| Keizan Jokin, geboren in der Provinz Echizen gilt
in der Soto-Schule als der “Große Patriarch” (Taiso) neben dem
“Hohen Patriarchen” (Koso) Dogen. Seine Mutter brachte ihn zur Erziehung
zu den Zen-Mönchen des Eiheiji. Mit 12 Jahren empfängt er von Ejo,
kurz vor dessen Tode (1280) die erste Mönchsordination. Bis zum Alter
von 17 Jahren bleibt er unter Leitung von Gikai im Eiheiji. Danach bricht
Keizan zu einer mehrjährigen religiösen Pilgerfahrt (1285-1288)
auf. Er besucht Männer verschiedener Richtungen auf, hauptsächlich
bemüht um die Zen-Meditation, der er sich im Kokyoji unter der Leitung
des strengen Jakuen bemühte. In Kyoto studierte er unter den Rinzai-Meistern
Tozan Tansho und Hakuun Egyo, beides Schüler des Enni Ben´en. Diese
Meister brachten wie Gikai eine erhebliche Beimischung aus dem Shingon in
die Praxis. Einen Besuch des Hiei-Berges benutzt Keizan zum Studium der
Tendai-Lehre, bevor er bei dem hervorragenden Kenner der Koan-Sammlung Mumonkan,
Shinchi Kakushin weilte. Eine große Erfahrung buddhistischer
Religiosität dürfte das Ergebnis dieser Reise gewesen sein und
Keizan für sein späteres Leben inspiriert haben.
Nach seiner Heimkehr in das Tempelkloster Daijoji macht Gikai ihn 1294 zu seinem Dharma-Erben. Keizan wird Gründerabt des Jomanji in der Provinz Awa bestimmt. Im Folgejahr, beim Besuch des Eiheiji, empfängt er von Hi´en die großen Bodhisattva-Gelübde. Auf dem Rückweg von einer Reise zum Tempel Daijiji begegnet er in Kyoto das erste Mal seinem späteren Schüler und Nachfolger Gasan Joseki. Im Alter von etwa 30 Jahren entwickelt Keizan eine rege Tätigkeit im Tempelkloster Jomanji, kehrt aber auf Wunsch des hochbetagten Gikai ins Daijoji zurück, wo er ab 1300 mit der Erklärung seines Werkes Denkoroku beginnt. Nach der Abdankung Gikai´s (1303) übernimmt er die Leitung des Tempelklosters Daijoji, welches unter seiner Leitung zu einem bedeutenden Zentrum des Buddhismus in den nord-östlichen Provinzen wird. Sein steigender Ruf bescherte ihm vermehrt Anhänger und Schüler, denen er sein Hauptwerk Denkoroku vorlegt. Keizan schreibt im Daijoji auch das “Merkbuch für die Übung des Zazen” (Zazenyojinki). Dieses Buch mahnt ebenso wie Dogens Anweisungen zum Zazen zur eifrigen Übung und erklärt, daß es beim Zazen um die wesentliche Geisteshaltung geht. Die Koan-Übung, als Konzentrationshilfe, hat einen wichtigen Stellenwert in Keizan´s Zen-Meditation. Das Zazenyojinki wird in der Soto-Schule bis heute hoch geschätzt und der Meditationspraxis zugrunde gelegt. Keizan verwaltet fast ein Jahrzehnt lang, zuerst zu Lebzeiten Gikai´s, das Tempelkloster Daijoji (1303-1311). Außer dem Denkoroku und dem Zazenyojinki verfaßt er die Schriften Shinjinmeinentei und Sankonzazensetsu. Er war überzeugt von der Notwendigkeit der Anpassung an den Zeitgeist und der Integration anderer buddhistischer Formen. Die Leitung des Daijoji übertrug er seinem Schüler Meiho Sotetsu (1277-1350). Er gründete dann das Jojuji, zu dessen Leiter er bald seinen Schüler Mugai Chikyo (gest. 1351) machte. Den Shingon-Tempel Yokoji baute er aus und wandelte ihn in ein Zen-Kloster um, in dem er mehrere Jahre wirkte. Aufgrund seiner freundschaftlichen Beziehungen zu dem Vinaya-Meister (jap. Risshi) Joken wurde ihm der Shingon-Tempel Shogakuji überlassen. Dieser Tempel, von Keizan in Sojiji umbenannt, wurde zu einem Haupttempel der Soto-Schule (1322), zum “Großen Hauptsitz” (daihonzan) im gleichen Range mit dem Eiheiji-Kloster. Im Jahre 1324 zog sich Keizan von der Leitung des Sojiji zurück und übergab die Leitung an seinen Schüler Gasan Joseki (1275-1365). Nach seinem Rückzug in das Kloster Yokoji verfaßte er noch kurz vor seinem Tode (1325) das Regelbuch für das monastische Leben (Keizan Shingi). Keizan´s Gebeine wurden auf die vier Tempel Daijoji, Yokoji, Jojuji und Sojiji verteilt und ehrenvoll beigesetzt. |