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Libyentour 1998
vom 1. bis 13. September

Teil I

Mit diesem Bericht beabsichtige ich nicht nur über eine Reise zu berichten, sondern vor allem Vorurteilen entgegenzuwirken, die nicht geeignet sind, die gerade hierzulande vielgepriesene Völkerverständigung herbeizuführen, sondern nur dazu dienen, den Unfrieden in der Welt zu erhalten. Ein Diktator ist nicht schon deshalb böse, nur weil er ein Diktator ist. Ein Gadaffi ist nicht besser und ganz bestimmt nicht schlechter als ein Clinton oder Schröder. Wer einmal im Staat Gadaffis war, der erhält erst einen Begriff vom Sinn des Wortes "arabische Gastfreundschaft" (möge sie ewig währen), die in anderen (meist westlich orientierten) arabischen Staaten oft nicht mehr oder nur noch in Ansätzen vorhanden ist, nämlich dann, wenn Geld dabei herausspringen könnte. Am Beispiel Libyens zeigt es sich deutlich, daß es nur die Politik ist, die Menschen zu Feinden macht. Es ist jedenfalls ein Staat, der allen "Demokratisierungsversuchen" seitens des Westens mit Erfolg trotzt mit einem Führer an der Spitze, der sich nicht wegbomben ließ. Das Land genießt Dank der Verleumdungkampagnen einen denkbar schlechten Ruf, was sich aber insofern positiv auswirkt, als daß dadurch Libyen noch auf viele Jahre von der Touristenflut verschont bleiben wird. Die unangenehmen Neckermänner, die in den Urlaub fahren, um Tags am Strand zu liegen, abends einen Rausch im Gesicht haben, sich die Nächte in Diskos um die Ohren schlagen und zu jeder Tages und Nachtzeit den Dicken markieren wird man in Libyen vergebens suchen. Auch die ebenso unangenehmen Beleiterscheinungen, die von lästigen Ramschverkäufern über zubetonierte Landschaften bis zu Taschendiebstählen reichen hören spätestens in Tunesien auf. Es ist in dieser Hinsicht sozusagen noch ein Fleckchen "Heile Welt". Wenn man in Libyen auf der Straße von Unbekannten gegrüßt und angesprochen wird, dann deswegen, weil sie sich aufrichtig freuen, daß Fremde ihr Land besuchen und nicht, weil sie am Touristen verdienen wollen. Im Gegenteil. Als Fremder wird man oft eingeladen, mehr als einmal mußten wir für das bestellte nicht bezahlen oder ein einheimischer Gast hatte die Rechnung bereits übernommen. Auch so etwas wie Kriminalität scheint in Libyen nicht zu existieren, zumindest nicht seitens der Einheimischen, sondern hierfür sind hauptsächlich die angeblich ziemlich unbeliebten Gastarbeiter, die aus dem Sudan, Tschad, Niger und Nigeria nach Libyen kommen zuständig.
Leider sind die ersten drei Filme dieser Reise zerstört worden (die Kamera war schuld), so daß mir nur die anderen drei blieben.

Gadaffis Politik mag man beurteilen wie man will - wenn er im grünen Buch schreibt "Dauerhafte Beziehungen bestehen unter Völkern, nicht zwischen Regierungen", dann hat er, glaube ich, nicht ganz unrecht.
MoKo, Kradblatt und Bremer Motorradanzeiger.

Metzger Kartographiestdent Navigator
Westmar Schüler (BOS) Fahrer

Kilometerstand bei Abfahrt: 513.042 km


Vorbereitungen

Für die Reise nach Libyen ließ ich am Fahrzeug einige änderungen vornehmen.
Zunächst baute ich einen sogenannten Tropenkühler (stärkere Kühlleistung für Anhänger- und Klimaanlagenbetrieb) ein und besorgte mir verstärkte Federn, da zu erwarten war, daß für diese Fahrt etwas mehr Gepäck mitgenommen werden mußte als sonst.
Dann verstärkte ich meine Bemühungen, eine Klimaanlage für den W123-Diesel zu bekommen. Das war, wie sich bald herausstellen sollte, nicht sehr einfach, da kein Schrottplatz im Umkreis von 200 km eine solche hatte und im Fachhandel war sie ob der geringen Nachfrage auch schon lange nicht mehr erhältlich. Bei Mercedes-Benz hätte alleine das Material 7.500 DM gekostet und somit Thema erledigt. Nach einem Telephonat mit einem Zuständigen vom Mercedes-Benz W123 Club klappte es dann plötzlich. Ich erfuhr, daß die Fa.Weileder in Garching für knappe 3.000 DM noch Klimaanlagen für den W123-Diesel einbaute. Ich setzte mich mit der Firma in Verbindung, bekam einen Termin und innerhalb eines Tages hatte ich eine funktionierende Klimaanlage auf dem neuesten Stand der Technik im Auto. Nur der Sachbearbeiter sah mich etwas komisch an, als er nach dem km-Stand fragte und ich mit 472.000 antwortete.
Nachdem diese eingebaut war besorgte ich mir noch einen Ölkühler und ein neues Ölfiltergehäuse und baute beides ein, was nach einigen Ölbädern dann auch klappte. Und weil ich gerade noch etwas Geld übrig hatte verpaßte ich meinem Kameraden noch ein Nebelhorn, da in südlichen Ländern eine starke Hupe oft wichtiger ist, als ein starker Motor.
An Ausrüstungsgegenständen besorgte ich mir beim Därr, einem Expeditionsausrüster in München einen Dachgepäckträger der zwar "Made in Italy", aber trotzdem erstaunlich stabil ist, Sandbleche und Trinkwasserkanister (USMC), Bergegurte und zum ersten mal wurden bei einer Reise Werkzeug und Ersatzteile eingeplant.

