Mein Name ist Robert Braun
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Ich bin ein Genie
Das Jahr 1999
Samstag, 9. Oktober 1999
Ich habe lange nicht mehr geschrieben....
aber oft zieht das Leben an einem einfach so vorbei und fragt werder
nach Sinn oder Zweck.
So will ich meiner Leserschaft zuliebe mit einem Flirtereignis
der letzten Zeit beginnen:
Ich befand mich auf dem Server eines Internetanbieters. Dieser
bietet Onlinechat mit Bildübertragung an. Das Programm das dafür
verwendet wird nennt sich "ivisit" und ist als sogenannte
Freeware unter http://www.ivisit.com jedem frei zugänglich.
Hier nun ein Ausschnitt der Phantasien meiner Flirtpartnerin :
Suedsee: Immer noch Frage: Warum Minus? Danach Antwort auf deine Frage.
MINUS MANN: Ich hatte es halt nicht immer sehr nett im Leben und fand sehr schnell den Sinnspruch meines Lebens....Das Leben , unendliche Qualen! Egal. Nun Du!
Suedsee: vielleicht.
MINUS MANN: Was vielleicht?
Suedsee: vielleicht flirten.
MINUS MANN: Würde mich freuen. Was für Typen suchst Du denn gerade zum Flirten?
Suedsee: hast du verbal was drauf? Laß mal hören.
MINUS MANN: Du auch? Sonst wird es einseitig...
Suedsee: fang an, dann entscheide ich. O.K.?
MINUS MANN: Ist mir zu anstrengend, hier den Animateur zu mimen . Entweder erst mal Frage und Antwortspiel zur Einstimmung oder........
MINUS MANN: Wie beginnst Du denn einen Flirt?
Suedsee: keine Ahnung. Bin glaube ich doch nicht in Stimmung, sorry
MINUS MANN: Doch etwa nicht in dem Du dasitzt und Dich vollquatschen läßt oder?
Suedsee: Gute Stories und gute Anmache höre ich gerne.
MINUS MANN: Schade eigentlich, Du scheinst mir eine recht nette, amüsante Frau zu sein.....
MINUS MANN: Danke Dir..... das macht wohl die ....
Suedsee: die was?
MINUS MANN: sag, Suedsee, nachdem wir uns ja anscheinend nicht trennen können, was bist Du für eine Frau?
MINUS MANN: Was begeistert Dich?
Suedsee: 170, blond, blaue Augen, oben deutlich mehr als um die Taille
Es begeistern mich Menschen die viel lachen ohne albern oder kindisch zu sein
MINUS MANN: Verrat mir Dein Alter ! Klingt gut Deine Beschreibung, ich schick Dir der Einfach halt halber ein Bild.....ok?
MINUS MANN: Ich habe eine Schwäche für Frauen mit einer DD Körpchengröße.....
Suedsee: meine e-mail hab ich gesperrt. sorry. zu viele scheiß Mails.
MINUS MANN: Schade
MINUS MANN: Willst Du ne Beschreibung?
Suedsee: ja
MINUS MANN: 183 groß, blond kurzhaarig, muskulös und nicht dick, harte Gesichtszüge, trage gerne dunkle Sachen (in der Freizeit hautenge Lederhosen), lese recht viel, stehe auf klassische Musik (aus dem Radio aber auch alles was mir gefällt - bis hin zu soul) .....und, und , und. Bin heute hier im Netz um gemütlich Rotwein zu trinken und mich mit einer Frau anzuheizen.
Suedsee: Was hast du jetzt an?
MINUS MANN: Eine dunkle Shorts (Unterwäsche) , ein weißes Unterhemd (Rippenshirt) und darüber ein schwarzes Oberhemd . Und Du?
Suedsee: enges t-shirt, enge Hose, keinen bh
MINUS MANN: welche Oberweite hast Du?
MINUS MANN: Maß?
MINUS MANN: Farbe der Hose?
Suedsee: Dein Gesicht findet viel Platz zwischen meinen Titten
MINUS MANN: Nett, wirklich anregend. Du gehst ja ran...
MINUS MANN: Rauchst Du oder trinkst Du am PC?
Suedsee: Frag doch nicht so viel!
MINUS MANN: Er wächst ja schon ..... bist du feucht?
Suedsee: Ich schau mal eben nach.... ups, da bildet sich schon ein Fleck.... öffne mal den Knopf und Reizverschluß.... Antwort: Ja, mein Finger gleitet ganz gut.....
MINUS MANN: Will ich auch hoffen, denn es wäre doch schade, wenn ich vor Dir komme oder?
Suedsee: Beschreibe mir deinen Schwanz!
MINUS MANN: Bin zu schüchtern...nun gut, will mir mal was ausdenken...hmmm... so müßte es gehen: Er ist dick, braun gebrannt vom letzten Urlaub, ca. 19.5 cm lang und der Mund geöffnet... beschreibe mir nun Deine.
Suedsee: Sie ist feucht und geil und braucht Füllstoff
MINUS MANN: Und die Hose rutscht schon, was? lach..
MINUS MANN: Moment .... muß mal auf Toilette... Pause!
Suedsee: Die liegt am Boden.......Hoffe mein Nachbar klingelt und fragt nach ner Tasse Salz...!!!!!!!!
MINUS MANN: Soll ich Dir ne Mail mit ner Klingel-klangdatei schicken?
Suedsee: Ja, das ist gut, besorg es mir richtig!!!!!!! ...aahhhhhhh
MINUS MANN: Deinem prallen und festen Hintern hat er bestimmt schon tausend Mal im Hausflur beglotzt...
Suedsee: ja, wünsch mir seinen Schwanz!!!!!!!! bitte!!!!!!!!
MINUS MANN: Oft hat er sich gewünscht, daß Du seine Freundin wärst...
Suedsee: ja, spiel nochmal die Klingel-datei!!!!!!!!
