ERSTER DEUTSCHER PROFESSOR FÜR
NATUR- UND VÖLKERRECHT IN HEIDELBERG (1661-1668)

In Heidelberg war Pufendorf sehr produktiv, weil er dort günstige Arbeitsbedingungen vorfand. Die Politik des Kurfürsten Karl Ludwigs von der Pfalz gab den Gelehrten einen relativ großen Denk- und Lehrraum. Nach dem Beispiel der Niederlande herrschten an der Heidelberger Universität Gedanken aufgeklärter Toleranz. Pufendorf vertiefte in Heidelberg seine naturrechtlichen, philosophischen und politischen Kenntnisse und erwarb sich erfolgreich pädagogische Fähigkeiten. 1633 veröffentlichte er seine ersten Dissertationen "De obligatione erga patriam" (Von den Verpflichtungen gegenüber dem Vaterland) und "De rebus gestis Philippi Augustae" (des Philipp August Leben und Taten) . Er korrespondierte mit Johann Christian Freiherr von Boineburg und mit Hermann Conring, Professor für Naturphilosophie, Medizin und Politik an der Universität in Helmstedt. 1664 bewarb sich Pufendorf an der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg um die Professur für Verfassungsrecht. Er wurde aber mit der Begründung abgelehnt, er sei für das deutsche Verfassungsrecht nicht ausreichend qualifiziert. Um das Gegenteil zu beweisen, begann er mit der Ausarbeitung seines bedeutendsten Jugendwerkes "De statu imperii Germanici" (Vom Zustand des Deutschen Reiches). Dieses Werk erschien 1667 unter einem Pseudonym und falscher Angabe des Druckortes. Mit seiner antifeudalen und antiklerikalen politischen Streitschrift griff er in die Diskussion um die Einschätzung der politischen Situation in Deutschland und dessen Zukunft ein. Die Vereinigung von Geschichtskenntnissen und Politik demonstrierte er in seiner Schrift auf glänzende Weise. Von den Anfängen des deutschen Reiches kam er zur Gliederung und Entstehung der Reichsstände bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Diese Streitschrift gewährt dem Leser einen interessanten Einblick in die feudalen Machtverhältnisse Deutschlands im 17.Jahrhundert. Um die Rückständigkeit und die religiöse Zerrissenheit Deutschlands zu überwinden, schlug er folgendes vor:
  1. Entfaltung des Handels durch Steigerung des Exports und Senkung des Imports
  2. Abschaffung der Gegensätze zwischen den Ständen
  3. Verfassung in Form einer Föderation von Staaten; dabei Verwendung friedlicher Mittel, z.B. keiner darf den Schwächeren unterdrücken.

Bei aller Ungleichheit der Macht müssen alle gleiche Freiheit und Sicherheit haben. Der Besitzstand eines jeden muß erhalten bleiben.

Gegen Versuche eines Feindes, Nachbarländer Deutschlands sich einzuverleiben, um von da aus auf Deutschland überzugreifen, ist beizeiten zur Abwehr zu rüsten und ein Bündnis mit jenen zu schließen, die gleiches Interesse gegen zu große Machterweiterung bestimmter Reiche verbindet. Wenn man sich mit diesen Gedanken Pufendorfs intensiv beschäftigt, kann man seinen politischen Weitblick und seine Toleranz erkennen. Vergleicht man seine Vorschläge mit heutigen Verfassungen, so kann man sagen, daß er damals schon, nur mit anderen Worten, demokratische Rechte formulierte und für seine Zeit sehr revolutionär dachte. Im August 1666 legte er sein fertiges Werk "De statu imperii Germanici" Kurfürst Karl Ludwig zur Zensur vor. Natürlich lehnte dieser eine Veröffentlichung dieser kritischen und revolutionären Gedanken ab. Daraufhin schickte Pufendorf das Manuskript seinem Bruder Esaias nach Paris, wo dieser inzwischen Resident war. Aber auch er fand keinen Verleger. Esaias beauftragte nun seinen Gesandtschaftspfarrer, das Manuskript nach Amsterdam zu bringen. Dort wurde es schließlich 1667 gedruckt und unter Angabe des falschen Druckortes Genf unter dem Pseudonym "Severinus de Monzambano" veröffentlicht. Da das Werk die politischen Streitigkeiten dieser Zeit auf den Punkt traf, erfuhr das Werk eine hohe Auflage und große Verbreitung. Bis heute sind 20 lateinische, 5 deutsche, 3 französische und eine englische Auflag bekannt. Am 30. 04. 1665 heiratete Samuel von Pufendorf die Witwe des Juristen Ludwig Hedinger, Katharina Elisabeth geboren von Palthen, in der Spitalkirche zu Heidelberg. Seine 3 Jahre ältere Frau brachte die Tochter Sophie mit in die Ehe. 1677 heiratete diese den Stockholmer Ratsherren Christoffer Tessmar. Pufendorf hatte auch eigene Kinder: Tochter Christiana Magdalena (getauft am 30. 05. 1666 in Heidelberg) und Tochter Erementia Elisabeth (getauft am 01. 05. 1668 in Heidelberg). Diese Familie Pufendorf bewohnte ein Haus in der Augustinergasse, war geachtet und anerkannt. Ab 1667 jedoch wurde die Arbeitsatmosphäre für Pufendorf in Heidelberg unerträglich. Gründe dafür waren persönliche Enttäuschung und Neid und Mißgunst seiner Kollegen aufgrund seines Werkes "De statu imperii Germanici". Wiederum half ihm sein Bruder Esaias.


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© Samuel-von-Pufendorf-Gymnasium Flöha
April 1998
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