An Schreiberei gab es auch noch einiges zu erledigen:

  • Pässe: Die Pässe müssen mindestens 6 Monate über den geplanten Ausreisetermin aus Libyen hinaus gültig sein.
  • Paßstempel: Für eine Reise nach Libyen muß man sich einen "Libyenstempel" oder "arabischen übersetzungsstempel" holen, der auf eine (meist auf die letzte) Paßseite aufgedrückt wird. Diesen bekam ich gegen eine "Gebühr" von 10,-DM in München.
    Städt. Kreisverwaltungsreferat
    Ruppertstr. 19
    80337 München
    Tel.: (089) 2 33 00
  • Passübersetzung: Bei einem vereidigten Übersetzer müssen dann die Paßdaten in den Stempel eingetragen werden. In München kann man sich an folgende Adresse wenden:
    Dr.Talib Al-Sultan - Übersetzungsbüro
    Dresdner Str. 19
    80993 München
    Tel.: (089) 1 49 23 11
    Fax: (089) 1 49 22 00
  • Visum-Antragsformular: Diese sind schriftlich (ein frankierter Rückumschlag in DIN-A4-Größe ist dem Schreiben beizufügen) Anzufordern beim
    Volksbüro der Sozialistischen
    Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija
    Beethovenallee 12a
    53173 Bonn
    Tel.: (0228) 82 00 90
    Fax: (0228) 36 42 60
  • Visa beantragen: Hierzu müssen pro Person zwei grüne Antragsformulare (auf keinen Fall knicken) vollständig ausgefüllt und jeweils mit einem Lichtbild (Paßphoto) versehen samt den übersetzten Pässen und 56,-DM in Bar pro Paß sowie ein frankierter Rückumschlag an das Volksbüro (s.o.) zurückgeschickt werden. Die Bearbeitung erfolgt dann relativ schnell.
  • Fähre: Die Fähre mußte rechtzeitig gebucht werden (Genua - Tunis und zurück 2.240,-DM). Dies erledigte ich auch über die Fa.Därr, bei der man auch sonst
  • Karten, Reiseführer und allgemeine nützliche Reiseinformationen einholen kann.

    Ursprünglich war für die Fahrt die Stammbesatzung von Norwegen, sprich Metzger, Günther und Westmar eingeplant. Leider war ein "Mädchen" unter uns: Günther ließ sich vom Geschwätz der Leute, die vielleicht von ihrem Pauschi-Urlaub an der Costa Brava etwas verstehen, verrückt machen und sagte zwei Tage vor der Abfahrt, als er Visum und Fährendrittel schon bezahlt hatte, ab nachdem er sich nach Köln abgesetzt hatte und so fuhren wir eben nur zu zweit. Besser so. Weniger Gewicht und Unkosten, dafür mehr Platz.

    Dienstag, 1. September 1998
    Um 22:30 Uhr brachen wir auf in Richtung Genua. Die Fähre nach Tunis ging um 8:00 Uhr und wir sollten pünktlich sein, denn die würde auch ohne uns fahren. Zuvor hatte ich an der LOMO noch den Tank bis zur Halskrause gefüllt. Das Auto war schwer beladen, stand jetzt aber dank der verstärkten Federn noch relativ hoch. Das sollte sich noch ändern, wenn erst die zehn Diesel- und Wasserkanister auf dem Dach gefüllt waren.
    Mein Beifahrer ist ein angenehmer Zeitgenosse, nur scheint er ständig in seiner eigenen Traumwelt versunken zu sein und checkt halt gaar nichts, wie ein Stück Holz. Eine Begenbenheit möchte ich kurz schildern, die seinen Charakter ziemlich deutlich macht. Er war in meiner Parallelklasse und im Skilager war er mit einer Gruppe anderer beim Rauchen, was in der 8. Klasse ja nicht erlaubt ist. Als der Lehrer heranschritt warfen alle rechtzeitig die Cigartten weg. Nur der Michl hatte es nicht geschnallt, daß der Sammüller Lunte gerochen hatte und mit direktem Kurs auf die Gruppe zuhielt. Er hielt die Kippe weiter in der hohlen Hand und starrte in den Boden. Der Lehrer trat vor ihn, nahm die Hand, in der Michl die Kippe hielt und drückte sie zusammen "Und, Metzger? Wie geht's?" Michl verzog absolut keine Miene, der Lehrer dafür umso mehr. "Gut, warum?" Der Lehrer glaubte, ihn nun genug bestraft zu haben und entfernte sich wieder. Michls Kommentar: "Ach, Herrgott, hat mir vielleicht jemand a Feuer?"