MINUS MANN: kommst Du? Ich glaubs ja nicht... gibts denn so was?
Suedsee: jjjjjjjaaaaaa
MINUS MANN: denke nicht............
Suedsee: Ich hol mir jetzt den Pflanzenbesteuber und spritz mir Wasser ins Gesicht!!!!!!!!
MINUS MANN: warte, warte......mhmmmmm......ok.........ja, ja, jaaaaaaa ahhhhhhhhhhhhhhhh
MINUS MANN: Pfffffffffffffffffffh....
Suedsee: Ich trinke jetzt das Blumenwasser und stell mir vor....
MINUS MANN: Das finde ich nett...... By
Tja und da endetete die Erzählung meiner Flirtpartnerin und auch
an dieser Stelle will ich meinen ersten Eintrag in diesem
Jahr beenden. Menschen gibts, man glaubt es nicht......
Freitag, 15. Oktober 1999
Mein Großvater war arm an gutgemeinten Ratschlägen aber
reich an Lebensweisheiten, die er mir alljährlich zu Herzen
trug. Ich erinnere mich noch daran, wenn auch in durch die
vergangene Zeit "geschönten" Bildern. Ich muß wohl so um die
12 Jahre alt gewesen sein. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich die Szene verschwommen vor mir. Wir saßen, Oppa und ick, auf der Hollywoodschaukel vor der weißen Laube im Garten meiner Großeltern und betrachteten zur Dämmerung den Brombeerstrauch in der hinteren Ecke des Gartens. Er, wie immer unrasiert und mit Beinprothese und ich im C&A-Siebzigerhemd mit scharf gezogenen, blonden Seitenscheitel. - Ja, so ungefähr muß es wohl gewesen sein..... -
Nun gut, ich fragte ihn also ab wann ich denn endlich ein Mann
wäre und vor allem: "Woran erkennt man einen richtigen Mann?".
Er nickte, denn er verstand, worauf ich hinaus wollte.
Er nickte eigentlich immer, wenn ich ihn etwas fragte.
Er nickte so, als ob er die Welt persönlich erschaffen hätte
und er sich in ihr allwissend, unerträglich langweilte.
"Erstens: Ein richtiger Mann hat Kinder. Nur Schwule und Trinker
haben keine Kinder. Das wirst Du eines Tages verstehen.
Zweitens: Ein Mann weiß, das es Zeit ist zu Handeln, etwas zu
tun, meine ich. Nicht immer heute aber spätestens morgen
und nicht erst übermorgen oder irgendwann mal.
Wer diese beiden Punkte erfüllt ist ein Mann. Kein Schwätzer,
Heimatloser oder Herumtreiber. Er rückt mit einem großen
Schritt auf, aus der Knaben- in die Männerwelt und alle
Lügen und Wirren haben ein Ende."
Dann schloß er die Augen, verstummte und lehnte sich zurück;
in die dicken, bunten Wattekissen der Hollywoodschaukel.
Als ich dann am Abend wieder zuhause war, notierte ich, vor dem
Schlafengehen in meinem Bett,
daß sich in der umgebauten Speisekammer der elterlichen
Wohnung befand, das Gehörte als Fazit des Tages.
Am unteren Heftrand - unter all den Liebesbeschwörungen
und Gedanken über meiner ersten Schwärmerei.
Eine entzückende junge, wilde Blonde, der an der rechten
Hand der Ring- und der Mittelfinger fehlten.
Samstag, 16. Oktober 1999
Ich war gerade in AOL und lud mir zwei neue Bildschirmschoner,
man hat ja gerne mal etwas Abwechslung, herunter.
Während ich wartend vor meinem Bildschirm saß, öffnete sich
klingelnd mein Telegrammfenster und in der folgenden viertel
Stunde ergab sich folgender Dialog:
IHO: wieso haben sie ein Tagebuch im Internet?
MINUS MANN: Hallo erstmal..
IHO: hallo
MINUS MANN: Tja, als ich mich 1996 für das Internetseitenbauen interessierte, wollte ich eine eigene Seite schreiben, die sich ständig ergänzt.
Da machte das Tagebuch doch Sinn...
IHO: aber es ist doch ein gläsernes Leben ,oder. auch wenn man keinen kennt der es liesst
MINUS MANN: Ich denke, daß wir alle ein gläsernes Leben führen
IHO: warum?
MINUS MANN: smile....moment...
MINUS MANN: Ganz einfach.....nehmen wir ich wollte alles über Sie wissen....ok? Was tue ich dann...?
MINUS MANN: Ersteinmal Ihr pseudo notieren ....dann Rechtsanwalt einschalten...
MINUS MANN: der macht eine Anfrage an AOL....
MINUS MANN: nun habe ich Ihren vollen Namen etc.
IHO: und das würden sie machen?
MINUS MANN: .... dann ist es nur eine Frage der weiteren Recherche und Sie sind gläsern
MINUS MANN: Wo sind wir denn in der heutigen Zeit nicht registriert?
MINUS MANN: Ich bin davon überzeugt , daß wir spätestens seit der RAF - zeit permanent überwacht werden
IHO: was heisst permanent überwacht und von wem
MINUS MANN: Nein das würde ich nicht machen.... um Ihre Frage zu beantworten....da fehlte mir das Interesse
IHO: das kann keiner, dass er jeden menschen überwacht
MINUS MANN: Doch ..... !!!
