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"Out of Many, One People"
Die Entwicklung einer jamaikanischen kulturellen
Identität am Beispiel der Musik
"Out of Many, One People"
"Aus vielen Völkern ein Volk": Leitsatz Jamaikas seit der Unabhängigkeit
"Reggae means comin´from the people, y´know? Like every day thing. Like from ghetto.
From majority. Every day thing that people use like food, we just put music to it and make a
dance out of it. Reggae means regular people who are suffering, and don´t have what they want."
Toots Hibbert, The Maytals, Komponist von "Do the Reggay!" in Reggae Bloodlines
"Ich möchte noch was über die Geschichte von Afrika und vom Reggae sagen. Afrika ist nur
ein Spitzname; Äthiopien ist der eigentliche Name für den ganzen Kontinent. Reggae ist Königsmusik,
vom lateinischen regis für König abgeleitet. Und weil es in Äthiopien (Afrika) so viele Könige gibt,
muß man sie mit königlicher Musik unterhalten. Wenn du also mit viel Baß und Trommeln Reggae spielst,
bist du geistig im Einklang mit Afrika. Der Rhythmus ist mit dem Pulsschlag verbunden."
Bunny Livingston, Mitglied der Wailers in einem Interview mit der Zeitschrift Rockers
"Cultural poems spring from the history and experiences of the people who develop them,
so are calypso and reggae products of the historical experiences of Africans in the Caribbean.
But, while the medium of expression of protests and sentiments of the Africans in the Americas
have taken varying forms, we find the content and spirit of Jazz and Blues in Afro-America, and
the present Reggae in Jamaica reflect the same message - a reaction to the exploitation and
oppression of the Africans in the New World"
Patrick Hayton 1975 (zit. in: Campbell 1985, S. 124f.)
"Jamaican have retained their individuality, which is most appealing when you live in a very
organised type of society, which much of the world is. A jamaican is a kind of natural rebel, the rebel
against the system, which is always appealing to the public."
Chris Blackwell 1993 im Booklet zur Compilation "The Story of Jamaican Music"
"Wir müssen unserem Volk das Gefühl der ewigen unabänderlichen Abhängigkeit nehmen.
Wir müssen ihm Vertrauen einflößen in seine eigene Fähigkeit, das eigene Schicksal zu gestalten und zu lenken"
Michael Manley, ehemaliger Premierminister von Jamaika
1. Einleitung
Die Geschichte der jamaikanischen Musik geht 400 Jahre zurück zu den Tagen der
Sklavenzeit. Nach der Entdeckung Jamaikas und der Ausrottung der Ureinwohner wurde
Jamaika von Menschen bewohnt, die ursprünglich entweder aus Europa stammten oder
aus Afrika. Sie hatten keine gemeinsame Kultur und keine gemeinsame Identität. Die meisten
Bewohner Jamaikas sind aus Nachfahren dieser Sklaven, die nur wenige Elemente der verschiedenen
afrikanischen Kulturen bewahren konnten. Ein Element dieser afrikanischen Kulturen ist die Musik.
Ich möchte daher in meiner Arbeit die jamaikanische Musik als ein Element einer kulturellen
jamaikanischen Identität untersuchen. Wie kommt es, daß Reggae und Jamaika untrennbar miteinander
verbunden sind? Was passierte, damit Reggae zum Symbol einer geteilten nationalen jamaikanischen
Identität wurde? Welche Prozesse wirkten?
Zunächst werde ich in einem theoretischen Teil das Konzept der kulturellen Identität darstellen und
den Kreolisierungsprozess erläutern. Nach einer kurzen Einführung in die Region und die heutigen
Musikformen werde ich im Hauptteil meiner Arbeit die Entwicklung jamaikanischer Musik und ihre
Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Prozessen herleiten, die als Merkmal für Bildung einer kulturellen
Identität der Jamaikaner steht.
1.1. Methodologische Vorbemerkungen
Da der Anteil der afrikanischen Bevölkerung in Jamaika von Beginn der Sklaverei an sehr hoch war (ca. 90%),
beeinflußten deren gesellschaftlichen Erfahrungen die Kulturproduktion in so großem Maße, daß die
jamaikanische Musik als Musik der afrikanischen Mehrheit und damit Volksmusik gelten kann.
Daher beziehe ich mich in folgender Arbeit ausschließlich auf diese Musikformen.
Soweit mir bekannt ist, existierten reine europäische (oder asiatische) Musikformen nur in kleinsten Nischen,
daher werde ich sie hier vernachlässigen.
Diese Arbeit entsteht zwar unter dem Seminarthema "Ethnische Identität und Musik", da es sich im Fall von
Jamaika aber um eine Bevölkerung handelt, die sich aus Afrikanern verschiedenster Regionen, Europäern und
später auch Asiaten zusammensetzt, kann man - zumindest bei ihrem Zusammenstoß - nicht von einer
ethnischen Gruppe sprechen, da sie keine gemeinsamen kulturellen Werte teilten, zunächst kein Netz
von Kommunikation und Interaktion hatten, keine gemeinsame Identifikation von innen und außen besaßen
und auch keine historische Kontinuität aufwiesen. Ich werde daher im nachfolgenden von kultureller Identität sprechen.
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