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Essen + Trinken



kulinarisches
Essen und Trinken auf den Kanaren
 
 
 

Zunächst das vermeintlich Wichtigere: Getränke

Die kanarischen Inseln sind Weinanbaugebiet und man sollte keinesfalls versäumen, einheimische Weine zu probieren oder auch mitzunehmen. Wir haben diesem Thema eine eigene Weinseite gewidmet.

Des Deutschen liebstes Getränk, das Bier, gibt es auf den Inseln allerorten. Auch bei den Einheimischen ist Bier recht beliebt, man genießt es jedoch lieber in kleinen Portionen. Eine "Halbe" oder gar eine "Maß" käme einer Überdosis gleich.
In den Touri-Zentren bekommt man ohne Probleme heimische Marken, wie Paulaner, Bitburger, Warsteiner oder Dortmunder Union. Auch Weißbier und Weizen, sowie englische und irische Marken sind verfügbar.
Doch auch die örtlichen Bierproduzenten haben einiges zu bieten:
Auf den Inseln der Provinz Gran Canaria ist "Tropical" die beherrschende Marke (etwas süß), auf den westlichen Inseln dominiert der Hersteller "Dorada", dessen "Cerveza CCC" wirklich qualitativ super ist. Ferner trifft man häufig auf die Marken "Más" (weniger herb) und komischerweise auch immer wieder auf das holländische "Heineken", besonders wenn man
Dosenbier verlangt.
Empfehlenswert auch "Cerveza Nacionales Especiales", welches allerdings vom Festland kommt.
Es halten auch südamerikanische Marken Einzug, wie das venezolanische "Oso Polar".

dorada
Das wirklich gute "DORADA" gibts vom Faß und in den
hier gezeigten Einheiten.

Leider wurden die früher noch erhältlichen 0,2l-Flaschen,
"quinto" (ein Fünftel) genannt, durch 0,25l-Einwegflaschen
ersetzt.
Im Sprachgebrauch heißen sie jedoch immer noch "quinto".
 

Das Thema "Weinbrand und Cognac" haben wir ebenfalls auf unserer Weinseite abgehandelt.

Bei den Weinbränden und auch und insbesondere bei Rumsorten entspricht die Bezeichnung "añejo" unserem Label "VSOP" (wobei sich die Gelehrten immer noch streiten, ob es "very special old pale" oder "very special old product" bedeutet), also 5 Jahre gelagert, davon mindestens 3 Jahre im Faß (Eiche).

Wieder einmal sollte sich der Kanaren-Reisende bewußt sein, daß er sich in zollfreiem Gebiet aufhält und er deshalb sowohl eine ungewohnte Markenvielfalt als auch humane Preise vorfindet. Beim Rum daher auf Baccardi verzichten sondern auf "Pampero" oder "Havanna Club" (excellent, bes. black label) zurückgreifen, "Captain Morgan" ist auch nicht übel.
Eine Spezialität ist RonMiel (Rum mit Honig), der besonders unter Frauen sehr beliebt ist (gibts von versch. Marken) und der Likör "Tia Maria". Insobesondere Liköre gibts in Hülle und Fülle ("Escorial", "43"etc.).

Desgleichen verhält es sich beim Whisky, der, ob Scotch oder Bourbon, auch bei den Einheimischen sehr beliebt ist.
"Larios" ist die auf den Inseln beliebteste Gin-Marke. Hier immer "ginebra" verlangen, "gin" versteht außerhalb der Touri-Zonen niemand.
Wenn die Stimmung so richtig auf dem Siedepunkt ist, beginnen erfahrungsgemäß die Tequila-Runden.
Der Hit hierbei ist natürlich der Mescal "Gusano Rojo" (der mit dem Wurm).
Allgemein entsprechen Longdrinks eher weniger kanarischer Trinktradition (Ausnahme natürlich die Hotels usw.), man genießt entweder pur oder auch in interessanten Varianten ("biski con sprit" - soll heißen Whisky mit Sprite).


Natürlich gibt es auf den Inseln auch Getränke, die keinen Alkohol enthalten !
Die Reihenfolge der Liste spiegelt nicht unbedingt unsere Schwerpunktsetzung
wider, sondern das Interesse vieler Leser.