    Mittwoch, 2. September 1998
    Die Fahrt nach Genua verlief ohne besondere Vorkommnisse und um 5:57 Uhr (km 623) standen wir am Hafen von Genua. Dort wurde dann eingeschifft: Fähre finden, anmelden, bei der italienischen Polizei melden usw.. Diese war im Vergleich zu dem, was uns in Tunesien laut Reiseführer erwartete noch recht gemütlich. Zwei Stunden später konnten wir auf das Schiff fahren. Es war die "Ile de Beaute".

    Donnerstag, 3. September 1998
    Um 8:45 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (in Tunesien geht die Uhr eine Stunde nach) legten wir im Hafen von Tunis an. Jetzt kam die gefürchtete tunesische Zollprozedur. Zu unserem Erstaunen war sie nach genau einer Stunde schon vorbei. Möchte nicht wissen, wie es hier in der Hauptsaison zugehen muß. Michl schien zu viel Geld mitgenommen zu haben, zumindest glaubte er das oder er war nicht dazu in der Lage, die Situation zu erfassen: Wir wußten vom Reiseführer, daß im Hafen von Tunis sogenannte "Porteurs" ihre zweifelhaften Dienste anboten. Sie springen um das Auto und erklären einem Sachen, die man ohnehin schon weiß. So auch bei uns. In ihren orangenen Overalls sprangen sie zu fünft um unser Auto und machten alle mit einem Scharnier versehenen Verschlüsse auf. Einer winkte einen Zöllner herüber, der aber an uns Touristen gar nicht interessiert war und mit einer Handbewegung zu verstehen gab, daß wir weiterfahren könnten. Alle Klappen wieder zu, nur der an der Fahrertür gab zu verstehen, daß er jetzt Geld haben wolle. Ich sagte zu meinem Beifahrer, den das alles nicht zu berühren schien, er soll das französische Kleingeld her tun. Als er aus seiner Lethargie erwacht war griff er mit einer für ihn typischen Trägheit in seine linke Hosentasche. Ich unterstrich noch einmal: "Kleingeld. Laß ja die großen Scheine stecken." Er sagt: "Ahhh... OooKeee..." und hält mir ein Konglomerat aus Scheinen, Münzen und Zetteln hin. Oh, Mann! Ich filterte die Münzen heraus und gab sie dem Porteur, der immer noch die Tür fest im Griff hatte. Er nahm sie dankend entgegen und zeigte auf die Scheine, die ich hinter der Armlehne zu verbergen versuchte. Klar wollte er mehr. Ich nahm den kleinsten schein, einen 50er und gab ihn ihm. Nun meldeten sich die anderen lautstark, daß sie zu fünft seien und es begann sofort die Diskussion. Ich hatte einerseits keinen Bock, ihnen den 200 Franc-Schein zu geben, andererseits hatte ich genausowenig Lust, Stundenlang zu diskutieren, nur weil einer nicht fähig ist, die Scheine stecken zu lassen und nur die Münzen hervorzuholen. Also gab ich ihm den 200er - mir gehört er ja nicht - und fuhr weg. "Wenn ich das nächste mal sage 'Kleingeld', dann meine ich Klein>geld, OK?" "Ahhh... OooKeee..."
    Kurz vor zehn Uhr standen wir vor dem Hafentor aber für eine kleine Feier unserer Afrikataufe war keine Zeit. Wir mußten weiter. Das Ziel hieß ja schließlich Libyen und die Zeit war so verdammt knapp. Wir tankten in La Goulette und brachen gleich weiter nach Ras Ajdir. Von Tunis sahen wir nicht viel. Keiner von uns hält sich gerne in Städten auf. Auch ein Grund für unsere Fahrt in die Sahara. Wir wählten die zwar landschaftlich weniger reizvolle, aber doch kürzere Innlandsstrecke über Kairouan. Die Straßen sind gut ausgebaut und ordentlich beschildert, sowohl in arabischer als auch in lateinischer Schrift. Es wurde nur ein einziges mal angehalten, und zwar um Geld zu wechseln. Hinterher fehlte der Taschenrechner. Egal. Auch der gehörte nicht mir, sondern meiner Schwester. Aber bloß schnell raus aus Tunesien. Hier wollte es uns einfach nicht gefallen.
    Um 18:41 Uhr (km 1.202) standen wir an der Grenzstation. Nun konnte das Ausreisetheater bzw. die Einreise nach Libyen beginnen. Auf tunesischer Seite gab es natürlich Komplikationen. Dafür ging es auf libyscher um so schneller und ordentlicher voran; wir waren etwa um 20:30 Uhr auf libyscher Seite, ich stieg mit den Pässen und den grünen Visumsformularen aus und setzte das dümmste Gesicht auf, das ich mitgenommen hatte. Ein libyscher Zöllner eilte herbei "Welcome, welcome", packte mich am Ärmel, nahm mir die Papiere aus der Hand, zog mich an der Schlange vor dem Schalter vorbei, brüllte etwas auf arabisch in das Schalterhäusle und innerhalb von einer Minute hatte ich die gestempelten Pässe wieder zurück. Dann zeigte er auf die große Halle und sagte "You wid car in hangar." Dort kam mir ein Offizier entgegen und es lief auf gleiche Weise weiter Versicherung zahlen, Kennzeichen abholen und festpappen, Fahrzeugdurchsuchung (= ein kurzer Blick in den Kofferraum), das war's "Now you can go. Welcome." Ich dachte erst, das dicke Ende kommt noch und sie wollen vielleicht für die Hilfe hinterher Geld haben. Aber nicht die Spur. Wir hatten Tunesien endgültig hinter uns. Ende der Abfertigung war um 21:00 Uhr. Endlich waren wir im Staat Gadaffis, der Großen Sozialistischen Libysch-Arabischen Volksdschamahiriya!
    Es hatte immer noch 35°C und es war sehr schwül. Das war noch ein Grund mehr, sofort in die Wüste zu fahren. Die Klimaanlage, die ich mir von der garchinger Firma einbauen ließ zahlte sich spätestens jetzt schon aus. Nach einigen gestaffelten Kontrollen (bei denen man sinnvollerweise das Licht ausschalten muß, den Motor aber nicht) erreichten wir das kleine Städtchen Zouara. Dort Halt an der ersten Tankstelle an der Tank und zwei Kanister gefüllt wurden. Auch einen Wasserkanister füllten wir. Die Leute waren sehr freundlich, wir waren noch keine Stunde im Lande, da wurden wir schon beim ersten Halt zum Essen eingeladen. Jedes zweite Wort des Tankwarts war "welcome". An diesem Tag fuhren wir noch bis zu einem Kontrollposten 41 km südlich Zouara. Die Polizisten wollten uns nicht weiterfahren lassen "Jamel on road. Dänn aksident!". Er verdeutlichte das gesagte durch eine unmißverständliche Gestik, zum Beispiel durch starkes Vor- und Zurückwippen des Oberkörpers kombiniert mit einer schwerfälligen Gangart und einer deutlich horizontalen Hin- un Herbewegung des Unterkiefers. Aha! 'Tschamel' hieß also Kamel. Sie schlugen vor, wir sollten hier übernachten und unsere Fahrt erst am nächsten morgen fortzusetzen. Das taten wir. Wir wurden noch gefragt, wann wir geweckt zu werden wünschten. "Dreiviertel Sieben? Hmm... Quarter to seven. Hmm... Pass auf..." Ich malte die Uhrzeit in den Sand und das funktionierte. Ab und zu kam noch der eine oder andere vorbei und wollte wissen, wo wir her seien und was der Mercedes dort kostet, aber die Verständigung war nicht sehr einfach. Man spricht hier nur und ausschließlich Arabisch. Kein Englisch, kein Französisch, nicht einmal Italienisch.
    Ich packte mein Feldbett aus, legte mich hin, alles war bestens. Wir stehen am Eingang der Sahara, lauter nette und freundliche Leute um einen herum, die Sterne prangen am Himmel und von der ferne erkling orientalische Musik, mir konnte es doch gar nicht besser gehen.

