Veröffentlicht / Released: 29Apr98
(NSP 9805 #10)
Sag's der Tante
Tante kulturell
Der April war ja der Monat der schwulen Hochkultur in Nürnberg. Da konnte die Tante natürlich nicht abseits stehen. Daß die Dee wieder einen grandiosen Abend hinlegte, war beinahe schon zu erwarten. Wobei die Tante ja fast zugeben muß, daß sie als großer Fan der Georgette da vielleicht nicht so objektiv ist. Aber auch die restlichen Onkels und Tanten im Saal waren begeistert und feierten unsere große Diva mit Beifallsstürmen. Daß sie jetzt statt Sekt Dosenbier auf der Bühne trinkt, hat Tantchen anfangs zwar etwas verwirrt, aber zum Schauplatz des Programms, einer Würstchenbude in der Wüste Afrikas, hätte Champagner dann ja vielleicht doch nicht so gut gepaßt. Nur wenige Tage später trat dann ja Tim Fischer im Fürther Stadttheater auf. War ja schon ein würdiger Rahmen. Und so begeistert Tante auch von dessen Auftritt war - ein wenig entsetzt war sie schon auch, als sie ihn erstmal fast gar nicht erkannt hätte, den Fischers Tim, so gealtert und vermännlicht sah der aus. Die Tante hofft ja schon, daß das nicht an seinem ausschweifenden Lebenswandel liegt. Er wurde dann ja noch spät des nächtens in einem Kelleretablissement in der Luitpoldstraße gesehen, wo er sich mit seiner gesamten Crew offensichtlich köstlich amüsierte. Und, eins muß die Tante dem Tim ja schon ins Lehrbuch schreiben (falls er diese Zeilen überhaupt liest, aber um die Lektüre der NSP kommen vermutlich nicht mal Diven herum), Schäuferle mit Klößen ist zwar eine durchaus schmackhafte fränkische Spezialität, aber, lieber Tim, früh um 6 in der "Wacht am Rhein", das kann nicht gesund sein. Und gerade diese fränkischen Kartoffelklöße liegen dann ja schwer im Magen. Ach ja, auch wenns nicht unbedingt zur Hochkultur paßt, aber mit Kultur im weitesten Sinne hat sie ja schon auch zu tun, und wo Tante doch sowieso gerade dabei war, von ihr zu sprechen: Die Toy-Bar macht im Moment ja ganz erstaunliche Wandlungen durch. Der Barbereich wurde schon ganz hell und sauber gestrichen und vor ein paar Tagen wurde sogar ein fachmännisch dreinblickender Herr beobachtet, der mit Taschenlampe und Zollstock bewaffnet, den bröckelnden Putz im Kino inspiziert hat. Spannend, spannend, was der Werner da mit seinem ja bisher doch eher klitzekleinen bißchen schmuddeligen Laden weiter vor hat. Aber keine Angst, die Tante ist ganz zuversichtlich, daß das Toy auch künftig ohne Anzug und Krawattenzwang betreten werden darf.
Tante tanzt nicht
Keine Angst, die Tante wettert nicht schon wieder über das "Blue Liberty". Da legt sie allmählich lieber den Mantel des Schweigens drüber. Aber - viele LeserInnen werden es noch nicht wissen - Nürnberg hat seit dem Ostersonntag einen neuen schwulen Dance-Club, der dem Blue Liberty zumindest in der nicht vorhandenen Werbung ernsthafte Konkurrenz macht.
Café de Paris
Das "Café de Paris" wollte ja vielleicht in das Guiness Buch der Rekorde aufgenommen werden, für die kleinsten und unauffälligsten Flyer, seit der gute alte Herr Gutenberg die Druckpresse erfunden hat. So fanden dann auch nur wenige Schwestern den Weg zum Tor 13 der Hallen, wo dieser wöchentlich sonntägliche GayDanceClub beheimatet ist. Schade eigentlich, denn zumindest das Interieur hat die Tante schlichtweg begeistert. Diese fast großstädtische traschige (schreibt Frau das so?) Fabrikatmosphäre mit viel bunt und Blech und Schnick fand die Tante ziemlich schick. Die Musik war eigentlich auch echt klasse. Nur, weder das normale Publikum noch die Tante zahlen natürlich gerne zehn Mark Eintritt, um dann schick eingerichtete Räumlichkeiten besichtigen zu dürfen, und die Anzahl der partywütigen Gäste ließ sich dann ja doch eher an zwei Händen abzählen. So wird das nix, liebe Macher des "Café de Paris"! Aber wie die Tante noch nach Redaktionsschluß in Erfahrung gebracht hat, haben die Jungs vom Café de Paris schnell dazugelernt. Am zweiten Abend verlangten sie keinen Eintritt mehr, und wenn sie dann vielleicht doch noch etwas auffälligere Werbung machen - wer weiß, vielleicht wirds ja noch Nürnbergs In-Dance-Club?
Tantes Vetter
zieht es bei dem kühlen Wetter natürlich immer wieder in die Sauna. Da hat die Tante ja auch Verständnis für. So ein paar Saunagänge sind ja auch ganz arg gesund. Nun hat er der Tante aber schon wieder von einem Anschlag der Chiringay-Sauna auf sein körperliches Wohlbefinden berichten müssen. Inzwischen sind die Bretter in der dortigen Trockensauna nicht nur so locker, daß Vetter bei jeder leichten Gewichtsverlagerung ins Schwitzen kommt, was in einer Trockensauna ja eigentlich normal wäre, aber er schwitzt nicht ob der hohen Temperaturen, sondern eher aus Angst, vom Bänkchen zu fallen, nein, zusätzlich fehlen inzwischen ganze Bretter. Da macht sich die Tante ja schon große Sorgen. Und weil eine Tante natürlich auch weiß, daß Saunabesitzer bei den niedrigen Eintrittspreisen und in Zeiten von Rezession und hohen Arbeitslosigkeit auch nicht mehr täglich in Champagner baden können, ruft sie hiermit alle LeserInnen der NSP auf: Helft! Bestimmt haben viele LeserInnen zu Hause einen Nagel oder sogar ein Brett übrig. Schickt alles an die Tante. Die Adresse findet ihr im Impressum. Die Tante wird dann alle Nägel & Bretter sammeln und eine rote Schleife drum machen und der Chiringay übergeben. Vielleicht findet sich ja sogar ein Leser mit einer rechten Hand und einem Hammer, der sich bereit erklären würde, die Nägel in die Saunabretter zu schlagen??! Schließlich gehören wir doch alle zur Familie, und da sollte es doch selbstverständlich sein, daß wir uns gegenseitig helfen, oder? Und außerdem will die Tante ja die Chiringay-Sauna keineswegs zum Dauerthema ihrer Rubrik machen.