Archäologie in Sachsen-Anhalt
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Bodendenkmalpflege
3. Fortsetzung
Das spätrömerzeitliche Urnengräberfeld
Etwa 90 Prozent der geborgenen spätrömerzeitlichen Urnen sind Schalenurnen und können zeitlich in das 3. - 4. Jh. eingestuft werden. Die Keramik ist zum überwiegenden Teil entweder unverziert oder nur sehr nachlässig verziert. Alle Schalen sind mit der freien Hand gefertigt . Nur zwei Gefäße sind eindeutig mit der Drehscheibe hergestellt worden. Bei den handgefertigten Gefäßen konnte man sehr gut die Handschrift eines oder einiger weniger Töpfer erkennen. Sowohl Gestaltung, Form und Randausbildung sprechen für diese Deutung. Viele Schalen trugen vor allem am Boden deutliche Abnutzungsspuren. Dies spricht dafür , daß die Keramik nicht ausschließlich für Bestattungszwecke hergestellt wurde, sondern vorher anderweitig genutzt worden war. Bei einer Urne war eine Absplitterung am Rand sorgfältig mit Urnenharz geflickt worden. Alle Gefäße standen 35 bis 60 cm tief und unabgedeckt im Sandboden. Nur wenige Urnen standen tiefer , bis etwa 85 cm. Diese Grabkeramik kann nach Form und Gestaltung chronologisch etwas älter eingestuft werden (Ende 2.Jh.). Viele Urnen standen in Gruppen sehr eng zusammen und berührten sich teilweise sogar, ohne daß es aber zu einer gegenseitigen Beschädigung gekommen war. Diese Urnen standen aber meistens unterschiedlich tief, waren also nicht zur gleichen Zeit in den Boden gekommen. Daraus kann geschlossen werden, daß die Begräbnisstellen an der Oberfläche gekennzeichnet waren. Eventuell waren es Familien- bzw. Sippengräber. Nur einmal war eine ältere Urne durch eine jüngere Schale zerstört worden. Mehrere Schalenurnen standen unmittelbar neben bronzezeitlichen Steinpackungen, ohne diese jedoch beschädigt zu haben. Eine Schale stand direkt auf der Abdeckplatte einer Steinkiste. In drei Fällen wurden Leichenbrandhäufchen frei in der Erde liegend gefunden Die Behältnisse , wohl aus organischem Material waren vergangen. Brandgruben- oder Brandschüttungsgräber können hierbei ausgeschlossen werden. Etwa 80 Prozent der geborgenen Urnen enthielten Urnenharz, das zwischen den Leichenbränden lag, selten oben. Bei einigen Urnenharzstückchen konnten deutliche Zahnabdrücke, aber auch Fingerabdrücke mir gut erkennbaren Papilarlinien beobachtet werden. Andere Harzstücke waren würfelartig geknetet oder walzenförmig, mit spitzzulaufenden Enden, oder korkenzieherartig geformt. Durch die Einwirkung der Hitze stark deformierte Eisen- und Bronzefragmente sind wohl ehemalige Bestandteile der Kleidung der Toten, sind also nicht als Beigaben zu deuten. Entsprechend der Größe der Urnen - aber auch an der Menge und der Struktur der Leichenbrände , handelt es sich bei etwa 35 Prozent aller Gräber um Kleinkinderbestattungen. In mehreren Fällen konnten Doppelbstattungen in einer Urne festgestellt werden. Ebenso wurden in mehreren Fällen zwischen den Leichenbränden Tierknochenfragmente ( mit Sicherheit Kieferfragmente von Hunden) nachgwiesen. In 12 Fällen wurden Scheingräber gefunden, also Urnen ohne Leichenbrand. Diese Urnen enthielten aber immer Urnenharz und waren immer mit einer Steinplatte abgedeckt.
Literatur: H.Stahlhofen ( Auswahl )
Jungbronzezeitliche bis römerzeitliche Gräberfelder bei Loitsche,Kreis Wolmirstedt (Vorbericht über die Ausgrabungen 1968 - 1973).In: Ausgrabungen und Funde, Band 19 (1974). Zum Problem der Scheingräber auf dem Roten Berg bei Loitsche, Kreis Wolmirstedt. In Jahresschrift Kreismuseum Wolmirstedt 1982. Museumsfolge, Heft 6.Urnenharz - Relikt der Bestattungszeremonie oder kultbedingte Beigabe ? ( Interessante Untersuchungsbefunde an Leichenbränden vom Urnengräberfeld Loitsche. Kreis Wolmirstedt. ) In: Jahresheft Kreismuseum Wolmirstedt 1979, Museumsfolge Heft 5.
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TLAST UPDATE : 07.05.1999