IHO: wie soll das gehn
MINUS MANN: kommunikationsmedien machen es möglich
MINUS MANN: sagte ich doch bereits
IHO: wenn es so wäre, dann würde ja jeder kleine jugendliche der cd.īs brennt irgendwie erwischt werden
IHO: doch es wird keiner erwischt
MINUS MANN: Ihre Kredit und sonstigen Karten registrieren jeden Einkauf, Ihre Telefonrechnung Ihre Kontaktpersonen.....und so weiter
IHO: naja vielleicht is das auch da interesse
MINUS MANN: Jeder kleine CD-Brenner ist uninteressant
IHO: ausserdem kann nur eine spinner das verlangen danach haben alles über alle menschen zu wissen
MINUS MANN: aber wäre überprüfbar
MINUS MANN: Tja, Spinner sind überall
IHO: stimmt
MINUS MANN: .... unsere Gesellschaft ist überflutet von Spinnern
IHO: mhhhh
MINUS MANN: Tja..... da macht mein Tagebuch nichts aus
IHO: was bring es ihnen??
IHO: dieses tagebuch
MINUS MANN: ....und seien wir mal ehrlich , die Leute wollen halt mal hören, wie der eine oder andere mit dem einen oder anderen Problem fertig wurde
MINUS MANN: Tagebuchschreiben ist wie Gedankensortieren
MINUS MANN: Malen ist wie Abreaktion
IHO: ja klar man könnte mit einem tagbuch in dem wirklich alles festgehlaten istviel geld verdienen
IHO: ja schon aber warum öffentlich
MINUS MANN: .... ich denke ALLES ist öffentlich..... man sehnt sich nach my home is my cassle... aber gibt es das ?
MINUS MANN: Muß mal auf Toilette moment
IHO: ja
MINUS MANN: Schreiben Sie Tagebuch?
IHO: mhh ih muss off also bye
IHO: ja
IHO: nett sie getroffen zu haben
MINUS MANN: schade
IHO: ich bin tobi 17 aus würzburg
IHO: cu
MINUS MANN: cu
Sonntag, 24. Oktober 1999
In den letzten Monaten errang ich kaum eine Stunde für mich.
So schrieb ich keinen vernünftigen Tagebucheintrag mehr.
Entweder bearbeitete ich unsere Agenturaufträge oder ich
widmete mich meiner,
nun schon 14 Monate alten Tochter, die nimmersatt um vernünftige
Beschäftigung bettelte. Das ist ihr gutes Recht und so
folgte ich ihrem Verlangen.
Erst jetzt, mit dem Fall der ersten Herbstblätter finde ich
wieder Zeit für mich.
So ging ich vor vier Tagen mal wieder in die Buchhandlung
und stieß auf ein Hörspiel,
daß ich an dieser Stelle meinen Lesern empfehlen möchte.
Vorbereitend sollten Sie darauf achten während des Hörens eine
gefällige Flasche trockenen Rotwein, Kerzen und Zigaretten
bereitzustellen.
Dann wenn das erste Glas gefüllt vor Ihnen steht und Ihr
Hörraum durch flackerndem Kerzenschein erhellt wird gilt es
sich in einem bequemen Sessel zu lehnen
und die erste von fünf Hörspiel-CD`s in den Spieler einzulegen.
"Einer dieser Meinungsforscher wollte mich testen,
ich genoß seine Leber mit ein paar Bohnen und dazu einen
ausgezeichneten Chianti." Es waren Aussagen wie diese,
mit denen der amerikanische Autor Thomas Harris in seinem Roman "Das Schweigen der Lämmer" so etwas wie den Prototypen des modernen Psychopathen entwarf.
Wer das Buch Anfang der Neunziger nicht las sah die gleichnamige Verfilmung 1991 im Kino oder wenig später auf Video. Ein Film der zurecht fünf Oskars gewann und in dessen Hauptrollen Jodie Foster und der Brite Anthony Hopkins spielten und den Zuschauer begeisterten.
Nun ist die Fortsetzung der Romangeschichte erschienen "Hannibal".
Als Buch und gelesener Hörversion für Rund DM 75,00.
So lehne ich mich in wenigen Minuten wieder zurück,
trinke einen kleinen ersten Schluck Wein und puste durchatmend
die erste Rauchschwade des Abends in die Flammen meiner vor mir
stehenden Kerzen, während ich mit der linken Hand die dritte CD
ins PC-Laufwerk einlege. Gleich werde ich die ersten
entspannenden Worte der heutigen Fortsetzung, gelesen von
der deutschen Synchronstimme Jodie Foster`s, genießen.
Wirklich empfehlenswert!
Nachschrift: Achtung! Ich empfehle dieses Buch ausdrücklich
NICHT für Kinder oder Menschen mit Alptraumallüren.
Nachschrift 2: Sommer 2000 soll der Film in den USA anlaufen.
Wobei nicht mehr J. Demme die Regie übernahm, sondern Ridley
Scott ("Blade Runner").
Mittwoch, 27. Oktober 1999
Es ist Abend und ich sitze müde vor dem Siebzehnzollmonitor.
Das Licht des Bildschirms scheint mir aufdringlich grell ins
Gesicht. Ich drehe meinen Kopf etwas nach Links und starre in
den großen IKEA-Ankleidespiegel, der an der Wand hängt.
Ein markantes Gesicht, schmale, leblose, intelligente Augen,
hervorstehende
Wangenknochen, scharf gezogener Mittelscheitel, abstehende,
dominante Ohren.
"Wir sind alle nur raffinierte Kohlenstoffverbindungen",
denke ich und lehne mich glotzend zurück.
Dann folgt ein kurzer Seufzer und ich wende mich,
die Tastatur des PC`s heranziehend, wieder der grellen
Lichtquelle zu.
Am Fuße des Bildschirms, vor mir auf dem Tisch, wippt einer
dieser Wettervögel, die aus einem Glas trinken.
Meine Hände stinken nach NIVEA-creme und mein Darmausgang
signalisiert Überfüllung.
Ein seltsames Gefühl, mit dem ich mich noch nie so recht
anfreunden konnte. Egal...., wo ist eine Zeitung? Ach da,
gut ..... dann will ich mal.
Erschöpft kehre ich zwölf Minuten später zurück.
