den
Problemen, die der kritische Rationalismus bei ihm verursacht hatte:
Goethes sinnende Weltbetrachtung, die alles Endliche als eine
Signatur eines unendlichen, lebendigen Wesens auffasste. Die
Beschäftigung mit Goethe war für Steiner ein grosser
Gewinn: Goethe ermöglichte es ihm, sich von Kant abzusetzen und
einen eigenen philosophischen Entwurf vorlegen zu können.
Fichte
Auch Fichte prägte Steiner in starkem Maß.
Zu Beginn seines naturwissenschaftlichen Studiums an der Technischen
Hochschule in Wien (1879) vertiefte sich Steiner in Fichtes
Wissenschaftslehre (in deren erster Fassung von 1797). Von Fichte her
sah Steiner zu diesem Zeitpunkt "in der Tätigkeit des Ich
den einzig möglichen Ausgangspunkt für eine wahre
Erkenntnis"(21). Diesen Gedanken
machte Steiner dann zum Ausgangspunkt seiner Erkenntnistheorie.
Rückblickend formulierte er später sein damaliges Anliegen
mit folgenden Worten:
"Wenn das Ich tätig ist (im
Denken) und diese Tätigkeit (denkend) selbst anschaut, so hat
man ein Geistiges in aller Unmittelbarkeit im Bewuátsein so
sagte ich mir. Ich meinte, man müsse nun nur, was man so
anschaut, in klaren, überschaubaren Begriffen ausdrücken.
Um dazu den Weg zu finden, hielt ich mich an Fichtes
"Wissenschaftslehre". Aber ich hatte doch meine eigenen
Ansichten und so nahm ich denn die Wissenschaftslehre Seite für
Seite vor und schrieb sie um"(22).
Gemeint ist mit diesem
"Umschreiben" wohl, dass Steiner die fehlende
Weltkomponente im frühen Entwurf der "Wissenschaftslehre"
auszugleichen suchte. Die späteren Fassungen der
"Wissenschaftslehre" kannte Steiner zu jener Zeit nicht.
Weil er beim frühen Fichte die Möglichkeit zu Aussagen über
die Welt vermisste, übernahm er zwar Fichtes philosophischen
Ausgangspunkt beim "reinen Ich", lehnte aber ansonsten die
Philosophie Fichtes als "Spiritualismus" ab(23)
. Durch die Philosophiegeschichte des Herbertianers Thilo
lernte Steiner Schelling und Hegel kennen(24).
Vor allem Hegel hat es ihm da besonders angetan:
"Die Art,
wie dieser Philosoph die Wirklichkeit des Gedankens darstellt, war
mir nahegehend. (...) Die Sicherheit, mit der man philosophiert, wenn
man von Gedanke zu Gedanke fortschreitet, zog mich an".(25)
Zum Begriff der "geistigen
Welt".
Bei Fichte hatte Steiner den transzendentalen Ansatz bewundert
aber er hatte dort vergebens nach positiven Aussagemöglichkeiten
über die Welt in einer ebensolchen unumstößlichen
Gewissheit gesucht, als es transzendentale Aussagen in Bezug auf das
Ich und seine Tätigkeiten sind. Nun bei Hegel fand Steiner zwar
Weltaussagen, er vermisste dort aber eine stringente Verwiesenheit
auf eine letzte transzendentale Gewissheit. Später bezeichnete
Steiner die Gewissheit transzententaler Aussagen - ganz im
Sprachgebrauch Fichtes - als (denkerische) Wahrnehmungen einer
"geistigen Welt":
"Ich wollte die Ursachen finden, warum
der Idealismus einer mutigen Philosophie, die in Fichte und Hegel so
eindringlich gesprochen hatte, doch nicht zum lebendigen Geiste hat
vordringen können. (...) Die auf diesen Idealismus folgende Zeit
wollte ein Wesenhaftes der Idee nicht mehr anerkennen. Weil die Idee
der idealistischen Weltanschauung, so wie sie im Bewusstsein der
Idealisten lebte, nicht auf eine Geistwelt hinwies, konnte sie sich
bei den Nachfolgern nicht als etwas behaupten, das Wirklichkeitswert
hatte."(26)
Meistens wird Steinres Begriff der "geistigen Welt" in
einen Zusammenhang mit Meditation, Intuition oder einem wie auch
immer vermuteten "höheren" Wahrnehmen gebracht. Dies
ist meiner Meinung nach ein Missverständnis, das aus einer
Unkenntnis der Fichteschen Philosophie herrührt. Steiner
verwendete den Begriffsinhalt von dem, was er als "geistige
Welt" verstand in enger Anlehnung an Fichte. Bei Fichte bedeutet
dieser Ausdruck, so wie zuvor schon für Kant, keinesfalls so
etwas wie "aus einer Meditation gewonnene Einsicht". Bei
Fichte ist die "geistige Welt" eine Bezeichnung auf eine
reine Gedankenwelt, wenngleich auch eine Gedankenwelt in höchster
Potenz. Allerdings verband Fichte mit diesem Ausdruck keine
metaphysischen Aussagen, so wie es später Steiner tun wird.
