
Die vierbeinigen Helfer - der Deutsche Schäferhund als Diensthund der Polizei Rainer Voltz
Dank ihres ausgeprägten Wahrnehmungs-, Geruchs- und Hörvermögens sind Hunde -trotz aller Technik- auch heute noch unverzichtbare Helfer der Poizei. Hunde werden meist dort eingesetzt, wo menschlichen Fähigkeiten natürliche Grenzen gesetzt sind oder wo technische Geräte und Hilfsmittel nicht ausreichen. In Deutschland sind derzeit knapp 5.000 Diensthunde im Einsatz. Ob im täglichen Streifendienst oder bei Großeinsätzen, ob bei der Suche nach Vermissten, Straftätern, Rauschgift oder Sprengstoffen: Die Diensthunde in der Polizei leisten einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit der Bürger.
Diensthunde sind bei uns Bürgern auch gerne gesehen, populär ja vielfach beliebt, wie uns beispielsweise der derzeit erfolgreichste TV-Vierbeiner Kommisar Rex dokumentiert. Umfragen haben bestätigt, dass beispielsweise Polizeistreifen mit Diensthunden ein Gefühl zusätzlicher Sicherheit vermitteln. Besonders zur Nachtzeit wird von den Bürgern immer wieder eine Verstärkung der Streifentätigkeit mit Polizeihunden gewünscht.
Geschichtlicher Rückblick
Obwohl zu den ältesten Haustieren gehörend, wird der Hund bei der Polizei in Deutschland erst seit rund einhundert Jahren eingesetzt.
Erstmalig in Literaturberichten erwähnt, werden sogenannte Schiffspolizeihunde im Jahre 1155 in der französischen Hafenstadt Saint Malo. Damals waren dieses Doggenhunde, die nach Einbruch der Dunkelheit und nach dem Schließen der Stadttore als Wachhunde in der Stadt frei um her liefen. Sie verhinderten so, dass die Randalierer plündernd durch die Stadt zogen oder dass in die Wohnungen oder Häuser eingebrochen wurde. Dieser "Wachdienst" dauerte ca. 650 Jahre, bis 1770 ein junger Marineoffizier nach Torschluss in die Stadt wollte und von den Schiffspolizeihunden überrascht und zerfleischt wurde. Daraufhin ordnete das Gericht die Vergiftung aller Wachhunde an.
In England gab es die ersten Polizeihunde bereits 1816, deren vornehmlichste Aufgabe es war, Whiskyschmuggler aufzuspüren und zu stellen.
Die Geschichte der Polizeihunde in Deutschland ist kürzer. Erst im letzten Jahrhundert duldete man es bei der Polizei, dass Gendarmen ihre eigenen Hunde mit auf die Fußstreife nahmen. Obgleich es hinlänglich bekannt war, daß gerade Hunde hervorragend zur Durchführung verschiedener Polizeiaufgaben geeignet sind.
Im Jahr 1896 wurde in Hildesheim das Polizeihundewesen aus der Taufe gehoben. Ein wenig später wurden auch in den Städten Schwelm und Braunschweig die ersten Hunde im Polizeidienst verwendet. Zu dieser Zeit wurden die Polizeihunde in der Bevölkerung nur belächelt, wohl deshalb, weil es sich fast ausschließlich um Mischlinge oder Kleinsthunde handelte.
Erst im Jahre 1902 machte die Deutsche Dogge Cäsar positive Schlagzeilen. Bei dem Großbrand des Rathauses in Schwelm, konnten eine Vielzahl von Polizeibeamten die schaulustigen Menschenmassen, die die Löscharbeiten behinderten, nicht abdrängen. Erst als Cäsar zum Einsatz kam, konnten die Löscharbeiten beginnen, weil er durch sein Bellen und Zähnefletschen die Leute zurückdrängen konnte. Nach diesem Erfolg wurde das Polizeihundwesen endgültig zu einer Einrichtung in der deutschen Polizei. Im gleichen Jahr wurde der deutschen Öffentlichkeit in Hagen/Westfalen auch die erste Polizeihundeprüfung präsentiert.
Die Geburtsstunde des Deutschen Schäferhundes
Zu dieser Zeit versuchte man auch eine Hunderasse zu züchten, die sich für die spezielle Arbeit der Polizei besonders eignen sollte. Die Zielvorgaben zur Züchtung machte der königlich preußische "Rittmeister von Stephanitz" Ende des worigen Jahrhunderts. Er wollte einen Hund züchten, der besonders zur Spurensuche geeignet, eine hohe Schärfe und einen überdurchschnittliche Lernfähigkeit aufweist.
Quasi am Reißbrett entwarf er den Typ eines mittelgroßen Hundes, der durch hohe Belastbarkeit und Arbeitsfreude zum Gefährten und Helfer des Menschen werden sollte. Mag sein, es war zunächst reine Philosophie, aber sie wurde innerhalb weniger Jahre in die Realität umgesetzt und gab den Anstoß für die Entwicklung einer Hunderasse, die heute weltweit ihresgleichen sucht.
Einsatzbereiche der Polizeihunde heute
Schutzhunde
Spürhunde
Der erste Deutsche Schäferhund hieß "Horand von Grafrath", der die Vorstellungen von Stephanitz nicht nur erreichte, sondern weit übertraf.
Der weitbekannte Hundefachmann Stephanitz, der auch der Gründer und erste Vorsitzende des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV) war, hat bewusst einen mittelgroßen, anatomisch belastbaren Hundetyp mit einer langen Schnauze gezüchtet, weil dadurch z.B. das Riechvolumen wesentlich größer und somit die Riechmöglichkeit um ein vielfaches besser ist, als bei Hunderassen mit einer kurzen Schnauze, ein Sachverhalt der inzwischen wissenschaftlich untersucht und bestätigt ist.
