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Knapp & knackig - NSP0798

Veröffentlicht / Released: 07Jul98

(NSP 9807 #12)


Knapp und Knackig

 

Pornos zu Bibeln

Manila - Der philippinische Zoll hat mehr als eine Tonne beschlagnahmter Pornomagazine einstampfen lassen, um daraus Papier für Bibeln zu gewinnen. Der Leiter der Behörde zeigte sich sehr befriedigt darüber, daß die Magazine nun "anstatt eine Quelle der Unmoral zu sein, der Verbreitung des Glaubens dienen werden". Wie hoch der Anteil schwuler Pornos war, wurde leider nicht mitgeteilt.

 

Diskriminierungsverbot

Frankfurt - Christliche Homosexuelle aus zahlreichen europäischen Ländern haben die EU aufgefordert, ein Verbot der Diskriminierung von Lesben und Schwulen zu erlassen. Homosexuelle Partnerschaften müßten offiziell ebenso anerkannt werden wie heterosexuelle, erklärten die Teilnehmer des "Europäischen Forums christlicher Lesben- und Schwulengruppen". Auch der Europäische Gerichtshof habe schon auf das Fehlen eines verbindlichen Diskriminierungsverbots hingewiesen.

 

Wahlkrampf

Hannover - Gerhard Schröder, Kanzlerkandidat der SPD, forderte in einem Grußwort an das schwul-lesbische Straßenfest in Hannover gesetzliche Maßnahmen gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Außerdem will Schröder "für lesbische und schwule Lebensgemeinschaften ein Rechtsinstitut neben der Ehe schaffen, damit diese Lebensgemeinschaften durch den Staat anerkannt, gewürdigt und im wesentlichen mit der Ehe gleichgestellt werden." Ob derart schwammige Versprechungen das schwul-lesbische Wahlvolk überzeugen können, wird sich im Herbst erweisen. Der SVD hat die Erklärung Schröders trotzdem begrüßt und hofft auf einen Politikwechsel nach den Bundestagswahlen im Herbst, nachdem die derzeitige Bundesregierung alle Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Schwulen und Lesben blockiert hat.

 

Teurer Fick

Stockholm - Ein halbes Jahr hinter schwedische Gardinen kann ab 1999 derjenige kommen, der sich in Stockholm oder Malmö Sex bei weiblichen oder männlichen Prostituierten kauft. Der schwedische Reichstag beschloß ein entsprechendes Gesetz. Prostituierte werden dagegen weiterhin nicht bestraft. Durchgesetzt wurde das Gesetz vor allem von einer starken Frauenlobby. Kritiker bezweifeln, daß sich Prostitution per Gesetz verbieten läßt und vermuten, daß vor allem Zuhälter von dem neuen Gesetz profitieren werden.

 

NS-Urteile

Bonn - Am 28. Mai hat der Bundestag alle Urteile annulliert, die zur "Durchsetzung oder Aufrechterhaltung" des NS-Unrechtsregimes aus "politischen, militärischen, rassistischen, religiösen und weltanschaulichen Gründen ergangen sind." Vor allem am Widerstand der CSU scheiterte die von Bündnis90/Die Grünen geforderte Aufhebung aller Urteile nach den unter dem NS-Regime verschärften Paragraphen 175 (Unzucht zwischen Männern) und 175a/Nr.4 (Gewerbsmäßige Unzucht unter Männern). Nunmehr werden nur jene Urteile beseitigt, die auf eine "menschenrechtswidrige Verfolgung und Beseitigung der Homosexuellen" abzielten. Damit wird faktisch nur die KZ-Haft als Unrecht gewertet, nicht aber die Verurteilung zur Strafhaft nach der Nazi-Fassung des §175. Daß damit der Deutsche Bundestag im Jahre 1998 letztendlich Verurteilungen nach den genannten Paragraphen immer noch für rechtens erklärt, obwohl aufgrund des von den Nazis durchgesetzten totalen Verbots homosexueller Handlungen zwischen Männern zwischen 1935 und 1945 etwa 50000 Verurteilungen erfolgten, halten wohl nicht nur Thomas Niederbühl von der Münchner "Rosa Liste" und der SVD für skandalös.

 

Medienpreis

Berlin - Im Mai ist erstmals der lesbisch-schwule Medienpreis verliehen worden. Die mit DM 2000,- dotierte Auszeichnung ging an die Journalisten Thomas Rombach und Jürgen Kolb für ihre Radioreportage über den Heidelberger Schwulenchor "Rosa Kehlchen". Der Beitrag sei musikalisch und technisch abwechslungsreich und beeindrucke durch ironische Stilmittel, erklärte die Jury. Den Preis will der Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen künftig jährlich für Beiträge vergeben, die sich in "herausragender Weise mit dem Thema Homosexualität und seinen politischen Dimensionen, sowie der Lebensrealität von Lesben und Schwulen auseinandersetzen."

 

Ralf König

Frankfurt - Endlich wieder ein neuer Comic von Ralf König - nach Motiven aus William Shakespeares Schauspielen "Othello", "Macbeth", "Romeo und Julia" und ein "Sommernachtstraum". Jago ist eine kühn zusammenmontierte Geschichte aus Shakespear-Motiven, eine Königliche Hommage an den großen Engländer und die von ihm beschworene "weltschaffene" Kraft der übergeschlechtlichen Liebe." Übergeschlechtlich? Da lacht der König... Mit einem Quellennachweis der Zitate und Anspielungen. Beim Frankfurter CSD-Straßenfest am 18. Juli wird Ralf König seine Bücher am Stand der Oskar Wilde Buchhandlung signieren.