Die Gruppe von Menschen, welche nach der
Jahrhundertwende zu Steiner aus der Theosophischen Gesellschaft
hinzukamen und seine Anhänger wurden, brachten ihr eigenes
Vorverständnis mit. Und dieses Vorverständnis war nicht
philosophisch geprägt. So kam es dazu, dass aus der
theosophischen Vergangenheit heraus Steiners Begrifflichkeit
umgedeutet wurde und einen unpassenden - wenn nicht gar falschen
neuen Inhalt bekam. So kam es auch dazu, dass die von den Theosophen
benützte Intuitionshypothese zum herrschenden Muster
wurde, Steiner zu "verstehen" und das heißt hier: ihn
eben nicht in einer angemessenen Hermeneutik
verstehen zu können).
1.3.
Erkenntnistheoretische Begründungsprobleme
Eine Erkenntnis der "geistigen Welt"
war für Steiner durch den deutschen Idealismus nicht erfüllt
: Bei Kant nur begrenzt, obwohl von Kant die Unterscheidung zwischen
"sinnlicher" und "geistiger" Welt, zwischen
"Sinnlichem" und "Übersinnlichem" herrührt.
Nach Kant waren nämlich a priorische Aussagen (dh. im Sinne
Steiners: Aussagen über die "geistige Welt") nur in
Bezug auf ethische Sachverhalte möglich; nicht aber in Bezug auf
Gegenstände der physischen oder seelischen Welt. Nach Kant waren
solche "metaphysischen" Aussagen unmöglich. Und Fichte
bot über Kant hinausgehend zwar Ansätze dazu in der
Reflexion des denkenden Ich auf sich selbst. Aber es war schwer,
einzusehen, wie man von Einsichten über das Ich aus zu
Weltaussagen kommen könnte. Hegel wiederum
dachte für Steiner zu wenig "transzendental": Für
Steiner war Hegel zwar der "größte Denker der neuen
Zeit". Aber er war eben nur Denker.
"Für ihn war die Geistwelt im
Denken. Gerade indem ich restlos bewunderte, wie er allem Denken
Gestaltung gab, empfand ich doch, dass er kein Gefühl für
die Geistwelt hatte, die ich schaute und die erst h i n t e r
dem Denken offenbar wird, wenn das Denken sich erkraftet zu einem
Erleben, dessen Leib gewissermaßen das Denken ist, und das als
Seele in sich den Geist der Welt aufnimmt" (27).
Was das transzendentale Vorgehen betrifft,
konnte Steiner mit seinem Anliegen einer "geistigen Welt"
formal an Kant und Fichte (28)
anknüpfen. Inhaltlich natürlich nicht. Da suchte er
Anschluss an die geschichtsphilosophischen Überlegungen Hegels
zu finden. Von Hegel her hat Steiner den Gedanken einer allgemeinen
geistig - physischen Evolution des Weltgeistes aufgenommen. Steiner
schwebte damals wohl eine Verknüpfung beider Ansätze vor:
die des transzendentalen Erkenntnisansatzes Kants und Fichtes
zusammen mit dem evolutionär - geschichtsphilosophischen Ansatz
von Hegel. Über die vielen erkenntnistheoretischen
Begründungsprobleme, die sich aus einem solchen Projekt ergeben,
stürmte der jugendliche Steiner damals hinweg. In den
philosophischen Schriften der Frühzeit widmete sich Steiner noch
mehr den Begründungsproblemen der idealistischen Philosophie. In
seinen späteren Schriften kam es ihm dann nur noch auf eine
"Darstellung der geistigen Welt" an. Eine
erkenntnistheoretisch - saubere Grundlegung des gedanklichen
Vorgehens verzichtete er dort.
So war für Steiner das Studium der deutschen Philosophen
Kant, Fichte und Hegel durchaus wichtig. Er selbst wollte aber noch
etwas anderes: Er wollte über den deutschen Idealismus
hinausgehend nicht nur formal, sondern auch inhaltlich zu Aussagen
über eine "geistige Welt" gelangen. Dazu boten ihm die
philosophischen Ansätze der Philosophie nach Schelling wenig
Anregung. Nur in der vorausgehenden Philosophie fand Steiner
Befriedigendes. Allerdings war diese Philosophie noch nicht durch die
"Feuerprobe" des kritischen Rationalismus gegangen. Eben
dies aber war das Anliegen Steiners in seinen erkenntnistheoretischen
Schriften.
Ich will mich deshalb nun dieser
Thematik zuwenden und die erkenntnistheoretische Position Steiners
herausarbeiten. Sie wurde von Steiner in einem Gegenüber zu Kant
aufgebaut.
1.4. Steiners Überarbeitung des
Kantschen Ansatzes
Wenn Steiner, von Goethe, Spinoza und Bruno ausgehend, sich einer
monistischen Weltsicht zuwandte, so stellte sich ihm hier Kant in den
Weg. Kant hatte in seiner Vernunftskritik ja die Möglichkeiten
des menschlichen Denkens in Bezug auf eine Metaphysik verworfen.
Wollte Steiner nun im Sinne Goethes einer metaphysischen Konzeption
folgen, so musste er zuerst einmal die Herausforderung Kants annehmen
und sich dem kritischen Rationalismus stellen. Deshalb sind Steiners
erkenntnistheoretische Schriften in einer Auseinandersetzung mit Kant
entstanden. Im Folgenden soll nun aufgesucht werden:
- Was kritisiert Steiner an Kant?
- Und welche Gegenposition entwirft er?
