Beobachtungsbericht Sofi 21.Juni 2001
Standort: Sambia, Kafue National Park,
in der Wildnis zwischen Lufupa Camp und Busanga Plains, etwa 6 km südlich der Zentrallinie
Alle Zeitangaben in Ortszeit. Da wir schon fast zwei Wochen in mehr oder weniger Wildnis unterwegs waren, sind diese auch mehr oder weniger genau (+/- 3 Minuten vielleicht).
Wir haben uns einen Standort mitten in der Wildnis gesucht, um die Sofi in aller Ruhe genießen zu können. In rund 300 m Entfernung Richtung Südosten lag ein größeres Wasserloch mit etlichen Nilpferden (Hippo Pool), ca. 100 m Richtung Nordwest ein großer Baobab-Baum mit einem Schreiseeadler-Horst.
Beobachtungsgeräte waren neben mehreren Feldstechern die Kameraobjektive, eine Thermometer, oder halt das bloße Auge mit und ohne Sofi-Spezialbrillen. Ein Fernglas (7x50) haben wir auf ein Stativ geschraubt und benutzen dies, um die Sonnenscheibe auf ein weißes Blatt Papier in ca. 120 cm Entfernung zu projizieren.
Beginn der Finsternis war natürlich pünktlich um ca. 13.40 Ortszeit, langsam schiebt sich der Mond vor die Sonne.
Gegen 14.20 Uhr wird das Licht der Sonne wahrnehmbar schwächer. Mir erscheint alles irgendwie leicht gelblicher, vielleicht nimmt man aber auch nur die Kontraste stärker wahr. Ganz deutlich ist erkennbar, das alle Schatten schärfer gezeichnet werden. Allmählich ist jedes einzelne Haar auf meinem Kopf (ich gebe zu, es sind nicht mehr gar so viele) im Schatten gut zu erkennen.
Wir machen ein kleines Experiment mit einer simplen „Lochkamera“. Durch verschieden große Löcherprojizieren wir die Sonnenscheibe auf die weiße Außenhaut unsres Toyota Landcruisers. Das Abbild der Sonne ist natürlich (unabhängig von der Lochgröße) immer gleich groß, bei kleinren Löchern jedoch ungleich schärfer.
Um ca. 14.30 wachen die Hippos im Pool auf und beginnen zu grunzen, wie sie es sonst nur in der Abenddämmerung machen. Auch scheinen jetzt die Vögel – ebenfalls wie gegen Abend – wesentlich aktiver zu sein und aufeinmal alle Lieder anzustimmen.
Jetzt kann man die Verfinsterung der Sonnenscheibe auch ganz ohne Hilfsmittel deutlich erkennen: Im Schattenwurf der umliegenden Bäume zeigt sich zum beispiel auf unserem Campingtisch die Sonnensichel vielfach.
Um 15 Uhr ist es schon deutlich dämmeriger. Kurz danach kehrt der Schreiseeadler zu seinem Horst zurück. Glaubt er wirklich, die Nacht kommt oder hat er nur neue Nahrung für seine Jungen? Nein, er scheint sich richtig in den Horst hinein zu drängen.
Und dann beginnt die Totalität. Die „Sonnensichel“ wird immer schmaler, ein letzter Lichtblitz und die Korona erscheint. Wau! Zu meiner Überaschung wird es nicht so dunkel wie ich es gedacht habe. Im Osten ist es am Horizont immer noch etwas heller. Jupiter ist links unterhalb der Korona deutlich zu sehen.
„Jetzt bloß nichts falsch machen“ geht es mir durch den Kopf, immer abwechselnd den Drahtauslöser an meiner Kamera bedienend und die Verschlußzeiten steigern von 1/1000 auf immer größere Zeiten (bis hin zu wenigen Sekunden), irgendein Foto der Korona wird dann hoffentlich etwas werden. Nach 20 solchen Bildern ist der Film voll und ich Idiot beginne, den Film zurück zu spulen, rauszunehmen, einen neuen einzulegen und weiterzufotografieren... Doch zwischendurch greife ich zum Fernglas und bin nur begeistert: Mehrere Protuberanzen sind knallrot zu erkennen.
Jetzt ist es im Osten etwas dunkler geworden, aber im tiefen Westen wird es schon etwas heller.
Dann wieder ein paarmal Auslöser beim Fotoapparat drücken, Belichtungszeit ändern, weiterspulen.
Schon kommt von der anderen Seite der Sonne wieder ein Lichtstrahl, die Korona verschwindet, der Himmel wird heller, eine neue „Sonnensichel“ erscheint am Himmel, alles ist vorbei, die dreieinhalb Minuten Totalität sind vorbei. Wirklich? So schnell? Das waren doch höchstens 90 Sekunden denke ich, doch jetzt ist es wirklich wieder deutlich heller, es ist tatsächlich so, die Sonnenfinsternis geht ihrem Ende entgegen.
Unglaublich! Aber wir waren tatsächlich dabei. Jetzt einen Blick auf das Thermometer werfen: Tatsächlich, es sind nur noch 16 Grad. Waren es nicht vor einer halbenn Stunde noch 23 und vor 15 Minuten 22 Grad? Auch die Luftfeuchtigkeit ist erwartungsgemäß angestiegen (In der kommenden Nacht wird die Temperatur übrigens noch auf Null Grad sinken und auf dem Autodach wird sich eine Eisschicht bilden). Die Abkühlung ist deutlich zu spüren, doch zum Glück dauert es nicht lange und die temperatur steigt wieder auf über 20 Grad an.
Wir greifen erstmal zu einer Flasche Sekt. So ein Erlebnis muß gefeiert werden. Im Pool höre ich wieder die Hippos grunzen. Ob sie es aus dem Wasser geschafft haben? Oder legen sie sich wieder schlafen? In der folgenden Nacht (nach gut drei weiteren Stunden verschwindet die Sonne glutrot am Horizont) ist es jedenfalls wesentlich ruhiger als in der Nacht zuvor.
Das Foto hat zwischendurch mein Bruder Ulrich mit seiner Digitalkamera geschossen. Wenn man etwas genauer hinschaut, kann man in der Sonnenkorona eine dunklen Fleck, den Mond, erkennen und links unterhalb der Sonne einen kleinen hellen Punkt, den Jupiter. Die Kamera hat wahrscheinlich seine Schwierigkeit gehabt, mit den Lichtverhältnissen klar zu kommen. In der Dunkelheit wollte sie wohl länger belichten, deshalb erscheint die Korona doch deutlich überbelichtet.
Mal sehen, ob unsere Dias oder Papierbilder etwas geworden sind. Wenn dies der Fall ist, wird dieser Bericht in der kommenden Woche noch ausgebaut.
