Bundesland
Hessen


Regierungsbezirk Kassel (Industrie und Tourismus)
Regierungsbezirk Gießen (Entlastungsraum in günstiger Brückenlage)
Regierungsbezirk Darmstadt (Wirtschaftsmotor Rhein-Main)

Geschichte
Das Land Hessen in seiner heutigen Gestalt wurde am 19. September 1945 von dem amerikanischen Oberbefehlshaber in Europa, General Dwight D. Eisenhower ins Leben gerufen. Grundlage war die Proklamation Nr. 2 der amerikanischen Militärregierung. Danach begann unter dem ersten, noch von der Militärregierung eingesetzten Ministerpräsidenten Karl Geiler der demokratische Aufbau Hessens.

Am 1. Dezember 1946 stimmten die Bürgerinnen und Bürger Hessens in einer Volksabstimmung der neuen Landesverfassung zu. Gleichzeitig wählten sie den ersten Landtag; erster frei gewählter Ministerpräsident wurde der SPD-Politiker Christian Stock. In den folgenden Jahren begann der Aufstieg Hessens zu einem Land mit gefestigter Demokratie, zu einem Land mit unübertroffener Wirtschaftskraft in der Bundesrepublik Deutschland und in Europa.

Regierungsbezirk Darmstadt

Der Regierungsbezirk Darmstadt umfaßt den südlichen Teil des Landes mit den kreisfreien Städten Darmstadt, Frankfurt am Main, Offenbach am Main und Wiesbaden sowie zehn Landkreisen. Seine naturräumliche Lage wird vor allem durch den nördlichen und nordöstlichen Teil des Oberrheingrabens und die angrenzenden Gebirgszüge des Taunus, Odenwalds und Spessarts bestimmt. Kern der Region ist das nach Süden, Osten und Westen über die Landesgrenze hinausgreifende Ballungszentrum mit den Städten Frankfurt am Main und Offenbach am Main als Mittelpunkt.

Das Rhein-Main-Gebiet bildet einen wichtigen Knotenpunkt europäischer Verkehrswege. Auf den Autobahnen rund um Frankfurt bewegen sich an Spitzentagen mehr als 100 000 Fahrzeuge. Als Ziel- oder Durchgangsstation von 15 Fernstrecken und des geplanten europäischen Schnellbahnnetzes ist Frankfurt am Main auch eine Drehscheibe des internationalen Eisenbahnverkehrs. Darüber hinaus stehen Rhein und Main als Wasserstraßen zur Verfügung. Der Frankfurter Flughafen ist einer der größten Europas. Neben und innerhalb der dicht besiedelten und eng vernetzten Metropole Frankfurt verfügt der Regierungsbezirk z. B. im Rheingau-Taunus-Kreis, an der Bergstraße und im Odenwald auch über viele ländliche Räume und weite Waldgebiete.

Wirtschaftsmotor Rhein-Main

Fast ein Drittel der Bevölkerung lebt in den vier kreisfreien Städten. Etwa jeder achte ist Ausländer. Verglichen mit den beiden anderen Regierungsbezirken hat Darmstadt mit 71 % relativ mehr Einwohner im erwerbsfähigen Alter. Hiervon üben 66 % tatsächlich einen Beruf aus, darunter überdurchschnittlich viele Frauen. Hinzu kommt eine große Zahl von Berufseinpendlern, allein in den kreisfreien Städten täglich etwa 400 000. Der Regierungsbezirk gehört zu den wirtschaftlich leistungsfähigsten Regionen Europas. Weltfirmen haben hier in enger Nachbarschaft mit einer Vielzahl kleinerer, mittelständisch und handwerklich geprägter Unternehmen ihren Sitz. Arzneimittel aus Höchst und Darmstadt, Autos aus Rüsselsheim, Lederwaren aus Offenbach, Schmuck aus Hanau, Möbel aus Kelkheim sind ein Begriff. Zunehmend bestimmen innovatorische Branchen des Maschinenbaus, der Elektrotechnik, Umwelttechnik und Informationsverarbeitung das Bild. Entscheidend für das wirtschaftliche Gewicht der Region ist Frankfurt am Main als Dienstleistungsmetropole und Finanzhauptstadt. Neben der Bundesbank sind über 400 Kreditinstitute und die wichtigste Börse des Kontinents in dieser Stadt ansässig. Auch das Europäische Währungsinstitut, der Vorläufer der Europäischen Zentralbank hat seinen Sitz in Frankfurt.

