Ein neuer Stern am Himmel(A Star Is Born, USA 1954)Regie: George Cukor * Musical / Drama |
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Esther Blodgett
(Judy Garland) tritt als Sängerin
mit einem Orchester auf einer Hollywood-Gala auf. Der Ehrengast dieser
Veranstaltung, der brilliante, aber dem Alkohol verfallene Schauspieler Norman
Maine
(James Mason), betritt völlig betrunken
die Bühne, als Esther gerade mitten in ihrem Show-Act ist. Es gelingt
ihr jedoch, ihn geschickt in ihre Gesangs- und Tanznummer zu integrieren
und so einen größeren Skandal zu vermeiden. Nach der Show bedankt
sich Norman bei Esther, und macht sich einige Stunden später mitten
in der Nacht wieder auf, um Esther zu suchen. Als er sie in einem Nachtclub
nochmals singen hört, beschließt er, diesem großen Talent
den Sprung ins Filmgeschäft zu ermöglichen und überredet Esther,
nicht mehr mit dem Orchester durch die Staaten zu tingeln, sondern ihm nach
Hollywood zu folgen.
Nachdem Esther sich dort einige Zeit mit Gelegenheitsjobs und als Sängerin
für Werbespots über Wasser gehalten hat, gelingt es Norman, seinen
Studioboss Oliver Niles (Charles Bickford) dazu zu bewegen, Esther die Hauptrolle
in einem großen Musical zu geben.
Unter ihrem neuen
Künstlernamen Vicki Lester erlebt sie einen kometenhaften Aufstieg,
doch je höher ihr Stern steigt, desto dramatischer wird Normans Situation.
Die beiden heiraten, doch ihr Glück wird überschattet von Normans
Rückfall in den Alkoholismus, der schließlich zu seiner Suspendierung
durch das Studio führt. Während Vicki in den nächsten Monaten
bis spät abends im Studio arbeitet, verbringt Norman die Tage alleine
zuhause in der vergeblichen Erwartung neuer Rollenangebote, und verfällt
in tiefe Depressionen. Frustriert von der Gleichgültigkeit der
Öffentlichkeit und seiner falschen Freunde, sorgt er bei der
Oscar-Verleihung, wo Vicki den Preis als beste Schauspielerin gewinnt, für
einen Eklat, als er betrunken auf der Bühne um Arbeit bittet und dabei
seiner Frau versehentlich ins Gesicht schlägt. Daraufhin ist Normans
Laufbahn endgültig zu Ende, und als er nach einem Sanatoriumsaufenthalt
wiederum rückfällig wird, sieht er nur noch einen Ausweg, wenigstens
Vickis Karriere zu retten ...
Nach Normans Tod sitzt Vicki
tagelang verzweifelt in ihrem Haus, doch schließlich läßt
sie sich doch überreden, wie geplant auf einer Gala aufzutreten. Als
sie mit den Worten "Guten Abend. Hier spricht Mrs. Norman Maine" die Bühne
betritt, wird sie mit einer überwältigenden Standing Ovation
begrüßt.
Judy Garlands Darstellung in diesem Film ist die größte One Woman Show, die Hollywood je auf die Leinwand gebracht hat. Die 18minütige Musical-Sequenz "Born In A Trunk", deren Story einige Parallelen zu Judys Leben aufweist, ist ein Highlight ihrer Karriere, genauso wie ihre Interpretation des Songs "The Man That Got Away", der seit diesem Film zum umjubelten Bestandteil ihrer Liveauftritte wurde. Judys Part als Esther ist nicht zuletzt deshalb so berührend, weil ihr Gegenpart James Mason in seiner Rolle als zugrunde gehender Star schlichtweg perfekt agiert.
Judy Garland
wurde am 10.06.1922 in Grand
Rapids (Minnesota) geboren. Neben
Frank Sinatra die klassische amerikanische
Entertainer-Figur des 20. Jahrhunderts, stand
Judy im Alter von 3 Jahren zum erstenmal
auf einer Bühne. 1936 wurde sie von den
MGM-Studios unter Vertrag genommen,
und wurde nur drei Jahre später als Dorothy im klassischen amerikanischen
Märchenfilm "Das zauberhafte Land"
(The Wizard Of Oz, 1939) von Victor Fleming
unsterblich. Hier sang sie erstmals das Lied "Over The Rainbow", das bis
zu ihrem Tod eine Art Leitmotiv für ihr Leben darstellte. Anfang der
Vierziger Jahre wirkte sie an der Seite von
Mickey Rooney in einer Reihe von Musicals
mit. Weitere Musical-Klassiker wie "Heimweh nach St. Louis" (Meet Me In St.