Steiners Kritik an Kant
wird in vier Grundschriften ausgeführt, welche in den Jahren
zwischen 1882 und 1894 erschienen sind. Diese Schriften sind:
a) "Einleitungen zu Goethes
Naturwissenschaftlichen Schriften," Berlin und Stuttgart
1883-1897. b) "Grundlinien einer Erkenntnistheorie der
Goetheschen Weltanschauung", Jena 1886. c) "Wahrheit und
Wissenschaft", Wien 1892. d) "Die Philosophie der
Freiheit - Grundzüge einer modernen Weltanschauung", Berlin
1894.
Es wurde schon darauf hingewiesen, dass Steiner in Kant seinen
großen Antagonisten sah, der ihn zum Widerspruch provozierte.
In seinen philosophischen Schriften hat Steiner nach und nach seine
Einwände gegen Kant vorgebracht und ihn zu widerlegen versucht.
Daneben klärte sich die Position Steiners schrittweise, bis sie
dann in seiner "Philosophie der Freiheit" systematisch
dargestellt wurde. Mit Kant geht Steiner davon aus, dass alles
Erkennen mit der Erfahrung beginne:
"Die Art nun, wie das absolut Erste (im
Erkenntnisprozess) zu bestimmen ist, muss eine solche sein, dass in
derselben nichts mit einfließt, was schon von einem Erkennen
herrührt. Ein solcher Anfang kann aber nur mit dem unmittelbar
gegebenen Weltbild gemacht werden, jenem Weltbilde, das dem Menschen
vorliegt, bevor er es in irgendeiner Weise dem Erkenntnisprozesse
unterworfen hat, also bevor er auch nur die allergeringste Aussage
über dasselbe gemacht, die allergeringste gedankliche Bestimmung
mit derselben vorgenommen hat."(29)
Auch für Kant ist die Erfahrung ein Erstes
im Erkenntnisprozess. Kant schreibt (entsprechend kürzer und
prägnanter) in der "Kritik der reinen Vernunft":
"dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran
ist gar kein Zweifel".(30)
Steiners Widerspruch zu Kant entzündet sich dann dort, wo es um
eine Bewertung der Tätigkeiten von Verstand und Vernunft für
den Erkenntnisprozess geht. Kant beschreibt den Erkenntnisvorgang
folgendermaßen:
"Alle unsere Erkenntnis hebt von den
Sinnen an, geht von da zum Verstande und endigt bei der Vernunft,
über welche nichts Höheres in uns angetroffen wird, den
Stoff der Anschauung zu bearbeiten und unter die höchste Einheit
des Denkens zu bringen".(31)
Der Verstand hat also bei Kant die Aufgabe, die Inhalte der
Erfahrung nach rein formalen und logischen Kriterien zu ordnen und zu
sichten. Im Anschluss an die Tätigkeit des Verstandes sucht dann
die Vernunft nach einer Einheit der Verstandeserkenntnisse unter dem
Einfluss höherer, vorgegebener "Prinzipien":
"... so ist die Vernunft das Vermögen
der Einheit der Verstandesregeln unter Prinzipien. Sie geht also
niemals zunächst auf irgendeinen Gegenstand, sondern auf den
Verstand, um den mannigfaltigen Erkenntnissen desselben Einheit a
priori durch Begriffe zu geben, welche Vernunfteinheit heißen
mag und von ganz anderer Art ist, als sie von dem Verstande geleistet
werden kann." (32)
Die transzendentalen Ideen sind für Kant
dann "regulative Prinzipien", nach welchen sich der
Verstand in seiner Tätigkeit richtet. Sie sind Begriffe der
reinen Vernunft und unabhängig von jeder äusseren
Erfahrung, ja sie sind sogar unabhängig vom Verstande und diesem
als Formalprinzipien vorgegeben. (33) Hier
setzt nun Steiners Kritik an Kant ein: Steiner fasst den Gedanken
Kants folgendermaßen zusammen und kritisiert dann:
"Die Ideen sind für ihn (dh. für
Kant) nichts als höhere Gesichtspunkte der Vernunft, unter denen
die niederen Einheiten, die der Verstand geschaffen, begriffen
werden".(34)
Für Steiner sind die Ideen nicht
nur einheitsstiftende Kategorien - wie für Kant, sondern sie
sind "objektives Weltprinzip":
"In der Idee erkennen wir dasjenige,
woraus wir alles andere herleiten müssen: das Prinzip der Dinge.
Was die Philosophen das Absolute, das ewige Sein, den Weltengrund,
was die Religionen Gott nennen, das nennen wir, auf Grund unserer
erkenntnistheoretischen Erörterungen: die Idee."(35).
Die Idee hat, nach Steiner, "an der Konstitution der Welt als
reales Prinzip teilgenommen"(36).
Zur Idee kommt man, in der Sichtweise des frühen Steiner, ganz
auf dem Weg, den Kant vorgeschrieben hatte. Am Anfang steht die
Erfahrung, dann tritt die urteilende Kraft des Verstandes der in der
Erfahrung gewonnenen Wahrnehmung gegenüber. Erinnerungen an
Wahrnehmungsinhalte werden zu Vorstellungen(37).