Ich setze mich und drücke den "Ejekt-knopf" des CD-Players.
Nun noch ein Griff in die Schublade um Streichhölzer und die
Zigaretten bereitzulegen. "Gut", sage ich zu mir und trinke,
den Start- und danach den Lautsprecherstromknopf drückend, das
erste Rotweinglas mit einem Mundraum leer.
Dann zünde ich vier
Kerzen und eine Zigarette an, während aus dem PC-Lautsprechern
die Rede von einem gemütlichen Essen mit "Hannibal the cannibal"
meine Aufmerksamkeit weckt.
Freitag, 12. November 1999
Das Buch Hannibal habe ich natürlich mittlerweile aus. Ein in den Einzelheiten gut recherchiertes Werk, daß nur eine Frage offenläßt. Kann man einem Menschen tatsächlich bei lebendigem Leibe die Schädeldecke entfernen und vor seinem Ableben einen kleinen Gehirnlappen, egal wie man ihn dann auch zubereiten mag, entfernen?
Sei es drum....
Vor einigen Tagen erhielt ich eine Mail, dessen Adressat mir die Veröffentlichung gestattet, die ich in meinem Tagebuch festhalten möchte:
Hallo Robert,
erst mal danke schön für deine Mails. Ich werde deinen Ratschlag beherzigen,
meine Index-Seite noch etwas zu überarbeiten; ich habe mir eh schon wieder
einen neuen Aufbau meiner Seiten ausgedacht, muss mir aber erst ein paar
exzessive Alkoholika hinter die Birne kippen (lach). Habe heute in der
Arbeit deine Seite vorgestellt, insbesondere auch das Tagebuch des
unbekannten Verfassers und dein Chat-Tagebuch ī99. Meinen Kollegen sind die
Tränen in den Augen gestanden (Wein).
Ich muss aber auch hoppala sagen, denn anscheinend bist du gar nicht aus
Ingolstadt, wie ich es erst gedacht habe. Wenn Du mal versuchst, über meine
PLZ-Suche auf der Link-Page die PLZ 85049 (für Ingolstadt) einzugeben, wirst
Du sehen, dass Du (und auch noch ein Robert Braun) dort verzeichnet bist
(Hast du dich fleißig in alle Städte eingetragen, oder ist das ein Fehler
von Dino-Online?!?). Na ja, so wirdīs vorerst wahrscheinlich nix mit dem
Bierchen, aber vielleicht komme ich ja mal doch in Berlin vorbei (war ja
schließlich noch nie dort), und dann gibtīs ja noch immer die Möglichkeit
auf ein Treffen.
Jetzt zu mir: Meinen Namen kennst du ja bereits; ich bin 23 Jahre alt und
arbeite in Ingolstadt in einem Notariat. Der auf meiner Page genannte
Musiker und Notarassessor Dr. Fahr ist übrigens mein Vorgesetzter, und
"Meiers Welt der Ekstase" bearbeitet ein Arbeitskollege von mir. Privat lebe
ich noch gemütlich bei meinen Eltern (und auf deren Kosten) in einem Vorort
von Ingolstadt namens Lenting, der (zumindest in Bayern) bekannt ist durch
seine Autobahnausfahrt (und die ewigen Staus), seinen Bundeswehrübungsplatz
und den sagenhaften Ausblick auf die Ölraffinerien und (zukünftig) die ICE
Neubau-Strecke München-Ingolstadt-Nürnberg (und vielleicht -Erfurt). Ich
lebe sozusagen eingekesselt zwischen Autobahn-, Geschütz-- und Eisenbahnlärm
und Gestank, aber mir gefällts.
Ich habe mir jetzt einmal ein paar Stunden (ich glaube es waren 2 1/2) die
Zeit genommen, deine Seite komplett durchzulesen. Was ich wirklich
interessant fand war, dass du dich eigentlich während der Jahre nicht oder
nur kaum verändert hast - Kaffee und Whisky (welche Art Whisky bevorzugst du
denn eigentlich - ich trinke am liebsten Bourbon) scheinen deine
Lieblingsgetränke geblieben zu sein, und deine Stammkneipe hast du ebenfalls
nicht gewechselt (sonst wärīs ja auch nicht deine Stammkneipe). Für den
Leser deiner Seiten, der nicht aus einer Großstadt kommt (obwohl Ingolstadt
von Gesetz wegen jetzt auch schon Großstadt ist) wird vielleicht auch der
Unterschied zum Leben "auf dem Lande" klar (siehe Demonstrationen). Negative
Auswirkungen sind also - durch den Laien betrachtet - nicht zu erkennen.
Auf jeden Fall gefällt mir deine Seite sehr gut, und ich hoffe, ich höre
wieder was von dir!
In diesem Sinne
"Nicht überarbeiten - auch mal genießen" wünscht Dir
Christian Tauer
Samstag 20. November 1999
Ich liebe die Nacht. Durch Berlins Strassen zu gehn. Die Gerüche, die Lichter....
Manchmal hat man das Gefühl, man begegnete sich selbst.
Sonntag 21. November 1999
Ehre sei dem zuteil, der sie verdient.
So las ich folgende Mail (Veröffentlichung im original kopiert....
ich bin also unschuldig an der Rechtschreibung!!!!) heute:
Hallo Robert,
du hast sich für den Webring "Kluge Seiten" beworben.
Es tut mir leid, dich ablehnen zu müssen, aber der Webring ist gedacht für Seiten, die Information
zu Hochbegabung anbieten, und nicht für die Website von Hochbegabten und Genies.
Deine Site hat mir persönlich recht gut gefallen, die Idee eines Tagebuchs per Internet ist mal was
neues. Ich habe sogar ernsthaft überlegt, dir meinen Award zu verleihen, aber dazu gefällt mir das
Seitenlayout zu wenig. :-((
Außerdem ist mir etwas abgegangen: heuer im Oktober schreibst du von deiner 14 Monate alten Tochter,
ich habe also zurückgeblättert in den Sommer 1998, wo ich mir zumindest einen Eintrag zu ihrer
Geburt erwartet hätte, aber da war gar nichts. Das hat mich persönlich ein wenig enttäuscht.
