KANARISCHE
WEINE
Daten, Zahlen und Tips
Durch das reichhaltige Angebot von guten und besonderen Weinen am spanischen
Festland fristen die kanarischen Weine trotz hoher Qualität ein Schattendasein.
Wir wollen hier etwas Aufklärungsarbeit betreiben.
Sicherlich sind dem Weinfreund bzw. -kenner die spanischen Weine aus den Regionen Jerez de la Frontera (die Heimat des Sherrys), Rioja oder Navarra bekannt. Kaum jedoch hat einmal ein Wein von den kanarischen Inseln für Aufsehen oder die Verleihung eines Prädikates gesorgt.
Dies auch deshalb, da die Weinproduktion auf den Kanaren bislang überhaupt nicht auf Export fixiert war, sondern vielmehr dem Eigenbedarf diente und natürlich auch von den zahlreichen Touristen genossen wurde. Letztere wissen jedoch oft nicht, was sie denn überhaupt zum (hoffentlich) delikaten Essen gereicht bekommen. In den Hochburgen auf Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote werden meist Festlandweine in den Restaurants empfohlen. Hier stehen die Weine der Bodegas TORRES ganz oben auf der Liste, "Sangre de Toro" und "Coronas" (rot) sowie "Viña Sol" und "San Valentín"(weiß). Dies alles sind hervorragende Tischweine, doch warum soll man denn nicht auch mal einen einheimischen Wein testen, wenn man schon in der Region weilt ??
Der Weinbau auf den Kanaren
geht ohnehin etwas anders vonstatten, als in Mittel- oder Südeuropa.
Hier wird die Rebe meist auf flachem Boden (Lanzarote) oder auf terrassenähnlichen
Gebilden (Teneriffa, Gomera, La Palma, El Hierro) angebaut, wobei sie in
der Regel ungestützt am Boden verbleibt und oftmals vom unkundigen
Besucher gar nicht erkannt wird.
Das ganzjährig milde
Klima, welches durch Passat und Golfstrom geprägt ist sowie die mineralhaltige
Lavaerde sorgen für das besondere Aroma. Sehr oft wird die schwarze
Vulkanasche (Lapilli) zum Abdecken des Bodens um die Rebe (Viña)
verwendet. Das rötliche Vulkangranulat (Picón) wird findet
meist bei Zierpflanzen und -sträuchern Anwendung. Beide regulieren
den Temperatur- und Feuchtigkeitshaushalt durch ihre poröse Struktur
und wirken wahre Wunder !
Historische Entwicklung:
Nachdem im 16. Jh. zunächst
der trockene Malvasier kultiviert wurde, kamen später die Jerez-,
Madeira- und Kapweine hinzu. In dieser Zeit gelangte kanarischer Wein auch
in mitteleuropäische Breiten, teilweise als Verschnitt.
Ab Mitte des 18. Jh. wurde
dann auch die Vidueña-Traube (Muskateller) domestiziert.

Der auf La Palma von der cooperativa Llanovid gekelterte "Malvasia Dulce 95" wurde beim 43. Int. Weinwettbewerb in Lublijana mit der Goldmedaille ausgezeichnet.
Der absolut beste (Weiß)wein der kanarischen Inseln gedeiht auf Teneriffa: Viña Norte de Acentejo (Bodegas Insulares de Tenerife). Er wurde 1995 zum besten Weißwein Spaniens gekürt und wir möchten dem "Blanco semiseco 1994"
unseren
verleihen !!
Erwähnenswert auf Teneriffa
sind ferner die Anbaugüter "Bodegas Monje El Sauzal" (besondere Rotweine)
in Norden der Insel sowie, weniger bekannt, "Abona Güimar" (güldene
Weißweine) im Süden. Die Weine "Viña Norte Tinto Maceración
Carbónica" (rot, jung) und "Rosé Gran Tehyda 97"
erhielten kürzlich nationale sowie internationale Auszeichnungen.
Langsam tut sich was !

Zu den einzelnen Inseln:
Teneriffa: Ein Weinparadies!
Praktisch die gesamte Inseln ist Weinanbaugebiet und hält die verschiedensten
Weine für die verschiedensten Geschmäcker bereit. Die Anbaugebiete
gliedern sich in "Tacoronte-Acentejo", "Valle Orotava", "Ycoden-Daute-Isora",
Güimar und "Abona". Aus der Vielzahl der Bodegas möchten wir
neben den o.g. folgende aus der Region Acentejo herausheben: Bodega La
Isleta mit dem gleichnamigen Wein, Bodega Gabriela León Gutiérrez
mit der Marke "La Hacienda", Bodega Pastel, Bodega Ruiz und Bodega Gran
Tinerfe.