    Freitag, 4. September 1998
    Wie ausgemacht, weckte uns ein Polizist um 6:45 Uhr (km 1.305). Wir füllten die restlichen Dieselkanister voll, einen zweiten Wasserkanister und fuhren dann los, entlang der Steilstufe des Jabal Nafusah durch wunderschöne Berglandschaft in Richtung Nalut, das wir etwa zwei Stunden später erreichten. Ein paar Kilometer nach Nalut hielten wir an einer Tankstelle. Der Tankwart (?) sprach sehr gut deutsch, meinte aber, er hätte schon wieder alles vergessen.
    Die Vegetation wird immer spärlicher und die ersten Dünen zeigen sich langsam. Oft ist die Straße verweht. Um 13:12 Uhr (km 1.661) zeigte das Thermometer 49,5°C an. Und das bei 110 km/h! Der Innenraum hielt seine angenehmen 23°C obwohl ich über keine Wärmeschutzverglasung verfügte. Auf dieser sonst sehr gut ausgebauten Strecke, die auf bestem Straßenbelag, durch einige Ortschaften und Wadis führt, tat sich in einer Rechtskurve vor der Haube ein Mega-Schlagloch auf. Da ich gerade die Landschaft bewunderte und auch noch mit Trinken beschäftigt war, erkannte ich es erst viel zu spät, um noch bremsen zu können und vernahm nur noch einen heftigen Schepperer. Wer rechnet auch schon mit sowas? Endergebnis: Ein halber Liter Pepsi war schön über Kameras, Vordersitzen und Mittelkonsole verteilt. Hier war mal wieder meine bei solchen Vorfällen übliche fachmännische Diagnose fällig: Fluchen - anhalten - Kippe anzünden - Feststellung treffen: Auto ist Made in Germany - Batz wegwischen - einsteigen - weiterfahren.
    Immer wieder mal lagen links oder rechts der Straße traurige Autowracks. Diese findet man in Libyen fast überall. Teilweise noch "frisch", von den meisten aber ist nur noch das gesandstrahlte Gerippe übrig.Schrottplätze soll es zwar auch geben, aber die meisten werfen die Autos irgendwo in die Landschaft. Interessiert sowieso keinen. Nach und nach werden die noch brauchbaren Teile immer weniger bis nur noch die Karkasse übrigbleibt, die im Laufe der Jahre vom Sand verweht oder zerfressen wird. Doch komischerweise kein einziges Mercedeswrack, obwohl wir bisher schon unzählige Mercedes gesehen hatten, meist die 200er Vergaserlimousinen der Baureihe W123. Auch diese findet man in Libyen fast überall.

