Viele Hundebesitzer haben Hunde die alles fressen, was sie finden können.
Zuhause ist es zwar ärgerlich wenn der Hund sich den
Sonntagsbraten klaut, ansonsten hat ein solches Verhalten für den Hund jedoch keine
gravierenden Auswirkungen. Draußen sieht das ganze jedoch schon anders aus. Hier ist die
Gefahr einer Vergiftung nicht unerheblich.
Vom Standpunkt des Hundes aus gesehen ist es das absolut
normalste alles zu fressen was er finden kann. Normalerweise muß er zur Energieaufnahme
erst Energie verbrauchen, also jagen. Da dies nicht jedesmal zum Erfolg führt, muß er
unter Umständen mehr Energie verbrauchen als er anschließend wieder aufnehmen kann.
Selbst die Möglichkeit durch eine Jagdbeute wieder Energie zuführen zu können ist für
den Hund nicht täglich gegeben. Fressen zu können ohne dafür etwas tun zu müssen, ist
also durchaus etwas sinnvolles. Im übrigen würden wir selber uns auch nicht anders
verhalten.
Die Gefahr einer bewußt geplanten Vergiftung ist zwar recht
gering, passiert aber trotzdem immer wieder einmal. Ein Hund kann ewig lang etwas fressen
was herumliegt ohne jemals dadurch zu Schaden zu kommen. Nur wer weiß schon beim
wievieltem Mal er etwas vergiftetes aufnimmt. Es kann durchaus schon beim ersten Mal sein.
Weitaus häufiger vergiften sich Hunde mit Haushaltsreinigern,
Pflanzenschutzmitteln, Schädlingsbekämpfungemitteln oder durch die Aufnahme
unverdaulicher Verpackungsteile. Auch das Fressen verdorbener Speisereste führt oft zu
Vergiftungserscheinungen.
Da wir den Hund jedoch in eine Welt geholt haben, die mit der
hundlichen Welt so gut wie nichts mehr gemein hat, ist es unsere Verantwortung dem Hund
gegenüber ihm verständlich zu machen was genießbar ist und was nicht. Wir verhalten uns
dabei nicht anders als adulte Tiere im Rudel. Auch hier lernen Junghunde was sie besser
meiden sollten.
Das normale Üben des Hundeführers sieht in Bezug auf das
Fressen so aus, daß er aus ruft wenn er meint sein Hund würde etwas fressen. Dabei ist
der Hund jedoch in der Regel außerhalb des Einwirkungsbereiches des Hundeführers, sodaß
dieser Versuch das Fressen zu unterbinden meist ins Leere führt und der Hund sich
lediglich des Futter weiter einverleibt, sich anschließend aber nicht mehr traut zum
Hundeführer zurück zu kommen.
Wenn wir es also erreichen wollen, daß unser Hund herumliegendes
Futter ignoriert, müssen wir das Üben so aufbauen, daß wir wissen
- was passieren wird
- wann es passieren wird
- wo es passieren wird
und wir selber durch diese Vorbereitung ruhig aber gezielt auf
den Hund einwirken können.
Ziel muß es sein im richtigen Augenblick in der richtigen
Dosierung auf den so Hund einzuwirken, daß das Lernen des Hundes in der Richtung erfolgt,
die von uns gewünscht ist. Wir selber sollten uns beim Üben mit dem Hund immer von der
Vorstellung leiten lassen, wir würden hier nicht mit Wurst, sondern mit Rattengift üben.
Dies bewirkt, daß unser Verhalten dem schon bedeutend näher kommt, wie wir uns in einer
tatsächlichen Situation verhalten würden. Erst wenn wir selber ein Gefahr wahrnehmen
reagieren wir auch entsprechend. Liegt dort "nur" Wurst versuchen wir den Hund
auch nur entsprechend wenig zu hemmen. Ein weiteres Üben wird also sinnlos. Handeln wir
aus Verantwortung dem Hund gegenüber, darf unsere Hemmung ruhig entsprechend hart
ausfallen, zumal es sinnvoller ist so stark zu hemmen, daß nur eine 4-5 malige
Wiederholung notwendig ist.
Wir müssen also erst einmal die Situation stellen, in der nun
nicht wir sondern der Hund überrascht wird.
Hierzu besorgen wir uns ganz einfach in einem
Lebensmittelgeschäft Wurstreste (bekommt man normalerweise kostenlos) und legen diese
zuhause auf dem Boden aus. Ansonsten zeigen wir zu anfang gar keine Reaktion und lassen
den Hund ruhig sich die Sache einmal anschauen. Ein kluger Hund wird natürlich riechen
das da was im Busch ist und erst einmal nicht auf die Wurst reagieren, vor allem dann
nicht wenn wir ihn das erste mal geschnappt haben. Unsere Geduld ist also gefragt. Er wird
den ganzen Abend warten, bis wir abgelenkt sind und die Gelegenheit beim Schopfe packen.