Nix für ungut
Karin
Donnerstag, 25. November 1999
In Berlin ist es saukalt geworden in den vergangenen Tagen.
Ich nutzte deshalb die letzten Tage um den "Wie organisiere ich eine Veranstaltung -
Veranstaltungsleitfaden" durchzuarbeiten, danach ins HTML-Format
zu setzen und darauffolgend meine Startseite mit einem Link auf die
selbige Arbeit zu erweitern.
Auf einem dieser Flyer, die wir so oft in unserem Briefkasten
vorfinden, stand am Montag, daß es ab dem 26.11.1999
bei Kaiser`s Lebensmittelladen den Videofilm MATRIX für
DM 29,90 als Sonderangebot geben soll. Obwohl ich nicht
unbedingt ein Videofilmsammler bin, denke ich mir den Film
morgen zu kaufen. Besonders, weil ich finde das dieser sehr gut den
"den kulturellen Verstand" und das "geistige Bewußtsein"
unseres Landes bei Beendigung dieses Jahrhunderts wiederspiegelt.
Da ich sowieso für meine Tochter (ihre Internetseite ist in Arbeit)
"Jahreskisten" (mit den highlites der entsprechenden Jahre gefüllte
Postpakete) anlege, denke ich neben Sonnenfinsternisbrille aus
08/99, Der Spiegel (Magazin) kommentiert Gerhard Schröder`s (derzeit Kanzler)
Rettungsaktion der Holzmann AG (derzeit Baukonzern)und den
Verschandlungsarchitekturplänen der Bauten im Berliner Centrum
(Potsdamer Platz) auch dieses Video neben zwei weiteren beizulegen.
16.30 Uhr. Komme gerade aus der Metro Spandau (Großeinkauf für
Gewerbetreibende) und fand es unverständlich, daß man dort
zwar für gut DM 2000,00 einen Kopierer kaufen kann, aber nicht
die Farbkassetten für den selbigen.
Naja, zum Glück noch J&B da. Sobald meine Tochter heute gegen 19.00 Uhr
schlafen wird, werde ich mich zurücklehnen und schreiben oder lesen.
Freitag, 26. November 1999
12.00 Uhr. Sophie schläft und ich arbeite. 13.10 Uhr Sophie
träumt noch immer und so lege ich den Videofilm MATRIX
in den Rekorder.
14.20 Uhr Sophie wacht auf und schenkt mir mit strahlenden Augen ein
bezauberndes Lächeln. Ich greife das Telefon und hinterlasse
Trinity und Morpheus eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter.
Warscheinlich wird aber, wie oft zuvor, nichts aus Vorschlag
zu einem gemeinsamen Spieleabend hier bei uns und so werde ich dann
um 19.40 Uhr im Green Door sitzen und mir den gestern versäumten aber
wohl verdienten Whiskey gönnen.
Also macht Euch auf und leistet mir Gesellschaft, wenn Ihr wollt
(Green Door, Winterfeldstraße Nahe Winterfeldplatz,
Berliner Bezirk Schöneberg). Bis gleich.....
19.49 Uhr. Nun sitze ich hier an der Bar. Den zweiten Hockerplatz Nahe der Tür eingenommen bestelle ich mir ein Glas Rotwein. Eine seltene Bestellung, für mich hier und jetzt, denn für gewöhnlich ist es Whiskey. Aber nach einem staubigen Tag und zu dieser Musik (sie spielen New- Orleans-Jazz) scheint mir meine Wahl passend. Wenig später, ich habe gerade begonnen zu schreiben und zünde mir in Gedanken versunken meine erste Zigarette an vernehme ich die Stimme eines Bekannten Nahe des Eingangs.
Ich drehe mich um und man zwinkert mir zu. Drei Bekannte (Aller guten Dinge sind drei) aus ferner Zeit haben an einem Tisch unweit des Tresens Platz genommen. Einer steht auf nickt und streckt mir die Hand entgegen. Begrüßung - dann nehme ich den einzigen Stuhl ein, während sie sich die Eckbank teilen. Die drei bestellen Cai Pirinha und plaudern wild Belangloses. Ich versuche mich anzuschließen - versuche etwas, mit möglichst viel Inhalt zu sagen, aber es mißlingt.
Schade, denke ich, hätte mich gern unterhalten, aber manchmal hat das Schicksal Schweigen verordnet und dann hört man einfach nur Wein trinkend zu. Sie reden über alte Zeiten und halten sich die Bäuche. Viele Details, mittlerweile schon vergessen, wurden fantasievoll schöngedacht und ergänzen in "neuem Glanz" die Erinnerungen.
Ich schaue nur und verstehe nichts. Ich komme mir vor wie auf einer unserer Jugendveranstaltungen des letzten Monats. Man sitzt da, zwischen "Suchenden" und findet keinen Bezug mehr zu Ihnen. Schaut sie an und sieht sie nicht....
Ich bin einfach zu alt. Zu alt - und jetzt bitte nicht lachen - um in Erinnerungen zu schwelgen. Und zu alt um zu lachen. Mein Großvater sagte immer, nur unglückliche reden über alte Zeiten, sei es drum.
Wenn ich uns hier so sitzend anschaue, sehe ich vier Männer im Anzug. Alle vier brauchen dringend einen Neuen - das erkennt hier jeder in der Bar - und das ist mir fast peinlich. Ehre hat an diesem Tisch keinen Wirt.
Dann gegen 21.10 Uhr zahlen meine "Gesprächspartner" und nehmen ihre Mäntel. In die Spielbank wollen sie noch, am Potsdamer Platz.