Empfehlenswert in diesem Zusammenhang
ist das schöne Weinmuseum "Casa
del Vino" am Ortseingang (rechts) von El Sauzal. Ein Besuch lohnt immer,
zumal es auch Weinproben gibt. Das Museum soll in naher Zukunft noch vergrößert
werden, wie zu hören ist.
Lanzarote: Die lanzarotensischen
Weine sind ein Genuß für jeden Weinliebhaber. Schade und unverständlich
ist nur, daß in vergangenen Jahren eine "Überproduktion" zu
verzeichnen war. Dies liegt sicherlich vor allem daran, daß die Restaurants
und Hotels auf der Insel eben meist Festlandweine anbieten, obwohl sie
doch mindestens gleichwertige Tropfen gewissermaßen direkt
vor der Haustür beziehen könnten.
Die wichtigsten Bodegas sind "El Grifo",
"Mozaga", "Barreto" (Marken: El Campesino und El Labrador), "La Geria"
und "Reymar".

Ein kleiner Tip: In Teguise (nähe Kirche) befindet sich der "Palacio del Marqués - Patio del Vino", ein nettes Weinlokal mit historischem Innenhof. Der deutsche Inhaber, als "Weingeist" bekannt, beglückt seine Gäste nicht nur mit köstlichen Weinen und leckeren Tapas, sondern auch mit fundierten Informationen über Weine.
La Palma: Auch die "Isla
bonita" ist ein Dorado für den Weinkenner. Die Anbaugebiete sind "Hoyo
de Mazo", "Fuencaliente", "Las Manchas" und "Norte" (heben wir mal
heraus, da dort insbesondere der "Vino de Tea" produziert wird - der Wein
wird in Fässern aus "tea" gelagert. Tea ist die "Seele", das innere
Holz der kanarischen Pinie. Was ganz Besonderes!).
Die großen und guten Bodegas heißen
"Llanovid" (Marke: Teneguia), "Carballo", "El Hoyo" (Marke: Hoyo de Mazo),
"Las Toscas" und "Carlos Fernandéz" (Marke: Viña Etna).
El Hierro: Auf der kleinsten
Insel hat der Weinanbau lange Tradition (seit 1526 durch einen gewissen
John Hill) und die herrennischen Weine sind ....... einfach fabelhaft.
So klein die Insel ist, der Kenner wird große Unterschiede bemerken
(geschmacklich, NICHT qualitativ) zwischen den Anbauregionen "Valle del
Golfo" (mit Sabinosa), "El Pinar" und "Echedo".
DIE Bodega auf Hierro ist die "Bodega
Central Vinicola Insular" mit der Marke "Viña Frontera". Sie nutzt
ihre Fast-Monopol-Stellung jedoch nicht hinsichtlich Preis und Service
aus. Im Gegenteil.
Dann gibt's noch die kleine Bodega "El
Tresoro" mit der gleichnamigen Marke. Die Bodega "Fleitas" haben sich in
den Konkurs verflüchtigt. Zu den Hintergründen schweigen wir
lieber .......
Auf Gran Canaria
empfehlen wir den leicht herben Rotwein "Vino del Monte", der jedoch
unter Kennern sehr beliebt und daher schwierig zu bekommen ist. Wer sich
tatsächlich für diesen Wein interessiert, sollte sich in die
Gegend um Monte Lentiscal und Caldera Bandama begeben und dort nachfragen.
Es gibt einige (kleinere)
Bodegas. Die bekanntesten sind "Bodega Mondalón Picachos", "Bodega
Saramena" und "Bodega Comercial Falcón de la Fe".
Importeure für kanarische
Weine in Deutschland sind rar gesäht. Für El Grifo (Lanzarote)
empfehlen wir den Weinvertrieb
Stoll. Ein weiterer Anbieter für El Grifo, Tacoronte-Acentejo
(Tenerife) und Llanovid (La Palma) hier.
Eine hervorragende Homepage
über span. Weine bei "Wein & Vinos".
Eine weitere interessante
Seite (span.) bietet Guia Internet de
los Vinos de España (inkl. Vokabular).
Allgemeine Infos über
span.