 

Pastorenschelte

San Jose - Costa Rica gilt als einer der wenigen Flecken Lateinamerikas, wo Schwule und Lesben einigermaßen offen leben können. Ein geplantes Schwulenfestival provozierte jedoch den katholischen Pater Minor Calvo doch so sehr, daß er im Rundfunk unter anderem äußerte: "Wieviel Unruhe wird über Costa Rica kommen, weil diese Orgien und Sünden erlaubt werden? Wieviel Gotteslästerliches, wieviel Beleidigendes?" Er warnte davor, "daß unser Land in einen Hort der Unordnung verwandelt wird." Wir wünschen den Schwestern in Costa Rica ein trotzdem rauschendes Fest.

 

Museales

Berlin - Es gibt viele Gründe, mal ein Wochenende in Berlin zu verbringen. Einer sind vielleicht auch zwei Ausstellungen, die im Schwulen Museum derzeit zu sehen sind: "König des Heimatfilms - Hommage an Hans Deppe" erinnert an einen schwulen Regisseur, der vor allem in den Nachkriegsjahren mit seinen oft schlampig gedrehten, eine immer heile Welt vorgaukelnden Filmen große Erfolge feierte. "Oh la la! Aktfotographie aus Frankreich" stellt ganz unterschiedliche aktuelle französische Fotografen zusammen. Alle Arbeiten kreisen um den männlichen Körper, um die Vielzahl von unterschiedlichen Weisen, dieses Objekt der Begierde auf ein Photo zu bannen. Ebenso unterschiedlich sind die Techniken, von der traditionellen Schwarz-Weiß Photographie, über Farbtechniken bis zum video- oder computerbearbeiteten Bild. Was alle Teilnehmer eint, ist das Medium der Photographie und ihre sexuelle Vorliebe für Männer. Das Schwule Museum ist mittwochs bis sonntags von 14-18 Uhr geöffnet und befindet sich in Berlin am Mehringdamm 61.

 

Heiraten

Den Haag - Die drei niederländischen Regierungsparteien wollen in der nächsten Legislaturperiode eine vollwertige Heirat für Homosexuelle ermöglichen. Seit Anfang dieses Jahres können schwule und lesbische Paare in den Niederlanden einen Partnerschaftsvertrag abschließen. Dadurch werden sie Ehepaaren steuerlich und erbrechtlich gleichgestellt. Sie sind jedoch offiziell nicht verheiratet. Diese Einschränkung soll nun mit einem neuen Gesetz aufgehoben werden. Unklar ist noch, ob homosexuelle Paare künftig auch Kinder adoptieren dürfen. Eine ähnliche Initiative ergriffen die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen im Bundesrat. Darin ist sogar das Adoptionsrecht ausdrücklich vorgesehen. Was aus dieser Initiative im Laufe der parlamentarischen Beratungen wird, ist offen. Aus Bayern zumindest wird heftiger Widerstand erwartet. Die CSU hat sich in ihrem Wahlprogramm ausdrücklich gegen eine Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare gewandt.

 

IGLTA-Kongress

Montreal - In Kanada hat die Jahrestagung der "International Gay & Lesbian Travel Association" stattgefunden, an der etwa 300 Vertreter aus allen Branchen der Touristik teilgenommen haben. Zum Vorsitzenden wurde mit Bernhard de Paz ein Deutscher gewählt. Der Preis für die beste Reisebroschüre ging an den australischen Veranstalter "Jornada", der inzwischen auch in Köln eine Niederlassung eröffnet hat und dessen Katalog (Spezialität natürlich Mardi Gras in Sydney) hier in der Region unter anderem beim Reisebüro Brinkmann erhältlich ist.

 

Selbsthilfe

Frankfurt - Die Homosexuelle Selbsthilfe e.V. hat auf ihrer Mitgliederversammlung wiederum 11 schwul-lesbischen Projekten insgesamt etwa DM 23000,- Unterstützung zusagen können. Neben Rechtshilfe für Schwule und Lesben wird etwa der Aufbau eines Rosa Telefons in Nordhessen oder eine Ausstellung zur Geschichte des § 175 gefördert. Die HS finanziert ihre Förderarbeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen (DM 60,- im Jahr) und Spenden. Beitrittsanträge sind erhältlich bei der Homosexuellen Selbsthilfe e.V., Löwengasse 27, 60385 Frankfurt, Fax 069/94 50 61 79.

 

Klappe auf!

München - Zum CSD 1998 wird das Anti-Gewalt-projekt des Münchner SUB das Toilettenhäuschen an der Ecke Holz-/Pestalozzistraße aus dem Dornröschenschlaf wecken. Dieses um die Jahrhundertwende erbaute, längst geschlossene Schmuckstück war eine klassische "Klappe", öffentliche Bedürfnisanstalt und Anziehungspunkt für schwule Männer. Erinnert werden soll daran, daß Klappen fester Bestandteil schwuler Geschichte und Sexualität sind. Die Aktion thematisiert Sehnsüchte schwuler Männer, vom knackigen Traummann bis zur Suche nach dem unbekannten Einen, den man im Dschungel der Kontaktanzeigen zu finden hofft. Nicht zuletzt erinnert sie an die Bedrohung durch Gewalt gegen Schwule. Eröffnung am Samstag, 4.Juli um 18 Uhr.


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