Tradition ist in dieser Region seit den Tagen der großen Frankfurter Stifterfamilien die Symbiose von Geist und Geld. Die Hochschulen des Regierungsbezirks bieten insgesamt 79 000 Studienplätze, bekannte Forschungsinstitute, Museen und Galerien, Theater und Opernhäuser sind Mittelpunkte des kulturellen Lebens. Nicht zuletzt ist der Regierungsbezirk auch Zentrum des Zeitungs-, Buch- und Verlagswesens und der elektronischen Medien. nach oben


Regierungsbezirk Gießen

Der Regierungsbezirk Gießen wurde 1981 aus Teilen der zuvor bestehenden Regierungsbezirke Darmstadt und Kassel neu gebildet. Als mit 5.381 qkm kleinster der drei hessischen Regierungsbezirke umfaßt er den Landkreis Gießen, den Lahn-Dill-Kreis, die Landkreise Limburg-Weilburg und Marburg-Biedenkopf sowie den Vogelsbergkreis. Umgeben ist die Region von einem Kranz von Mittelgebirgen, die sich vom Taunus und Westerwald im Westen bis zum Vogelsberg im Osten erstrecken. Nach Süden öffnet sie sich zur Wetterau. Verbindendes Element ist der Lauf der Lahn und ihrer Nebenflüsse Dill und Ohm, in deren Tälern sich die Siedlungsschwerpunkte von Limburg über Wetzlar und Gießen bis Marburg im Norden und Dillenburg und Biedenkopf im Westen aneinanderreihen.

Der Regierungsbezirk findet sich in einer günstigen Brückenlage, die einerseits durch die relative Nähe zu dem neuen Bundesland Thüringen, andererseits durch seine Verflechtungen mit dem Band der europäischen Wachstumsregionen im Westen und Süden gekennzeichnet ist. Die vorhandene Verkehrsinfrastruktur (Autobahnen, Bundesstraßen, Bahnverbindungen) wird durch die Neuausrichtung der Verkehrsströme vor wachsende Anforderungen gestellt.

Entlastungsraum in günstiger Brückenlage

Etwas höher als in den beiden anderen Regierungsbezirken ist der Anteil junger Menschen. Knapp 70 % der Bevölkerung befinden sich im erwerbsfähigen Alter. Obwohl Gießen und Wetzlar auch wichtige Pendlerzielorte sind, überwiegt die Zahl der Auspendler, vorwiegend in das Rhein-Main-Gebiet, bei weitem.

Das ursprünglich durch Erzvorkommen und Montanindustrie geprägte Gebiet an Lahn und Dill erlebte in den vergangenen Jahren eine Umstellung auf vorwiegend klein- und mittelbetrieblich strukturierte standortungebundene Industrien und eine Diversifikation der Produktion. Wichtige Branchen sind heute u.a. Metallverarbeitung, Gießereien, Maschinenbau, EBM-Industrie, Feinmechanik und Optik. Für Hochtechnologie und Spitzentechnik stehen Firmen wie Behring (Biotechnik und Pharmakologie), Philips (Elektrotechnik), Leitz, Hensold (Optoelektronik) und Buderus (Energie- und Umwelttechnik). Dagegen ist der tertiäre Sektor, vor allem in den Bereichen unternehmensnahe Dienstleistungen, Banken, Versicherungen, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, unterrepräsentiert. Doch besteht ein nennenswertes Forschungs- und Entwicklungspotential.

Der insgesamt stärker als Südhessen ländlich geprägte Raum verfügt über ein relativ günstiges Angebot an Gewerbe- und Wohnflächen und einen in Teilbereichen weniger angespannten Arbeitsmarkt. Der hohe Wohn-, Freizeit- und Erholungswert der Region gleicht Ballungsnachteile des Rhein-Main-Gebiets aus. nach oben


Regierungsbezirk Kassel

Der Regierungsbezirk Kassel umfaßt den nördlichen und nordöstlichen Teil des Landes mit der kreisfreien Stadt Kassel und sechs Landkreisen. Mit 8.288 qkm ist er der größte hessische Regierungsbezirk. Seine landschaftliche Prägung erhält er durch das west- und osthessische Bergland sowie die sich dazwischen in Nord-Süd-Richtung erstreckende westhessische Senke, Siedlungsschwerpunkte entwickelten sich im Schwalm-Becken, Fritzlar-Borkener-Becken, Kasseler Becken und im Fuldaer Becken sowie entlang der Flüsse Fulda und Werra.