Kaffee ist auf den Inseln Lebensart. Deshalb gibt's ihn auch in vielen Variationen -
als café solo, café con leche, cortado (mit leche condensada), cortado con leche y leche oder als carajillo (schon wieder allohol ...). Ferner "descafeinado" (ohne Koffein).
Teetrinker werden ihre Probleme haben. Zunächst gibts Tee nur in Beuteln, wenn man Glück hat von der Marke Lipton. Die spanische Marke "Carmencita" ist unter aller Kanone.
Teilweise wird dem Teekonsumenten der Genuß auch durch das manchmal überchlorte Leitungswasser verdorben. Daher sollte man zur Zubereitung agua mineral aus der Flasche verwenden.
Die heimischen Mineralwässer charakterisieren sich meist durch einen sehr niedrigen Natriumgehalt, was durchaus positiv ist.
Hier noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache zum Thema Mineralwasser: in Bars ist es oft üblich, leere Plastikflaschen mit der Heißluft der Kaffemaschine zu "schrumpfen", so daß sie im Müll weniger Platz wegnehmen. Sollte das vor ihren Augen geschehen, lieber in Deckung gehen. Hier entwickeln sich nämlich toxische und karzinogene Gase (PVC-Gehalt). Versuchen Sie jedoch nie, einen Barkeeper zu bekehren -
es hätte tatsächlich keinen Sinn und würde nur Kopfschütteln verursachen .......

Man sollte zu schätzen wissen, daß es auf den Inseln Produkte gibt, die in Deutschland nicht
existieren. So z.B. Fruchtsäfte (bzw. Nektare) der verschiedensten Sorten und Mischungen. Wir persönlich bevorzugen den zumo "piña-pera" (Ananas/Birne).
Auch den bei uns nicht erhältlichen (weil Produkt aus Südafrika) "Appletise", ein vorzüglicher Apfelsaft, sollte man genießen. Statt "Sprite" ist "7UP" viel beliebter und das spanische Fanta ist auch gewöhnungsbedürftig, da viel dunkler und mit Fruchtstücken.
Milkshakes heißen auf den inseln "batidos".
Das absolute Negativbeispiel heimischer Getränke sind die als Fruchtlimos deklarierten künstlich gefärbten gräßlich schmeckenden Zuckerwasser der Firma "Kás", die sich jedoch mit "Clipper" oder "Fresa" kaum etwas nimmt. "Schweppes" ist stark vertreten und wird oft, ohne nachzufragen und eigenmächtig anstelle von Fanta serviert. Manche Menschen reagieren auf diese Marke mit Sodbrennen.

Ein Wort noch zum Speiseeis aus der Tiefkühltruhe, meist von "Kalise": Oft ist klar ersichtlich, daß das Eis schon einmal (oder gar mehrfach) angetaut war, bevor es wieder gefroren wurde (Transport, Stromausfall) - im Zweifel sollte man seine Kinder damit verschonen.
 
 


 

comida






Wer trinkt, der muß auch essen .... Kulinarisches
 
 

Paella ist ein kontinental-spanisches Gericht und hat den Weg auf die Kanaren nur gefunden, da von Urlaubern immer wieder mit Beharrlichkeit danach gefragt wurde, man sei ja schließlich in Spanien.
Wer sich damit begnügt, versäumt viel.

Der kundige Kanaren-Reisende kann sich locker 1 Monat von Fisch ernähren, ohne je zweimal
das selbe zu essen. So bietet sich auf den östlichen Inseln vorzugsweise Merluza (Seehecht) oder Lenguado (Seezunge), auf den westlichen (Provinz Teneriffa) Aguja (Hornhecht), Peto (Wahoo), Pez Espada (Schwertfisch), Bonito bzw. Listado, Rabil oder Atún (Thunfischarten).

In den Gewässern des gesamten Archipels werden folgende Fische gefangen, die gebraten, gegrillt, gebacken oder als Bestandteil einer Fischsuppe sämtlich eine Delikatesse darstellen:
Mero (Zackenbarsch), Medregal und Cherne (Großbarsche), Pampano (Deckenfisch), Gallo (Drückerfisch), Alfonsiño oder Tableta (Kardinalsfisch) - letztgenannte nerven den Genießer aufgrund ihrer Größe bzw. ihres Körperbaus kaum mit Gräten.
Ferner die verschiedenen Samas (Zahnbrassen) und Sargos (Spitz- bzw. Geißbrassen).