    Nalut - Darj
    Schon hier in der Gegend tauchen immer öfter Kamele auf...
    Als wir in Darj angekommen zum Tanken anhielten kamen wir mit einem Passanten ins Gespräch - besser gesagt, er mit uns (er ist Marokkaner und spricht französisch, was uns viertelgebildeten Ex-Semi-Humanisten auch nur dank französichem Wörterbuch ein klein wenig weiter half). Er lud uns zum Tee und auf Marlboro ein und füllte unsere restlichen Wasserkanister auf. Wir erfuhren, daß er der Besitzer des Restaurants war, vor dem wir uns aufhielten, welches aber für das noch nicht Libyengewohnte Auge nicht auf den ersten Blick als solches zu erkennen war. Restaurants ("Mad'aam", oder so ähnlich) erkennt man an den davor stehenden weißen Kunststoffstühlen und -Tischen (made in Libya), die unseren Gartengarnuíturen gleichen und oft auch an Grills, die am Eingang stehen. Da wir nun schon einmal da waren, beschlossen wir, hier einzukehren und Mittagspause abzuhalten. Beim Bezahlen mußte ich ihm das Geld eher aufdrängen. Ich hätte ihm ja gerne erklärt, daß es einfach nicht geht, ein Restaurant zu öffnen und den Gästen das Essen zu schenken, denn dann muß man über kurz oder lang schließen und davon hätte niemand etwas. Aber da war die Sprachbarriere, die mich daran hinderte, ihm dies mitzuteilen.
    Darj Darj
    Unsere gemütliche Mittagspause in Darj bei ungefähr 45°C.
    Um zehn nach drei verließen wir Darj in südlicher Richtung. Wir wollten über die Piste Darj - Idri nach Brak. Im Reiseführer steht, daß dazu kein Geländewagen erforderlich sei und auch der Restaurantbesitzer meinte es wäre "no problem". Unmittelbar hinter dem Ortsausgang begann wieder die Wüste, die Hammada al-Hammra - eine endlose Kieswüste. Anfangs war das Gelände noch etwas hügelig. Wir verließen bald darauf (bei km 1.750) die Straße und fuhren auf die Piste. Hier mußte ich feststellen, daß das Auto zu tief hing, um mit einer hohen Marschgeschwindigkeit zu fahren, denn es saß bei jeder kleinen Unebenheit auf. Es war nur Schleichfahrt möglich. So hatte es keinen Sinn.
    Unendliche Weiten
    Die Piste Darj - Idri. Für eine unbeladene robuste Limo kein Problem...
    Das konnte ich nur bedauern, denn hier würde es richtig Spaß zu fahren. Einfach quer durch die Ebene, die grenzenlose Freiheit genießen. Hier entdeckte ich eine ganz neue Dimension in Sachen ASutofahren: Pisten. In der Michelin schlicht als "Tracks" bezeichnet sind diese alten Verkehrsverbindungen für mich etwas ganz neues gewesen. Es sind keine Feldwege, die man benutzt, um möglichst schnell von Gablingen nach Neusäß zu kommen, sondern es sind wichtige ale Karawannenwege mitten durch das nichts. Hier fährt man um des Fahrens Willen, ich könnte Tagelang auf so einer alten Piste fahren. Die Gefahr dabei ist, daß man sich leicht verfahren kann, aber just dafür hatte ich den besten Navigator der Kompanie dabei. Und wenn er nichts kann, navigieren kann Michel wie kein zweiter. Man gibt ihn Karte, Gps, Taschenrechner, Zirkel und Lineal in die Hand und dann ist er in seinem Element, da macht ihm keiner so leicht was vor. Allerdings darf man das Zeug das man ihm gegeben hat hinterher nicht mehr Anschauen, denn Karten sehen nach der Benutzung aus wie Putzlappen.
    Back to the road
    ...robust ist er, aber leider nicht unbeladen, wie man sieht.
    Wir mußten uns also damit abfinden, daß wir an den guten libyschen Asphalt gebunden waren und setzten die Fahrt auf der Straße Darj - Brak fort. Manchem mag sie vielleicht langweilig vorkommen und ich wäre auch lieber auf der Piste gefahren, aber allein die Tatsache, daß man solche Straßen in Europa nirgendwo finden wird, verlieh ihr einen gewissen Reiz. Und die Piste läuft ja auch nicht weg. Noch in diesem Jahrtausend werde ich auf dieser Piste fahren.
    Schon nach wenigen Kilometern waren die Hügel links und rechts der Straße nicht mehr zu sehen und eine unendlich scheinende Fläche tat sich auf. Alles schien bretteben zu sein und man kann hier sehr gut die Erdkrümmung sehen, ähnlich wie auf dem Meer - zumindest kann man sich das prima einbilden.
    Die Dromedare, Notrufsäulen (alle 6 km) und Stromleitungen, die uns bis kurz vor Darj begleitet hatten waren längst verschwunden, und das erste Auto sahen wir erst wieder im über 300 km entfernten Gariyat. Die einzigen Anzeichen menschlicher Zivilisation waren das graue schnurgerade Asphaltband, und immer wieder Reifen am Straßenrand. Hier ist die Straße, die im "Göttler" (Libyen-Reiseführer) als A7 bezeichnet wird:
    Darj - Hun
    Nach 100 km...
    Darj - Hun
    ...nach 200 km...
    Darj - Hun
    ...am nächsten Tag, etwa 100 km weiter.
    Weil jeder beim Anblick dieser Bilder fragt: "Und was, wenn Du hier eine Panne hast?" Antwort: "Ich rechne eher damit, daß mir hier eine Eisbärenfamilie begegnet."
    Das sind Straßen, auf denen man einen Porsche austrappen kann: Erstklassiger Belag, butterweich zu befahren, keine Schlaglöcher, keine Spurrillen, fast keine Kurven, keine Ampeln, keine Kreuzungen und vor allem kein Verkehr, also auch für Frauen am Steuer geeignet. Doch gerade hier in Libyen bekam ich weder einen Porsche (Neueste 7er BMW und S-Klassen dafür jede Menge) noch eine Frau am Steuer (außer in den großen Städten) eines Wagens zu sehen, dafür aber 8-jährige Pimpfe. Verkehrte Welt...
    Die Nachtplatzsuche fiel uns nicht schwer. Wir fuhren einfach kurz vor Sonnenuntergang im 90°-Winkel von der Straße ab, behielten den Kurs für einige Kilometer bei und fertig. Die Straße war nicht mehr zu sehen und um uns herum nur die unendliche Weite der Sahara. Kein Hügel, keine Pflanze, kein Viech, kein Geräusch. Nichts mehr außer Kies und der unaufhörlich wehende Wind.
    Abseits aller Pisten
    Hier erlebte ich zum ersten mal die Wüste. Unendliche weite, unendliche Ruhe alles ist tot und doch in Ordnung.
    Uns fiel auf, daß wir seit dem Frühstück auf der Fähre abgesehen vom dem Happen im "Restaurant" des Marrokaners nichts gegessen hatten. Aber Hunger hatte keiner und so begnügten wir uns mit Tee und libyschen Cigaretten.