Aber wir können ja auch Theater spielen und uns "ablenken" lassen.
Wichtig ist es nur im richtigen Augenblick zu reagieren.
Wenn der Hund hingeht, ist dies vollkommen in Ordnung. Wenn der
Hund dran riecht, ist es ebenfalls vollkommen in Ordnung. Erst wenn er das Futter ins Maul
nimmt, kommt sofort eine Reaktion von uns. Es heißt also schnell zu sein und aufzupassen
um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Warum nicht schon vorher aus sagen? Der
Hund soll lernen nichts zu fressen, wenn wir nicht vorher die Genehmigung dazu gegeben
haben. Also müssen wir klar trennen zwischen erwünschtem und unerwünschtem Verhalten.
Anschauen oder riechen wird von uns belohnt, Fressen aber bestraft.
Versucht der Hund die Wurst zu fressen, stürzen wir uns wie ein
adultes Tier auf ihn.
Ist unser Eingreifen dominant genug wird er das Futter aus Angst
gleich wieder fallen lassen. Keine Angst ist dies für ihn ein vollkommen natürlicher
Vorgang wenn er ein Tabu verletzt.
Meist ist jedoch das Verhalten der Hundeführer nicht stark genug
ausgeprägt und der Hund schlingt die Wurst schnell runter. Um dies zu vermeiden, beläßt
es der Hundeführer nun nicht mehr allein bei seiner Dominanzhaltung sondern schnappt sich
den Hund, drückt ihm schnell und durchaus kräftig das Maul auf und holt die Wurst wieder
heraus. Alles noch durch verstärkt durch eine gespielt "böse" Stimme.
Da der Hundeführer jedoch in der Regel erst lernen muß
aufzupassen und richtig zu reagieren und zudem oft gehemmt ist entsprechend
"hart" durchzugreifen, sind die Hunde mit dem Runterschlingen meist schneller.
Auch in diesen Fällen wird das Maul des Hundes mit entsprechendem Druck geöffnet, und
versucht die Reste herauszuholen. Da nichts mehr da ist, werden die Lefzen des Hundes
stark gegen das Zahnfleisch gedrückt, so daß dies für den Hund unangenehm ist.
Die Wurst wird anschließend nicht etwa zur Seite geworfen,
sondern direkt vor den Hund. Noch besser ist es, man hält sie dem Hund so vor die Nase,
mit entsprechend drohender Stimme (ohne das Wort aus zu verwenden), das er dem am liebsten
aus dem Weg gehen würde. Würden wir die Wurst wegwerfen, würden wir wieder nur die
Situation vermeiden anstatt ein Lernen zu ermöglichen.
Kommen wir erst da dazu wenn die Wurst schon weg ist, können wir
zwar aufgeregt nach der Wurst an der Stelle suchen wo sie zuletzt gelegen hat, ansonsten
lassen wir den Hund aber vollkommen in Ruhe. Zu spät ist nun mal zu spät. Würden wir
hier noch den Hund strafen würde dies zwar dazu führen das der Hund unsere Anwesenheit
mit Angst verknüpft, in Bezug auf das Fressen würden wir aber garnichts erreichen. Im
Gegenteil der Hund würde weiterhin versuchen sich das Futter zu schnappen und
anschließend danach trachten einen möglichst großen Abstand zu uns zu halten.
Ob unser Eingreifen sinnvoll war, merken wir sofort beim
nächsten Mal wenn der Hund in die gleiche Situation kommt. Frisst er wieder, müssen wir
unser Verhalten leider noch verstärken. Erst wenn er das Futter meidet, ist die
gewünschte Verknüpfung zustande gekommen und kann dann verallgemeinert werden.
Das mag sich nun etwas hart anhören. Aber worum geht es. Sicher
nicht darum dem Hund weh zu tun, sondern ihn vor schlimmerem zu bewahren. Wir können
natürlich auch etwas gemütlicher vorgehen und dadurch länger brauchen, bis die
gewünschte Verknüpfung erreicht ist. Die Frage ist nur wieviel Zeit wir noch haben, bis
der Hund tatsächlich etwas vergiftetes findet. Solange wir innerlich ruhig mit dem Hund
zu arbeiten, ist dies in Ordnung. Reagieren wir jedoch wenn wir auf 180 sind, zerstört
dieses unfaire Verhalten von uns im Hund jegliches Vertrauen.
