Veröffentlicht / Released: 26Nov98

(NSP 9812 #3)


Fliederlich-News 12/98

Main Va-ein
Queer Switchboard etabliert

Die Einwohnerzahlen von Nürnberg steigen, die Weihnachtsmärkte boomen und auch bei Fliederlich geht es hoch her. Die Gruppen melden verstärkten Zulauf und sogar Frauen finden den Weg in die Gugelstraße.

Auf einmal gibt es wieder mehr als eine Alibi-Lesbe. Früher kamen schwule Parfümschwaden geballt ins Cafe; mittlerweile ist auch ab und zu ein Hauch von herben Deodorants zu erschnuppern, wenn die (echten) Damen sich im Cafe versammeln.


von Tanja Struss



Vielleicht liegt es an dem gut sortierten Zeitschriften-Angebot im Cafe. Mehr als zehn unterschiedliche schwullesbische Zeitungen von Hamburg bis München, von Frankfurt nach Berlin, von Köln bis Nürnberg können gelesen, kostenlos mitgenommen oder auch bei uns gekauft werden. Dabei ist es praktisch, gleich zu Monatsanfang im Confetti-Cafe vorbei zu schauen, da manches schnell vergriffen ist.

Für die weibliche Hälfte der Szene wurde zusätzlich die LesPress angeschafft, ein überregionales Lesbenmagazin aus Köln. Und siehe da, Sonntag gegen 18 Uhr trifft frau sich auf ein Bierchen im Confetti. Seit die Cafefräuleins von den hübschen Neuen tatkräftig unterstützt werden, sind fast alle Tische besetzt, die Kuchen schnell aufgegessen und die Stimmung und das Flirtverhalten lassen fast den Wunsch nach Nachwuchs zur biologischen Gewißheit werden.

Öffnungszeiten im Confetti: jeden Sonntag von 14-21 Uhr,

Infos unter Tel.: 42 34 57-12.

 

 

Gelesch-Jubiläum

Fünf Jahre: Da sind die Kindergartenzeiten vorbei, da beginnt bald der Ernst des Lebens. So auch für Gelesch. 5 Jahre gibt es die Gruppe für gehörlose Lesben und Schwule bei Fliederlich bereits.

Die Leitung war konstant in einer Hand, was ein qualitativ sehr gutes Arbeiten ermöglichte. Jetzt wird gefeiert und zwar kräftig. Die GELESCH`s holen mehrere Dutzend Freunde aus der ganzen Republik und sogar der Schweiz zum Fest nach Nürnberg.


von Tanja Struss



Ein ganzes Wochenende geht es hoch her: vom 11.-13.12.98 wird getanzt, gegessen, Theater und Überraschungen sind genauso Thema wie die Anwesenheit von Gebärdendolmetschern.

Diesmal wird in die umgekehrte Richtung übersetzt, damit auch Hörende dem Programm folgen können. Höhepunkt wird der Gala-Abend am 12.12.98 im Marmorsaal des Presseclubs, Gewerbemuseumsplatz 2. Die rauschende Party inklusive Abendessen geht von 18 bis 2 Uhr und alle Freunde und Interessierte sind herzlich eingeladen. Wer gerne mithelfen möchte, wendet sich direkt an Gelesch, hörende HelferInnen an Volker Kern (Fliederlich, Tel.: 42 34 57-0).

Happy Birthday, Gelesch!
 
 


Einstellung

Das ‚Schwule Überfalltelefon' in Nürnberg hat zum Ende November seinen Betrieb eingestellt. Nach einem hoffnungsvollen Beginn 1994 - es konnte dafür eine Personalstelle geschaffen werden - wurde es seit Mai 1996 ehrenamtlich weiter betrieben. Die Einstellung dieser Beratungseinrichtung hinterläßt in Nürnberg und im Raum Nordbayern eine Lücke im Bereich der Opferbetreuung, Dokumentation antischwuler Gewalttaten und der Präventionsarbeit. Die nächsten schwulenspezifischen Opferberatungen befinden sich in München und in Frankfurt. Die Kontaktadressen und Telefonnummern erhaltet ihr bei der Rosa Hilfe (Tel.: 0911/19446, Mittwoch 19-21 Uhr)
 


Andererseits steht nicht nur der diesjährige Welt-AIDS-Tag unter dem Motto Impulse für den Wandel.- Seit dem 27.09.98 wird dieses Land in anderen Farben regiert und die ehemaligen Regierungsparteien befinden sich personell, aber auch in Einstellungsfragen im Umbruch. Sicherlich können auch wir weiterhin das Lied der Unzufriedenen singen, denn das, was wir brauchen, kriegen wir schlicht und einfach bis heute - gerade von der CSU- nicht, aber jeder Wandel vollzieht sich in einzelnen Schritten.

Stadtrat Michael Frieser (CSU) versicherte mir, daß die alte Einstellung, Fliederlich solle sich auflösen, ein Schwulen- und Lesbenverein gehöre nicht in diese Stadt, mittlerweile nicht mehr in der Nürnberger CSU vorherrsche. Das, ebenso wie Dagmar Wöhrls Schreiben sind ungewohnte Äußerungen, ein kleiner Erfolg nach 20 Jahren Fliederlich-Arbeit, nicht das Ziel, nicht zufriedenstellend, wenn keine Taten und Bewilligung von Geldern folgen, vielleicht nur Einzelne, die sich ein bischen weit aus dem Fenster lehnen, aber vielleicht auch der Anfang für den Wandel.

Den haben sich alle, die CSU nach Wählerschwund und wir nach viel ehrenamtlicher Arbeit auch redlich verdient. Wir können ja nun auch mal das Lied der Optimisten singen und glauben, was man uns sagt.

Volker Kern