    Samstag, 5.September 1998
    Ich beschloß trotz der gemachten Erfahrung mit der Piste Darj - Idri nach Zilla zu fahren, um mir die Piste Zilla - Kufra anzusehen. Als wir in Waddan zum Tanken anhielten trafen wir einen älteren Herren, der auch nach Zilla wollte und uns fragte, ob wir ihn denn mitnehmen würden. Kein Problem. Platz war genug da. Ich empfinde es als sehr praktisch in Libyen Anhalter mitzunehmen. Das ist nicht verboten, Krinminalität selbst für islamische Staaten sehr gering und ihre richtungsweisenden Handzeichen sind einfacher zu verstehen, als die Wegweiser, die ausschließlich in arabisch beschriftet sind und jedesmal zum anhalten gebieten, was einen gewissen Zeitverlust bedeutet.
    Die Strecke von Waddan nach Zilla ist eigentlich nichts besonderes und lange nicht mehr so schön zu befahren, wie die von Darj nach Hun. Immer wieder sind dicke schwarze Rauchfahnen am Horizont zu erkennen. Hier wird Erdgas abgefackelt. Die Landschaft besteht aus Dünen und spärlicher Vegetation, die Straße ist relativ kurvig. Einige Kontrollstellen werden passiert. Wir fuhren also nach Zilla und als wir dort angekommen waren, lud uns unser Fahrgast zu sich nach Hause ein und servierte uns gutes Essen, kalte Getränke und zum Abschluß einen feinen arabischen Kaffee. Er bat uns, zu übernachten, doch da unsere Zeit sehr begrenzt war mußte ich das Angebot ausschlagen. Er zog irgendwoher jemanden, der englisch konnte, was die Verständigungsschwierigkeiten weitgehend beseitigte. Uns wurde gesagt, daß wir nicht versuchen bräuchten, nach Kufra zu kommen, denn dafür hinge das Auto viel zu tief. Das gleiche galt für die Straßen nach Ajdabiya und Jakharrad, die streckenweise schwere Schäden aufwiesen. Also mußte wieder zurückgefahren werden um über Waddan und Sirte nach Ajdabiya zu gelangen. Wir kamen nicht einmal in die Nähe des Pisteneinstiegs. Nach der Besichtigung des italienischen Forts und der Altstadt fuhren wir um 19:45 Uhr (die Sonne war bereits untergegangen) los. Waren wir erst einmal in Ajdabiya konnte man sich immer noch entscheiden wohin es von dort aus gehen sollte. Aber in jedem Falle mußten wir nach Waddan. Soweit kamen wir in dieser Nacht auch noch, obwohl wir uns eine Stunde damit aufhalten mußten, das Auto auszugraben, das ich bei einer verfrühten Nachtplatzsuchaktion buchstäblich in den Sand gesetzt hatte.

