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Türkeitour 1999
vom 28. März bis 12. April

Teil I

Zehra Simultanübersetzer und Sponsor
Ayse Zuständige für Unterbringung
(wohnhaft in Alanya)
Westmar Fahrer

Augsburg - Ancona - Igoumenitsa - Thessalonikä - Ipsala Gümrükkapisi - Kesan - Çanakkale - Izmir - Denizli - Antalya - Alanya - Manavgat - Pergamon - Antalya - Mevlana - Nevshehir - Sanliurfa - Akçakkale - Diyarbakir - Siirt - Diyarbakir - Adana - Tarsus - Alanya - Antalya - Denizli - Izmir - Çanakkale - Kesan - Ipsala Gümrükkapisi - Thessalonikä - Igoumenitsa - Ancona - Augsburg

Kilometerstand bei Abfahrt: 569.630 km

Vorbereitungen
Für die Reise in die Türkei mußten am Fahrzeug keine besonderen Vorbereitungen getroffen werden. Nur über meine Reifen machte ich mir Gedanken, die schon seit Monaten völlig abgefahren waren und aus Geldmangel ständig durch alte ersetzt wurden, die zwar auch abgefahren waren, bei denen aber noch nicht das Weiße schon herausschaute. Mit diesen Dingern würde ich nicht weit kommen. Ich fand bei einem Autoverwerter in der Nähe einen Satz 185 R 15 (Leichenwagen), der allerdings keine Felgen hatte. Ich machte mich extra auf den Weg nach Bottrop, um bei David Bothen vier Felgen zu besorgen. Als ich am Tag vor der Abreise die Reifen abholen wollte, um sie aufziehen zu lassen, hatte der Schrottplatz zu. Die Reifen, die noch auf den Felgen waren, waren zwar auch gut abgefahren und das Ersatzrad hatte ein Leck an der Reifenwand, aber bessere konnte ich auf die Schnelle nicht mehr auftreiben, so daß mir nichts anderes übrig blieb, als mit diesen loszufahren und zu hoffen, daß ich in der Türkei oder in Griechenland welche für ganz billig bekommen würde.

Zunächst war geplant über Jugoslawien zu fahren. Für insgesamt 150,- DM bekam ich zwei Transitvisa auf der serbischen Botschaft oder auf dem Konsulat in München. Ein paar Tage vor der Abreise fingen die Amerikaner dort unten dann an zu ballern, um der Welt auf die bekannte Weise den heißersehnten Frieden zu bringen ("Mit Amiwaffen Frieden schaffen"), so daß es eher ungünstig erschien, diesen Weg zu nehmen. Auch Rumänien schreckte uns mit seinen nicht vorhandenen Straßen ab. Zumindest schien es auf der Karte so, als ob keine direkte Transitroute dort durchführte. Mag sein, daß ich mich täusche, aber ich bin ja schließlich nur der Fahrer. Kartenlesen überlasse ich den Leuten mit (höherer) Schulbildung. Blieb nur noch der Weg über Italien und Griechenland. Zwei Tage vor der Abfahrt kümmerte ich mich um die Fährtickets, die ich dann auch rechtzeitig bekam. Die Fährüberfahrt mit der Strinzis Lines von Ancona nach Igoumenitsa kostete 405,- DM für 2 Personen, Deckspassage hin und zurück. Die Dauer ist mit 23 Stunden angegeben.
Etwa 24 Stunden vor der Abreise begann meine Bremsbelagverschleißanzeige zu leuchten. Ich hatte keine Zeit und keine Lust, sie zu wechseln und nahm sicherheitshalber einen neuen Satz Klötze aus meiner Libyenkiste mit.

Sonntag, 28. März 1999
Um 9:00 Uhr brachen wir nach Ancona auf. Die Abfahrt der Fähre war auf 22:00 Uhr festgesetzt. Mittags passierten wir die Italienische Grenze. Der typische Alpeneffekt war wieder zu beobachten, wie jedesmal, wenn ich in diese Gegend fahre: Kaum ist man über den Alpen, schon riß der Himmel auf und die Sonne strahlt von einem blauen Himmel herunter. In Santerno wurde getankt und um 17:50 waren wir in Ancona angekommen (km 757). Zu früh. Jetzt hieß es Zeit totschlagen.
Punkt 22:00 Uhr fuhr ich die Auffahrrampe hoch, stellte das Auto ab und wir machten uns auf den Weg nach oben. Die Überfahrt dauerte 23 Stunden. Ich nutzte diese Zeit zum Schlafen und Ausspannen, da ich mir vorgenommen hatte, die Strecke bis Alanya durchzufahren.