Der erste spektakuläre Erfolg eines Deutschen Schäferhundes wurde 1904 durch Harras erreicht. Er stellte ein Mörder, nachdem er zuvor Witterung am Tatort aufgenommen hatte.
Heftig umstritten war in den zwanziger Jahren eine zentrale Frage der Verbrechensaufklärung, die Frage nämlich, ob ein Hund in der Lage ist, den menschlichen Individualgeruch zu erkennen und damit in der Lage sein kann, eine bestimmte Person als Täter zu identifizieren. Was damals noch bezweifelt und verneint wurde, ist heute gesicherte Erkenntnis:
Der Hund ist grundsätzlich in der Lage, durch Geruchsspurenvergleich den menschlichen Individualgeruch zu identifizieren. Speziell ausgebildete "Geruchsspurenvergleichshunde" liefern seit einigen Jahren auch der Justiz wertvolles Beweismaterial zur Überführung von Straftätern.
Polizeihunde heute
Heute ist der Diensthund aus dem Polizeialltag nicht mehr wegzudenken. Knapp 5.000 Vierbeiner sind 1998 allein in Deutschland bei Polizei, Zoll, Grenzschutz und Bundeswehr "unter Vertrag". Etwa 80% davon sind Deutsche Schäferhunde, eine Zahl, die sich seit Jahrzehnten relativ stabil hält und trotz aller Unkenrufe die hohe Akzeptanz dieser Hunderasse als Diensthund untermauert.
Wie Polizeibehörden immer wieder bestätigen, sind Diensthunde bei Straftätern oder Störern besonders gefürchtet. Aus der Praxis heraus -so ein Bericht aus der Polizeidiensthundeschule in NRW- zeigt sich deutlich, dass diese Gruppen sogar weniger Angst vor einem Schusswaffengebrauch haben, als vor dem Einsatz eines Diensthundes. Allein das Zeigen des Diensthundes ist ein nicht zu unterschätzendes präventives Einsatzmittel. Besonders effektiv gegenüber dem sonst benätigten Poizeieinsatz sind Diensthunde im Bereich von Veranstaltungen und Versammlungen. Man geht in der Praxis davon aus, dass bei diesen Einsatzlagen ein Diensthund ca. acht (!) Polizeibeamte ersetzen kann. In der täglichen Einsatzpraxis sind Polizeihunde nicht erst seit den TV-Erfolgen von Kommissar Rex gerade bei der Suche nach Straftätern in großen Hallen, Lagern oder sonst unübersichtlichem Gelände nicht mehr wegzudenken. Auch bei diesen diffizilen Lagen sind die Polizeihunde dem Menschen überlegen. Durch das feine Gehör und ihren ausgeprägten Geruchssinn erkennen sie schon die Straftätern, wenn der Mensch sie noch nicht wahrnehmen kann.
Der Deutsche Schäferhund ist Diensthund Nr. 1
Warum sind Deutsche Schäferhunde als Diensthunde so tauglich und weltweit nachgefragt wie kein andere Hunderasse? Das Geheimnis ihres Erfolges liegt sicherlich nicht in einer absoluten Überlegenheit gegenüber allen anderen Rassenhunden oder einer besonderen Spezialveranlagung, sonder im wesentlich in folgenden Qualitätsmerkmalen begründet:
Die Gründe des Erfolges
Schäferhundzucht ist seit der Gründung des Vereins für Deutsche Schäferhunde im Jahre 1899 und der hiermit verbundenen planmäßigen züchterischen Entfaltung reine Gebrauchshundezucht. Das heißt, nicht Modetrends oder subjektive Schönheitsideale sind züchterische Zielvorgaben, sondern die für ihre Gebrauchstüchtigkeit notwendigen Leistungskriterien, die an ihrer vielseitigen Verwendung, ihrer Ausdauer und der extremen Leistungsfähigkeit orientiert sind, bestimmen die Zuchtkriterien.
"Der stets verwendungsbereite Hund gehört an des Gendarmen Seite bei Tag und Nacht..." so formulierte der königliche preußische Rittmeister Max von Stephanitz 1902 in seinem Buch "Der Deutsche Schäferhund als Diensthund". Aber wer hätte 1902 schon daran gedacht, dass diese planmäßige Hunderasse einmal zum gefragtesten Diensthund der Welt werden würde?
Ausgeprägtes Wahrnehmungs-, Geruchs-, und Hörvermögen, gepaart mit hoher psychischer und physischer Belastbarkeit, großer Wendigkeit, Schnelligkeit, Reaktionsfähigkeit und der eindrucksvollen Schutz- und Abwehrbereitschaft, wenn es um die Vereitelung von körperlichen Angriffen geht, das sind einige der wesentlichen Merkmale, die einen guten Diensthund ausmachen. Der Deutsche Schäferhund vereint sie in hoher Vollkommenheit und ist dennoch oder gerade deswegen ein Hund von ausgeglichenem Wesen und mittlerer Reizschwelle, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt.
Wenn es gilt, besticht er durch seine Unerschrockenheit bei der Abwehr von Bösewichten und beim Schutz von Mensch und Tier. Die diensthundhaltenden Behörden, so werden Polizei, Bundeswehr, Zoll und Grenzschutz bezeichnet, arbeiten in Fragen der Ausbildung und Zucht des Deutschen Schäferhundes in einem gemeinsamen Arbeitskreis eng mit dem SV zusammen. Ziel sind die Erhaltung und Festigung der Gebrauchshunde-Eigenschaften und die Einbindung neuester wissenschaftlichen Erkenntnisse besonders bei der Ausbildung von Spezialhunden.
Reiner Voltz
SV-Pressereferent