Daraufhin entwirft der VERSTAND Begriffe für die ihm
vorliegenden Vorstellungen. Er hat aber als Verstand nur die
Möglichkeiten des Zergliederns und Unterscheidens. Er arbeitet
analytisch und besitzt in sich nicht die Fähigkeit, getrennte
Vorstellungen zu einheitlichen Gebilden zusammen zu Sehen. Diese
Fähigkeit kommt der VERNUNFT zu (38) .
Doch während die Vernunft bei Kant unter dem Formaleinfluss der
Idee immer auf dem Wege bleibt und das "Ding an sich" nie
erkennen kann(39), kommt bei Steiner
die Vernunft in ihrem Fortschreiten zu den Ideen:
"Der VERSTAND selbst ist nicht in der
Lage, über diese (von ihm vorgenommene) Trennung (der Welt in
Verstandesbegriffe) hinauszukommen. Er hält die getrennten
Glieder fest. Dieses Hinauskommen ist Sache der Vernunft. Sie hat die
vom Verstand geschaffenen Begriffe ineinander übergehen zu
lassen. Sie hat zu zeigen, dass das, was der Verstand in strenger
Trennung festhält, eigentlich eine innerliche Einheit ist. Die
Trennung ist etwas künstlich Herbeigeführtes, ein
notwendiger Durchgangspunkt für unser Erkennen, nicht dessen
Abschluss."(40)
"Für die
VERNUNFT geben die Geschöpfe des Verstandes ihre gesonderten
Existenzen auf und leben nur mehr als ein Teil ihrer Totalität
weiter. Diese von der Vernunft geschaffenen Gebilde sollen Ideen
heissen" (41). "Die
Vernunft ist in der Tat das Vermögen, Ideen wahrzunehmen"(42).
So sind die Ideen für Steiner etwas Reales, sie sind nicht
nur ein so oder anders geartetes Bild der Wirklichkeit, auch nicht
Formalprinzipien der Vernunft, sondern eine Erscheinung des
Seinsgrundes selbst:
"Der
gesamte Seinsgrund ist in der Idee
aufgegangen, hat sich in sie ergossen, rückhaltlos, so dass wir
ihn nirgends als in ihr zu suchen haben."(43)
Mit diesen Worten ist Steiners Monismus zum ersten mal
philosophisch formuliert.
Steiners Weltbild: Seine "Philosophie
der Freiheit"
Die bisher gegebenen Ausführungen zu Steiners Weltbild
bezogen sich auf seine Darstellungen in den frühen Schriften.
Diese Schriften waren im Zusammenhang mit Steiners Goehtestudien
entstanden und standen im Kontext zu dem Weltbild Goethes. In der nun
folgenden Schrift hat Steiner sein Weltbild noch einmal unter
erkenntnistheoretischen Gesichtspunkten und in Bezug auf die
Philosophie des ausgehenden 19. Jahrhunderts dargestellt:
"Steiner, Rudolf; Die Philosophie der Freiheit, Berlin 1894"
Fassen wir im Folgenden noch einmal zusammen, wie Steiner die
verschiedenen Stufen des menschlichen Erkennens beschreibt:
Erster Schritt: Wahrnehmung
Durch die Sinne entstehen Wahrnehmungen:
"für mich ist keine Wahrnehmung
ohne das entsprechende Sinnesorgan gegeben. Aber ebensowenig ein
Sinnesorgan ohne Wahrnehmung".(44)
Diese Wahrnehmungen sind aber anfänglich nur ein
"zusammenhangloses Aggregat von
Empfindungsobjekten: Farben, Töne, Druck- Wärme- Geschmacks
und Geruchsempfindungen".(45)
Zweiter Schritt: Selbstwahrnehmung
"Wenn ich in die Wahrnehmung eines
gegebenen Gegenstandes vertieft bin, so habe ich vorläufig nur
von diesem ein Bewusstsein. Dazu kann dann die Wahrnehmung meines
Selbst treten. Ich bin mir nur mehr nicht bloß des Gegenstandes
bewusst, sondern auch meiner Persönlichkeit, die dem Gegenstand
gegenübersteht und ihn beobachtet".(46)
Dritter Schritt: Vorstellung
Der Wahrnehmungsinhalt wird als nächstes mit der
Selbstwahrnehmung verbunden. So ergibt sich ein Vorstellungsinhalt:
"Das Wahrnehmungsbild "hat sich
während meiner Beobachtung mit meinem selbst verbunden. (...)