Montag, 29. März 1999
Um 22:45 Uhr Ortszeit (1 Stunde Zeitverschiebung) war Ausschiffen angesagt. Das ging ungewohnt schnell: Auf der Fähre Pässe vorzeigen, aufsitzen und raus in die hellenische Freiheit, immer der Beschilderung nach Thessalonikä folgend. In Igoumenitsa wurde noch einmal getankt. Die Strecke bis Ioánnina ist landschaftlich sehr schön. Leider bekamen wir von der Landschaft nichts zu sehen, weil es nicht nur Stockdunkel war sondern auch noch ziemlich dichten Nebel. Und dieser war wirklich dicht. Die Sichtweite betrug etwa 20 m. Die Schilder, die eine Kurve anzeigen sollten bekam man zumeist erst nachdem man schon in der Kurve stand zu sehen. Zweimal konnte ich nur durch eine Vollbremsung die Kurve noch kriegen. Glücklicherweise kam bei diesen Aktionen kein Gegenverkehr. Von Leitplanken halten die Griechen ja anscheinend nicht so viel und die Autowracks, die vereinzelt herumliegen künden davon, daß es hier schon mal den einen oder anderen erwischt haben könnte. Der ausgebrannte Bus, etwa 40 km nach Igoumenitsa sieht in der Nacht ziemlich makaber aus. Die Straßen sind auch nicht immer die besten und Schlaglöcher sind an der Tagesordnung. Was mich aber am meisten verärgerte - ja zuweilen zu Weißglut brachte, war, daß mein Horn wieder mal ausgefallen war. Und das hier, wo nichts so wichtig ist, wie eine funktionierende Hupe.

Dienstag, 30. März 1999
Um 7:00 Früh hieß es wieder mal Tanken an einer ShellTankstell in Kaballa (km 1.357). Das Horn flog zur Strafe für die Leistungsverweigerung im hohen Bogen raus. Seitdem ist es ganz gewiß kaputt, aber das geht einfach nicht an. Wenn jemand an Bord das Recht hat, Leistung zu verweigern, dann bin das ich, sonst nichts und niemand. Es war nicht auszuhalten ich wäre schier beinahe an einem Herzinfarkt gestorben. Aber es war vorerst nicht zu ändern. Wir mußten weiter. Etwa um 10 Uhr passierten wir die griechisch-türkische Grenze.

Griechisch-Türkischer Grenzübergang
Diese etwas mißlungene Aufnahme schoß ich während der Fahrt. Sie war sozusagen ein Blindschuß. Sie zeigt einen Haufen griechischer Soldaten, durch den wir uns durcharbeiten mußten.
Etwa 2 Stunden dauerten die Formalitäten insgesamt, wobei die griechische Seite die unangenehmere war. In der Türkei ließ man uns nicht ewig planlos warten. Als die Einreiseformalitäten erledigt waren fuhren wir weiter in Richtung Kesan. Schon hier bekamen wir einen leichten Vorgeschmack auf das, was uns in Bezug auf Straßen erwartete. Schon im Westen waren sie in einem unbeschreiblichen Zustand, wie sollte es erst im Osten werden? Die griechischen Straßen waren dagegen wahre Prachtboulevards. Von Kesan aus ging es in Richtung Süden mit Kurs Çanakkale. Getankt wurde in dieser Gegend auch mal wieder (km 1.703). Auf dem Weg mußte natürlich Troja besucht werden.
Um 14:00 Uhr erreichten wir Eceabat und warteten auf die Fähre, die um 14:30 gehen sollte. An der Ecke schräg gegenüber dem Hafentor gab es köstliche Toasts und der Getränkevorrat wurde aufgefüllt.
Çanakkale, Fähre
Punkt halb verließ die Fähre den Hafen und eine gute Viertelstunde später waren wir in Çanakkale und es ging ungestüm weiter gen Süden.
So. Nach meinem geographischen Empfinden müßten wir jetzt in Asien sein. Jetzt fehlen nur noch zwei Kontinente in der Sammlung, aber die standen noch nicht zur Debatte. Ein Blödsinn auch, da ist es wirklich sinnvoller Käfer zu sammeln, aber darüber möchte ich mich nun nicht auslassen. Izmir wurde passiert und hier waren die Straßen auf die nächsten paar hundert Kilometer abschnittsweise in Ordnung und man kam zügig voran (Vollgas).
Soviel zum Waffengesetz... Aber es sind wirklich nur die Mitteleuropäer so am Spinnen sind wegen eines jeden Gewehrs. Auch in Frankreich sieht man solche Bilder.
Es wurde langsam dunkel. Irgendwo hielten wir kurz an, in der Hoffnung etwas eßbares zu finden. Wir hätten zwar für den Notfall noch die Bordküche, aber das kostet Zeit. Und da ich vorhatte, bis Alanya durchzufahren wollte ich nicht so viel Zeit mit der Essenssuche verbringen, das ist nicht so wichtig. Kilometer sind vorerst wichtiger und ganz grundsätzlich gilt: Lieber einen leeren Magen als einen leeren Tank.
Essen gab es hier nicht, dafür noch ein Photo, bevor es dunkel wurde.

