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Habilitationsvortrag

Dieter Fauth

Personalisation als Ziel in der Hochschuldidaktik der Religionspädagogik

Beitrag in: Hochschullehre und Religion - Perspektiven verschiedener Fachdisziplinen, Würzburg: Religion & Kultur Verlag, 2000 (s. die Verlagsankündigung).

Abstract

Dargestellt wird, wie im Studium der Religionspädagogik die personalen und lebensweltlichen Erfahrungen der Studierenden einbezogen werden können, um die Studiengegenstände in ihrer aktuellen Bedeutsamkeit zu vermitteln. Dem Beitrag liegen vor allem meine einschlägigen Lehrerfahrungen zugrunde. Auch wird der Diskussionsstand zum Thema in Religionspädagogik und angrenzenden Fachdisziplinen reflektiert. Als Anhang des Beitrages wird eine kommentierte Bibliographie der hochschuldidaktischen Publikationen in der Religionspädagogik seit der Einigung Deutschlands 1990 geboten. Im einzelnen gliedert sich der Beitrag wie folgt:

A Problemstellung
Die offene Gesellschaft legt es nahe, die Bildung des Menschen im Allgemeinen und im Bereich Religion im Besonderen nicht mehr vorherrschend an personal übergreifenden Strukturen und Inhalten zu orientieren.

1. Bildung und Erziehung im Allgemeinen vor den Ansprüchen der offenen Gesellschaft
Entfaltet wird die These, dass in Schule und Hochschule insgesamt funktionale Bildungsansprüche der Institutionen und personale Erwartungen der Studierenden sich entkoppelten. Bildung sollte daher künftig weniger auf Sozialisation als auf Personalisation abzielen.

2. Die Religionspädagogik vor der religiösen Pluralität
Die fortgeschrittene Pluralität in unserer Gesellschaft betrifft auch den Bereich Religion und sollte von der Religionspädagogik hochschuldidaktisch ins Studium möglichst umfassend integriert werden. Die üblicherweise vorherrschende Ausrichtung des Studiums an der Theologie bzw. der Lehrprozesse an der Korrelationsdidaktik (Verbindung von religiöser Tradition und Gegenwart der Person) bedarf einer Ergänzung um Lehrverfahren, mit denen die personale und lebensweltliche Vielfalt der Studierenden stärker als bisher beachtet ist.

B Lösungsansatz
Im Zentrum des Studiums sollen die auf Religion bezogenen, personalen und lebensweltlichen Erfahrungen der Studierenden und ihrer (Praktikums-)Schülerschaft stehen.

3. Die Bedeutung der humanistischen Pädagogik
Didaktisch-methodisch wird den personalen Erfahrungen im Studium Raum gegeben, indem wichtige Studienfelder (z. B. das Seminar, Haus- und Qualifizierungsarbeiten, Schulpraktika, ...) nach Lehrkonzepten der humanistischen Pädagogik gestaltet werden (personenzentrierte Gesprächsführung, pädagogisches Psychodrama, Gestaltpädagogik). Reflektiert wird die Anwendung dieser Verfahren im Bereich der Religionspädagogik.

4. Die Bedeutung von Religionswissenschaft, Theologie und weiteren Disziplinen mit Bezug zum Bildungsgut Religion
Der Bezug der Studierendenbeiträge zum Bereich Religion wird mithilfe religionswissenschaftlicher und theologischer Analysen herausgestellt. Hilfreich können auch Erkenntnisse der Kulturwissenschaft zur popularen Religiosität, der Religionsgeographie zur Gestaltung des Raumes als Ausdruck religiöser Identität und vieles mehr sein.

C Einordnungen des Ansatzes
Hochschuldidaktische Bemühungen in Religionspädagogik sowie verschiedenen Fächern und der Hochschulpolitik erlauben vielfältige Einordnungen meines Ansatzes.

5. Einordnungen des Ansatzes in die hochschuldidaktische Diskussion der Religionspädagogik
Eine Analyse der gesamten hochschuldidaktischen Publikationen im Bereich der Religionspädagogik seit 1990 hat gezeigt, dass "Personalisation" als Ziel im Studium der Religionspädagogik breites Interesse findet. Es handelt sich um das mit Abstand häufigste hochschuldidaktische Thema in der Religionspädagogik nach der Einigung Deutschlands. Das Gros der einschlägigen Bemühungen möchte den künftigen Religionslehrer als "Zeuge" des Glaubens profilieren. Dieser Zielsetzung wird von mir widersprochen. Mir geht es um eine offene, mehrdimensionale Anlage des Studiums, das für Studierende mit allen gesellschaftlich bedeutsamen Formen religiöser Sozialisation ausgerichtet sein soll und entsprechend die Personalisation der Einzelnen in verschiedene Richtungen unterstützen will.

6. Einordnung des Projektes in Vorgänge benachbarter Disziplinen und der Hochschulpolitik
Dem Ansatz korespondiert ein erwachendes, grundsätzliches Interesse an der "Didaktisierung" von Studiengängen in verschiedenen Fächern und politikberatenden Hochschulgremien. Die Aktivitäten der Hochschulen und Wissenschaftsministerien verschiedener Bundesländer, um die Qualität der Lehre zu heben, bieten einen günstigen Rahmen für die Entfaltung meines Ansatzes. Allerdings bleiben fast alle diese Aktivitäten im Rahmen fach-didaktischer Reformmaßnahmen. DieBedeutung der Person des Studierenden als Zentrum hochschuldidaktischer Maßnahmen ist nur ausnahmsweise erkannt.

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