Zum Abschied drücken wir die Hände und man signalisiert mir den Wunsch alsbald auf meiner Internetseite über diesen Abend lesen zu können. Bedauerlicher weise schlug ich bejahend die Lider.
Ich bleibe zurück, recke meine Arme weit über dem Kopf und atme durch - Hermann der Barmann schaut herüber und ich winke mit dem leeren Weinglas durch den zigarettenverqualmten Raum.
Montag, 29. November 1999
Mit einem Schmunzeln, las ich heute diese Mail an mich.
Guten Morgen.....
bin immer noch nicht im Bett...LOL....hilf mir mal...
zieh mir mal die Kleider uas..heheheh aus..meinte ich
also..hier ist dann mal ne Phantasie von mir...hmmmmm
Hotel Am Bahnhof.......8.11.2000
Zuerst muessen wir uns ja mal begruessen....mit Sicherheit werde
ich wohl mit meinen Haaren spielen, weil ich ja nervoes bin....:-)
"Hallo Robert".......smile..."Hallo Petra" ..smile
eine Umarmung.....man Du fuehlst Dich gut an....und du duftest gut.....bin ganz nervoes jetzt......
also weiter dann.....naja.......zuerst mal Small-Talk......wie war
die Anreise.....Bist Du geschockt?
NOE!!!!!!!!! Habe mich ja so gefreut auf unser erstes Treffen...
:-)
Jetzt werden wir dann mal ein wenig plaudern......ueber alles was
uns so einfaellt......
Ich spiele mit den Zigarretten auf dem Tisch........bin verlegen.
So...jetzt mal ein Glas Wein.....rot fuer mich..und Du?......
Der Wein lockert mich dann ein wenig...laechele Dich an....:-)
Du streichelst meine Hand zaertlich....ich habe den Bauch voll mit
Kribbeln.....ich moechte Dich jetzt gerne kuessen...
aber werde warten...Ich schaue Dich an.. traeume von Urlaub mit
Dir...Haende halten.....Kaminfeuern,
..Jetzt gehen wir mal was essen..ja?....Erst noch aufs Zimmer
..muessen uns ja umziehen.
sobald wir im Zimmer sind......entscheiden wir uns
unser Abendmahl aufs Zimmer zu bestellen.
Will mit Dir alleine sein fuer ein paar Stunden....
Du bestellst...ich zieh mich mal um..ok?
Verschwinde ins Badezimmer.....erscheine nach ein paar Minuten
wieder....gefaellt Dir mein Dessous?
Habe ich extra fuer Dich gekauft.....ein schoenes Pastell gruen..
..Satin und Spitze...seh ganz unschuldig aus...:-)
Du nimmst mich in den Arm....drueckst mich ganz fest an Dich...
Ich bin jetzt hungrig...nicht aufs Essen....moechte ein paar
bissen von Dir.....kuesse dich zaertlich auf Deine Lippen...
meine Lippen sind sehr sanft.....meine Lippen oeffnen sich
langsam...muss ja erst mal klar machen, dass du das auch willst...:-)
Deine Lippen oeffnen sich...unsere Zungen spielen Katz und Maus...
..ES KLOPFT AN DER TUER..MIST!!
Hier ist unser Essen.....ich habe Kalbsfilet mit frischen Pilzen..
und Du?....denke mir Rinderlende mit frischem Gemuese.....
Willst Du ein Bissen von meinem Essen?....Ich fuettere Dich...
wir lachen, weil die Sosse auf dein Kinn getropft ist....
Du greifst nach der Serviette........ich nehme Deine Hand....
"Nein": sag ich, "Lass mich mal..."
komme um den tisch rum...setze mich auf Deinen Schoss und kuesse
die Sosse zaertlich von Deinem Kinn...
"So sauber.......":-)"..Weiter essen?"
Ich bin nicht mehr hungrig..und ausserdem haben wir ne
Mikrowelle im Zimmer...koennen wir ja spaeter dann waermen....
Du entschuldigst Dich...gehst ins Bad.....
ich spiele mit meinen Haaren.....
Die Tuer oeffnet sich....und da stehst Du dann.....
ohne Hemd.....Hose aber noch an....
macht nichts..:-)
wir sind beide ein wenig verlegen.......
Ich sitze immer noch auf dem Bett......aaaaaaahhhhhh jetzt
kommst du naeher...Du stehst vor mir...
langsam beugst Du dich zu mir herunter...
jetzt bist Du in der Hocke......schaust mir in die Augen.....
hmmmmm machst mich verrueckt damit.....ich sage.....
"Oh Robert..ich bin ja so froh dass ich Dich endlich mal richtig sehen kann
.....dass ich Dich anfassen kann.."
Du laechelst......nimmst mich in deine Arme
...hmmm Dein Koerper ist so hart...doch trotzdem sehr sanft...
Alles um mich herum ist vergessen..nur noch ich und Du zaehlen....
ich schmiege mich and Deine Brust...........langsam lassen wir
uns auf das Bett fallen....erst mal will ich Deinen Hals kuessen
.....hmm..knabbern am linken Ohr.....meine Haende spielen mit
Deinen Haaren......ich streichele
Deine rechte Wange.....
lleise....sanfte Musik spielt im Hintergrund......
hmmmm wo war ich denn?........
Ach ja.....streichele zaertlich Deine Wange waehrend ich an
Deinem Ohr knabbere....oh wie heiss es jetzt ploetzlich ist.....:-)
Wir kuessen uns,,,,,....sanft erst......ich spiele mit
Deinen Lippen...meine Zunge
leckt sanft ueber Deine Lippen....hmmm du schmeckst ja gut.....
Jetzt werden unsere Zungen sich beruehren.....erst langsam....
dann wilder....und dabei spiele ich mit Deinen Haaren......
ich raekele mich im Bett....gehe in die Knie..
nehme Deine Haende..fuehre sie an mein Oberteil....
hilf mir mal .....ausziehen.