Mittwoch, 31. März 1999
Wir fuhren durch Denizli in Richtung Antalya. Zu der Bremsbelagverschleißanzeige, die mich schon seit Tagen nervte mit ihrem Flackern, kam nun die Treibstoffleuchte dazu, aber ich war einfach zu faul um auszusteigen. Tankstellen sind in dieser Gegend reichlich vorhanden und so schob ich das Tanken immer wieder bis zur nächsten Tankstelle hinaus. Als dann die Tankstellen für eine Weile ausblieben kam ich dann doch leicht ins Schwitzen, da ich davon überzeugt war, daß Schnee nicht das einzige war, was in den Bergen um uns lag. Da schossen mir die Berichte vom Auswärtigen Amt durch den Kopf, in denen es hieß, daß in der Gegend um Antalya bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen PKK und türkischen Sicherheitskräften stattgefunden haben sollen und die Warnung an deutsche Touristen vor Reisen in die Türkei. Bloß nicht liegenbleiben. Bei der nächsten offenen Tankstelle wurde dann getankt und unverzüglich weitergefahren, denn der fehlende Schlaf begann sich bemerkbar zu machen. Das ließ auch den Cigarettenkonsum ansteigen.
Es begannen wieder die Paßstraßen. Es lag viel Schnee das Gelände war relativ gut sichtbar und Blitze, die immer an der gleichen stelle zuckten erhellten das ganze zusätzlich. Ein schönes Bild, das ich aber leider nicht festhalten konnte. Dafür ist die Photoausrüstung doch ein wenig ungeeignet. Antalya wurde durchfahren und um 4:15 Uhr Ortszeit (km 2.594) erreichten wir Alanya, wo unsere Gastgeberin, die uns in den nächsten Tagen quer durch Anatolien herumführen sollte, wohnt. Hier wurde erstmal der fehlende Schlaf nachgeholt.
Nach dem "Frühstück" kümmerte ich mich als allererstes um eine ordentliche Hupe. Es war gerade Bayram und viele Geschäfte hatten geschlossen. Wir fanden aber eine FIAT-(Tofas-)Werkstatt, die auf hatte unddort ließ ich mir die lauteste Hupe vorführen. Für 11.000.000 inklusive Einbau konnte man sie haben.