Louis, 1944) und "Der Pirat" (The Pirate, 1948), beide unter der Regie ihres
zweiten Ehemanns Vincente Minnelli, folgten. Zum Ende der Vierziger Jahre
führte der von MGM initiierte ständige Wechsel zwischen
Aufputschmitteln und Schlaftabletten zu einem ersten Selbstmordversuch -
doch
Judy kam mit einer sehr erfolgreichen
Konzerttour durch die USA zurück. Für ihre Rolle in "Ein neuer
Stern am Himmel" wurde sie 1954 für den Oscar als beste Schauspielerin
nominiert, verlor aber unverständlicherweise gegen die viel schwächere
Grace Kelly. Danach war sie nur noch in wenigen dramatischen Filmrollen zu
sehen, so etwa in "Das Urteil von Nürnberg" (Judgment At Nuremberg,
1961) von Stanley Kramer.
Judy war in der ersten Hälfte der
Sechziger Jahre mit weiteren spektakulären
Konzerttourneen in den USA und Europa
unterwegs; das sehr empfehlenswerte Live-Album "Judy At
Carnegie Hall" (1961) ist das Protokoll
eines der großartigsten Konzert-Events des Jahrhunderts. In ihrer eigenen
Personality-TV-Show der Jahre 1963/64
ging die Créme des internationalen Showbusiness ein und aus. Einen
großen Teil der Sechziger Jahre verbrachte
Judy in London, wo sie am 22.06.1969
an den Folgen einer Überdosis Schlaftabletten starb. - Judy Garland
ist die Mutter der Entertainerin
Liza Minnelli (geb. 12.03.1946).
Sehr |
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James Mason
wurde am 15.05.1909 in
Huddersfield (Yorkshire/England) geboren. Der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns
meinte nach seinem Architekturstudium, auf der Bühne sei mehr Geld zu
verdienen als mit dem Entwurf von Häusern und schloß sich einer
Theatergruppe in Dublin an. Mitte der Dreißiger Jahre begann er, in
britischen Filmen zu arbeiten; erst seine international beachtete Darstellung
eines irischen Freiheitskämpfers in "Ausgestoßen" (Odd Man Out,
1947) von Carol Reed erlaubte ihm jedoch den Wechsel nach Hollywood, wo er
in "Gefangen" (Caught, 1949) von Max Ophüls debütierte. Für
seine Darstellung des Norman Maine im hier besprochenen Film wurde
Mason für den Oscar nominiert,
verlor jedoch gegen Marlon Brando in "Die Faust im Nacken". Andere bekannte
Rollen in den Fünfziger Jahren sind seine Auftritte als Brutus in der
Film-Version von Shakespeares "Julius Cäsar" (Julius Caesar, 1953) von
Joseph Mankiewicz, als Kapitän Nemo in der Jules-Verne-Verfilmung "20.000
Meilen unter dem Meer" (20,000 Leagues Under The Sea, 1954) von Richard Fleischer
sowie als zwielichtiger Gegenspieler von
Cary
Grant (der übrigens ursprünglich für die Rolle des Norman
Maine vorgesehen war!) in "Der unsichtbare Dritte" (North By Northwest, 1959)
von
Alfred Hitchcock. Als spätere
herausragende Rollen sind noch sein Professor Humbert in "Lolita" (Lolita,
1962) von Stanley Kubrick, sein alternder Frauenheld in "Georgy Girl" (Georgy
Girl, 1966) und sein Auftritt als skrupelloser Prozeßanwalt in "Die
Wahrheit und nichts als die Wahrheit" (The Verdict, 1982) von Sidney Lumet
zu nennen. James Mason starb am 27.07.1984 in Lausanne (Schweiz).
George Cukor wurde am
07.07.1899 in New York City (New York) geboren. Seit Anfang der Zwanziger
Jahre in der Theaterwelt als Regisseur aktiv, kam er 1929 nach Hollywood.
Dort inszenierte er 1932 mit "Eine Scheidung" (A Bill Of Divorcement, 1932)
das Leinwanddebüt von Katharine Hepburn, die bis 1979 in insgesamt zehn
seiner Filme spielte. 1933 wechselte er zu den MGM-Studios, wo er mit "Vier
Schwestern" (Little Women, 1933), "David Copperfield" (David Copperfield,
1935) "Die Kameliendame" (Camille, 1937) und "Die Frauen" (The Women, 1939)
absolute Klassiker des Films der Dreißiger Jahre in Szene setzte. In
den Vierziger Jahren waren "Die Nacht vor der Hochzeit" (The Philadelphia
Story, 1940), "Das Haus der Lady Alquist" (Gaslight, 1943) und "Ehekrieg"
(Adam's Rib, 1949) seine herausragenden Arbeiten. Cukor arbeitete mit den
größten weiblichen Stars Hollywoods und holte dabei stets
überdurchschnittliche Leistungen aus ihnen heraus, was ihm das Etikett
eines "Woman's Director" einbrachte. Für die Musical-Verfilmung "My
Fair Lady" (My Fair Lady, 1964) mit Audrey Hepburn und Rex Harrison in den
Hauptrollen wurde er mit dem Oscar für die beste Regie ausgezeichnet.
Cukor starb am 24.01.1983.
Norman: Singen Sie immer so?
Esther: Was meinen Sie?
Norman: So, wie Sie eben gesungen haben.
Esther: Warum?
Norman: Ich habe noch nie jemanden so singen hören, wie Sie
eben.
Esther: Wie soll ich das verstehen - gut oder schlecht?