Meine Brueste sind voll und die Brustwarzen hart.....
ich nehme Deine Haende und fuehre sie zu meinen Bruesten......
ich strecke mich..biege mein Kreuz ganz durch..
Du massierst meine Brueste...hmmm fuehlt sich ganz toll an....
Mittlerweile bin ich ganz scharf.....sitze mit gebreitenen
Beinen auf Deiner Huefte....
Fuehle wie hart Du bist.....Zieh die Hose endlich mal aus...
ich knoepfe Deine Hose auf...mach den Reissverschluss auf.....
helfe Dir beim ausziehen. Leg dich nochmal zurueck......
ich will Deinen ganzen Koerper kuessen...
beisse Dich zaertlich ....Deine Hueften......Dein Bauch.....mmmmmm....
Du greifst nach meinem Kopf.....willst das ich IHN verwoehne...
ganz zart spielt meine Zunge mit IHM......Du bist ganz hart.....meine Lippen orffnen sich.....langsam gleiten sie ueber IHN.........dabei schau ich Dir in Deine Augen.....
Du stoehnst leise......ich werde dadurch um so schaefer.....
sauge an IHM......meine Haende streicheln Deine Beine......
Kannste gerne veröffentlichen...hab ich kein Problem mit....MEHR?
Find ich unheimlich anregend wie ich Dir hier schreibe....:-)
![[IMAGE]](Petra.jpg)
:-)
Dienstag, 30. November 1999
Also mal ehrlich: Das Thema Rettung des Bauunternehmens Holzmann
AG, das sich durch schlechtes Management und Mißwirtschaft in
den Ruin wirtschaftete, durch den Kanzler Schröder, geht mir
nicht mehr aus dem Sinn.
Erst killt die AG über Jahre hinweg mittelständische
Konkurrenzunternehmen durch u.a. aggressives Preisdumping.
Das Management scheint dieses auch permanent wild zu feiern
und das Geld zum Fenster raus zu werfen, und dann geht die AG
pleite, und unser Kanzler kommt daher und bürgt mit den Geldern
des Volkes gegenüber den Banken, um die Holzmann AG zu retten.
Wohl um Arbeitsplätze zu erhalten, was? Das ich nicht lache,
denn:
1. Was ist aus dem guten alten Wettbewerb geworden?
Abgeschafft? Oder war der womöglich gar nicht so gut und wird
passend dem Euro zugeschnitten?
2. Bisher galt, der Konkurs durch Mißwirtschaft immer als
Abschreckung für den Wettbewerb. Wer also in Zukunft Geld macht,
wird alles beiseite schaffen und bei Erwartung des
betrügerischen Konkurses einfach 'nen Hilfebrief an die
Regierenden schicken. Dann, wenn Hilfe naht, heult der Loser
ein wenig in die Fernsehkameras, gönnt sich am selben Abend noch
einen Champagner im nahegelegenen Puff um die Ecke, lacht
sich den Rest der Nacht über so viel Dummheit seiner
Staatsführung tot und verhandelt am nächsten Morgen mit
Restalkohol im Blut seine Rücktrittsabfindung.
3. Wer kam eigentlich auf den Gedanken, daß Arbeitsplätze
gerettet werden? Quatsch, sage ich, denn das Bauvolumen bleibt
doch das Gleiche. Oder glaubt denn wirklich jemand, daß an den
Bauprojekten etwa alle Bauarbeiten eingestellt bleiben.
"Natürlich nicht", Herr Kanzler, "die Mittelständler würden
da eine Chance zum Weiterbau erhalten, wo die Holzmann AG
aufhörte". "Aber die mittelständischen Unternehmen fördern wir
ja nicht, was?". "Die spenden ja sowieso nichts den Parteien,
was?". Die Nummer hätte von Herr Kohl (Ex-Kanzler) sein können,
der sich gut mit Spendengeldern auf Auslandskonten für
Schwarzgeschäfte auskennt.
Montag, den 06. Dezember 1999
06.02 Uhr aufgestanden.
In meiner Nachruhe, - ich bin gestern um 21.30 Uhr zu Bett - ,
paarten sich heute gewohnte Schlafstörungen mit den
"Nach MAMA-und- PAPA-schreien" meiner, wohl durch einen Alptraum
(den sie anscheinend in Kapiteln träumte) immer wieder
aufwachenden Tochter. So reckte ich mich um einige Male mehr
als gewohnt an diesem Morgen und bat meine Kaffeemaschine
um starken Kaffee.
TiP: An einem solchen Morgen, empfiehlt es sich erst einmal in
den Badezimmerspiegel zu sehen und sich mit eisigem
Leitungswasser zu erfrischen, bevor man seiner Frau den ersten
Kuß gibt.
11.09 Uhr. Bin gerade vom Lebensmitteleinkauf zurück gekommen.
Draußen schneit es. Auf dem Rückweg von Kaiser`s unweit unserer
Wohnung am Fußgängerkreuz rutschte ein Rad von Sophies
Kinderwagenachse. Ich hob also meine 15 Monate alte Tochter aus
dem Wagen, legte das Rad in das Sitzkissen und ging Händchen
haltend in winzigen Schritten in Richtung Heim.
Diese zweihundert Meter legten wir in "gut und gerne" 21 Minuten
zurück. Und das bei eisiger Kälte von 5 Grad Stadttemperatur
(in der Stadt ist es ja meist wärmer...) und den ersten dicken
Schneeflocken, die zu Tausenden durch die Luft wirbelten.
Nun sitze ich hier in der warmen Wohnung, trinke leckeren
Bohnenkaffee und reibe mir fünf minütlich die Augen - immer in
der Hoffnung, daß mein Linkes endlich zu zucken aufhört.
Meine Tochter sitzt am Boden und rupft die Briefumschläge
unserer Tagespost auf.