So sieht es vor der Werkstatt, einige hundert Meter landeinwärts und schon den Blicken der Hotelgäste verborgen, aus.
Der Einbau konnte aber erst am nächsten Tag stattfinden, da der Zuständige unterwegs war. So ist das eben, das ist die Mentalität, aber die entspricht auch der meinigen und der der meisten Bewohner dieses Planeten: "Mach ich's heut' nicht, mach ich's morgen." Etwas weiter im Nordosten würde man sagen "Mach ich's morgen nicht, mach ich's nächste Woche", was dem mitteleurpäischen "Das mach ich irgendwann..." entspräche. Dabei fiel mir ein, daß ich auch noch einen Getränkehalten vom Sprinter in den Benz einbauen wollte. Doch zurück zum Thema, bevor es zu philosophisch wird.
Aus der Hupe würde es heute definitiv nichts mehr werden, ärgerlich, zwar, aber nicht zu ändern. Das schränkt natürlich die Bewegungsfreiheit mächtig ein. Ein Auto ohne Hupe ist einfach nicht verkehrssicher, da kann man sagen, was man will. Also bekam es für den restlichen Tag frei. Das Auto würde an diesem Tag sowieso nicht mehr wirklich benötigt, es standen keine längeren Fahrten an und so erklärte ich mich einverstanden. Wir besichtigten also Alanya, jetzt, wo wir schon einmal da waren.
An der Strandpromenade sah die Geschichte schon anders aus.
Diese Alanya ist ein beliebtes Touristenziel. Von denen waren hier noch nicht viele. Ich habe keinen einzigen gesehen. Das Städle selbst ist nicht besonders häßlich, auch nicht besonders hübsch. Ganz normal, könnte auch im leicht maurisch angehauchten Südspanien stehen, man merkt den Unterschied höchstens daran, daß einem beim Spazierengehen ab und zu irgendein islamischer Vorbeter durch krächtzende Lautsprecher ganz unhöflich was ins Ohr brüllt. So ungefähr dürfte es ein Türke in Deutschland empfinden, wenn die Domkartoffeln um Zehn vor Sechs Nachmittags beginnen zu läuten. Bei den Christen sprechen die Glocken nichts, es macht es nur Lärm, hier versuchen sie zwar, was zu sagen, es macht aber dennoch nur Lärm. Andere Länder andere Sitten. Danach Essenfassen und Zapfenstreich.

Donnerstag, 1. April 1999
Zuerst ließ ich die Hupe einbauen, vorher ging nichts, danach machten wir uns in Richtung Antalya auf. Auf dem Weg dorthin machten wir einige Abstecher nach Manavagat Salesi, Aspendos und Pergamon.

Vor dem Theater von Aspendos... ...und vor den Ruinen des alten Pergamon.
Den restlichen Tag verbrachten wir in Antalya. Auf dem Rückweg schaffte ich es, eine rote Ampel und beinahe auch noch zwei Fußgänger zu überfahren (zumindest muß es für sie so ausgesehen haben). Der Polizist, der an der Kreuzung stand kam auch schon dahergesprungen und ich zerrte schon mal das Geld hervor. Es blieb aber bei einem Small-Talk zwischen ihm und den Mädels, von dem ich leider kein Wort verstand. Schlechten Gewissens, aber mit vollem Geldbeutel setzten wir dann die Fahrt nach Alanya fort, die ohne weitere Zwischenfälle verlief.

Freitag, 2. April 1999
Nun ging es endlich gen Osten. Wir fuhren los mit Tagesziel Nevshehir, wo unsere Gastgeberin Bekannte hatte. Vorher Material- und Brennstoffergänzung in Manavgat. Sehr bequem, weil man nichts zu machen braucht, außer im Auto zu warten. Versteh ja nichts, was soll ich also mitlatschen? Sollte man vielleicht in Deutschland auch anfangen.

