Referat zum Thema "Worauf basiert Journalismus?"

Schwerpunkt: Niklas Luhmann, "Die Realität der Massenmedien"

Referentin: Farina Regn am 8.5.2000

 

I. Allgemeines, Bezüge, Grundüberlegungen

 

1. Konstruktivismus

Wirklichkeitsforschung.

Die Wirklichkeit kann nicht als das erkannt werden, was sie ist, allenfalls als das, was sie nicht ist.

Die Kausalität beruht im Wesentlichen auf Gewohnheit. (R.Riedls Kritik des Ursachendenkens)

Das Sein besteht im Wesentlichen nur im Wahrgenommenwerden. (Berkeley)

 

2. Systemtheorie

Systeme sind Beobachterkonstruktionen. Sie setzen einen Beobachter voraus, der sie konstruiert. Es entstehen Beobachtungssysteme, die Beobachtungen in spezifischen Beobachtungsfeldern und die Übertragung ihrer Ergebnisse in die wissenschaftliche/gesellschaftliche Kommunikation in Form von kognitiven Repräsentationen der beobachteten Realität ermöglichen.

Ein System ist " a set of objects together with relations between th objects and between their attributes" .

Die Systemtheorie ist eine Theorie physischer, sozialer und mentaler Aggregate.

"Whatever is not chaos, is system." K.Boulding.

Systemdefinitionen sind willkürlich, was als System gelten soll, ist nicht naturgegeben, sondern wird vom Beobachter bestimmt.

Die Systemtheorie ist keine Theorie empirischer Gegebenheiten, sondern eine Methode der Darstellung von Zusammenhängen aller Arten als System.

Problem Ontologie:

Sind Gegenstände der Beobachtung objektiv gegeben, oder sind Beobachter und Operationen beteiligt an dem, was in der Beobachtung entsteht?

Neueste Auffassung: ein Gegenstand entsteht in der Beobachtung als Ergebnis seiner Konstruktion.

Die Systemtheorie ist eine Theorie von Systemen, die Systeme der Beobachtung voraussetzen.

Die Systemtheorie erklärt nicht nur die Entstehung von Systemen in der Außenwelt, sondern im selben Zuge auch, wie das kognitive Beobachtungssystem entsteht --- damit erklärt sie sich selbst!

Problem Wirklichkeit:

Äußere Realität und innere Realität (Sozialsystem) sind 2 Aspekte derselben Konstruktion .Wirklichkeit erscheint in der Theorie, die ein Sozialsystem zugrunde legt. Damit hängt die Wirklichkeit von der Theorie ab. (Und von ihren Möglichkeiten...)

Realität ist in Handlungssystemen nur über Beobachtung zugänglich. D.h.: Indem der Mensch Handlungssysteme bildet, erzeugt er zugleich die Realität, in der er sich befindet.

Es gibt kein System ohne kognitive Repräsentation. Erst der Beobachter bringt das System durch seine Operationen auf der methodischen Ebene hervor.

Fokus: der Beobachter als Mensch bzw. als kognitiv befähigtes System.

Palo-Alto-Gruppe: G. Bateson, J.Haley, P. Watzlawick, die sich zunächst mit der Frage nach psychischer Normalität auseinandersetzten, wobei der psychische Prozeß als (gestörte) Kommunikation betrachtet wird, die sich in einem sozialen Feld abspielt. Folge: Veränderte Therapieformen wie z.B. Familientherapie

M. Selvini Palazzolis systemische Therapie , das den Therapeuten mit einschließt (also: den Beobachter), so daß System und Beobachter eine komplementäre Einheit bilden.

H. von Förster, Kybernetik 2. Ordnung.

H. Maturanas Autopoiesis: ursprünglich: die Fähigkeit der lebenden Zelle, sich sebst zu erneuern; allgemein: Prozesse in offenen Systemen, die die Netzwerke der Produktion ihrer Komponenten sind, wobei systeminterne operative Autonomie herrscht.

N.Luhmann: Fokus auf Eigenwahrnehmung und Selbstorganisation von Systemen.