Dieses Element nenne ich meine Vorstellung".(47)
Beim Bilden einer Vorstellung ist das Denken schon anfänglich
tätig:
"Die Vorstellung ist nichts anderes,
als (..) ein Begriff, der einmal mit einer Wahrnehmung verknüpft
war, und dem der Bezug auf diese Wahrnehmung geblieben ist."(48)
Sie "repräsentiert" die Dinge
der Wirklichkeit in einer individuellen Aneignung. So steht die
Vorstellung "zwischen Wahrnehmung und Begriff. Sie ist der
bestimmte, auf die Wahrnehmung deutende Begriff". (49)
Vierter Schritt: Denken
Wenn nun aber Aussagen über die Welt gemacht werden sollen,
so tritt das Denken vollends in Tätigkeit:
"Zwischen die Wahrnehmung und jede Art
von Aussage über dieselbe schiebt sich das Denken ein."(50)
Das Denken führt zum
Erkennen, indem es die Wahrnehmungsinhalte und Vorstellungen in das
ideelle System unserer Begriffe und Ideen eingliedert. (51)
Ordnungsstrukturen in der Begriffswelt kommen durch Denken
in unser Bewusstsein. (52)
Fünfter Schritt: Intuition
Das Denken führt, nach Steiner, aus der individuellen
Vorstellungswelt hinaus. Es ist daher universell:
"Im Denken haben wir das Element gegeben, das unsere
besondere Individualität mit dem Kosmos zu einem Ganzen
zusammenschließt" (...), insofern nämlich die
begriffliche Welt der Ideen eine einheitliche ist:
"Der bloße Anblick der Welt, die
Wahrnehmung, gibt mir keinen Inhalt. (...) Diesen Inhalt bringt das
Denken der Wahrnehmung aus der Begriffs- und Ideenwelt des Menschen
entgegen. (...) Die Form, in der er zunächst auftritt, wollen
wir als Intuition bezeichnen. Sie ist für das Denken, was die
Beobachtung für die Wahrnehmung ist. Intuition (Denken) und
Beobachtung (Wahrnehmung) sind die Quellen der Erkenntnis."(53)
Und nun kommt der entscheidende Gedankengang, der zum
Monismus führt:
"Was uns in der Beobachtung an
Einzelheiten gegenübertritt, das verbindet sich durch die
zusammenhängende, einheitliche Welt unserer Intuition Glied für
Glied und wir fügen durch das Denken alles wieder zusammen, was
wir für das Wahrnehmen getrennt haben".(54)
Hier schließen sich nun die erkenntnistheoretischen
Erörterungen Steiners zusammen:
In der Wahrnehmung tritt etwas an
den Menschen heran (Schritt 1).
Der Mensch erfährt sich als
ein dieser Wahrnehmung Gegenüberstehender (Schritt 2).
Durch Vorstellung verknüpft
der Mensch die neue Wahrnehmung mit dem Wahrnehmungsschatz, den er
schon aus anderen Erfahrungen zuvor in sich trägt. Er verbindet
die neu gewonnene Wahrnehmung auch mit Begriffen, die er von der
Welt schon hat (Schritt 3).
Vernunft und Denken schließlich
ordnet Wahrnehmungsinhalte und Begriffe / Vorstellungen in ein
gegenseitiges Verhältnis ein (Schritt 4),
das durch eine intuitive Erfahrung der Wahrheit abgerundet
wird und nun wieder als ein Eines und Ganzheitliches erscheint
(Schritt 5).
So ist das Denken für Steiner keine subjektive Tätigkeit,
die der einzelne Mensch in sich vollzieht, sondern ein Stück
Weltgeschehen, das sich im Menschen ereignet und bei dem der Mensch
selbst anwesend ist:
"In dem Denken haben wir das Element
gegeben, das unsere Individualität mit dem Kosmos zu einem
Ganzen zusammenschließt. Indem wir empfinden und fühlen,
sind wir einzelne, indem wir denken sind wir das all - eine Wesen,
das alles durchdringt. (...) Wir sehen in uns eine schlechthin
absolute Kraft zum Dasein kommen, eine Kraft, die universell ist,
aber wir lernen sie nicht bei ihrem Ausströmen aus dem Zentrum
der Welt kennen, sondern in einem Punkte der Peripherie." (56)
1.5. Steiners
philosophisches Bekenntnis: Sein Monismus, dargestellt in der
"Philosophie der Freiheit"
Steiner geht davon aus, die Gesamtheit des
Kosmos sei ein einziges Dasein, von Kräften durchzogen, eine
Entfaltung des einen Weltengeistes. Eine Folgerung daraus ist dann,
das Denken des Menschen als ein objektives Weltgeschehen anzusehen,
welches das Einzelne zu einem Gesamten wieder zusammenführt. In
dieser Weltauffassung ist dann jeglicher Dualismus in einem Monismus
aufgehoben. Dabei sind Ich und Welt nur zwei Pole eines einheitlichen
Weltgeschehens. Und das Denken ist die Kraft, in welcher der Mensch
das Einheitliche erleben kann. Zwar trennt sich der Mensch in der
Wahrnehmung aus dem Gesamtzusammenhang der Welt heraus. Aber im
Denken fügt er sich diesem Zusammenhang wieder ein. Dann steht
der Mensch nicht mehr der Welt gegenüber, sondern er ist ein
Teil der Welt geworden, in das Weltgeschehen eingefügt. (57)
Das Denken ist dann ein einheitliches Prinzip, das Subjekt und Objekt
umspannt. Und nicht die "objektive Welt" ist hier die
Wirklichkeit, auch nicht das erkennende Subjekt, sondern die
Synthese, die entsteht, wenn Begriff und Wahrnehmung sich verbinden
und wenn im subjektiven Denken des Einzelnen das Objektive Dasein der
schaffenden Ideenwelt sich spiegelt.