Festlandweine führen den Weinfreund weiter (inkl. Vokabular).
| vino de mesa | einfacher Tischwein, meist Rotwein |
| sin crianza
"vino joven" |
Weine mit etikettiertem
Hinweis auf Herkunft
(garantia de origen) und Qualität (control de calidad) |
| crianza
"tercer año" |
Weine (meist rot) mit einem
Ausbau von mindestens
2 Jahren. Im 3. Jahr nach der Ernte auf dem Markt |
| Reserva | Reserva-Weine müssen
mindestens 3 Jahre
ausgebaut sein, davon 1 Jahr im Faß |
| Gran Reserva | Mindestausbau von 5 Jahren
muß nachgewiesen
werden, davon 2 Jahre im Faß |
Übrigens - der abgefüllte etikettierte Wein ist eine Sache, der "vino artesanal" eine andere. Dies ist der "offene", in kleinen Bars in kleinen Dörfern aus dem Faß servierte Wein. Man wird ihn auch auf jeder kleineren Fiesta gereicht bekommen, wie auch jeder "pastor", jeder Ziegenhirte seinen mit vino gefüllten Lederbeutel bei sich hat. Dazu noch etwas "pan, ajo y queso de cabra", Brot, Knoblauch und Ziegenkäse und man wähnt sich im Paradies ......... !
Man achte einfach mal darauf,
wenn man sich abseits der Touristenströme in kleinen Berg- oder Fischerdörfern
bewegt (auch auf Gran Canaria und Teneriffa noch vorhanden!). Sollte ein
Fäßchenauf der Bar stehen, bekommt man hier sicherlich diesen
Wein, der direkt vom Produzenten stammt. Er sollte nicht jünger als
1 Jahr und nicht älter als 2 Jahre sein. Steht ein Faß auf der
Bar, befindet sich sicherlich eine Keule geräucherter Schinken (jamon
serrano) in Sichtweite, den man als "tapa" ruhig dazubestellen sollte.
In jedem Fall sollte man
nach einem Gläschen "vino de la casa", "vino del pais", "vino artesanal",
"vino del barrilote", "vino de tea" oder "vino de pata" (jede Insel hat
da so ihren eigenen Jargon) fragen, es fördert den Appetit und hebt
die Stimmung ungemein .........

Der eine oder andere Canarias-traveller wird vielleicht Freundschaft mit einem Selbstanbauer schließen und dieser ihm die eilig ausgewaschene Cola- oder Fanta- oder Aguaflasche mit seinem super-selbst-gekelterten Wein füllen, um diesen nach Alemania mitzunehmen. Und dann kommt der Schock ---- der Wein ist sauer!! Nicht wegschütten! Nein, der Wein ist wie Sie nur "jet lack". Dies gibt sich nach einigen Tagen wieder. Es hört sich zwar wie ein parapsychologisches Phänomen an, aber es ist so! Eine Erklärung dafür haben wir allerdings auch nicht.
Weinanbaugebiete auf Teneriffa, La Palma sowie das Gütesiegel des "Consejo Regulador" La Palma
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| Insel | Teneriffa | Lanzarote | La Palma | Hierro | Gran Canaria | La Gomera |
| Anbaufläche(ha) | 8178 | 3366 | 1659 | 506 | 495 | 345 |
| Bodegas | 12000 | 279 | 500 | 300 | 21 | 200 |
Die Zahlen stammen von "Noticias
del Vino", Boletin informativo de VIBOCAN. Die meisten kanarischen Produzenten,
Bodegas und Cooperativas (Genossenschaften) unterwerfen sich einer Selbstkontrolle
durch den "Consejo Regulador de la Denominacion de Origen".
Sehr gute Jahrgänge
(verallgemeinert): 1978, 1981, 1987, 1991 und 1994.
Und noch was: vom Wein ist's
zum Weinbrand nicht weit. Also: einen kanarischen "coñac"
gibt es (noch) nicht. Trotzdem sollte man als "Genießer" auch über
dieses Thema Bescheid wissen. Oftmals wird einem insbesondere bei Order
eines "carajillo" (Kaffee mit Weinbrand, manchmal auch noch flambiert und
mit 3 Kaffeebohnen und einem Stückchen Zitronenschale garniert), ein
minderwertiger Weinbrand ("103", "Fundador" oder sonstiges) kredenzt.
Eine einfache Formel ist
folgende: "Veterano" von OSBORNE ist der spanische Chantré, "Carlos
III" oder "Magno" sind der spanische Asbach und Carlos I ist der spanische
Remy Martin. Alles klar ?!
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by CanConsult
Frank Echtermeier