Veröffentlicht / Released: 05Nov98

(NSP 9811 #15)


Lesbenseiten in der NSP

Neue Lesbenliteratur

 

von
Tanja Struss

 

Angst

vor den wilden Lesben

Bildzeitung für Lesben. So oder ähnlich wäre ich von dem vorliegenden Buch nicht enttäuscht gewesen.

Karin Schupp trägt hier allerlei Klatsch und Tratsch zusammen und präsentiert es uns unter dem Titel: Angst vor den wilden Lesben. Es ist eine lose Ansammlung wichtiger und meist ziemlich unwichtiger Details über das Lesbenleben. Das Buch ist oberflächlich, manchmal amüsant, wandelt aber auf stets bekannten Pfaden. Es finden sich Hitlisten über aktuelle Lesbenromane, Zitate über Jodie Foster, wichtige Daten der Lesbengeschichte und für Neulinge endlich die Aufdeckung gut gehüteter Geheimnisse. Wer neu ist in der Szene, kann nach der Lektüre endlich überall mitreden. Als lesbische Bildzeitung trifft es den Kern der Erwartungen: kurze und kürzeste Infos, viele Bilder, wenig Text mit vielen Überschriften. Auf einer Party ist es garantiert für eine halbe Stunde interessant. Meiner Hetero-Freundin werde ich es mit Sicherheit nicht schenken, um nicht noch das letzte Vorurteil über Lesben bestätigt zu wissen. Aber selbst unser großer (Ex-)Kanzler steht dazu, sich täglich anhand der Bildzeitung über die aktuellen Tagesthemen zu informieren. Wer nicht mehr von dem Buch erwartet, liegt hier goldrichtig. Und hätten wir ohne dies "Lexikon" gewußt, daß vier von fünf Katzen lieber bei Lesben leben? Eben.

Karin Schupp: "Angst vor den wilden Lesben",
Querverlag Berlin 1998, 192 Seiten, DM 29,80


Lesbenkalender 1999

 

Auf den ersten Blick sehr einfach gemacht, entpuppt sich der Kalender beim zweiten Hinsehen zu einem netten Mitbringsel für die Liebste.

Fotos von lesbischen Frauen, Comics, Gedichte und kurze Infos sind locker über die Monate verstreut. Apropos Fotos: Endlich wird die Alltags-Lesbe fotografiert - kein vergebliches Schwärmen mehr für ach so ferne Models oder Sängerinnnen. Diese Frauen kann frau überall treffen!

Alle wichtigen Termine (Lesbenfrühlingstreffen, Walpurgisnacht, Musikfestival Hunsrück etc.) sind enthalten und es gibt auch überall genug Platz für eigene Termine und Notizen. Lediglich der Adressteil ist etwas zu kurz geraten für den Preis von 15 DM. Oder könnte es sein, daß es noch nicht mehr Treffs für uns gibt??! Zum Schluß noch mein größter (und fast einziger!) Kritikpunkt: Nirgendwo außen auf dem Kalender ist das Wort Lesbe zu finden; kein Lesbenzeichen, keine Regenbogenfahne, nichts. Erst auf der Innenseite steht es dann: Lesbenkalender. Schade, daß hier auch die selbstbewußte Lesbe sich nicht öffentlich präsentieren kann - sogar mit diesem Kalender sind wir weiter unsichtbar. Vielleicht wäre es eine Anregung für 2000?

"Lesbenkalender 1999",
Verlag Anke Schäfer,
Wiesbaden 1998, DM 15,-