Aus Steiners Analyse des Erkenntnisaktes ergibt sich, dass man
sich die Wirklichkeit als ein Ganzes und Einheitliches denken muss,
das sich auf der einen Seite mehr als materielle Objekt- und
Wahrnehmungsseite hin darstellt und das andere mal mehr als ein
geistig - gedanklich - ideelles Wesen. Geist und Materie sind dann
nur zwei Pole einer einheitlichen Wirklichkeit:
"Das gemeinsame Urwesen, das alle
Menschen durchdringt, ergreift somit der Mensch in seinem Denken. Das
mit dem Gedankeninhalt erfüllte Leben in der Wirklichkeit ist
zugleich das Leben in Gott". (58)
In einer späteren Neuauflage seiner Schrift fügt Steiner
an dieser Stelle dann noch weiter aus:
"Im intuitiv erlebten Denken ist der
Mensch in eine geistige Welt auch als Wahrnehmender versetzt".(59)
Von diesem Monismus ausgehend ist Steiners Schrift "Die
Philosophie der Freiheit" wirklich eine Grundlegung seiner
späteren Schriften. In den späteren Schriften ging es
Steiner um eine Ausgestaltung des hier entworfenen Monismus. Gemeint
ist damit eine neue Art von "Metaphysik" im Anschluss an
den deutschen Idealismus.
Die Erkenntnisproblematik der Neuzeit seit Descartes sieht Steiner
in dem Dualismus, der zwischen Ich und Welt entstanden ist. Der
Dualismus der Neuzeit ist nach Steiner "ein ohnmächtiges
Ringen" nach der Versöhnung der Gegensätze, die er
bald Geist und Materie, bald Subjekt und Objekt, bald Denken und
Erscheinung nennt.
Dabei erlebt sich das Ich als erkennendes
Subjekt auf der Seite des Geistes und setzt sich damit von der
materiellen Welt ab. Diese Haltung verwarf Steiner, weil sie zu solch
einem Materialismus führe, der in der äusseren Welt keine
Anwesenheit des Geistes mehr sehen kann (60) .
Der Materialismus trägt für Steiner nicht nur das
Problem in sich, wie Geist aus reiner Materie entstehen kann; er hat
auch noch ein unlösbares Erkenntnisproblem:
"Wie soll der Geist wissen, was in der
Materie vor sich geht, wenn ihm deren eigentümliche Natur ganz
fremd ist?".(61)
Steiner wirft Kant vor, er
habe einen erkenntnistheoretischen Dualismus in die Wissenschaft
eingeführt: Er trenne das Wahrnehmungsobjekt (auf der Seite des
erkennenden Ich) und das "Ding an sich" (in der objektiven
Welt) voneinander. Die Trennung zwischen wahrgenommener Welt und
objektiv- bestehender Welt mache aber eine wirkliche Erkenntnis
unmöglich. In einer dualistischen Erkenntnishaltung bedeute
nämlich der Inhalt des Denkens nur etwas für den Denkenden;
über den "Weltinhalt" könne er nichts aussagen.
So ist Kant wegen seiner Trennung zwischen Weltinhalt und Gedanke für
Steiner ein Dualist. Auch die Naturwissenschaft des 19.Jahrhunderts
sieht Steiner ganz im Gefolge von Kants Grundhaltung; und zwar
insofern sie keine Aussagen mehr über die Welt als solche mache,
sondern nur noch Konzepte zu hypothetisch angenommenen Sachverhalten
vorlege. Diese Erkenntnishaltung führt Steiner auf die von Kant
gemachte Unterscheidung zwischen "wahrgenommener Welt" und
"Ding an sich" zurück.
Fichte ist aus einem
anderen Grund ein Dualist für Steiner: weil er versuchte,
"das ganze Weltgebäude aus dem
'Ich' abzuleiten. Was ihm dabei gelungen ist, ist ein großartiges
Gedankenbild der Welt, ohne allen Erfahrungsinhalt".(62)
Genauer gesagt: Steiner bezeichnete Fichte als spiritualistischen
Dualisten, weil er versucht habe, aus dem Gedanken allein sein
Weltbild aufzubauen.
Steiner seinerseits wollte den Gegensatz zwischen Ich und Welt
dadurch überwinden, dass er darauf hinwies, dass ja eine
dualistische Trennung nur am Anfang des Erkenntnisvorgangs für
den Erkennenden gegeben sei: Diese Trennung bestehe nur solange, als
das Ich sich dem Wahrnehmungsinhalt gegenüberstelle. Indem dann
aber das Denken einsetze, werde Wahrnehmungsinhalt und Begriff unter
der synthetisierenden Tätigkeit des Ich im Denken wieder eins:
"Sobald das Ich, das in dem Wahrnehmen
von der Welt abgetrennt ist, in der denkenden Betrachtung wieder in
den Weltzusammenhang sich einfügt, dann hört alles weitere
Fragen, das nur eine Folge der Trennung war, auf".(63)
Steiner nennt seine
monistische Weltanschauung, die sich hier ergibt, einen Idealismus,
der Realismus zugleich ist (64) .