Bedingt durch die geographische Struktur und die Grenzziehung als Folge des Zweiten Weltkriegs verlaufen die Verkehrswege hauptsächlich in Nord-Süd-Richtung. Bei Kassel treffen sich die Verkehrsströme aus dem Ruhrgebiet und dem norddeutschen Raum. Mit dem Beitritt der ehemaligen DDR zur Bundesrepublik Deutschland eröffnen sich neue Entwicklungsperspektiven nach Osten: So werden insbesondere die Eisenbahnlinien Dortmund - Kassel - Erfurt - Leipzig sowie nach Halle ausgebaut. Kassel und Fulda sind Haltepunkte der neuen Schnellbahnstrecke Hannover - Würzburg. Damit wird Kassel künftig im Schnittpunkt wichtiger IC-Achsen in Nord-Süd- und West-Ost-Richtung liegen.

Industrie und Tourismus

Mit Kassel, Fulda und Baunatal besitzt die Region drei wichtige Einpendlerzentren, die aber nicht die Sogwirkung des Rhein-Main-Gebietes entfalten. Wegen der früheren Randlage an der Grenze zur DDR erhielten nord- und osthessische Kreise vielfältige staatliche Finanzhilfen. So konnte in den letzten Jahren der Regierungsbezirk besonders von der Schaffung neuer Arbeitsplätze profitieren. Dennoch erfolgte auf dem Arbeitsmarkt keine Entspannung in gleichem Umfang.

Traditionelle Branchen sind die Landwirtschaft, der Bergbau (Braunkohle- und Kali-Bergbau) sowie in Osthessen das Textil- und Bekleidungsgewerbe. Vergleichsweise hoch ist auch der Anteil der im Stahl- und Leichtmetallbau sowie in der Gummiverarbeitung Beschäftigten. Zu nennen sind hier das Zweigwerk von Continental in Korbach sowie die Gummiwerke in Fulda. Den Schwerpunkt bildet aber der Straßenfahrzeugbau mit den Zweigwerken von VW in Baunatal und Daimler-Benz in Kassel. Dem reizvollen Landschaftsbild verdankt die Region ihre herausragende Bedeutung im Fremdenverkehr. Hierhin zieht es über ein Viertel der Besucher, die nach Hessen kommen. Feriengäste buchen dort mehr als ein Drittel aller Übernachtungen im Lande.

Vom Rand ins Zentrum

Der Nordosten des Landes war nach dem Krieg besonders benachteiligt, als die engen Bindungen zu Thüringen abrupt gekappt wurden. Der Wegfall des "Eisernen Vorhangs" beseitigte diesen Zustand und eröffnet neue Entwicklungsmöglichkeiten für die einheimische Wirtschaft. Davon könnten auch Impulse zur Angleichung der Lebensverhältnisse im nordhessischen Raum ausgehen. Drei Landkreise, nämlich Kassel, der Schwalm-Eder-Kreis und der Werra-Meißner-Kreis, erreichen lediglich etwa 60 % des durchschnittlichen hessischen Bruttoinlandsprodukt je Einwohner. Auch weiterhin dürfte der Verdichtungsraum Kassel als Zentrum privater und öffentlicher Dienstleistungen, als Hochschulstandort, Sitz wichtiger Bundes- und Landesgerichte und internationaler Brennpunkt moderner Kunst (documenta) den Schwerpunkt der Region bilden. Wegen der natürlichen Gegebenheiten wird sie aber wesentlich ländlich geprägt bleiben. Die Landwirtschaft bringt vor allem die "klassischen" Erzeugnisse Getreide, Milch und Fleisch hervor. Überregionale Bedeutung haben der Kirschenanbau in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) und der Gemüsevertragsanbau im Schwalm-Eder-Kreis. nach oben

Quelle: Website des Landes Hessen

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