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Veröffentlicht / Released: 07Jul98 (NSP 9807 #1)
Liebe LeserInnen,
Pla·giat [n.; -(e)s, -e] Diebstahl geistigen Eigentums, Veröffentlichung des geistigen Werkes (od. eines Teils davon) eines anderen als eigenes Werk [frz., "literar. Diebstahl"; zu lat. plagium<D> "Menschendiebstahl, Seelenverkauf"] So erklärt uns ein Bertelsmann-Lexikon dieses böse, böse Wort. Wissen wir doch alle, was gemeint ist, und in Frankfurt haben sie dafür sogar eine eigene Messe. Dort darf die werte Besucherschaft dann beispielsweise einen hübsch designten Toaster einer renommierten Firma bestaunen und daneben ein nahezu baugleiches Modell aus irgendeiner obskuren Fälscherwerkstatt von irgendwoher auf diesem Planeten. Zweiterer wird natürlich viel billiger verkauft als das Original, denn für geistige Leistung, Entwicklungskosten und Marktforschung hat sich ja bereits die andere Firma leidlich abgerackert. Auch an Musik, Videos und Texten wird mittlerweile kopiert und geklaut was das Zeug hält. Aber natürlich nur hochwertige Qualität und immer vom Feinsten. So verwundert es nicht weiter, daß auch die "Rosa Piste", der einzigartige Nürnberger Szeneführer aus der NSP-Redaktion immer wieder gerne ausführlich und vor allem ungefragt "zitiert" wird. Zunächst tauchten letztes Jahr Auszüge aus der Piste schwuppdiwupp im Internet auf. Dann, vor wenigen Wochen, sind Teile der Piste auch in gedruckter Fassung neu verbreitet worden. Keine geringere als die bundesweit expandierende Schwulenzeitung "Queer" hat in ihrer Juni-Ausgabe erstmals auch Szeneadressen aus Nürnberg veröffentlicht. Doch die Piste-Redaktion staunte nicht wenige Bauklötzchen, als sie die Liste mit den Einträgen in der Piste verglich: Nicht nur die Auswahl an Kneipen und Läden kam ihr so verdammt bekannt vor. Auch die beistehenden Kommentare erschienen ihr seltsam vertraut, ganz so, als wären es ihre eigenen. Sicherlich, wer den Streß in kommerziell produzierten Zeitungen ein wenig kennt, versteht, daß nicht immer vorher gefragt werden kann, bevor etwas "übernommen" wird. Da trifft es sich einfach ganz gut, daß auf die monatelange, ehrenamtliche Arbeit einiger unverbesserlicher Idealisten zurückgegriffen werden kann. Hilft ja nicht nur kostbare Zeit, sondern auch überflüssige Kosten für eigene Recherchen zu sparen. Und von wegen Copyright - war da mal irgendwas gewesen...? Keine Kosten und Mühe solltet Ihr hingegen sparen, um am 25. Juli auf den Nürnberger Hans-Sachs-Platz zu kommen. Denn dort findet - noch als Original ohne Kopie - ein großes schwullesbisches Straßenfest statt, mit vielen Verkaufs- und Informationsständen, Essen und Trinken und einem tollen Bühnenprogramm. Die NSP-Redaktion wünscht den OrganisatorInnen des Festes schon mal einen phänomenalen Erfolg und verabschiedet sich zugleich mit der vorliegenden Juli/August-Doppelnummer zur dringend notwendigen Generalüberholung in die Sommerpause. Siegfried Straßner
P.S.: Wir hatten für diese Doppelausgabe so viel Material, daß wir einige geplante Artikel (u.a. zu den Pächterwechseln in Quetschn, Savoy, Max und Sonniger Pfalz) ebenso verschieben mußten, wie die Tante wieder auf ihre Rubrik verzichten mußte. Vielen Dank auch für einige eingegangene Leserbriefe. |
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