Der See                                                     The Lake                                      

from Sulamith by Frithjof Schuon

1

Du, die ich liebe, bist der weite See,
Zu dessen Rand ich früh hinabgestiegen,
Wenn seine Wellen sich im Morgen wiegen
Und leuchten von der fernen Berge Schnee.

Du bist's, an deren Rand ich sinnend steh,
Und nimmer soll Dein Leuchten mir versiegen;
Du sollst in meinem Schauen lächelnd liegen
Und leuchten meiner Lust und meinem Weh.

Du bist das Silberlächen, das die Wände
Der Berge nicht umfassen und begrenzen;
Mein selig Schaun versiegt an keinem Ende.

Doch meine Minne soll Dich fein umkränzen
Und Dich umgürten als ein grün Gelände
Um Deine Wasser, die im Morgen glänzen.

2

Du bist der See, wenn sich der Morgen regt
auf weißen Bergen, und die leichte Weise
Des Windes Deiner Fläche Silberkreise
Im Spiel berührt und wundersam bewegt;
Du bist's die jenes helle Lächeln hegt,
Das morgenschöne, Deinem Herrn zum Preise;            
Und da Du also lächelst, hat sich leise
Der lichte Tag auf Deine Stirn gelegt.

3

Du bist der See
Und bist weit,
Eine selige Fläche,
So weit und tief
Wie die Ewigkeit.

1

Thou, whom I love, art the wide lake,
To whose shore I descended early,
When its waves swayed in the morning
And snow shone from the distant mountains.

Thou art that, on whose edge I stand brooding,
And never shall thy light fail me;
Thou must lie smiling in my view
And light my desire and my woe.

Thou art the silver smile, which the walls
Of the mountains do not contain or confine;
My blessed view does not fail at any end.

But my love must finely garland thee
And gird thee round as a green country
Around thy water that glitters in the morning.

2

Thou art the lake, when the morning rains
On white mountains, and the gentle way
Of the wind of thy surface touches
And wondrously moves silver circles in play;
Thou art that, which those bright smiles preserve,
The morning beauty, to thy Lord's praise;
And there Thou also smilest, the bright day
Has gently lain on thy brow.

3

Thou art the lake
And art wide,
A blessed surface,
So wide and deep
Like eternity.