Veröffentlicht / Released: 22Feb98
(NSP 9803 #1)
| 20 Jahre Arbeit Editorial |
Liebe LeserInnen,
dieses Jahr ist es soweit, Fliederlich e. V. feiert sein 20-jähriges Bestehen. Nach dem Auseinanderbrechen der Homosexuellen Aktion Nürnberg im Herbst 1978 gegründet, ist Fliederlich damit eine der am längsten existierenden Gruppen in Deutschland. In diesen 20 Jahren entwickelte sich Fliederlich dank der ehrenamtlichen Arbeit vieler Schwuler und einer Reihe von Lesben aus einer kleinen politisch aktiven Selbsthilfegruppe zu dem Schwulen- und Lesbenzentrum, das es heute ist. Bedeutende Ereignisse im Leben des Vereins waren die Anmietung der ersten Räume in der Unteren Kanalstraße, die Fliederlich erstmals aus Privaträumen heraus dauerhaft an die Öffentlichkeit führte. Die Durchsetzung der Finanzierung der Vereinsarbeit, zunächst aus dem Alternativtopf der Stadt Nürnberg, später dann als städtische Haushaltsstelle, war ein harter Kampf. Sein Erfolg zeigte, daß es gelang, die politisch Verantwortlichen des damals rot-grünen Stadtrats zu überzeugen, daß die Arbeit des Vereins würdig ist, durch öffentliche Gelder unterstützt zu werden. Durch diese Finanzierung konnte ein bezahlter Arbeitsplatz eingerichtet werden, wodurch eine wesentliche Verstärkung der ehrenamtlichen Kräfte und die ständige Vertretung des Vereins in verschiedenen städtischen Gremien erreicht wurde. Die Gründung und dauerhafte Etablierung der Rosa Hilfe, der Jugendgruppe (anfänglich Schwesbennest) und der Elterngruppe ebenfalls eine der dienstältesten Deutschlands sind Resultate dieser gesamten Entwicklung. Von bundesweiter Bedeutung war die Entstehung der Zeitschrift Rosa Flieder, die eines der wichtigsten nichtkommerziellen Sprachrohre der Schwulenbewegung wurde. Die regional orientierte Nachfolgerin NSP geht nun ebenfalls schon ins 14. Jahr und hat seit zwei Jahren mit der Rosa Piste einen Ableger, der als Gay-Guide erstmals die gesamte Vielfalt der Szene im Großraum Nürnberg präsentiert. Die jetzigen Räumlichkeiten des Vereins sind die größten, die es bisher gab. Genutzt werden sie von den Beratungsgruppen, die das soziale Dienstleistungsangebot des Vereins stellen, von den verschiedenen Selbsthilfe- und Arbeitsgruppen sowie von Gruppen bei denen der Freizeitcharakter eher im Vordergrund steht. Fliederlich die Erfolgsstory? Nein, nicht nur. Es gab auch Rückschläge und verlorene Kämpfe. Trotzdem ist Fliederlich in diesen 20 Jahren gewachsen und ist als Interessenvertretung und als Dienstleister für die Szene nicht wegzudenken. Dies beweist beispielhaft die Tatsache, daß zum Neujahrsempfang im Januar neben VertreterInnen der großen Stadtratsparteien, VertreterInnen aus vielen Organisationen und Gruppierungen des politischen, kulturellen und öffentlichen Lebens anwesend waren. Eine verstärkte Zusammenarbeit innerhalb der Szene kündigt sich durch den Round Table von Fliederlich und der Aids-Hilfe genauso an wie durch Kontakte zur Regionalgruppe des Völklinger Kreises. Gerade für das Jubiläumsjahr ist das ein vielversprechender Auftakt, über den wir uns alle sehr freuen.
Michael Glas
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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