Norman: Waren Sie mal beim Fischfang - oder gehen Sie gerne zum Boxen?
Haben Sie mal einen guten Boxer gesehen?
Esther: äh, ich,
äh ...
Norman: Ich möchte Ihnen nur erklären, wie Sie singen.
Esther: Oh - Sie wollen sagen, wie ein Boxer oder wie ein Fisch ...
Norman: Sehen Sie - es gibt gewisse Freuden im Leben. Es gibt gewisse
Dinge, an denen man Freude hat; die das Leben lebenswert machen. Zum Beispiel,
wenn ein Schwertfisch anbeißt, oder wenn der Meister zu einem
entscheidenden Schlag ansetzt. - Sie verstehen kein Wort von dem, was ich
sage, nicht?
Esther: Nein, noch nicht. Warum versuchen Sie's nicht mit einem
Stierkampf?
Norman: Sie scherzen, aber das ist genau das, was ich meine. Selbst
wenn Sie noch nie einen Stierkampf gesehen haben, erkennen Sie einen guten
Stierkämpfer sofort, wenn er in die Arena tritt. An der ganzen Art -
wie er grüßt, wie er sich bewegt. Oder einen Tänzer. Man
braucht nichts vom Ballett zu verstehen, da wird einem plötzlich da
drinnen klar, daß man etwas Einmaligem begegnet ist. So - so ist er
mir eben mit Ihnen ergangen. Sie sind eine große Künstlerin.
Esther: Wer - ich?
Norman: Hat Ihnen das noch niemand gesagt?
Esther: Nein, Mr. Maine, das hat mir noch niemand gesagt, und ich
glaube, Sie sind doch nicht ganz so nüchtern, wie wir beide gedacht
haben. Trotzdem danke.
(Der Künstlername. - Esther will am Schalter
für den Buchstaben 'B' ihren Lohnstreifen abholen).
Esther: Esther Blodgett, bitte.
Mitarbeiter 1: Schalter 'L'.
Esther: Was??
Mitarbeiter 1: Schalter 'L'.
Esther: Ich heiße Blodgett!
Mitarbeiter 1: Gehen Sie zum Schalter 'L'. Sie werden unter 'L'
geführt.
Esther: ... oh ... danke ... (Sie geht zum anderen Schalter) Esther
Blodgett, bitte.
Mitarbeiter 2: Neu hier?
Esther: Ja.
Mitarbeiter 2: Einen Augenblick ... Stimmt. Sie heißen jetzt
Vicki Lester.
Esther: Hä ??
Mitarbeiter 2: Ihr Name ist Vicki Lester.
Esther: Was?
Mitarbeiter 2: Vicki Lester! (buchstabiert:) L-e-s-t-e-r. Der
Nächste, bitte.
(Nach Normans Tod sitzt Esther alleine in ihrem Haus. Ihr alter Band-Kollege
Danny McGuire will sie zu einem Auftritt abholen)
Esther: Guten Abend, Danny.
Danny: Du bist nicht
angezogen?
Esther: Angezogen?
Danny: Du wirst zu der Wohltätigkeitsveranstaltung im Auditorium
erwartet - Du hast zugesagt.
Esther: Das war ... das war vorher.
Danny: Ja, ich weiß, das war vorher, aber trotzdem: komm, zieh'
Dich an.
Esther: Nein!
Danny: Willst Du hier ewig sitzenbleiben?
Esther: Ja! Ja! - Heute und morgen - solange, wie ich will. Du kannst
Dir Deine Worte sparen. Ich weiß, was Du willst, aber wenn Du wirklich
etwas für mich übrig hast, dann laß' mich allein! Vielen
Dank für Dein Mitgefühl. Ich brauche es nicht, weder von Dir, noch
von sonst jemand.
Danny: Mitgefühl? Von mir hast Du kein Mitgefühl zu erwarten,
mein Kind. Du verdienst es nicht. Du solltest Normans Andenken besser hochhalten,
ja wirklich! Er war ein Trinker und hat sein Leben verpfuscht, aber er hat
Dich geliebt und war stolz auf Dich. Das einzige in seinem Leben, das einen
Sinn gehabt hat, warst Du. Seine Liebe zu Dir und Dein Erfolg - das war es,
was seinem Leben einen Sinn gab. Und er wußte es. Vielleicht war es
unrecht von ihm, was er getan hat - das weiß ich nicht - aber
das wollte er nicht zerstören, das einzige, worauf er stolz war!
Und jetzt tust Du gerade das, wovor er sich gefürchtet hat: Du
vergräbst Dich hier! Sein Opfer hat keinen Sinn gehabt; Du vernichtest
sein Werk. Jetzt ist er wirklich umsonst gestorben!
Esther: ... nein! ...
Danny: Du bist das einzige, was von ihm noch übrigbleibt, und
wenn Du Dich jetzt gehen läßt, ist es, als hätte er nie
existiert. Als hätte es niemals einen Norman Maine gegeben!
(Lange Pause. Esther ist erschüttert.)
Esther: Wartest Du auf mich?
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