Die kleineren, nicht weniger schmackhaften Fischarten sind: Chopa (schwarze Seebrasse), Dorada (Groldbrasse), Caballa (Makrele), Conejo de mar (Lanzenfisch, Meerhase), Cabrilla (Ziegenbarsch) und natürlich DER Speisefisch der Inseln überhaupt, die Vieja (Papageienfisch).
Eine gute Fischsuppe enthält neben Reis und Safran (Knoblauch sowieso) Vicuda (Barracuda),
Pejeperro,  Bocanegra oder Abade (Kabeljau) oder Cantarrero (Drachenkopf).
Wer sich für die einheimischen Fische bzw. Rezepte interessiert, findet uferlose Information und wunderbare Zeichnungen bei Lu Wiegand (Lanzarote) !

caldo

Einfache Fischsuppe
"caldo de pescado"
 
 

Auch eine "sopa de mariscos", eine Meeresfrüchtesuppe sollte man unbedingt einmal probiert haben, sie macht allerdings süchtig (!).
Ferner hält das Meer Gambas bzw. Camarones (scampi, garnelen), cangrejos (Krebse), Morenas
bzw. Congrio (Muränen bzw. die Großausgabe, den Conger bzw. "Meeraal"), Pulpo (Krake), Calamar oder Chocos (Tintenfisch) und Lapas (Napfmuscheln) bereit.

lapas

Lapas mit Mojo
 
 

Eine Spezialität sind Burgados (Meeresschnecken) oder Chochos (Altramuses).
Mejillones (die bei uns so beliebten Miesmuscheln) stehen zwar oft auf der Speisekarte, man sollte sich jedoch bewußt sein, daß diese in der Region nicht vorkommen und daher gefrorene Importware darstellen.
Nicht zu vergessen auch Anchoas oder Boquerones (Sardellen), die fritiert oder "en vinagre", in Essig serviert werden, letzteres das ideale Katerfrühstück.

An Fleischgerichten ist "conejo en salsa" (Kaninchen) oder "carne de cabra" (Ziegengulasch) zu empfehlen. Auch die kanarischen Eintopfgerichte "rancho canario", "potaje", "puchero" oder "ropa vieja" sind ein Muß auf der kulinarischen Reise durch diese Region. Außer dem "rancho canario", der neben Nudeln eigentlich immer Fleisch enthält, gibt es von den restlichen Eintöpfen immer auch eine vegetarische Variante, eine Spezialität der Insel La Gomera ist "potaje de berros", Brunnenkresseeintopf.
Auf Fiestas, besonders in kleinen Dörfern zu bestimmten Anlässen, gibts oft "cabrito" (Zicklein) oder "cordero" (Lamm), welches unmittelbar zuvor geschlachtet und gänzlich am Spieß gebraten wird.
Gerade hier wird der vermeintliche Fleischesser auf eine harte Probe gestellt, denn das Schlachten, Ausnehmen und Zubereiten geschieht vor aller Augen. Gelegenheit für den "zivilisierten" Gourmé, seine Essgewohnheiten möglicherweise zu überdenken.

carne de cabra

Carne de Cabra
mit
papas arrugadas
 
 

Zum Nachtisch gibts natürlich einen "flan" (Caramelspeise).
Hier müssen auch unbedingt einmal die vielen in der Region wachsenden schmackhaften Früchte Erwähnung finden, wie Ananas (piñas), Bananen (platanos), Feigen sowie Katusfeigen der Opunzie (chumberos, tunos oder higos pictos), Papayas, Mangos, Aprikosen, Pfirsiche, Avocados und natürlich Zitrusfrüchte jeder Art !
Die Mandeln der Inseln haben eine harte Schale, aber ein unvergleichliches Aroma.

Zu allen Gerichten wird normalerweise eine Beilage serviert. Hier sollte man auf "papas fritas"
(Pommes) verzichten und "papas arrugadas" probieren. Das sind kleine kanarische Süßkartoffeln, die in Meerwasser gekocht wurden und dann eine natürliche Salzschicht auf der Pelle haben.
Dazu unentbehrlich: Das magische Dreieck aus "mojo rojo", "mojo verde" und "alloly".
Spezielle Mojo-Rezepte gibts a bei uns auf der Downloadseite (obwohl das ja eigentlich "verboten" ist)!
 

mojo

Kein typisch
kanarisches Gericht ohne Mojo !
 
 
 

Nicht wegzudenken aus der kanarischen Esskultur ist der "Gofio" (geröstetes Getreide), der entweder herzhaft mit Fischsuppe zu "calderones" (kleine Bällchen) vermengt oder mit Früchten oder/und Honig und Milch als Müsliersatz genossen wird.

