Veröffentlicht / Released: 20Feb98

(NSP 9803 #12)


Knapp und Knackig

 

Papa und Daddy

Den Haag - Nachdem in den Niederlanden seit Beginn dieses Jahres homosexuelle Paare in Form einer eingetragenen Partnerschaft „heiraten" können, wurde nun von der Regierung auch ein Adoptionsrecht beschlossen. Unter der Voraussetzung, daß ein Kind nichts mehr von seinen biologischen Eltern zu erwarten hat, kann es künftig auch von einem schwulen oder lesbischen Paar adoptiert werden. Letztere sollen etwa nach einer künstlichen Befruchtung automatisch das gemeinsame Sorgerecht erhalten.

 

Vorreiter

Ottawa - Die westkanadische Provinz British Columbia hat die weitestgehende Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der traditionellen Ehe beschlossen. Demnach werden nicht nur der Unterhalt und die gegenseitigen Versorgungsansprüche geregelt, auch Kinder können Unterhaltsforderungen an die Partnerin der Mutter oder den Partner des Vaters stellen. Schwule und lesbische Partner sind vom Gesetz her den Ehegatten gleichgestellt. Damit hat British Columbia die fortschrittlichste Regelung für homosexuelle Paare weltweit.

 

Null-Null-Oops

London - Nun schnüffelt auch ein schwules Pärchen für Ihre Majestät, Queen Elisabeth II. Der britische Geheimdienst MI 6 hat bekanntgegeben, daß erstmals ein homosexuelles Paar ins Ausland zum Spionieren geschickt wurde. Wen oder wessen homophile Aktivitäten die beiden allerdings bespitzeln sollen, wurde selbstverständlich nicht verraten.

 

Oscar-Rausch

Los Angeles - Das dreieinviertelstündige Monumentalepos „Titanic" mit Sunnyboy Leonardo diCaprio, das seit Wochen die Kinosäle füllt, wurde für nicht weniger als vierzehn Oscars nominiert. Damit wird James Camerons Remake des Klassikers über den angeblich unsinkbaren Luxusdampfer vermutlich der große Abräumer bei der diesjährigen Show der Eitelkeiten. Die Verleihung der 17 begehrten Trophäen findet am 23. März statt.

 

Bauerntrampel

Pegnitz - Bei einer Veranstaltung in Vorfeld des Volksentscheides um die Abschaffung des bayerischen Senats hat ein „Bauernführer" mit besonderem Scharfsinn erkannt, wer denn die eigentlichen Gegner des Senats sind. Georg Lang, Direktor des Bayerischen Bauernverbandes, wetterte auf dem Landfrauentag in Pegnitz unverhohlen: „Die Befürworter des Volksentscheides sind einige Leute aus dem Norden, die am liebsten Bayern abschaffen wollen, sogenannte Intellektuelle, die dafür sorgen, daß nur noch Minderheiten wie Lesben und Schwule gefragt werden. Normal denkende Menschen wie wir in der Landwirtschaft wollen kein Gequatsche und Diskutieren." <D>Wir danken Herrn Direktor Lang für seine Weisheit und Umsicht in Bezug auf die Rettung der schönen bayerischen Heimat vor der drohenden Vernichtung durch Schwule und Lesben. Nachdem sein Feldzug jedoch erfolglos blieb, empfehlen wir ihm, sich an seine eigenen Maxime zu halten, mit dem Gequatsche aufzuhören und den heimischen Stall auszumisten.

 

Grau in Grau

Köln - Nein, nicht vom Wetter ist die Rede, sondern von dem, was Mann in der nächsten Saison am Leib trägt. Auf der Herrenmodewoche in Köln zeigte sich der eindeutige Trend für den Herbst und Winter 1998/99: Grau, Grau und nochmals Grau. Und das vom Anzug bis auf die Underwear, vom Hemd bis zu den Socken. Die Nuancen reichen von Hellgrau, Steingrau, Elefantengrau und Nebelgrau bis hin zu Grünlichgrau, Anthrazitgrau, Bläulichgrau und Dunkelgrau. Dabei setzen sich allerdings auch immer mehr Kunstfasern durch. Stretchstoffe finden zunehmend auch in Hosen und Hemden Anwendung. Die Silhouetten bleiben schmal, die Revers oben und die Schulterpolster klein.

 

Versuchskaninchen

Chicago - Über zweihundert Freiwillige haben sich für den umstrittenen Test eines Aids-Impfstoffes gemeldet, bei dem sie ein abgeschwächtes Lebend-Serum verabreicht bekommen. Sollten sie daraufhin an der Immunschwäche erkranken, wurde ihnen lebenslang kostenlose medizinische Behandlung zugesichert. Die zwischen 25 und 67 Jahre alten Probanden wurden vollkommen über das eventuelle Risiko, an Aids zu erkranken, informiert. Die Forscher erwarten sich von dem Test eine wesentliche Beschleunigung der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Aids.

