Mit und ohne direkten Draht nach "oben"



ERFURT."Das Ding will der liebe Gott." Daran gab es für Ilse Neumeister (68) von Anfang an keinen Zweifel. Die engagierte Christin ahnte allerdings nicht, dass die von evangelischen und katholischen Frauen ins Leben gerufene Klosterrunde zehn Jahre alt und älter werden würde.

18 Frauen trafen sich damals im Augustinerkloster. "Konfessionell gebunden oder nicht, das spielte keine Rolle." Die Frauen waren verunsichert, voller Selbstzweifel, viele hatten ihren Arbeitsplatz verloren. "In der Runde konnten sie sich die Sorgen von der Seele reden, die Ängste herauslassen", sagt Ilse Neumeister. Arbeitslosigkeit, Tatenlosigkeit, brechender Lebensmut, Sinnsuche - all das haben sie beredet, nach Hilfestellungen gesucht, Kontakte geknüpft. "Sich unter die Arme greifen, Lebenshilfe geben, etwas dazulernen" - auch die heutige SPD-Landtagsabgeordnete Rosi Bechthum tankte hier Lebensmut. "Als Russischlehrer waren wir von Arbeitslosigkeit bedroht, alle hatten Angst", erinnert sie sich. "In der Klosterrunde konnte ich darüber reden. Merkte, anderen erging es ähnlich. Es gab keine, die in der Runde nicht geweint hat." Etwas später stieß Elisabeth Kaiser, mit 57 in den Vorruhestand geschickt, zur Klosterrunde. "Am Anfang waren wir Nehmende, später Gebende", beschreibt die Katholikin die Treffen, auf denen auch gebastelt und gewerkelt wurde. "Mein lädiertes Selbstwertgefühl ist hier enorm gestiegen."

Die Klosterrunde - das waren und sind Besuche in öffentlichen Einrichtungen. Diskussionsrunden mit Persönlichkeiten aus Politik und Kultur. Bildung, Begegnung. Herzliche Kontakte zu Gruppen in den alten Bundesländern. Und immer wieder Debatten über den Glauben, über Juden- und Christentum zum Beispiel.

Als jüngst eine der Frauen aus ihrer Runde einen schweren Unfall hatte, saßen sie da mit hängenden Köpfen. Und Ilse Neumeister empfahl: "Wer was vom Beten hält, betet. Die anderen drücken die Daumen." So halten sie es - und das ist etwas, "was in dieser Form wohl nur im Osten geht", meint Pfarrer Martin Remus. Denn auch konfessionslose Frauen nehmen am Gottesdienst teil, gestalten ihn hin und wieder sogar mit. "Als sie sagten, wir möchten beim Gebet mit sprechen, haben wir gemeinsam einen Text ausgearbeitet." Viele Frauen hätten dank der Klosterrunde wieder Mut gefasst, manche eine neue Arbeit gefunden. Auch wenn Ilse Neumeister sich nie in den Vordergrund stelle; ohne sie gäbe es diese Runde nicht, ist sich der Pfarrer sicher. "Was sie anpackt, zieht sie durch, wenn sie sieht, dass es Sinn macht." Die so Gelobte meint indes: "Hier hat einfach die Kirche zur rechten Zeit das Richtige getan." In der Klosterrunde ist Widerspruch erwünscht, Kreativität willkommen. Am Sonnabend 10.30 Uhr wird zum "Zehnjährigen" ein Festgottesdienst in der Reglerkirche stattfinden, bei dem etliche Frauen zu Wort kommen. Fest steht schon jetzt: Die Runde wird es weiterhin geben.