Damit grenzt sich Steiner von einem "falschen Idealismus"
(dh. dem kritischen Idealismus Kants) ab, der den
Vorstellungsinhalten nur einen subjektiven Charakter zuschreibt:
"Unser (dh. Steiners) Standpunkt ist
Idealismus, weil er in der Idee den Weltgrund sieht. Er ist
Realismus, weil er die Idee als das Reale anspricht; und er ist
Empirismus, weil er zu dem Inhalt der Idee nicht durch aprioristische
Konstruktion, sondern zu ihm als einem Gegebenen kommen will. Wir
haben eine empirische Methode, die in das Reale dringt und sich im
idealistischen Forschungsresultat zuletzt befriedigt."(65)
Damit ist die
Weltanschauung Steiners, sofern sie in seiner frühen Zeit
philosophisch dargelegt wurde, ausreichend charakterisiert. In der
Weise, wie sich Steiner in der Ausarbeitung seines Weltbildes von
Kant absetzen musste, wurde auch deutlich, wie sehr er dabei doch auf
den Gedankengängen Kants aufbaute. In der Beschreibung des
Erkenntnisvorganges unterscheidet sich Steiner nicht von Kant, wohl
aber in der Deutung des Ergebnisses. Indem Steiner
der Idee einen wesenhaft - schöpferischen, ja göttlichen
Charakter zuschreibt, hat er die Möglichkeit, an platonische
Vorstellungen, an verschiedene Weisen einer Logos - Theologie oder an
die rosenkreuzerische Naturwissenschaft des 17. Jahrhunderts
anzuknüpfen. Aber er kommt dann andererseits auch leicht in die
Nähe zu pantheistischen Auffassungen. Steiner vertrat, zuletzt
noch kurz vor seinem Tod, dass in der "Philosophie der Freiheit"
"eben die Grundprinzipien der Anthroposophie" ,
dh. Steiners Weltanschauung, zu finden seien. Steiners "Philosophie
der Freiheit hat insofern eine große Bedeutung, als sich
Steiner auch noch in seinen letzten Lebensjahren zu der
philosophischen Position bekennt, die er in diesem frühen Werk
bezogen hat. (66)
Der Monismus bot den Vorteil, dass hier nicht die Wirklichkeit in
zwei oder mehrere Teile zerfällt: in Geist und Materie, die Welt
und den göttlichen Bereich. Ein solcher Monismus vermeidet somit
die Probleme der Trennung und Polarisierung zwischen Geist und
Körper, Geist und Materie, Gott und Welt, welche in einem
dualistischen Weltbild gegeben sind. Aber zugleich bringt ein
monistisches Weltbild wieder neue Probleme mit sich. Das hat Steiner
auch bemerkt. Ein großes Problem des Monismus, das schon bei
Spinoza aufgetreten war, ist das Problem der Freiheit. Deshalb
verknüpfte Steiner seine monistischen, weltanschaulichen
Überlegungen im zweiten Kapitel seiner "Philosophie der
Freiheit" mit der Frage nach der menschlichen Freiheit. Doch in
dieser Frage stehen sich menschliche Freiheit und das
Theodizeeproblem unlösbar gegenüber. Schon Spinoza ist hier
gescheitert und auch Steiner findet in seinem ersten philosophischen
Entwurf hier keine weiterführenden Lösungen.
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Literaturangaben
Fußnoten:
(1) Steiner,
Rudolf; "Mein Lebensgang" S.131 (2)Steiner,
Rudolf; Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften,
Lizenzausgabe Freiburg, 1949 S.116f (3)Steiner,
Rudolf; "Mein Lebensgang" S. 133 (4)Steiner,
Rudolf; Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften S.
167 (5)ebd.
S. 114/115 (6)ebd.
S. 144 (7)Spinoza,
Ethik II, Lehrsatz 44, Folgesatz 2 sowie Ethik V, Lehrsatz 22 Für
Goethe waren diese Lehrsätze wichtig. Er bezog sich in Briefen
an Frau von Stein (4. November 1784), an Zelter (7.November 1816) und
in seiner "Dichtung und Wahrheit" Teil III Buch 4
darauf. Herder, Johann Gottfried; Einige Gespräche über
Spinozas System, Gotha 1800 Theun de Vries; Baruch de
Spinoza. Hamburg 1970 S. 153 - 162 Heribert Lindner; Das Problem
des Spinozismus im Schaffen Goethes und Herders. Weimar
1961 Chronologisch war das wohl so, dass Goethe zuerst durch Frl.
von Klettenberg und Metz die hermetischen und kabbalistischen
Einheitsgedanken kennen lernte. Dazu gehörte für ihn auch
die Beschäftigung mit Agrippa von Nettesheim und die occulta
philosophia des Georg von Welling. Dann kam die Spinoza - Lektüre
dazu. Durch seine Freundschaft mit Schelling und dessen Bruno -
Schrift scheint er sich dann für Bruno interessiert zu haben.
Interessant ist, dass es in der Kontroverse zwischen Schelling und
Jacobi um das Pantheismus - Problem ging. Dies war also damals auch
kontrovers diskutiert worden, wie zuvor schon bei Spinoza und wie
heute bei Steiner. Siehe: Friedrich Heinrich Jacobi, Wider
Mendelsohns Beschuldigungen betreffend die Briefe über die Lehre
des Spinoza, Leipzig 1786. In Goethes Bibliothek weist diese
Schrift Jacobis die Katalog Nr.3073 auf. (8)Steiner,
Rudolf; "Mein Lebensgang" S. 138 (9)Steiner,
Rudolf; Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften S.