Man braucht sich auch keine Gedanken darüber machen, daß wir es
sind die das Futter auslegen welches der Hund nun nicht fressen darf. Jedes Mal wenn wir
sein normales Futter richten, machen wir nichts anderes. Auch da lassen wir es nicht zu,
daß der Hund uns schon in den Napf springt wenn wir noch dabei sind es hinzustellen. Erst
dann, wenn wir das O.K. geben darf er fressen. Nichts anderes ist die Wurstübung.
Natürlich kann unser Hund nur dann entsprechend schnell lernen,
wenn wir ihm auch die Möglichkeit dazu geben. Also nicht nur einmal im Monat Wurst holen,
sondern möglichst alle zwei Tage ein kurze Übung. Selbstverständlich nicht nur mit
einer Strafe unsererseits sondern auch mit einem dicken fetten Lob wenn er nichts
gefressen hat.
Damit dies eine für den Hund allgemein gültige Regel wird,
müssen wir diese gestellten Übungen anschließend auch draußen an unterschiedlichen
Orten, sowie mit unterschiedlichen Futtersorten üben.
Etwas schwieriger gestaltet sich dies bei Menschen, aber auch
dies läßt sich mit einem Trick lösen. Die meisten fragen ob sie dem Hund etwas geben
dürfen. Zukünftig wird dies unsrerseits nicht mehr verneint, sondern wir sagen daß sie
dem Hund ruhig etwas geben dürfen. Sollte der Hund es nehmen, fällt unsere Reaktion
darauf für den Hund entsprechend hart aus. Eine kurze Erklärung wird den Leuten durchaus
verständlich machen, daß sie zwar etwas geben dürfen, der Hund es jedoch nicht nehmen
darf. Versuchen wir dagegen jemanden dafür zu gewinnen den Hund in Versuchung zu führen,
fällt dies meist so gehemmt aus, daß ein effektives Lernen oft nicht möglich ist.
Der genannte Aufbau der Futterverweigerung bewirkt meist, daß
ein gesondertes Üben in Abwesenheit des Hundeführers nicht zusätzlich erfolgen muß.
Durch die Änderung seines Verhaltens und den damit verbundenen
Aufbau seiner Rudelführerrolle wird genau diese auch in anderen Bereichen im
Zusammenleben mit dem Hund auf autoritäre Weise (im Sinne vom Vorbildfunktion) gefestigt.
Dieses Zusammenwirken unterschiedlicher Bereiche führt meist zu einem wesentlichen
ausgeglichenerem Hund und dem automatischen Verschwinden anderer unerwünschter
Verhaltensweisen.
Sollte trotzdem mit dem Hund noch geübt werden müssen nichts zu
fressen auch wenn der Rudelführer nicht in der Nähe ist, muß auch hier wieder die
entsprechende Situation gestellt werden.
Also Futter auf den Tisch und wir verkrümeln uns. Nun muß
allerdings die "Strafe" durch die Umwelt erfolgen, damit der Hund auch
verknüpft, daß Strafe beim Fressen nicht nur mit unserer Anwesenheit verbunden ist.
Meist wird hier nun etwas auf den Tisch gestellt daß umfallen
soll und den Hund so erschrecken soll, daß er das Stehlen zukünftig unterläßt. Leider
sind Hund nun doch etwas erfinderischer und schaffen es ohne Probleme die Sachen trotzdem
vom Tisch zu holen. Sinnvoller ist vielmehr den Bereich um den Tisch herum für den Hund
unangenehm zu machen, sodaß der Tisch für den Hunde eine "Gefahr" darstellt,
die erst durch unsere Anwesenheit wieder aufgehoben wird. Dieses Schema läßt sich im
übrigen auch auf andere Bereiche ausdehnen in denen der Hund ein unerwünschtes Verhalten
zeigt.
Um also den Bereich um den Tisch für den Hund unangenehm zu
machen, können wir entweder umwickelte Mäusefallen aufstellen, die umstehenden Stühle
mit Angelschnur zusammen binden oder aber der Hund mittels Video und Babyphon /
Anrufbeantworter überwachen. Was wir hierbei konstruieren ist im Prinzip egal, hauptsache
es wirkt. Zeigt unsere Konstruktion nicht die gewünschte Wirkung müssen wir uns wieder
etwas anderes einfallen lassen. Da nun jeder Hund unterschiedlich ist und jeder
Hundeführer nur das umsetzen kann, was ihm sinnvoll erscheint sollen hier nun nicht alle
möglichen Lösungen vorgeschlagen werden, sondern vielmehr die Fantasie des Einzelnen
angesprochen werden.