    Zillah - Waddan
    Michl beim Pumpen(-kaputtmachen) nach der gescheiterten Nachtplatzsuche.
    Hier hatte es mein Beifahrer geschafft, die Fußluftpumpe zu liefern und so mußte ich mit 1 Atü im hinteren rechten Reifen weiterfahren. Gegen halb zwei schlugen wir etwa 20-30 km nach dem Kontrollposten hinter Waddan unmittelbar neben der Straße (das Gelände ist dort ziemlich Hügelig und Geröllhaltig und erlaubte keine großen Fahrten in die Pampa) unser Nachtlager auf. Als ich einen faustgroßen Stein weg warf klang der Aufschlag ziemlich hohl. Ich wiederholte den Versuch. Es klang, als ob wir auf einem riesigen unterirdischen Tank standen. Wirklich komisch. Kann ich mir nicht erklären.

    Sonntag, 6.September 1998
    Wie üblich ging es gleich nach Sonnenaufgang weiter. Die Sonne brannte schon in aller Frühe dermaßen runter, daß an schlafen nicht zu denken war. Tagesziel war Ajdabiya.

    Waddan - Sirt
    Mitten in der Sirte-Ebene neben einem Kilometerstein "Made in Austria".
    Wir fuhren durch die Sirte-Ebene nach Sirte. Die Landschaft ab Waddan wird oft von Wadis durchzogen bleibt weiterhin recht hügelig und geht dann langsam in eine Hochfläche über. Die Vegetation nimmt langsam wieder zu und geht dann in Steppenlandschaft über. Kurz vor Sirte wird der Straßenzustand nicht mehr ganz so gut und der Verkehr nimmt schlagartig zu. Es gibt zwei Spuren in jede Richtung und wir fuhren auf der, wo weniger Schlaglöcher waren. Es interessiert sowieso niemanden, wer wo fährt, Hauptsache, es geht vorwärts - man ist es ja andersrum gewohnt. Die libysche Autobahn ist eine Geschichte für sich. Man darf es sich nicht wie eine bundesdeutsche Autobahn vorstellen. Zwar ist der Belag genau so gut oft sogar besser, doch trennende Leitplanken gibt es keine. Nur ein ungeteertes Stück von zwei bis vier Meter Breite. Es kann schon mal passieren, daß von irgendwo aus der Pmpa ein Auto auf die Autobahn fährt oder darauf wendet. Geisterfahrer gibt es keine, weil ohnehin jeder fährt, wo er meint. Entscheidend ist nur die Breite der Straße, Schilder und Striche sind Ornamente. Wenn Bazar ist, dann wird aus der Autobahn ein Parkplatz und man muß zusehen, daß man auf irgend eine gescheite Weise durchkommt. Irgendwie geht es immer vorwärts, ob neben der Straße oder auf der Gegenfahrbahn. Geschindigkeitsbeschränkungen existieren nur auf den Reiseinfos des ADAC, in der Praxis kann keiner etwas damit anfangen. Die sinnlose Bremserei muß man sich schon spätestens in Tunesien abgewöhnen, ab da heißt es "hupen und lenken statt bremsen". Denn es schadet nicht, wenn man grundsätzlich davon ausgeht, daß von den vier Bremsen des Hintermanns erst nach mehrmaligem Pumpen eine davon anspricht. Wenn man also wegen jeder Nichtigkeit bremst, wie man es hier in der Fahrschule (ich habe in Libyen nie so etwas gesehen) lernt, dann kann es schnell passieren, daß man ein Auto zuviel im Kofferraum hat. Und mit Sicherheit kann man davon ausgehen, daß man von der gegnerischen Versicherung, so sie denn überhaupt vorhanden ist, keinen müden Dirham erstattet bekommt. Und wenn man ein Schickimickiauto fährt, etwa einen Boulevard-Off-Road-Jeep Cherokee mit Metallic-Lackierung und Automatik, bei dem die Welt untergeht, wenn es einen Kratzer abbekommt, sollte spätestens an der italienischen Grenze Schluß mit Fahren sein.