69/70 (10)Steiner,
Rudolf; "Einleitungen" S. 68, 69/70 Steiner spielt hier
offensichtlich auf Spinozas Erkenntnislehre in Ethik II. Lehrsatz 44
und Ethik V, Lehrsatz 22 an. (11)Bruno,
Giordano; Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen, Hg. Walter
Beierwaltes, Paul Blum; Hamburg (5) 1977 S. 29f (12)Bruno,
"Von der Ursache..", S. 39 (13)Steiner,
Rudolf; "Einleitungen" S. 199 (14)Steiner,
Rudolf; "Mein Lebensgang", S. 268 (15)Grom,
Bernhard; Anthroposophie und Christentum, S. 86 (16)Steiner,
Rudolf; Mein Lebensgang (GA 28). Zitiert wird hier nach der
Taschenbuchausgabe Dornach 1983. Die in den letzten Lebensmonaten
begonnene Lebensbeschreibung hat nur den Zeitraum von 1861 bis etwa
1905 zum Inhalt und wurde nicht vollendet. (17)Steiner,
Rudolf; Wahrheit und Wissenschaft, Wien 1892 (18)Steiner,
Rudolf; Wahrheit und Wissenschaft (GA 3), TB Stuttgart (1) S.111
(19)Steiner,
Rudolf; Wahrheit und Wissenschaft S. 115 (20)Steiner,
Rudolf; Die Philosophie der Freiheit, Grundzüge einer modernen
Weltanschauung, Berlin 1894. Zitiert wird hier nach der Ausgabe TB
(2) 1973 (21)Steiner,
"Mein Lebensgang" S.39 (22)ebd.(S.
39) (23)Steiner,
Rudolf; Philosophie der Freiheit S. 25 (24)Steiner,
Rudolf; "Mein Lebensgang" S. 47 (25)ebd.
S. 47 (26)ebd.
S. 106 (27)ebd.
S. 273 (28)Johann
Gottlieb Fichte; Versuch einer Kritik aller Offenbarung; Hg.
Hansjürgen Verweyen, Hamburg 1983 S. 95: "Gott ist ganz
übersinnlich: der Begriff von ihm entspringt rein und lediglich
aus der reinen Vernunft a priori; (...)" (29)Steiner,
Rudolf; "Wahrheit und Wissenschaft", TB S. 137 (30)Kant,
Immanuel; Die drei Kritiken", Hg. Raymund Schmidt,
Stuttgart 1975 S. 106 (31)Kant;
ebd. S. 141 (32)Kant;
ebd. S. 147 (33)Kant;
ebd. S. 139 Steiner, Rudolf; Einleitungen zu Goethes
Naturwissenschaftlichen Schriften, S. 213 (34)Steiner,
Rudolf; Einleitungen zu Goehtes Naturwissenschaftlichen Schriften, S.
213 (35)"Einleitungen..."
S. 149 (36)"Einleitungen..."
S. 213 (37)Steiner,
Rudolf; Wahrheit und Wissenschaft. Grundlinien einer
Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung, S. 52-58 Diese
Ausführungen beziehen sich auf Kant, Die drei Kritiken, S. 139
(38)Steiner;
"Grundlinien..." S. 53, bezogen auf Kant, "Die drei
Kritiken", S.141 (39)Kant;
"Die drei Kritiken" S. 154 Die Aussagen Kants zum "Ding
an sich" kritisiert Steiner häufig an verschiedensten
Stellen seines Werkes. Zum Beispiel: "Kant macht am Eingang
seiner Vernunftkritik zwei Schritte, die er nicht rechtfertigt, und
an diesem Fehler krankt sein ganzes philosophisches Lehrgebäude.
Er stellt sogleich die Unterscheidung von Objekt und Subjekt auf,
ohne zu fragen, was für eine Bedeutung es denn überhaupt
hat, wenn der Verstand die Trennung zweier Wirklichkeitsgebiete (hier
in erkennendes Subjekt und dort in zu erkennendes Objekt) vornimmt.
Dann sucht er das gegenseitige Verhältnis dieser Gebiete
begrifflich herzustellen; wieder ohne zu fragen, welchen Sinn eine
solche Feststellung hat. Die Trennung in "Ding an sich" und
"Ding für uns" ist ein Verstandesprodukt". In:
Rudolf Steiner, "Einleitungen", S. 204/205 (40)Steiner;
"Einleitungen..." S. 53 (41)Steiner;
"Einleitungen..." S. 55 (42)Steiner; "Einleitungen..."
S. 54 (43)Steiner;
"Einleitungen..." S.164, siehe auch die entsprechende
Parallelstelle auf S. 181 (44)Steiner,
Rudolf; Die Philosophie der Freiheit, TB S: 48 (45)Steiner;
"Philosophie der Freiheit" S. 58 (46)ebd.
S. 47 (47)ebd.
S. 80 (48)ebd.
S. 81 (49)ebd.
S. 81 (50)ebd.
S. 65 (51)ebd.
S. 72 (52)ebd.
S. 29 (53)ebd.
S. 72 (54)ebd.
S. 72 ff (55)ebd.
S. 69 (56)ebd.
S. 69 (57)ebd.
S. 183 und 185 (58)ebd.
S. 187, siehe auch: S. 26 (59)Einfügung
Steiners in die Neuauflage ab dem Jahr 1918. TB S. 191 (60)Steiner,
Rudolf; Philosophie der Freiheit S. 22ff (61)ebd.
S. 24 (62)ebd.
S. 25 (63)ebd.
S. 25 (64)ebd.
S. 86 bis 95 (65)ebd.
S. 167 (66)ebd.
S. 169
Counter:
 ©
Oktober 1996 ; aktualisiert März 2005
Verantwortlich für diese
Seite: © Erik Dilloo - Heidger, Rottweil
Kritik, Rückfragen und Kontakt: dilloo@aol.com
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