3. Siegfried Schmidts radikaler Konstruktivismus

Ich beziehe mich hierbei auf den im Semesterapparat stehenden Text: Medien, Kultur: Medienkultur

    1. ein Sachverhalt, der so oder auch anders sein kann
    2. ein Sender, der darüber reden oder schweigen kann
    3. ein Empfänger, der die Mitteilung verstehen bzw. akzeptieren oder auch nicht kann.

Kommunikation verstärkt Selektivität.

 

4. Herbert Blumers Symbolischer Interaktionismus

Hierbei beziehe ich mich auf den im Semesterapparat stehenden Text: Der methodologische Standort des symbolischen Interaktionismus und werde nur dessen Grundgedanken skizzieren.


II. Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien

Grundproblem: Wie konstruieren Massenmedien die Realität? Nicht: Wie verzerren die MM die Realität?

Definition: Massenmedien sind alle Einrichtungen der Gesellschaft, die zur Verbreitung von Kommunikation technische Mittel zur Vervielfältigung benutzen. Grundlegend dafür ist, daß keine Interaktion zwischen Sendern und Empfängern besteht aufgrund der Zwischenschaltung von Technik.

 

1. Doppelung der Realität

  1. "reale" Realität der MM: ihre Operationen aufgrund ihrer Technologien; strukturieren und begrenzen die Möglichkeiten der Massenkommunikation. Diese "reale" Realität besteht in den sie durchlaufenden Kommunikationen.
  2. Im Sinne dessen, was für sie oder durch sie (die MM) für andere als Realität erscheint.

Die Tätigkeit der MM wird als Sequenz beobachtender Operationen verstanden, woraus sich ein Beobachten 1. Ordnung und 2. Ordnung (Beobachten von Beobachtern) ergibt.

Dieses 2-Realitäten-System kann zwischen Selbst-Referenz und Fremd-Referenz unterscheiden, wobei diese Unterscheidung jedoch systemimmanent bleibt.


2. Selbstreferenz und Fremdreferenz


3. Codierung

Definition: Codes sind Unterscheidungen, mit denen ein System seine eigenen Operationen beobachtet; binäre Codes strukturieren die Selbstbeobachtung eines Systems; durch binäre Codierung ergibt sich ein Ausschließungseffekt, der im ausgeschlossenen Dritten liegt ; Binäre Codierung zieht sequentielles Operieren nach sich, findet jedoch keine Entsprechung in der Umwelt, die Codewerte "positiv" und "negativ" beziehen sich systemimmanent auf die Anwendungen des Codes, die Unterscheidung "wahr/unwahr" besagt etwas über die Regel der Verfügung über diese Werte.

Der positive Codewert besagt etwas über die Anschlußfähigkeit von Operationen des Systems,

Der negative Codewert stellt den Reflexionswert dar.


4. Luhmanns 3 Säulen der Massenkommunikation
, Beschreibung von Programmbereichen der MM

a. Nachrichten und Berichte


b. Werbung

    Manipulation mit offenen Karten.

    Ziel: Geschmacksbildung bzw. Strukturierung des Begehrens; Stabilisierung des Systems von Redundanz und Varietät in der Alltagskultur.


c. Unterhaltung

Die MM sind Parasiten, die am Parasitentum ihrer Zuschauer parasitieren...

Ziel von a, b, und c : Voraussetzungen für weitere Kommunikation schaffen.


5. Der Mensch in den MM

    Die MM setzen den Menschen als soziales Konstrukt voraus: Konstrukt des kognitiven, mehr oder weniger informierten, entscheidungskompetenten, moralisch verantwortlichen Menschen.

    Gesellschaft wird verstanden als umfassendes System aller anschlußfähigen Kommunikationen


6. Die Konstruktion der Realität durch die MM


7. Die Realität der Konstruktion

    Die MM erzeugen eine nicht-konsenspflichtige Realität. Sie lassen die Illusion einer kognitiv zugänglichen Realität unangetastet.


8. Die Funktion der MM


III. Benutzte Literatur

  1. Niklas Luhmann, Die Realität der Massenmedien, Opladen, Westdeutscher Verlag, 1996
  2. Hans-Joachim Störig, Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M.,1992
  3. Die im Semesterapparat bereitgestellten Abschnitte aus: Niklas Luhmann, Die Wissenschaft von der Gesellschaft, Suhrkamp, 1992