Hier begann die Gebirgsstrecke.
Im Gebirge mußte einmal kurz angehalten werden, weil sich die Damen unbedingt eine Schneeballschlacht liefern mußten. Das war sehr unangenehm, weil ich da immer das krankhafte Bedürfnis habe, mitzumachen. Wenn irgendwo geschossen wird, dann nicht ohne mich. Es störte keinen, wenn da drei geistig noch nicht ganz Ausgewachsene sich mitten auf der Straße gegenseitig mit Schnee bewarfen. Verkehr gab es auf der Strecke wenig.
Mitten im Gebirge auf einem hübsch gelegenen Rastplatz. Die Straßen waren nicht besonders gut und wurden auch nicht besser. Nichtsdestotrotz kamen wir zügig voran.
Und langsam kamen wir in eine Gegend, in der es sich für das Weibsvolk nicht ziemt, kurzbehost durch die Gegend zu springen. Es hat sich gefälligst zu verhüllen und ansonsten die Männer zu bedienen. Nicht, daß ich da was dagegen hätte, das Verschleiern dient in vielen Fällen nur dazu, bei den Männern das Augenkrebsrisiko zu senken - kann man ruhig auch in Deutschland einführen - und bedienen lasse ich mich auch gerne, doch auf dem Rastplatz mußte ich aussteigen, um Getränke zu holen. Ja, was? Sind wir hier in der Türkei oder nicht? Ich bin ein Mann, also müßten eigentlich die Weiber springen und mich bedienen und nicht umgekehrt, das ist des Landes nicht der Brauch. Allerdings will man ja auch niemanden provozieren, nicht, daß da so ein Verrückter Allahanbeter seinen islamischen Krummdolch zieht, meine beiden Bedienungenumhackt und mir am Ende dabei gar noch einen Kratzer in den Lack macht, das muß ja nicht sein, also blieben die hübsch brav im Auto und ich ging zum Einkaufen. Am Ende mußte ich sogar nch hinten im Gepäck zwei lange Hosen vorbringen.
Die Landschaft hier ist durchaus mit der mitteleuropäischen Gebirgslandschaft vergleichbar (die Straße nur mit mancher österreichischen Autobahn, mit dem Unterschied, daß hier nicht auch noch gezahlt werden muß). Die Gegend wird nun wieder flacher. Die Straßen wurden zwar immer gerader aber der Belag immer schlechter und auch die Schlaglöcher wurden nicht weniger.
In Sachen schlechte Straßen hatte nun die Türkei den unangefochtenen ersten Rang. Dabei gehe ich natürlich von dem allgemeinen Eindruck aus und nicht danach, ob mal eine wirklich katastrophale Straße da ist. Wenn man drei Viertel der Zeit irgendwelchen Schlaglöchern ausweichen muß oder den Eindruck hat, man würde auf Feldwegen fahren, obwohl es Asphalt ist, dann reicht mir das, um die Aussge zu treffen, daß es sich dabei um schlechte Straßen handelt, ob wissenschaftlich belegbar oder nicht, das interessiert weder mich noch das Auto. Genauso wenig interessieren mich die Gründe, warum das jetzt so ist oder sein muß. Straßen sind die Visitenkarten eines Landes. Ist natürlich gemein, ein Land nach seinen Straßen zu beurteilen, aber was interessiert mich denn in erster Linie? Es sind nun mal die Straßen. Gerade in der Türkei muß ich allerdings sagen, daß sich eine Fahrt hierher trotzdem lohnt, die Landschaft macht einiges wieder wett, die Menschen auch und man darf nicht die Türken, die man von daheim kennt zum Maßstab für die Beurteilung der in ihrem Land gebliebenen machen. Haben beide miteinander nur die Sprache gemeinsam. Es ist hier bei weitem nicht so wie in manch anderen Ländern, daß es hier nichts zu sehen gibt und dann auch noch die Straßen so sch... lecht sind, daß man es sich sparen kann, das Land zu besuchen. Nein, hier liegt es anders, ganz anders.
Bei einem Honigverkäufer. Ab und zu ließ sich auch die Sonne blicken.
Weite Ebenen taten sich auf. Ein bißchen Wüste würde hier auch guttun, aber schlecht ist das auf keinen Fall, hier. Honig wurde leider keiner gekauft, weil angeblich zu teuer. Aber er schmeckt gut. Pappsüß und dann ist da auch noch dieses Wachs dabei auf dem man ewig rumkauen kann und durch die Gegend spucken und so. Am besten ißt man ihn mit diesem Fladenbrot, das man hier überall nachgeworfen bekommt. Der Nachteil - zumindest sehe ich das so - ist der, daß man etwas Eßkultur an den Tag legen muß und ihn am besten nicht an die Finger bekommt, weil sonst alles klebt, was man anlangt. Wahlweise kann man sich von der Beifahrerin füttern lassen, dann kann sie sich mit der Problematik auseinandersetzen, doch mangels Honig erübrigten sich weitere Tests in dieser Richtung.
Das letze Tageslicht. Die Landschaft war bretteben. Im Hintergrund erheben sich Berge.
In Nevsehir angekommen versuchten wir einen Plan aufzustellen, wie es weitergehen sollte. Die Familie, bei der wir untergebracht waren riet uns davon ab, weiter in den Osten vorzustoßen. Es sei eine unruhige Gegend und mit unserem deutschen Kennzeichen würden wir auffallen. Wir spielten mit dem Gedanken nach Siirt weiterzufahren, wo auch wieder Bekannte unserer Gastgeberin zuhause waren. Davon wurde uns wieder abgeraten mit Hinweis auf PKK. Der Vater stammte von dort. Es wäre besser abzuwarten, bis sich die Situation wieder beruhigt hat. Schön, aber in den nächsten Tagen würde das bestimmt nicht der Fall sein. Also streichen. Vielleicht Ankara, vielleicht Schwarzmeerküste, vielleicht, vielleicht... Wir kamen zu keinem Schluß. Fest stand nur, daß am nächsten Tag Kapadokien unter die Räder genommen werden würde.


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