 

Erinnerungen

Berlin - Das Schwule Museum in Berlin zeigt vom 7. März bis zum 24. Mai 1998 unter dem Titel „remember me" eine Ausstellung über Erinnerungen an Menschen und ihr Leben. „remember me" befragt in vielschichtiger Weise das Erinnern. Verschiedene Ausstellungsteile erörtern einzelne Aspekte des Themas und sollen Assoziationen hervorrufen. Die Ausstellung versteht sich als Anregung zur eigenen Reflexion. Besucher sollen eigene Andenken mitbringen. Ein Souvenirstand dient als Tauschbörse. Ausgetauscht werden die Objekte, erprobt wird die Gebundenheit und Ungebundenheit von Erinnerung und Geschichten. Die Eröffnung ist am Freitag, den 6. März um 19.00 Uhr am Mehringdamm 61, 10961 Berlin. Die Ausstellung kann mittwochs bis sonntags von 14.00 bis 18.00 Uhr besucht werden.

 

Schwul bei Königs

Kopenhagen - Das dänische Königshaus hat zu seinem alljährlichen Hofball heuer erstmals auch ein homosexuelles Paar eingeladen. Königin Margarethe und Prinzgemahl Henrik ließen dem schwulen Ex-Gesundheitsminister Torben Lund und seinem Lebensgefährten eine Einladung zu Abendessen und Ball auf Schloß Christiansborg zukommen. Da die dänische Gesellschaft Schwule und Lesben weitgehend akzeptiert, wollte sich auch das Königshaus dem nicht länger verschließen, hieß es in einer Erklärung.

 

Schwuler Platz

München - Der Kommunalausschuß des Münchener Stadtrates hat im Januar einstimmig (!) beschlossen, den Platz am Zusammentreffen von Holzstraße, Am Glockenbach, Arndtstraße und Geyerstraße im Stadtbezirk 2 (Isarvorstadt-Ludwigsvorstadt) in „Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz" zu benennen. Karl Heinrich Ulrichs (1825 - 1895) wird heute als einer der Gründungsväter der deutschen Homosexuellenbewegung gesehen. 1867 hatte er auf dem Deutschen Juristentag in München gegen die strafrechtliche Verfolgung von Homosexuellen das Wort erhoben und war dabei von der empörten Masse der Zuhörer niedergeschrieen worden. Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste) wertete die Benennung des Platzes als einen großen symbolischen Erfolg für Münchens Lesben und Schwule. Alle Fraktionen des Stadtrates hätten damit anerkannt, daß das Eintreten für die Rechte von Schwulen und Lesben einen allgemeinen Verdienst darstellt, das öffentlich geehrt werden sollte.

 

Blätterwald

Weimar - Im Februar ist erstmalig „buschfunk", das neue kostenlose lesbisch-schwule Monatsmagazin für Thüringen erschienen. „buschfunk" enthält en den Rubriken Redaktionelles, Monatsprogramm, Adressen & Veranstaltungsorte, Rat & Tat und Szene alle aktuellen Informationen über lesbische und schwule Aktivitäten, Vereine, Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, Veranstaltungen, Aktionen und Treffs. „buschfunk" wird von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Aids-Hilfe Weimar & Ostthüringen produziert, herausgegeben und an über 40 verschiedenen Treffpunkten der Thüringer Lesben- und Schwulenszene verteilt.

 

Rafft die Röcke

Rom - In dem jüngst veröffentlichten Vatikan-Dokument „Neue Berufungen für ein neues Europa" heißt es unter anderem, daß auch Priester-Anwärter sexuelle Schwächen haben dürfen. Sexuelle Probleme künftiger Priester und Ordensleute sollten mehr beachtet und weniger dramatisiert werden. Sexualität sei ein zentraler Punkt in der Entwicklung junger Menschen. Sie müßten sich dessen aber bewußt sein, diese kontrollieren und allmählich immer weniger in Versuchung geraten.

 

Arbeitsmarkt

Köln - Der Schwulenverband in Deutschland, Landesverband NRW e.V. sucht zum 1. April 1998 einen Mitarbeiter für sein landesweites Antigewalt-Projekt. Wesentliche Aufgaben sind die Vernetzung und Unterstützung der schwulen Überfalltelefone in Nordrhein-Westfalen, die Koordinierung, konzeptionelle Weiterentwicklung des Projektes, Schulungsveranstaltungen sowie die Erledigung anfallender Verwaltungsaufgaben. Die Stelle wird entsprechend BAT IVa bezahlt. Bewerbungen bitte an den Schwulenverband in Deutschland e.V., z.Hd. Jacques Teyssier, Postfach 103414, 50474 Köln.

 

Homosexualität im Film

Einen Oskar gab es 1970 für den amerikanischen Film „Die Harten und die Zarten" nicht. Dafür ist er 28 Jahre später Namensgeber für eine Ausstellung in Köln, die sich mit dem Thema Homosexualität im Film auseinandersetzt. Die Ausstellung zeigt auf, daß nicht erst mit AIDS und Philadelphia das Thema Schwul/Lesbisch in die Kinosäle Einzug hielt. So werden in der Ausstellung z.B. auch die versteckten Anspielungen in eher unbekannten Filmen dokumentiert. Zu sehen ist die Ausstellung in den Räumen des CSG - Centrum Schwuler Geschichte, Vogelsanger Str. 61, 50823 Köln vom 1. März bis 25. April, Mittwoch bis Samstag von 15.00 bis 18.00 Uhr. Die Vernissage beginnt am 1. März um 17.00 Uhr.


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