Den Weg von Venezuela auf die Inseln gefunden haben die "arepas", sehr köstliche Maismehltaschen (etwa doppelt so groß wie schwäbische Maultaschen oder Ravioli) mit gut gewürztem Hackfleisch gefüllt.
Wird oft als Tapa angeboten, zu erkennen an der goldbraunen Farbe.

Ferner ist der "miel de palma" (Palmenhonig) zu erwähnen, der vorwiegend auf La Palma und Gomera erhältlich ist, sowie die "quesadillas", ein wirklich feines Gebäck aus Isora (El Hierro). Ziegenkäse (queso de cabra) ist eine Spezialität, wobei wiederum die kleinste Insel mit ihrem "queso herreño" eine "Spezialität der Spezialitäten" hervorbringt.
Zu den sehr beliebten "dulces" (Süßspeisen) insbesondere beim Frühstück gehören die "churros", ein Brandteiggebäck.
 

Ein eigener Bereich der span./kanarischen Küche - TAPAS !

Tapas sind am ehesten durch "Appetithappen" zu übersetzen, sind jedoch ein Stück Kultur und Lebensart.
Tapa bedeutet eigentlich "Deckel" und die Historie sagt, früher hätte man die Apperitivs mit einer Untertasse bestückt mit Oliven oder Käse dem Gast gereicht, um die Fliegen vom Getränk abzuhalten, als Deckel sozusagen. Einfachere Erklärungen besagen, daß der trinkfreudige Gast einfach mal einen Zwischenboden, einen "Deckel" zw. die konsumierten Getränke angeboten bekäme, also eine Tapa.
Wie auch immer, hier eine kleine Auswahl von typischen Tapas, welche in der Regel in einem Glaskasten (mostrador) auf der Theke zu bewundern sind und meist schon durch ihre visuelle Wirkung den Appetit ungemein anregen - - - - >

Tortilla (Kartoffelspeise mit Ei und div. Zugaben), Ensalada de Atún (Thunfischsalat mit fangfrischem Fisch natürlich), Albondigas (würzige Fleischklößchen mit Gemüse und Kartoffeln), Muslos de Pollo (knusprige Hühnchenschlegel), Ensaladilla (Kartoffelsalat), Macarrones con carne molida (Makkaroni mit Hackfleisch oder wahlweise auch andere Fleischsorten), Morenas fritas (fritierte Muränenstückchen) oder ein absoluter Hit, Codorniz en salsa (kanarische Wildwachtel in Sauce).
Diese Liste ließe sich natürlich endlos weiterführen. Wir belassen es hierbei, denn man bekommt tatsächlich bereits Hunger beim Schreiben .......

Ein letztes Wort noch zur kanarischen Gastronomie. Auf den Inseln wird der Besucher natürlich Restaurants und Kneipen jeglicher Coleur und jeglichen Standards vorfinden. In Touri-Gebieten ist es mit "authentischen" Lokalen so eine Sache. Es wird viel gepanscht und verdorben.
Oftmals hört man von Urlaubern den Ausspruch "ich möchte mal TYPISCH spanisch essen gehen" (meinen natürlich "kanarisch"). Die Frage ist nur - wohin ?
Eine wichtige Grundregel hierbei ist natürlich, den Blick dahin zu richten - wo gehen die Einheimischen hin ?
Wo die heimische Bevölkerung nicht speist, dort kann es nicht typisch sein, einzig vielleicht viel zu teuer !
Wo keine Tapas angeboten werden, dort ist es in der Regel mit "orginial kanarischem Ambiente" nicht weit her, ebensoweinig, wenn kein einziger heimischer Wein auf der Karte steht oder wenn die Frage nach Mojo ziemliche Verwirrung und Ratlosigkeit bei Bedienung und Küchenchef hervorruft.

Wagen Sie doch mal den Sprung ins kalte Wasser und kehren (woimmer Sie auch sind) in eine deutlich von Einheimischen (vorzugsweise Familien mit Kindern) frequentierte Kneipe ein !
Sie werden zwar keine deutsche Speisekarte vorfinden, aber nette, zuvorkommende und gastfreundliche Menschen kennenlernen, die sich trotz Sprachbarriere nicht davon abhalten lassen, mit Ihnen einen sehr verbindlichen Kontakt zu suchen.
Und vielleicht - ja vielleicht gewinnen Sie sogar neue Freunde und werden zuhause von unvergeßlichen Stunden berichten können.
Wir wünschen es Ihnen jedenfalls !
 



 
 


by CanConsult  Frank Echtermeier