    In Sirte angekommen wurde ein Brotvorrat angelegt und wir hielten uns ansonsten nicht lange auf sondern fuhren gleich weiter auf den Vormarschwegen des "Wüstenfuchses" gen Osten. Ich wunderte mich anfangs etwas über die Unmenge toter Kamele, die am Straßenrand lag. Bis dahin waren uns nur lebende Exemplare begegnet. Auch hier erwies sich die Klimaanlage als eine segensreiche Einrichtung, denn von dem Verwesungsgeruch drang nichts ins Auto.
    Keiner von uns legte großen Wert darauf, auszusteigen, denn es hatte zwar "nur" 38°C, aber es war so schwül, daß die Windschutzscheibe von außen anlief. Als ich an einer Werkstatt bei Siltar kurz ausstieg um Reifendruck des rechten Hinterrades wieder auf 2,4 Atü zu erhöhen lief mir die Soße überall runter. Bäh! Weiter im Süden, fernab von der Küste war es trotz höherer Temperaturen wesentlich angenehmer gewesen. Wir passierten die aus Kalk und -sandstein gebildete Marmarika-Tafel. Hier fanden im Krieg die großen Panzerschlachten statt. Spuren davon sind aber von der Straße aus nicht zu sehen, lediglich Stacheldraht links und rechts davon, wahrscheinlich wegen der Kamele. Gerüchten zufolge sollen hier aber noch Minen liegen.
    An der Küstenstraße ist der Verkehr mit dem auf unseren Bundesstraßen vergleichbar. Nur daß ich hierzulande selbst mit einem 200D nie auf der Landstraße von Bussen überholt werde - in Libyen ständig. Schon um 15:45 Uhr hatten wir Ajdabiya erreicht. Wir suchten den Weg nach Tobruk, landeten aber an der Straße nach Kufra, die ich bei Beginn der Planungen für diese Libyenreise zwar zu befahren beabsichtigte, mich aber dann doch anders entschied, keine Ahnung, warum, aber das war das einzig richtige, doch dazu später. Der Kontrollposten am Ortsausgang, gab uns ein Zeichen zum Wenden. Im nächsten Moment hatte er jemanden aufgestellt, der uns bis zum Anfang der Innlandsroute Ajdabiya-Tobruk vorausfuhr. Wir bedankten uns und nahmen gleich noch einen Fußgänger mit, der Kamelzüchter ist und zu seiner Farm etwa 7 km außerhalb Ajdabiya mußte. Diese Straße ist noch ziemlich neu und verläuft kerzengerade (1 leichte S-Kurve bei einem Kontrollposten ca. 70 - 80 km nach Ajdabiya) zunächst durch Kalksteppenlandschaft, dann durch Sanddünen die bald schon von Geröll abgelöst werden. Mit zunehmender Entfernung von der Küste nahm auch die Luftfeuchtigkeit wieder schnell ab, so daß wir uns öfter mal eine Cigarettenpause leisteten (wegen Klimaanlagenbetrieb herrschte im Auto Rauchverbot). Bei km 16 nach dem Ortsausgang von Ajdabiya verlief eine böse Querrinne über die sonst sehr gut ausgebaute Straße. Durch den "Göttler" waren wir darauf vorbereitet, was uns eine unplanmäßige Cigarettenpause ersparte. Der Verkehr ist hier zwar nicht so dicht, wie an der Küstenroute, aber von sehr gering konnte zumindest als wir dort waren nicht die Rede sein. Auffallend waren vor allem die vielen Fahrzeuge mit ägyptischen Kennzeichen, die sich grenzwärts bewegten, alle mit Gepäck auf dem Dachgepäckträger. Ein alter Ford Transit, der uns entgegen kam, also westwärts fuhr hatte eine gesamte Wohnungseinrichtung auf schätzungsweise vier Meter aufgetürmt und verzurrt. Auch das interessiert niemanden. Es hielt und zum Glück muß er nicht unter einer Brücke durchfahren. Die nächste ist erst in Tripolis.
    Um 19:15 Uhr verließen wir die Straße, um zu übernachten. Hierbei mußte Schrittempo gefahren werden, da der Untergrund nicht aus feinem Kies bestand, wie zuvor in der Hammada al-Hammra, sondern aus größeren Steinen. Der Verkehr auf der Straße flachte nur unwesentlich ab.
    Das letzte Tageslicht
    Sonnenuntergang in der nördlichen Sahara.


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