Veröffentlicht / Released: 31Aug98
| 20 Jahre
Fliederlich 1978 - 1998 ... Etwas hat überlebt ! |
von Michael Glas |
Die politische Arbeit wird in den Jahren 81 und 82 stark ausgeweitet. Aktionstag gegen den § 175, CSD-Demo in Nürnberg, Podiumsdiskussionen zum Sexualstrafrecht, um nur einige zu nennen. Dies löst allerdings eine neue Krise aus. Durch die starke Konzentration auf politische Arbeit vermissen viele Aktive die persönliche Komponente. Ein Gefühl des Überfordertseins stellt sich ein. Die Situation verschärft sich, als zu allem Überfluß 1983 die Vereinsräume gekündigt werden. Fliederlich-Café in der Desi, Plenum im Nachbarschaftshaus, Rosa Hilfe in der Wohnung eines Mitglieds - kann das gutgehen?
A
ber natürlich. Eine durch die Ereignisse ausgelöste Strukturdiskussion stärkt den Verein intern. Neue Räume werden im April 1984 in der Sandrartstraße bezogen. Die Finanzen können durch Mittel aus dem Alternativtopf, ab 1988 dann sogar durch eine eigene Haushaltstelle bei der Stadt Nürnberg konsolidiert werden. Daß es gelingt, den damals rot-grünen Stadtrat zu überzeugen, den Verein mit städtischen Mitteln zu unterstützen, ist ein großer Erfolg. Dieser findet aber auch seine Neider. Die bayerische Linie bringt nämlich die ständige Verweigerung der Gemeinnützigkeit für den Verein und mehrere Klagen aus CSU-Kreisen gegen den Haushalt der Stadt Nürnberg mit sich. Allerdings ist der CSU kein Erfolg beschieden. Fliederlich hingegen gelingt es, die lange gewünschte Personalstelle einzurichten, wodurch die Vereinsarbeit durch neue Angebote erweitert wird. Eine Vernetzung mit verschiedenen regionalen Arbeitsgemeinschaften wird ebenfalls möglich. Ein erneuter Umzug in die Luitpoldstraße bringt eine räumliche Vergrößerung und einen neuen personellen Aufschwung mit sich. Unter anderem kann dort eine zusätzliche Personalstelle für das Antigewaltprojekt mit dem Betrieb des Schwulen Überfalltelefons eingerichtet werden. Als neue Gruppen entstehen die Lila Hilfe, die Transsexuellengruppe und die Gehörlosengruppe.E
in Aufschwung ohne Ende? Leider nein! 1996 gewinnt die CSU die Stadtratsmehrheit. Fliederlich erhält für 1997 einen sogenannten Zuschuß zur ordentlichen Abwicklung der Personal- und Mietangelegenheiten. Dadurch bedingt müssen die beiden Personalstellen gestrichen werden. Aber: Wickelt sich Fliederlich als Organisation ab? Nein, etwas überlebt. Im gleichen Jahr gelingt es dem Verein durch Bündelung aller Kräfte das bisher größte Schwulen- und Lesbenzentrum der Stadt aufzubauen und mit Leben zu füllen. Beratungsangebote wie Rosa Hilfe, Lila Hilfe, Schwules Überfalltelefon und Elterntelefon leisten wichtige Hilfestellungen. Gehörlose Schwule und Lesben treffen sich ebenso im Zentrum wie der Stammtisch reifer Männer oder der Stammtisch bisexueller Frauen. Elterngruppe, Jugendgruppe oder Coming-Out-Gruppe bieten weitere Möglichkeiten für Gespräch, Engagement und Freizeitgestaltung. Denn - trotz viel Arbeit und knapper Finanzen - der Spaß kommt nicht zu kurz. Wir sind da!Die nächsten 20 Jahre beginnen gerade!