Na mal sehen, was uns der Nikolaus heute noch so beschert.
Donnerstag, den 23. Dezember 1999
Letztens auf einer Veranstaltung ließ ich mir von einem
Sanitäter der Malteser, die wir aufgrund ihrer hohen
Zuverlässigkeit und überdurchschnittlichen medizinischen
Grundkenntnisse gerne buchen, einer dieser kleinen
Plastikspritzen (Inhalt 3ml) schenken.
Vorhin fand ich sie in meinem dunkelblauem Jackett,
in der rechten Innentasche.
Ich bevorzuge Anzüge, deren Jacketts beidseitig Innentaschen
bieten.
Nun gut, jetzt sitze ich hier nach dem dritten Rotweinglas
vor meinem treuen Rechner, plaudere nach getaner Arbeit
in AOL mit zwei Leuten gleichzeitig und ziehe mir mit der
Spritze in Abständen 3ml Rotweinladungen auf, die ich dann
zielgenau in den Rachenraum spritze.
Freitag, den 24. Dezember 1999
Hebe Deine Augen auf und Du wirst die Sterne sehn, lautet ein
Sprichwort, an das ich oft zur Weihnachtszeit denken muß.
Ich stehe dann oft für Minuten regungslos in der klirrenden Kälte
irgendwo in Berliner Innenstadt und hebe meinen Kopf zum Himmel.
Das sind wenige Minuten der Entspannung, die ich alljährlich
genieße. Dann frage ich mich, was ich hier eigentlich verloren
habe auf dieser Welt. In dieser Welt, die doch so hilflos
erscheint, gegen Mißgunst, Lug und Trug.
Samstag, den 25. Dezember 1999
Ab einem gewissen Alter gibt es nicht mehr viel Dinge
die einen Beeindrucken.........
so lächerlich das auch klingen mag.
So habe ich mir Interesses halber angewöhnt im Rahmen
jedes Erstgespräches mit einem Kunden, der sich nichts
sehnlichster wünscht, als für ein paar Stunden bei seinen
Gästen oder wen auch immer er beeindrucken will, das Tagesthema
zu sein, folgende Frage zu stellen:
"Darf ich Sie fragen, was Sie begeistert?
Sagen Sie, was erweckt Ihre Bewunderung?"
Für diese Fragen nehme ich mir, meist an Lackt- oder
Wurzelholztischen sitzend mit einer Flasche Wasser zu
meiner Rechten, Zeit. Sowohl indem ich vorher eine lange
Sprechpause einlege, als auch für die Betonung meiner Worte.
Dann während mein Gegenüber aufrecht sitzend im
Nadelstreifenanzug seinen Blick in Gedanken senkt, lehne
ich mich zurück und schaue mit interessiertem Blick und
wette mit mir selbst.
Ich erhielt bisher vier Arten von Antworten:
1. Er antwortet; mich fest und freundlich anschauend:
" Nein, Herr Braun. Ich denke, da gibt es eigentlich nichts
mehr. Nicht, das mir etwas einfiele."
2. Er antwortet; zurück lächelnd und ausweichend:
" Tja, Herr Braun. Ich dachte, daß wäre Ihre Aufgabe?
Deshalb sitzen wir ja nun hier."
3. Er erzählt kurz und prägnant von einer Veranstaltung,
die angeblich einer seiner Geschäftspartner miterlebte
und von der er ihm, wahrscheinlich aus mangelndem
Gesprächsstoff, während eines Geschäftsessens erzählte.
4. Er antwortet, mich mit leicht geneigtem Kopf von unten herab
fixierend:
"Herr Braun, eine schwere Frage. Da brauche ich Zeit
zum Nachdenken. Aber eigentlich möchte ich darauf gar nicht
antworten. Und, wie ist es bei Ihnen?"
Es ist erstaunlich, wie klar man immer noch erkennt,
wenn man belogen wird. Zumal man meinen möchte, daß
der gegenüber keine Lüge nötig hätte.
Sonntag, den 26. Dezember 1999
Eben erhielt ich eine Mail mit der Bitte um Börsenempfehlungen.
Schmunzelnd antwortete ich.
"Sehr geehrter Fan, vorab Frohe Weihnacht!
Entscheiden müssen Sie selbst, aber eine Antwort bleibe ich
prinzipiell nie schuldig.
NOKIA
oracle
aol bei 78
Bank International Indonesia, über 3 Jahre
cmgi 36 pl,us. Da steckt REAL hinter. Ansehen
nordasia.com, WKN 979 217.
Kommt im Januar 2000 auf den Markt für 105 Euro
,als Font für mind. 6000,00 DM Anlage über 3 Jahre.
Wal-Mart
H&M
Guten Rutsch noch!"
Sylvester, den 31. Dezember 1999
Die letzten zwei Wochen waren sehr anstregend.
Von Magenvergiftung bis Grippeinfekt waren alle Kurzzeiterkrankungen
in meiner Familie vertreten. So verbrachte ich die Weihnachtstage,
ohne Gänsebraten und Baum, Kranke pflegend und arbeitend.
Heute werde ich wieder arbeiten, möchte aber trotzdem hier
meine Empfehlungen fürs Katerfrühstück loswerden:
Vollblau vor dem Schlafengehn, unbedingt eine Vitamin C Kapsel und
eine Vivimed Kopfschmerztablette schlucken.
Am 01.01. dann:
Nach dem Aufstehn: 2 Alka Seltzer mit 3 Tequila auflösen und trinken.
Danach duschen und übergeben.
Gegen 13.00 Uhr: 4 rohe Eier in 1 Glas O-Saft verrühren und runter damit.
Um 16.30 Uhr: Hühnerbrühe mit Salz und Pfeffer würzen.
Vitamin C Kapsel und 1 Messerspitze Meerettich mit ein wenig Wodka unterrühren.
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